Alexander Schuller verbreitet Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslim
Professor Alexander Schuller hat einen sehr wirren Kommentar im DeutschlandRadio abgegeben. Den Schlußsatz könnte man gar als ein Plädoyer für einen ‘Gottesstaat’ (oder zumindest für eine Theokratie) verstehen, würde er sich damit nicht hinter einem Zitat verstecken:
Der Soziologe Eric Voegelin meinte, uns fehle die Einheit von Glaube, Gedächtnis und Politik. Man darf diesen verlorenen Schatz ruhig Transzendenz nennen.
Aber das eigentliche Problem ist die Weiterverbreitung der Mär vom Intolleranten Muslim. Anbei eine Email, die ich der Dradio-Redaktion geschickt habe:
Sehr geehrte Dradio-Redaktion,
gerade las ich den Kommentar von Alexander Schuller und ich bin enttäuscht über ein so niedriges Niveau der Recherche – auch wenn es nur für einen Radiokommentar sein soll!
Hauptsächlich stört mich, dass die Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslimen immer weitergesponnen wird! Qaradawi – mag man ihn noch so sehr für andere Dinge kritisieren – hat nie Weihnachten verboten oder in dieser Hinsicht für die Einengung der Religionsfreiheit von Christen plädiert. Diese Nachricht hatte der Spiegel in Anlehnung an eine tendenziöse Übersetzung und falsche Überschrift des sehr einseitigen “Instituts” Memri transportiert. Der Spiegel hat sich leider nie dafür entschuldigt! Mehrere – vor allem deutsche – Medien haben es ihm nachgemacht. Der österreichische “Der Standard” hat die Nachricht ebenfalls übernommen, später sich aber dafür entschuldigt und die Falschmeldung entfernt. Eine Richtigstellung hatten verschiedene Kommentatoren – u.a. Tarafa Baghajati und Mohamed Ibrahim – geliefert1.
Es ist eine Schande, dass eine solche Lüge immer weiter verbreitet wird und dazu beiträgt, dass der Eindruck vom intoleranten Muslim verstärkt wird. Dass man einem solchen Kommentar ohne weitere Überprüfung oder Qualifizierung auch noch eine Bühne gibt, das ist schon problematisch.
Unabhängig davon habe ich ein Problem mit der Logik in diesem Beitrag. Zunächst stellt der Kommentator richtig fest, dass Erzbischof Reinhard Marx den Weihnachtsmann als heidnisch und kommerziell verschrien hat. Dann aber deduziert Herr Schuller, dass der Erzbischoff mit dieser Aussage die Religionsfreiheit verteidige. Wie bitte? Der Mann hat lediglich – seiner Meinung nach – ein Fehlverhalten unter Christen bemängelt. Mit anderen Religionen kann es ja nur insofern zu tun haben, als er offensichtlich die Überzeugung von Millionen “Heiden” für nicht relevant hält – also gewissermaßen ihre Religionsfreiheit nicht so hoch ansieht.
Genauso, wie er die Aussagen des Erzbischoffs als Kampf für die Religionsfreiheit umdeutet, so deutet er die Falschaussagen von Qaradawi – und spricht gar von Terror!
Der Erzbischof kämpft für die Religionsfreiheit, für die Freiheit des guten Imam Jussuf also, das Christentum zu beseitigen. Wer für die Freiheit eintritt – die Religionsfreiheit in diesem Fall – dem kann es also passieren, dass er gegen die Freiheit und für den Terror eintritt.
Die beiden Zitierten haben tatsächlich eine Sache gemeinsam: Sowohl Al-Qaradawi als auch Erzbischof Marx haben den Kommerzdrang kritisiert und dass Menschen für den Kommerz alles tun würden! Mit Religionsfreiheit hat das natürlich nichts zu tun und hört sich sogar gar nicht mal so unsinnig an wie ein Verbot eines religiösen Festes – aber wo würde dann die These vom Kampf der Kulturen bleiben, wenn nicht deutsche Kommentatoren tagein-tagaus sie heraufbeschwören würden?
Ich habe einen Vorschlag: Wie wäre es, wenn Sie einen Gegenkommentar erlauben würden? Ich hätte ein paar Vorschläge, wen Sie dafür gewinnen könnten.
Mit freundlichen Grüßen,
- der zmd kommentierte die Falschmeldung[↩]
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Comments
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By Sapere aude !, 26. Januar 2010 @ 21:35
Soweit ich das verstanden habe, ist Dein Hauptproblem mit der “Weihnachts-Affäre”, dass die falsche Darstellung der Aussage Kardawis ein künstlich geschaffenes Dogma vom aggressiven islamischen Furor weiter füttert !?
Das mag in diesem Fall stimmen, nur ändert das an der Vita Kardawis nichts.
Der Mann ist kein Brückenbauer, sondern selbst eine autoritäre und durchaus militante Persönlichkeit, der seinerseits zu den Menschen gehört, die den Clash of Civilizations anheizen.
Es sei hier nur herausragend an seine öffentlich kundgetanen Äußerungen zur “Eroberung Roms” und Europas mittels Dawa erinnert und v.a. die aktive Befeuerung des Karikaturenstreits.
Ich muss Dir recht geben darin, dass hier eine falsche Tatsachenbehauptung billigend in Kauf genommen wurde, aber das ändert ja nichts daran dass Kardawi schon früher kenntlich gemacht hat, was er von einer friedlichen Koexistenz der Zivilisationen hält.
Die Schürer und Scharfmacher sind auf beiden Seiten.