(Keine) Razzia in Moschee

In der Hannoverschen Allgemeine Zeitung vom Samstag, den 10.12.2005 fand sich ein Artikel mit der Überschrift “Razzia in Moschee” und dem Untertitel “LKA: ‘Druck aufbauen’”. Darin heisst es:

Im Kampf gegen den islamistischen Terror hat das Landeskriminalamt am Freitagmittag eine Moschee in der Asternstraße durchsucht. Am Freitag wurden zwar noch keine Ergebnisse bekannt gegeben - aber in der Moschee in der Nordstadt soll nichts Auffälliges gefunden worden sein.

Da ich mich für den Grund interessierte, warum eine solche Durchsuchung überhaupt stattgefunden hat, habe ich mich direkt in der Moschee in der Asternstraße erkundigt. Die Antwort war höchst erstaunlich: Es fand keine Durchsuchung statt!

Tatsächlich sagten mir die Moscheebesucher hat die Polizei eine Personenkontrolle an der Einmündung der Asternstraße in den Engelbosteler Damm durchgeführt (etwa 100 m von der Moschee entfernt, aber am Weg, den Moscheebesucher einschlagen würden, wenn sie nach dem Freitagsgebet in Richtung U-Bahn sich aufmachen). Nun besteht zwischen einer Personenkontrolle und einer Durchsuchung ein derart grosser Unterschied, dass dieser Fehler nicht als Kleinigkeit abgetan werden kann. Bei einer Durchsuchung muss ein Verdachstsmoment vorliegen, damit die Polizei ein Durchsuchungsbefehl bekommt - die Personenkontrollen werden in Niedersachsen im Rahmen der sog. verdachtsunabhängigen Kontrollen durchgeführt. Die Menschen also, die kontrolliert werden sind ausdrücklich und laut Gesetz (und nicht zuletzt Verfassung) unschuldig - auch wenn das nicht so aussieht!

Der Grund, warum ich nicht schon am Montag diesen Eintrag getätigt habe ist der, dass ich mich noch beim Redakteur des Artikels erkundigen wollte, woher er die Information hat und ihm die Möglichkeit geben, die “Nachricht” richtigzustellen. Herr Hauschke von der Hannoverschen Allgemeine (Lokales) konnte mich denn auch heute sprechen. Die Nachricht habe er aus einer Pressemitteilung des Landeskriminalamts Niedersachsen. Außerdem sei ein Fotograf der Hannoverschen Allgemeine zugegen gewesen, aber nicht bei der Durchsuchung, sondern nur bei Kontrollen, die vor der Moschee stattfanden. Als ich ihm sagte, dass die Moschee in der Asternstrasse nicht durchsucht wurde, antwortete er, dass die Geschichte schon “längst” vorüber sei und dass er ja im Nebensatz erwähnt hatte, dass nichts gefunden wurde.

Ich habe außerdem mit dem Presseamt des Landeskriminalamts gesprochen, der diese Pressemitteilung herausgegeben hat. Diese konnten mir bestätigen, dass eine Moscheedurchsuchung in der Asternstraße nicht stattgefunden hat. In der Pressemitteilung tauchte die Straße noch nicht einmal auf, da prinzipiell in den Pressemitteilungen des Landeskriminalamts keine Straßennamen auftauchten, so mein Ansprechpartner. Sie sind aber nicht bereit eine Gegendarstellung bei der HAZ zu erwirken. Damit stehen der Moschee in der Asternstraße nicht sehr viele Möglichkeiten offen, das ihnen auferlegte Bild loszuwerden. Sie wurden gebrandmarkt und kommen so leicht nicht wieder raus.

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