Indymedia stellt Leuten auf der Strasse die Gesinnungsfragen
Auf Indymedia.org wird ein Video zum Download angeboten, in dem deutschen Passanten in einer Innenstadt die Einbürgerungsfragen der badenwürttembergischen Landesregierung gestellt werden. Für den ein oder anderen von uns werden die Antworten unerwartet sein:
Dem ersten Paar, dem die zweite Frage gestellt wird (”Demokratie ist die schlechteste Regierungsform, die wir haben, aber die beste, die es gibt…”), kann damit nichts anfangen und der Mann erwidert “Es passt gar nicht zusammen.” Ein weiterer Befragter antwortet mit
Ich würde sagen, der Kommunismus ist das Beste.
Auch der dritte Befragte zu dieser Frage scheint nicht so viel mit der Frage anfangen zu können, immerhin, eine Diktatur wünscht er sich nicht! Die besten Fragen folgen aber noch: Wie reagiert der Normaldeutsche, wenn sich sein Sohn als homosexuell outet? Die Antworten hierauf reichen von “überrascht” oder “geschockt” über “gut, sind auch Menschen” bis nach “homosexuelle [sind] krankhaft” bzw. “halte von der Homosexualität überhaupt nichts” und “müsste eigentlich in der Verfassung veboten werden!”.
Eine Somalierin erhält einen Job, für den man sich auch beworben hat, das ist für das erste Paar nicht schlimm, für den zweiten Befragten scheint klar zu sein, dass der Ausländer (oder Schwarzafrikaner?) offensichtlich für weniger Geld mehr arbeitet, deshalb ist er enttäuscht.. Die dritte Befragte ist nicht ausländerfeindlich, aber sie weiss nicht, wie sie reagieren würde.
“Halten Sie Kritik an einer Religion für zulässig?”
Die Antwort 1 lautet “Welche Religion? Worauf kommt’s jetzt an?” Offenbar macht es eben einen Unterschied, welche Religion man gerade kritisieren möchte. Wenn der Name dieser Religion mit “Is” anfängt und mit “lam” aufhört und nicht mehr Buchstaben enthält, dann müsste es ja eigentlich zulässig sein… Gleich darauf spricht der Befragte über Terrorismus (und “weiss-der-Geier”), Der zweite versucht sich halb-akademisch mit
Das kommt drauf an: wenn die Religion Religion bleibt ist das in Ordnung, aber wenn sie sich einmischt in Politik oder Wirtschaft, dann ist es schlecht!
Meint er damit die Tatsache, dass die beiden Kirchen (u.a.) regelmässig zu Anhörungen in die Landtage und in den Bundestag eingeladen werden, wenn es um gesellschaftspolitische und “ethische” (aber auch rein politische oder wirtschaftliche) Fragen geht??
Dritter Antwortende betont die Religionsfreiheit, aber führt aus, dass keine Religion der anderen Religion vorschreiben darf, wie die Gläubigen Letzterer ihre Religion auszuleben haben. Auch hier muss man sich fragen, ob es auf die Versuche von staatlicher und kirchlicher Seite abzielt, einen “europäischen Islam” zu forcieren. Oder beispielsweise die prophezeite “Lex Islam” von Herrn Raddatz, die bei einigen Politikern auf Zustimmung gestossen ist.
Trotz der vielen Antworten, die als verfassungsfeindlich interprettiert werden können, scheint keiner wirklich damit ein Problem zu haben. Einer der Befragten (dessen vorherige Antworten wir nicht zu hören bekamen), fordert, dass alle Deutschen ihre Gesinnung freiwillig überprüfen:
Ich sag mal so, also ich denk mal, [es] sollte sich auch jeder Deutsche fragen, welcher Gesinnung er so ist und ob er halt in dieser Demokratie, in der wir leben halt - ja, sich irgendwo auch einfügt.
Wem das auch komisch vorkommt, dass sich die Bürger einer Demokratie in eine vorgeschriebene Gesinnung einzufügen haben, der muss sich offenbar auch eine andere Staatsform überlegen, möglicherweise eine, wo der Bürger gleichberechtigt ein Wort mitreden kann. Diese Staatsform können wir dann einfach Demokratie nennen, kommt ja vom Demos, dem Volk…
Das Video findet man hier:
Video: Müssen Deutsche ausgebürgert werden?
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Comments
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By Jan, 19. Januar 2006 @ 22:14
Hallo!
Du zitierst falsch: ”Demokratie ist die schlechteste Regierungsform, die wir haben, aber die schlechteste, die es gibt…” heißt richtig ”Demokratie ist die schlechteste Regierungsform, die wir haben, aber die beste, die es gibt…”
Gruß.
By Omar Abo-Namous, 19. Januar 2006 @ 22:44
Hi Jan,
möglich, dass das ein freudscher Versprecher ist, aber ich änder das lieber gleich, bevor ich noch ausgebürgert werde…
Grus in den Norden.
Omar