Niedersachsens Studiengebühren
Voller Stolz verkündet heute das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dass in Niedersachsen als erstem Bundesland ein Gesetz zur Erhebung von Studiengebühren im Landtag verabschiedet wird.
Niedersachsen wird am kommenden Freitag (9. 12.) bundesweit als erstes Land die gesetzlichen Regelungen für die Erhebung von allgemeinen Studienbeiträgen beschließen. Auch die gleichzeitige Zustimmung des Landtags zu einem Zukunftsvertrag, mit dem die Zusage eingelöst wird, den Hochschulen die Einnahmen aus Studienbeiträgen als zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen, ist in Deutschland einzigartig.
Damit verwehrt man sozial schwächeren de facto die höhere Bildung und gibt der Verschuldung von Studenten sowie Absolventen freien Lauf. Ein angehender Maschinenbaustudent, der 10 Semester Mindeststudienzeit vor sich sieht, muss sich ernsthaft überlegen, ob es sich für ihn lohnt, mit 5.000 € Schulden (plus Zinsen und Zinseszinsen) in den Arbeitsmarkt zu gehen. Wenn er ausserdem das Bedürfnis verspüren sollte, täglich drei Mahlzeiten zu sich zu nehmen, dann muss er mit mehr Schulden rechnen.
Alternativ kann er teilzeit arbeiten, worunter natürlich sein Studium leiden wird, was die Studienzeit verlängern und seine Ausgaben steigern wird. Natürlich werden ausserdem die Studiengebühren, die derzeit bei 500 €/Semester festgelegt sind, früher oder später steigen, was dazu führen könnte, dass einige Studenten das weitere Studium nicht finanzieren können, ihre alten Schulden aber immer noch abbezahlen müssen!
Was mit den Gebühren erreicht werden will, kann ich mir nicht erklären. Vor einigen Semestern (waren es nur zwei?) wurde an der Uni-Hannover das Modell der Langzeitstudiengebühren eingeführt. Damals haben Studentenvertretungen gewarnt, dass aus Langzeitstudiengebühren schnell Studiengebühren werden können. Die hohe Politik hat dies als Angstmache und Paranoia abgetan. Aber zumindest hatten Langzeitstudiengebühren einen Sinn, indem sie jeden Studenten ermutigten, sein Studium so schnell wie möglich zu beenden. Wenn aber Studenten dazu missbraucht werden, Haushaltslöcher zu stopfen, dann sollte die Regierung so ehrlich sein, zuzugeben, dass sie ihren Bildungsauftrag nicht erfüllen kann!
In der Zwischenzeit ist die Quote der Studienanfänger im Altersjahrgang weiter zurückgegangen.
Die Studienanfängerquote unter den Schulabsolventen ist 2005 auf 36,7 Prozent zurückgegangen. 2003 lag diese noch bei 38,9 Prozent. “Deutschland hat sich damit von dem Ziel, dass mindestens 40 Prozent eines Altersjahrganges ein Studium aufnehmen, wieder weiter entfernt”, kritisiert Rauhut.
In ähnlicher Angelegenheit: Wie die HAZ berichtet wird in Goslar eine türkisch-finanzierte Privat-Uni geplant. Studiengebühren liegen da bei schlappen 3000 € im Semester - da kommen wir auch noch ran, lass uns nur ein/zwei Jahre!
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