Kennen Sie den ‘Gaza Freiheitsmarsch’? Wahrscheinlich nicht.
Stephen M. Walt ist US-Professor für internationale Beziehungen an der Harvard University. Diesen Text veröffentlichte er im Englischen auf seinem Blog bei foreignpolicy.com.
Wußten Sie, dass der Gaza-Freiheitsmarsch — eine Gruppe von mehr als 1300 Friedensaktivisten aus 43 Staaten — derzeit, zum Jahrestag des brutalen israelischen Angriffs, der vor einem Jahr mehr als 1000 Menschen umbrachte, gegen die fortgesetzte Blockade des Gaza-Streifens protestieren? (Es gibt ein unabhängiges Bestreben, Hilfslieferungen unter der Schirmherrschaft der Gruppe Viva Palestina nach Gaza zu bekommen)
Wußten Sie, dass der Freiheitsmarsch derzeit in Kairo feststeckt, da ihm die ägyptische Regierung die Erlaubnis zur Einreise nach Gaza verweigert? Das Mubarak-Regime hat seine eigenen Probleme mit der Hamas und es ist außerdem von ökonomischer und militärischer Hilfeleistung aus den USA abhängig. Israel und die Vereinigten Staaten möchten die negative öffentliche Aufmerksamkeit nicht haben, die der Freiheitsmarsch mit sich bringen könnte und sind völlig zufrieden damit, die Gaza-Bewohner leiden zu lassen. Es ist also unnötig zu erwähnen, dass Washington keinen Druck auf Ägypten ausübt, um den Konvoi durchzulassen.
Wußten Sie, dass diese Ereignisse in der arabischen Welt extensiv behandelt werden und Probleme für Mubarak & Co. erzeugen könnten, da die Ägypter wieder einmal als bei der kollektiven Bestrafung, die Israel der Gaza-Bevölkerung zufügt, der Mitschuld überführt werden?
Wußten Sie, dass eine der Teilnehmerinnen des Konvois eine 85-jährige Holocaust-Überlebende (Hedy Epstein) ist und dass sie kürzlich einen Hungerstreik angefangen hat, um dagegen zu protestieren, dass dem Konvoi die Reise nach Gaza verwehrt wird?
Sie haben wahrscheinlich nichts von alledem gewußt, aber es ist auch nicht wirklich Ihr Fehler. Sie bekommen Ihre Nachrichten von Mainstream-Ketten wie der New York Times oder der Washington Post und keine dieser berühmten Zeitungen hat sich bemüht, diese Geschichte zu verfolgen. Was empfinden sie als wichtig? Also, im Falle der Times drückt sich ihre Wahrnehmung einer großen Nahost-Geschichte derzeit in der herzerwärmenden Saga eines kleinen Shawarma-Ladens in Amman.
Wenn Sie ein wenig mehr über diese würdige Bemühung, den Gaza-Bewohnern zu helfen, erfahren möchten, können Sie die Webseite der Gruppe besuchen. Oder sie können es bei Mondoweiss verfolgen oder gar in der Ha’aretz darüber lesen. Und dann könnten Sie eine Idee davon bekommen, warum die Mubarak-Regierung nicht sehr beliebt ist, warum sich Israel immer größer werdender Kritik für sein Benehmen ausgesetzt sieht, warum die Vereinigten Staaten weiterhin in einem Großteil der arabischen und islamischen Welt verschmäht wird und warum die Bloggosphäre so wichtig ist.
In Deutschland ist es noch schwieriger an Informationen zu kommen. Zwar hat das ZDF gestern abend einen kurzen Beitrag zum Thema gesendet, der Tagesschau-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth hatte es einen Tag zuvor sogar geschafft, in einem Beitrag zur Lage im Gaza-Streifen ein Jahr nach dem blutigen Angriff durch Israel, die internationale Protestbewegung komplett zu ignorieren.
Gedruckte Informationen gibt es vor allem in der “Junge Welt”, der znet und ganz wenig bei der taz.
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By Hessam K., 6. Januar 2010 @ 14:33
Ein Video zum Thema
mms://217.218.67.244/presstv/20100106/OUTPUT_13-10-00-SNG-HASSAN-EL-ARISH.wmv