Muslimische Beteiligung
Montag, 27. Dezember 2004, 16:25
In letzter Zeit melden sich endlich vermehrt Muslime - seien es Privatpersonen oder Organisationen - zu Wort und geben ziemlich offen ihre Stellungnahmen ab. Leider nehmen das die meisten Medien immer noch nicht wahr, aber der Ansatz kann nur als gut bezeichnet werden.Auf der Internetpräsenz des Zentralrats der Muslime (islam.de) ist beispielsweise ein sehr interessanter offener Brief an den evangelischen Bischof Wolfgang Huber zu sehen. Darin wird der Anklage Herrn Hubers den Muslimen und muslimischen Organisationen gegenüber - dass sie sich nicht praktisch auf den Dialog einlassen - wiedersprochen. Der Zentralrat habe bereits seit einem Jahr versucht, Kontakt zu Herrn Huber persöblich herzustellen, der aber anscheinend zu beschäftigt war, um darauf einzugehen. Herr Huber hat nun seine Version der Geschichte (mit Auslassung der Einladung des ZMDs) vor laufender Kamera bei Sabine Christiansen unter die Leute gebracht - dem Zentralrat der Muslime wurde diese Möglichkeit nicht geboten. Immerhin konnte der ZMD dann ihren Brief öffentlich machen, auch wenn es nicht halb so viele erreichen wird.
Auch auf dem Internetportal der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich gibt es ähnliche offene Stellungnahmen, die dem Normalbürger erlauben, “die andere Seite” zu erfahren. Nun sind die österreichischen Muslime uns sicherlich um Meilen voraus, was die allgemeine Anerkennung und Akzeptanz in der Gesellschaft, die Beteiligungswilligkeit der Muslime und die öffentliche Aktivität angeht. Nichtsdestotrotz haben auch sie sicherlich Probleme, was Gegner der freien Religionsausübung angeht. Einer der offenen Briefe der IGGIÖ ist an Herrn Thierse, dem amtierenden deutschen Bundestagspräsidenten gerichtet und dort geht es um das Kopftuchverbot, das in Deutschland in einigen Bundesländern eingeführt wurde. Eine sehr interessante Lektüre, die dort geboten wird, nicht zuletzt weil der Brief auf einer kulturellen Ebene besticht.
Ich glaube, dass das der richtige Weg ist. Es muss verstärkt dem Ottonormalbürger bewusst werden, dass Muslime Menschen sind - so wie er - , die sich auch zu ihren Problemen äussern können und bereit sind mitzureden. Deutsche Muslime sollten sich ein Beispiel an den britischen, österreichischen oder anderen europäischen oder gar amerikanischen Muslimen nehmen, die ein Stückchen weiter sind.
Omar
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