Die Zukunft ist deprimierend (Niedersachsen)
Heute hat der niedersächsische Landtag die Einführung von Studiengebühren von - vorerst - 500 € beschlossen. Gleichzeitig wurde ein sogenannter Zukunftsvertrages für die niedersächsischen Hochschulen beschlossen, der laut niedersächsischem Minister für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann den Universitäten eine Planungssicherheit geben soll.
Stratmann weiter:
Die Beiträge werden zweckgebunden für eine gezielte Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt.
[...]
Wir haben sichergestellt, dass der Beitrag der Studierenden ausschließlich der Lehre zugute kommt und so die Studienbedingungen an niedersächsischen Hochschulen entscheidend verbessert
Allerdings muss man sich über eines im Klaren sein: Den Universitäten kommt kein zusätzliches Geld zugute! Vielmehr zieht sich das Land aus der Finanzierung der Universitäten langsam aber sicher zurück. Offensichtlich glaubt die Regierung, dass Bildung kein sehr lukratives Geschäft ist…
Herr Stratmann hat ausserdem dafür gesorgt, dass Studenten, die keine 500 € pro Semester auf den Tisch legen können, trotzdem studieren können: Durch ein Darlehen wird das erreicht, das nach Beendigung des Studiums fällig wird - mitsamt Zinsen. Damit die Schulden der angehenden Absolventen nicht ins Unermessliche steigen, hat der Minister dafür gesorgt, dass die Zinsen gedeckelt werden - bei 9 % ! Die Deckelung, sowie der zusätzliche Verwaltungsaufwand werden von den 500 € gezahlt. Welche zusätzlichen Ausgaben hinzukommen, bevor das Geld tatsächlich bei der Hochschule ankommt, bleibt abzuwarten.
Lustig ist, dass die niedersächsische Regierung das Ganze als Erfolg verkaufen will. Dass das nicht alle so sehen, sollte klar sein:
Studiengebühren vom Landtag beschlossen:
„Auch am Tag der Verabschiedung des Studiengebühren-Gesetzes ist weiter offen, ob die Hochschulen mit den zusätzlichen Einnahmen die Studienbedingungen grundsätzlich verbessern können“, sagte heute die wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Dr. Gabriele Andretta. „Das ist aber die für Studierende und Hochschulen entscheidende Frage.“
Aber auch der “Zukunftsvertrag” sei seinen Namen nicht wert, denn er blende konsequent den so genannten Studentenberg aus, der in wenigen Jahren wegen steigender Abiturientenzahlen und des doppelten Abiturjahrgangs auf die Hochschulen zukommt. Ohne zusätzliche Mittel könnten die vielen Studierwilligen aber nicht versorgt werden, denn die Hochschulen platzen heute schon aus allen Nähten.
Studis-Online - “500 Euro” und “Niedersachsen hat Studiengebühren eingeführt”:
Die Szenarien der erwähnten FIBS-Studie, bei denen von Rückzahlungsdauern von weit über 25 Jahre die Rede war, können durch die Schuldenbegrenzung daher real nicht zustande kommen. Allerdings müsste in all diesen Fällen der Fonds einspringen, den die Hochschulen selbst aus den Gebühren zu bestücken haben.
Kurz gesagt, bedeutet das einfach ein Verschieben von Lasten in die Zukunft. Insbesondere, wenn die Zinsen stärker steigen sollten, würde ein Großteil der Studiengebühren für die Zinsen und Ausfälle aufgebraucht. Logische Folgerung: Erhöhung der Gebühren …
Nebenbei: Auf dem Internetauftritt der niedersächsischen FDP-Fraktion gibt es ein schönes “Ein Huhn geht über die Straße”-Applikation, in der einige Parlametarier sich zu Wort melden zum Thema “Huhn und Straße”. Uwe Schünemann (Landesminister für Inneres und Sport):
Das muss man doch beachten. Solche frei herumlaufenden Hühner sind ein Sicherheitsrisiko. Bevor solche Hühner einfach so über die Straßen in Niedersachsen laufen dürfen, sollten wir erst mal ihre biometrischen Daten aufnehmen und abgleichen.
definitiv anschauenswert!
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