Deutsche Sprache - einzige Sprache!
Dienstag, 24. Januar 2006, 02:55
Schwerdtfeger berichtet von der Verordnung an einer Berliner Realschule, nach der Schülern verboten werden soll, untereinander mit einer anderen als der deutschen Sprache sich zu unterhalten.
In meiner Familie sprechen wir fast durchgängig drei Sprachen - Deutsch, Englisch und Arabisch - und das beliebig durcheinander! Als wir nach Deutschland eingereist sind, konnten wir natürlich kein Stück Deutsch und meine Eltern haben - nachdem sie es geschafft hatten, uns an einer Schule anzumelden - darauf bestanden weiterhin auf Arabisch (und Englisch) mit uns zu kommunizieren, damit uns keine der Sprachen abhanden kommt. Deutsch haben wir an der Schule, auf der Strasse, beim Fussball oder vom Fernsehen gelernt. Auch wenn das nicht die Absicht meiner Eltern war, so hat diese Vorgehensweise auch den guten Nebeneffekt gehabt, dass wir durchweg einen nur schwer zu bemerkenden Akzent aufweisen. Meiner Meinung nach hängt das mit zwei Faktoren zusammen:
- Der Aufenthalt in Schleswig-Holstein (relativ gute Sprache, trotz des Buchstaben-Verschluckens)
- Die Aufnahme der deutschen Sprache von Deutschen und nicht von “Mit-Ausländern”
Insofern ist die Forderung, dass ausländische Kinder miteinander oder mit ihren Eltern auf Deutsch sprechen sollen, meiner Erfahrung nach völliger Humbug oder reiner Populismus.
Erst kürzlich hat Dr. Sabine Schiffer einen Aufsatz veröffentlicht, in dem sie den Aspekt der “mehrsprachigen Erziehung” behandelt. Ich warte noch darauf, dass der Text auf den Seiten des Instituts für Medienverantwortung erscheint, damit ich ihn verlinken kann, aber hier ein kleiner Vorgeschmack:
In binationalen Partnerschaften hat es sich bewährt, wenn ein Elternteil konsequent die eine Sprache spricht, das andere Elternteil die andere.
[...]
Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass kleine Kinder bis zum Schulalter nicht mit großen Pausen lernen können. Schon ein Abstand von einer Woche reduziert enorm die Erinnerungsleistungen des Kindes. Darum ist es sinnvoll, jeden Tag für ein paar Impulse in der zweiten Sprache zu sorgen - eine Viertelstunde kann da schon ausreichen, damit ein gewisses Sprachniveau erlangt und erhalten wird, das es dem Kind ermöglicht, weiterhin an den Unterhaltungen in dieser Sprache teilzunehmen. Als Idealfall kann auch folgende Situation gelten: „eine Sprache drinnen – eine draußen“. Dies wäre ideal für Migrantenfamilien, die in einer fremden Sprachumgebung wohnen. Dann kann man getrost zu Hause die Familiensprache sprechen, draußen erwerben die Kinder die Sprache der Umgebung.
Ich bin voll und ganz davon überzeugt, dass Kinder eine ordentliche Sprache vonnöten haben, um sich Erfolgschancen offenzuhalten, allerdings ist ein Verbot einer anderen Sprache kontraproduktiv! Die “ordentliche Sprache” bezieht sich im Übrigen nicht nur auf Ausländerkinder. Wenn man sich Schulkinder - gleich welcher Herkunft - in öffentlichen Verkehrsmittel anhört, so kann man manchmal in Zweifel über die verwendete Sprache kommen.
Category: Inland, Persönlich
Tags: Bananenrepublik, Bildung, Inland, parallelgesellschaft, Persönlich, Sprache
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Trackback von Metalust & Subdiskurse
Made Dienstag, 24 of Januar , 2006 at 08:55
Eine Frage der Identität…
Seltsam: Man müht sich doch so offensiv um Weltoffenheit hierzulande, feiert Globalisierung und freie, internationale Märkte. Wie ein Schatten begleitet dieses Gerede die zwangweise Verordnung von Identität - an einer Berliner Realschule darf ab jetzt …
Kommentar von Elias Schwerdtfeger
Made Dienstag, 24 of Januar , 2006 at 20:09
Ach, wenn ich daran denke, wie gut das Deutsch von so manchem gebildeten Türken ist, der selbstverständlich zweisprachig aufgewachsen ist! Und wenn ich das mit dem Deutsch einiger Deutscher vergleiche: Aua!
Ich habe mal festgestellt, dass Sprache sich vor allem dort auf einem hohen Niveau der Mitteilung entwickelt, wo man sich eben untereinander sprachlich mitteilt. Und verstümmelte, schlechte oder auf infantilem Niveau verbleibende Sprache entsteht vor allem dort, wo ständig ein Fernseher läuft, der die Kontinuität der Wirklichkeit in lauter buntschillernde Bröckchen zerschlägt. Aber hier herrscht seltsame Ruhe unter den Pädagogen, obwohl diesen Zusammenhang jeder sieht, der Augen zum Sehen hat.
Da stellen die lieber einen ihrer Vertreter hin und verlautbaren Forderungen, die vor noch gar nicht so langer Zeit nur von DVU und NPD kommen konnten.
Aber es kommt ja noch schlimmer. In den Niederlanden will Rita Verdonk das Sprechen fremder Sprachen in der Öffentlichkeit ganz unterdrücken. Aber natürlich nicht für die als Touristen auch durchaus erwünschten Europäer, sondern nur für die Türken, Marokkaner und Surinamnesen - da weiß man, worin gezielt wird.
Quelle (eine unter vielen): http://onnachrichten.t-online.de/c/67/74/51/6774518.html
Dabei waren die meisten Niederländer mal richtig weltoffen, und das ist auch noch gar nicht so lange her. (Okay, in Nordholland wurde ich auch des Öfteren als Nazi beschimpft - aber selbst das wirkte verhältnismäßig harmlos…)
Kommentar von sascha
Made Mittwoch, 25 of Januar , 2006 at 13:02
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Initiative für die Aufnahme der Regelung in die Hausordnung, dass auf dem Schulgelände nur Deutsch gesprochen werden darf, von der Elternschaft, deren Vorsitzender im Übrigen einen türiksch klingenden Namen hat, ausging.
Kommentar von Omar Abo-Namous
Made Mittwoch, 25 of Januar , 2006 at 18:33
@sascha: Und? Können Türken nicht auch verrückt sein und/oder verrückte Ideen haben?
Kommentar von sascha
Made Mittwoch, 25 of Januar , 2006 at 21:14
Nö, das steht dort aber auch nicht. Es ist bloss eine ergänzende Information zum Thema, vollkommen wertfrei, da ich mir selbst auch noch kein Urteil gebildet habe.
Trackback von Dialog International
Made Samstag, 28 of Januar , 2006 at 16:40
Islam Update…
The citizenship test that is being used in Baden-Wurttemburg to screen out undesirable Muslims caught the attention this week of Boston Globe columnist H.D.S Greenway:The Baden-Wurttemberg questionnaire flap is emblematic of a European-wide, post-9/11 …
Kommentar von Niels
Made Mittwoch, 8 of Februar , 2006 at 13:59
Ich finde, wenn in einem demokratischem Prozess die Entscheidung getroffen wird auf dem Schulhof Deutsch zu sprechen sollte man das respektieren. Wobei ich die Entscheidung aufgrund von Erfahrungen die ich an meiner ehemaligen Schule gemacht habe begrüße. War übrigens auch in Schleswig-Holstein.
Grüße Niels
Kommentar von David
Made Mittwoch, 1 of März , 2006 at 06:24
Ich habe dazu bereits meine unwürdige Meinung geäußert. Ist ja auch schon etwas her.
