Presse und die Wirklichkeit
Allen Lesern möchte ich einen tollen Artikel von Ignaz Wrobel (alias Kurt Tucholsky) in der taz unter der Überschrift Presse und Realität empfehlen. Darin beschreibt er u.a. den Unterschied zwischen der Realität und dem, was wir in den Zeitungen lesen.
Es gibt in diesem Artikel so viele Rosinen, da weiss man nicht, welche man rauspicken sollte. Am liebsten würde ich den ganzen Artikel hier wiedergeben, aber das würde zuweit gehen..
Der Redakteur bekommt mit der Zeit den Größenwahn. Besonders der beschränkte, der nicht sieht, daß er nur Handwerkszeug Größerer, hinter ihm Stehender ist. Er hat im Laufe der Jahre gelernt, daß das, was er nicht drucken läßt, für Hunderttausende nicht existiert - daß das, was er den Leuten mit der Papageientaktik in die Köpfe lärmt, für sie im Mittelpunkt der Erde steht. Er wird also immer mehr auf die Wirkung als auf die Wirklichkeit sehen.
Der Leser vertraut der Presse blind, weil ihn seine Zeitung ja nicht über sein eigenes Wesen aufklärt und weil eine andre Einwirkung auf die Öffentlichkeit gegen die Presse nur sehr, sehr schwer ist. Die Wirkung auf den Leser wird in fast allen Fällen die gewünschte sein. Das Korrektiv mehrerer Zeitungen leisten sich außer den Fachleuten nur wenig Menschen - und so entsteht ein Weltbild, wie es entstehen soll, nicht, wie es ist.
Gehen. Lesen! [via pickings.de]
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