Ein mörderischer Freitagmorgen in Kabul

Dieser Bericht ging heute morgen von Belal El-Mogaddedi aus Kabul, Afghanistan ein.

Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?

Heute morgen bin ich gegen 06 Uhr 30 durch eine gewaltige Explosion, deren Druckwelle die Fensterscheiben meines Schlafzimmers in Tausend Stücke zerbrechen liess, aus dem Schlaf gerissen worden. Wie sich kurze Zeit später bestätigt, handelt es sich bei der Explosion nicht, wie zunächst von mir vermutet, um eine Boden-Boden Rakete, sondern um eine Autobombe, die 200 Meter von meinem Aufenthaltsort im Kabuler Stadtteil Schar-i-Nau gezündet worden ist. Anschlagsziel ist das beliebte Kabuler Einkaufszentrum “Safi Landmark” gewesen, in dem sich neben zahlreichen Boutiquen und Restaurants, im obersten Stockwerk ein, auch von Ausländern gern aufgesuchtes Hotel befindet, das dem Besucher eine wundervolle Aussicht auf die Hauptstadt Afghanistans bietet.

Die grüne Glasfassade des Gebäudes ist massiv beschädigt, und die vielen kleinen Läden im näheren Umkreis sind in starke Mitleidenschaft gezogen worden.

Nach ersten Informationen sind heute morgen zwei Fahrzeuge in die Kreuzung vor dem “Safi Landmark” eingefahren. Die Insassen der Fahrzeuge tragen Polizeiuniformen und geben vor, auf Patrouille zu sein. Aus diesem Grund lassen die an jeder großen Kabuler Kreuzung positionierten Beamte, sie bis vor den Haupteingang des Gebäudes vorfahren. Dort steigen mehrere Personen aus und erschiessen die vor dem Gebäudeeingang stehenden, vollkommen überraschten, privaten Wachmänner. Während die Polizei an der Kreuzung das Feuer auf die Angreifer eröffnet, wird das zweite Fahrzeug vor einem weiteren Eingang des Gebäudes zur Explosion gebracht. Die wuchtige Explosion lenkt die Aufmerksamkeit der Sicherheitskraefte für wenige Momente von den Angreifern ab, so dass die Bewaffneten in das Gebäudeinnere eindringen könenn, und ihr mörderisches Treiben fortsetzen. Nach ersten Angaben hat es mindestens zehn Tote gegeben, aber es ist anzunehmen, dass dieser Angriff mehr Menschen das Leben gekostet hat. Der ersten Explosion folgen mehrere kleine Explosionen und heftige Feuergefechte mit schweren und leichten Feuerwaffen in den Seitenstraßen, Auseinandersetzungen, die sich zum Teil direkt vor meiner Haustür abspielen.

Gegen 08 Uhr 30 ereignet sich noch einmal eine schwere Explosion, ob es sich dabei um eine weitere Autobombe handelt, ist immer noch nicht bekannt. Seit 10 Uhr 00 herrscht Ruhe, die Schüsse sind verstummt, wie auch die Sirenen der Rettungswagen; jetzt, nach über zwei Stunden können keine Menschen mehr gerettet werden, die Zeit der Leichenwagen is gekommen. Kabul ist still, totenstill.

Der Stadtbezirk ist abgeriegelt, fuer den privaten Verkehr blockiert, die afghanischen und internationalen Fernsehsender zeigen die ersten Bilder vom Anschlagsort. Menschen stehen auf den Strassen vor dem Anschlagsort, ihre Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, einige weinen. An Gewalt, Mord und Tod kann sich niemand gewöhnen, will sich niemand gewöhnen.

Ich höre wie in den umliegenden Gebäuden die Glassplitter zusammengekehrt werden, und wie sie klirrend in Metalleimer fallen; die ersten Aufräumarbeiten haben begonnen. Die Sachschäden können behoben warden, aber heute werden aus vielen afghanischen Haushalten Klagegesänge ertönen, tränenerstickte Stimmen zu hören sein, Kinder um ihre Väter, Frauen um ihre Ehemänner, Eltern um ihre Söhne trauern, und Angehörige in den kärglich ausgestatteten Krankenhäusern am Krankenbett um das Leben ihrer Lieben bangen.

Heute ist der Geburtstag des Propheten des Islam, Mohammad. In einigen Ländern der muslimischen Welt wird dieser Tag, der keinem religiösen Ritus entspricht, aber sich als eine Tradition in die Lokalkultur eingebürgert hat, mit Rezitationen aus dem Quran und besonderen Armenspeisungen gefeiert. Gestern hat die private afghanische Fernsehstation “Ariana” den bekannten Film “The Message” gezeigt, in dem in wunderbarer Weise der Beginn und die befreiende Entfaltung des Islam nachgezeichnet wird, ein filmisches Kunstwerk, ein Plädoyer für den Islam, produziert in den 1970iger Jahren von Moustapha Akkad, der vor wenigen Jahren selbst bei einem Terroranschlag in Jordanien gestorben ist. Dieser Film bewegt mich immer wieder, auch wenn ich ihn schon unzählige Male gesehen habe, zeigt er doch die vom Propheten gelebte beispielhafte Praxis des Islam auf, geprägt von Barmherzigkeit, Vergebung, Edelmut, Tugendhaftigkeit, Aufrichtigkeit und vor allem Gerechtigkeit. Die Nachrichtensender lassen verlauten, dass der Sprecher der Taliban Zabiullah Mujahid die Verantwortung für den morgendlichen mörderischen Anschlag übernommen hat. Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?

Durch mein glasloses Fenster überhöre ich ein kurzes Gespräch zwischen zwei Sicherheitsbeamten, die gemeinsam die Scherben der Fensterscheiben ihres kleinen Zimmers, unweit von meiner Wohnung gelegen, aufsammeln:” Gott sei es gedankt, dass wir zum Morgengebet wach geworden sind und nicht im Zimmer waren, als die Scheiben zerbarsten, sonst wären wir wohl nicht heil davon gekommen. Alhamdulillah!” Die Menschen halten unbeirrbar an ihrer Religion fest; sie wissen, dass Terrorismus von den Lehren des Islam nicht abgeleitet werden kann. Ihre Religion hat nichts mit der Überzeugung einiger weniger Verblendeter zu tun; dies gibt Hoffnung auf ein bessere Zukunft, wie auch der Ruf des Muezzin in der Moschee nebenan, der die gläubigen Muslime gerade zur Teilnahme am Freitagsgebet aufruft. Viele werden auch heute dem Ruf folgen, trotz der nassen Kälte, trotz der aufgweichten Zufahrtswege, trotz eines mördersichen Fanatismus, der heute morgen wieder einmal seine hässliche Fratze gezeigt hat. Die Menschen dieser Stadt, dieses seit 30 Jahren von Invasion, Krieg und Besatzung geschundenen Landes geben ihre Hoffung auf eine bessere Zukunft nicht auf.

P.S.: Ich gehe in den Garten meines Hauses und entdecke in einem Blumenbeet ein fast künstlerisch anmutendes Stück Metall. Bei näherer Betrachtung stelle ich fest, dass es sich um ein Stück des Autos handelt, das heute Morgen unweit von meiner Wohnung explodiert ist. Ausdruck der Kunst des sinnlosen Töten!

Vor zwei Tagen sind 29 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder bei einem Angriff durch Natoflugzeuge in der Provinz Uruzgan ermordet worden, von diesem Anschlagsort habe ich keine Bilder gesehen. Dort hat die hochmoderne Technik feige gewütet. Sinnlos ist auch diese Kriegskunst gewesen, wie so vieles in diesem schmutzigen und unehrlichen Krieg am Hindukusch.

M.Belal El-Mogaddedi, Kabul-Afghanistan

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Comments

  • By Peter, 26. Februar 2010 @ 20:24

    “der grossartigen Botschaft des Islam”

    Die war gleich noch? Ach, ja: “Wer nicht glaubt, was im Koran steht, wird im Jenseits zu den Verlieren gehören!” Passt eigentlich ganz gut zum Anschlag.

  • By Mariam, 27. Februar 2010 @ 20:12

    Ich finde dass der Autor zu weit geht. Er schert alle Mudschahidin über einen Kamm. Gut, Unschuldige töten ist haram und das ist nicht nachzuvollziehen.

    Aber die meisten von ihnen bekämpfen die Besatzer, die einen souveränen, islamischen Staat zerschlagen haben und Tod und Leid über die Bevölkerung bringen.
    Es passte ihnen nicht dass ein Staat existiert, in dem voll und ganz nach Qur´an und Sunnah regiert wurde, den ewigen Richtlinien für alle Menschen überall.
    Sorry, da hätte er differenzieren müssen, es gibt einen gerechten Verteidigungskampf in Afghanistan

  • By Meryem, 28. Februar 2010 @ 03:39

    Salam aleikum,
    also zu behaupten, dass Afghanistan ein islamischer Staat gewesen sei, der nach Quran und Sunnah regiert wurde, ist ja wohl auch abseits der Realität.
    Wann soll denn das gewesen sein? Sicher nicht unter den Taliban, die verhinderten, dass Frauen in Krankenhäusern behandelt wurden und Mädchenschulen bombardierten.

    Womit ich mich nicht für die Besatzung aussprechen, die ohne Zweifel illegitim ist. Nur leider hat es in Afghanistan schon seit -zig Jahren keine Stabilität gegeben, weil sich ständig das Ausland einmischt. Die Taliban sind ja schließlich auch ein Produkt der Amerikaner. Und gemeinsam mit den anderen Besatzungsmächten beschützt unsere Bundeswehr den Drogenanbau, na toll.

    Wer jetzt wirklich Widerstand leistet mit dem Ziel eines souveränen Staates in der Form, wie die Bürger es wünschen, das ist jedenfalls für mich nicht nachvollziehbar.

    @Peter: die Bemerkung war auch nicht gerade eine Bereicherung. Wer dem Koran nicht glauben will, wird ja nicht gezwungen. Er ist nur eine Warnung und hat mit irgendwelchen Anschlägen nichts zu tun.

    Wassalam, Meryem

  • By Mariam, 28. Februar 2010 @ 14:10

    Frauen sollten von Frauen behandelt werden, das ist alles. Und Mädchenschulen wurden höchstens geschlossen, wenn dort unislamische Inhalte verbreitet wurden.

    Es war überhaupt nicht perfekt, klar. Aber es wurde sich immerhin bemüht, eine Gesellschaft ohne Kufr und Taghut zu errichten.
    Jetzt kommen die Besatzer und wollen das wieder vernichten, weil sie wohl Angst haben, der Islam könne irgendwann auch mit ihren Gesellschaften aufräumen. No comment dazu ;-)

  • By belal, 28. Februar 2010 @ 21:44

    zu Mariam:
    Dankenswerterweise hat Omar den zentralen Satz meines Artikel der Veroeffentlichung auf seinem Blog voran gestellt. Er lautet, nur zur Erinnerung, wie folgt:
    “Wie weit können sich einige Menschen von der grossartigen Botschaft des Islam entfernen und dennoch behaupten für seine Botschaft einzutreten?”
    Der Begriff “einige” ist differenzierend und qualifizierend, insoferen verfehlt die geaeusserte Kritk ihr Ziel vollkommen und geht ins Abseits. An keiner Stelle des Artikel wird das legitime Recht eines Volkes auf Widerstand in Frage gestellt. Allerdings stelle ich mit meinem Artikel sehr wohl die Mittel, die
    EINIGE (!) Menschen als vermeintlich legitime militaerische Massnahme einsetzen, in diesem Fall Afghanen,in Frage. Ein Selbstmordattentaeter kann sich nicht auf den Islam berufen. Gleiches gilt fuer denjenigen, der waehrend eines Angriffes bewusst den Tod von Zivilisten in Kauf nimm; auch er bleibt in meinen Augen ein Moerder, unabhaengig von seiner Nationalitaet, Ethnie und seiner Religion. Polizisten, die Kreuzungen sichern und private Sicherheitskraefte, die Gebaeude bewachen sind schuetzenswert und keine legitimen Angriffsziele, auch nicht in Afghanistan!
    Diejenigen, die diesen Anschlag in Kabul veruebten, haben sich vom Konzept des Dschihads, wie ihn der Islam definiert, verabschiedet, und sie haben auch nicht, aber auch rein garnichts von der Geisteshaltung eines Mudschahids.

    zu Meryem:
    Danke fuer die wichtige Richtigstellung, dass Afghanistan zur Regierungszeit der Taliban eben nicht als ein Staat existierte , “in dem voll und ganz nach Qur´an und Sunnah regiert” wurde. Wer die Regierungszeit der Taliban derart verklaert hat zwei Dinge nicht verstanden: den Quran und die Sunnah!

    zu Peter:
    Der Kommentar ist niveaulos, und Ausdruck einer Geisteshaltung, die der gut alte Herbert Wehner in einem anderen Zusammenhang einmal als “Geistigen Terrorismus” beschrieben hat.

  • By Mariam, 1. März 2010 @ 00:45

    Sorry, der islamischen Sache und bringt so ein Artikel nichts, im Gegenteil.

  • By Meryem, 1. März 2010 @ 03:34

    Salam aleikum,
    na Mariam, ich hab noch nie eine Frau getroffen, die gerne unter den Taliban leben würde. Darf man eine Frau ärztlich unversorgt lassen, wenn gerade keine Ärztin anwesend ist? Vor allem, wenn man diese daran hindert arbeiten zu gehen? Und wie sollen Frauen zu Ärztinnen ausgebildet werden, wenn sie schon nicht in die Grundschule dürfen?
    Und was bitte, haben die Mädchen Falsches gelernt, was die Jungen nicht Falsches gelernt haben in ihren Schulen? Dann hätte man die Jungs ja auch in die Luft sprengen, äh, nach Hause schicken müssen.

    Also, ich weiß ja nicht,woher Du Deine Informationen hast. Ich kenne einige geflohene Afghaninnen, standhafte und praktizierende Muslimas übrigens.

    Die Taliban waren Werkzeug der jetzigen Besatzungsmächte, diese haben sie überhaupt erst gefördert. Tolle islamische Vorbilder.

    Und was soll das heißen, dass solch ein Artikel nicht der Sache des Islam nutzt? Natürlich tut er das, wir können doch nicht den Mund halten zu den Verbrechen irregeleiteter Geschwister, falls man sie überhaupt noch so nennen kann.

    Also ich kenne keinen einzigen Muslim oder Muslima der solch ein Vorgehen rechtfertigen würde, außer Dir jetzt virtuell. Falls Du echt bist und kein Agent provocateur.

    Weißt Du überhaupt, wie zu Zeiten unseres geliebten Propheten, s., Krieg geführt wurde? Weißt Du, welche ethischen Grundsätze er gelehrt hat? Weißt Du, welche Barmherzigkeit er walten ließ? Hat er jemals Unschuldige umgebracht?

    Wir müssen auch über diese Dinge reden, denn es muss Klarheit darüber geben, was legitimer Widerstand ist und was schlicht Mord.
    Der Sache des Islam ist nicht gedient, wenn wir uns auf das Niveau seiner mörderischen Feinde begeben.

    Wassalam, Meryem

  • By annett, 1. März 2010 @ 10:02

    salam aleikum,
    @belal: danke dir, dass du uns erinnerst, was dort los ist. es hilft, dass der eigene alltag wieder gerade gerückt wird und man nicht die augen und ohren verschliesst.
    Möge Allah dich und die Muslime dort beschützen und euch viel Geduld und Kraft geben! Amin!
    @Mariam: “Frauen sollten von Frauen behandelt werden, das ist alles. Und Mädchenschulen wurden höchstens geschlossen, wenn dort unislamische Inhalte verbreitet wurden.” Ich weiss ja nicht, wovon du träumst, aber sich einige Stücke aus dem talibanprinzip herauszupicken und dann “Hurra der Islam wird praktiziert” zu rufen halte ich nicht nur für naiv, sondern auch für gefährlich!!
    Wie war das mit Frauen, wenn gerade keine Frauenärzte da waren? Sie wurden nicht behandelt. Wie war das, wenn kein Mahram sie begleiten konnte? Sie konnten eben nicht gehen, zum Arzt! Und was bitte sind “unislamische Inhalte?” Das ist ein Allroundwort, ohne innnere Definition!
    Kein Glaube dieser Welt kann erzwungen werden!!! Menschen, die meinen, Allah richtig verstanden zu haben, indem sie bestimmen/erzwingen, wie wann wer was zu tun und zu lassen hat, haben das Wort Barmherzigkeit vergessen uund das der Iman eine Pflanze ist, die nur mit Liebe und Geduld wachsen kann, nicht mit Zwang und Entwürdigung. Da halte ich mich lieber an das Vorbild unseres geliebten Propheten Mohammed s.a.s, der mit Liebe und Geduld eingeladen hat und dem die Menschen FREIWILLIG gefolgt sind. Da war kein Zwang nötig.
    Die Taliban haben das wohl nicht verstanden!

    wa aleikum salam
    Annett

  • By Omar, 1. März 2010 @ 11:36

    @Mariam: “islamischen Sache” – was ist das eigentlich??

    “Mädchenschulen wurden höchstens geschlossen, wenn dort unislamische Inhalte verbreitet wurden.”

    Da sich wahrscheinlich keiner etwas darunter vorstellen kann, was die unislamischen Inhalte sein sollen – zumal in Afghanistan – wäre es schön, wenn du ein paar Beispiele von geschlossenen Mädchenschulen auflisten kannst mit den zugehörigen Gründen für die Schließung.

    “Aber es wurde sich immerhin bemüht, eine Gesellschaft ohne Kufr und Taghut zu errichten.”

    Zum Einen ist das nicht machbar. Kufr oder Iman ist nicht etwas, das man erzwingen bzw. von außerhalb abwenden kann. Man kann es noch nicht einmal kontrollieren. Leider stellen sich viele Menschen – und nicht wenige Muslime – das so vor, dass man eine “ideale” Gesellschaft errichten kann, wenn man nur alle davon überzeugt zwingt, so zu handeln, wie man es für richtig befindet. Das funktioniert nicht.

  • By Sapere aude !, 1. März 2010 @ 15:33

    @Meryem+annett
    Meine Ansicht ist, man sollte nicht ins selbe Horn wie die Besatzer und ihr Stimmvieh stoßen. Weil man so ja gleiche Feindbilder hat, verbrüdert man sich gewissermaßen mit denen.
    Mir ist jeder Muslim, egal was für Fehler er evtl. hat, näher als andere. Zumal, wenn sie den Islam bekämpfen.

    @Omar ” “islamischen Sache” – was ist das eigentlich?? ”
    Der Einsatz für den Islam schließt doch mit ein, dass wir Muslime geschlossen stehen. Wir streben ein gemeinsames Ziel an und dazu gehört eben ein hoher Grad an Sensibilität untereinander. Kritik ? Klar, aber nicht so bitte.

    Beispiele für einzelnde Schulen kann ich dir leider nicht liefern.
    Ich meinte auch eher dass Schulen zur Besatzungszeit geschlossen wurden, in denen auf strikten Wunsch der Okkupanten hin westliche Lehren vermittelt wurden, die eben oftmals aus islamischer Sicht zumindest fragwürdig sind und zu Kufr führen könnten.
    Das hat ja nichts mit Zwang zu tun, eher mit Prävention.

    Die Methoden, unverältnismäßige, oft sogar brutale Gewalt z.B., da sind wir uns ja einig.

  • By Omar, 1. März 2010 @ 16:19

    @Sapere aude!: “ins selbe Horn stoßen”
    Ich glaube nicht, dass Belal das macht. Aber unabhängig davon glaube ich, dass man die Wahrheit aussprechen sollte, selbst wenn sie unangenehm ist (oder gerade dann?).

    “Mir ist jeder Muslim, egal was für Fehler er evtl. hat, näher als andere.”

    Auch das ist kein Grund, die Fehler dieses Muslims nicht auch zu kritisieren und dagegen vorzugehen – in allen Variationen und Möglichkeiten, die es dazu gibt.

    “Wir streben ein gemeinsames Ziel an und dazu gehört eben ein hoher Grad an Sensibilität untereinander. Kritik ? Klar, aber nicht so bitte.”

    Zwei Probleme habe ich hier: Welches gemeinsame Ziel streben wir an? Und was ist falsch an der Art der Kritik, die Belal gewählt hat? Wie hätte er das deiner Meinung nach besser machen sollen?

    ‘Beispiele für Schulen, die geschlossen wurden’

    Kannst du zumindest Beispiele für Schulen nennen, die während der Besatzung (ich denke, du meinst die jetzige, keine frühere, oder?) geschlossen wurden? Ich hoffe, du meinst nicht die Anschläge auf Mädchenschulen! Es würde mich interessieren, welche tatsächlichen Gründe (also genauere als ‘westliche Lehren’) angeführt wurden.

  • By annett, 1. März 2010 @ 18:30

    @Sapere aude !,
    “Meine Ansicht ist, man sollte nicht ins selbe Horn wie die Besatzer und ihr Stimmvieh stoßen.”

    Das gab es zumindest nicht von meiner Seite, ich bitte um genaues Lesen!

    “Weil man so ja gleiche Feindbilder hat, verbrüdert man sich gewissermaßen mit denen.”
    Ich habe keine Feindbilder, ich kritisiere Handlungsweisen!

    “Mir ist jeder Muslim, egal was für Fehler er evtl. hat, näher als andere.” Hilfe!!!!! Wer oder was ist denn ein Muslim?????
    Jemand, der sich selbst als einer bezeichnet, aber sich nicht danach verhält? Oder jemand, der als Muslim geboren wurde? Und er ist dir näher als andere? Dann sind Muslime also bessere Menschen als andere Menschen? Mm, dann ist also jemand, der sich als Muslim benennt, aber eine haram-Handlung begeht, dir lieber, als ein Mensch, der kein Musim ist (einfach so, ohne aktiv dagegen zu sein), sich aber an alle ethischen Grundlagen hält.
    Ehrlich gesagt, halte ich von solchen Kästchen nichts mehr. Der Titel “Muslim” ist für mich nicht (mehr) ausschlaggebend, sondern die Handlungsweise eines Menschen. Wobei ich tiefen Respekt habe vor Menschen, die sich selbst treu bleiben in ihrem Glauben, den sie immer wieder ernsthaft und ehrlich erforschen und sich selbst dabei reflektieren. Wenn ich darin einen Muslim entdecke, fühle ich mich Zuhause. Und das kann ich sicherlich für Bruder Belal sagen, der sich seit Jahren zu Afghanistan äußert und einsetzt!
    Das Etikett hilft mir dabei weniger.
    Und Menschen, die dermaßen frauenfeindlich agiert haben, wie die Taliban, halte ich nicht für bessere Menschen, weil sie sich Muslime nennen. Sorry, ich bin Frau und Mutter von Töchtern, alhamdulillah, nicht unter den Taliban!

    (kurze Anmerkung: Woher sollen eigentlich die Frauenärztinnen kommen, wenn Mädchenschulen dicht gemacht werden und zu wem sollen die kranken Frauen dann gehen?)

    salam annett

  • By Sapere aude !, 1. März 2010 @ 18:34

    ” Welches gemeinsame Ziel streben wir an? ”

    Surah 48, Aya 28.
    Die Tragweite dessen beinhaltet jedenfalls schon dass man nach außen geschlossen steht und, bei aller berechtigten Kritik an Fehlern von Geschwistern, nicht den Gegnern des Islam in die Hände spielt.
    Korrigier mich bitte, wenn ich falsch liege, aber ich glaube nicht dass das der Fall ist.

    Falsch ist seine Kritik nicht. Nur finde ich dass man in einem öffentlichen Forum, wo jeder mitlesen kann, als Muslim nicht unbedingt Muslime diffamieren sollte.
    Auch wenn das natürlich keine Hetze ist, gehetzt wird gegen den Islam zur Genüge.

    Ich kann dir jetzt nicht die genauen Adressen der Schulen geben. Aber bei jeder Diskussion über die Lage in Afghanistan werden die Mädchenschulden ausgepackt und es wird darüber entschieden, ihnen “echte Bildung” zu geben.
    Und dann ist es für die Mädchen nicht mehr weit und sie favorisieren das westliche Taghut-System und kehren dem Islam den Rücken, noch bevor ihr Iman wachsen konnte. Dass soll erreicht werden.

    Auch ich bin auf die Taliban wütend, weil sie v.a. auch Muslime töten, klar.
    Aber eben auch auf die westliche Indoktrinierung.

  • By Meryem, 1. März 2010 @ 19:21

    Salam aleikum,
    ja da kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen. Als Muslima muss ich für die Wahrheit einstehen. “Gutes gebieten und Schlechtes verwehren”. Und wenn sich Muslime verbrecherisch verhalten, dann sind sie u.U. noch Muslime – aber wenn sie derartige Verbrechen begehen wie die Taliban, dann fühle ich mich ihren Opfern näher als ihnen.

    Und @sapere aude, Mariam: ich habe hier nichts davon gelesen, dass irgendjemand die Besatzung verteidigt. Allerdings schaden diese Attentäter der “islamischen Sache” wenn sie Unschuldige umbringen. Natürlich trauere ich dann mit deren Hinterbliebenen. Was glaubst Du, wie sich die Angehörigen indischer Gastarbeiter fühlen, bei der Todesnachricht?

    Ein Muslim ist gewiß erstmal kein besserer Mensch an sich – sollte sich aber bemühen, einer zu werden. Mord ist da nicht der Weg.

    Wassalam, Meryem

  • By gibgasachi, 2. März 2010 @ 11:29

    Selam,

    Will jetzt gar nicht viel sagen. Aber die die hier Terrorismus verteidigen oder sagen man dürft nicht drüber reden, sollten echt noch mal drüber nachdenken, wen und was sie hier verteidigen…

    Wer schadet den Muslimen und somit dem Islam mehr? Der, der ein Problem anspricht und diskutieren will, um die Situation zu verbessern oder der der sich selbst mit dutzenden unschuldigen Muslimen und nicht-Muslimen in die Luft jagt und somit den Besatzungstruppen die dringend benötigte Rechtfertigung der Besatzung liefert?

  • By Sapere aude !, 2. März 2010 @ 14:39

    Ich verteidige keinen Terrorismus und natürlich muss man darüber reden. Aber dies sollte doch zumindest auch so geschehen dass es dem Islam nützt und nicht seinen Gegnern, die ja genau das selbe sagen.

    Wir Muslime sollten uns doch, bei aller notwendiger Kritik, fragen was wichtiger ist: Der Erfolg des Islam oder zusammen mit Gegnern des Islam den Terrorismus verdammen und damit riskieren, dass der Islam generell ins schlechte Licht rückt ?

    Terrorismus ist haram aber lasst uns das “unter uns” klären und nicht nach außen den Eindruck erwecken, wir stünden nicht geschlossen da.
    Ich hoffe ihr versteht einigermaßen was ich meine, vll drücke ich mich nicht gut aus ?

  • By Omar, 3. März 2010 @ 20:14

    @Sapere Aude: Der “Erfolg des Islam” drückt sich ja – im Sinne des ‘Aufrufen zum Guten und Abhalten/Abraten vom Schlechten – zu einem nicht allzu geringen Anteil daraus, Terrorismus zu verdammen, bzw. das Töten von Menschen zu verhindern. Die Tat an sich ist doch die, die – neben ihren potenziell mörderischen Konsequenzen – den Islam in ein schlechtes Licht rückt, aber doch nicht die Kritik daran.

    Und diese Kritik können wir ja gerne auch “unter uns” vorbringen, aber es ist und sollte kein Geheimnis sein, dass ‘wir’ eben gerade nicht geschlossen sind, was das Töten von Zivilisten angeht. Das sind wir beide durchaus – aber eben nicht diejenigen Muslime, die Menschen umbringen oder dies planen.

  • By Sapere aude !, 4. März 2010 @ 00:10

    Zum Guten aufrufen heißt im islamischen Kontext, zum Islam aufzurufen, vom Schlechten abraten heißt vom Taghut und Kufr abraten.
    Es muss uns also primär um die Implementierung des Islam gehen.
    Genau das ist es eben auch was die westlichen Taghut-Staaten verhindern wollen.
    Das hat mit Terrorismus weniger zu tun. Wir müssen Schwerpunkte setzen.

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