Gastbeitrag: Statt Scharfmacherei sind Neutralität, Sachlichkeit und Objektivität gefragt!

Der folgende Gastbeitrag vom Wolfsburger Imam Mohamed Ibrahim befasst sich mit dem Gerücht, das vor allem von Spiegel Online verbreitet wurde, dass ein muslimischer Gelehrter das Feiern von Weihnachten in mehrheitlich muslimischen Ländern verbieten lassen möchte. Ich hoffe, einen eigenen Beitrag noch zum Thema zu schreiben und würde mir schon wünschen, dass der Spiegel, eine Entschuldigung für den Lügen-Artikel verfasst.

Von: Imam Mohamed Ibrahim, Wolfsburg

(Wolfsburg, 24.12.2009) In einigen Medien und auf einigen Internetseiten ist gestern und heute die Rede davon, dass Scheich Yussuf Al-Qaradawi Weihnachten verbieten will. In der Berichterstattung benutzte man Wörter wie „Heiligabend-Attacke“ (Spiegel.de) oder „Angriff auf Heiligabend“ (Bild.de).

Diese Wortwahl ist an sich mehr „scharfmachend“ als verantwortlich.

Diese Berichterstattung, die ein „Weihnachtsverbot“ für Christen in islamischen Ländern suggerieren will, ist irreführend und entspricht nicht der Wahrheit. Bei den Worten des Gelehrten Al-Qaradawi handelt es sich um seine Freitagspredigt vom 11.12.2009, die ich mir in arabischer Sprache angehört habe. Korrigierend und klarstellend
möchte ich hier folgendes sagen:

Der Gelehrte hat weder gegen die Christen gehetzt noch wollte er ein „Weihnachtsverbot“ erreichen, und vor allem nicht „den Christen“ das Feiern verbieten. Seine Worte waren an die Muslime gerichtet, dass sie ihre Identität wahren und Weihnachten und Neujahr nicht feiern, da diese ja christliche und keine islamische Feste seien. Er äußerte sich gewundert über das Straßenbild der Stadt Doha, in der er lebt, anlässlich der „christlichen“ Feste, obwohl es dort kaum Christen gibt. Es war kein Spott des Gelehrten (weder in der Wortwahl noch im Ton!), als er die „Tatsache“ nannte, dass die Christen zu zwei unterschiedlichen Daten die Geburt Jesu Christi feiern.

Am wichtigsten ist hier klar zu stellen, dass der Gelehrte Al-Qaradawi die Aussage „Kirchen dürfen keine Kreuze mehr tragen. Kirchenglocken dürfen auch nicht mehr läuten.“ nicht (und
nie!) getätigt hat.

Ich rufe die Medien dazu auf, von der „Scharfmacherei“ abzulassen und sachlich und objektiv zu berichten. Christen und Muslime sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden und
gemeinsam für eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt eintreten! Allen Christen wünsche ich trotz der „Hetze“ mancher Medien ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest.

Andere Beiträge:

  1. Frohe Weihnachten!
  2. War on Christmas
  3. Haz zur Piratenpartei: Bärte statt Werte
  4. “Empörte Muslime”
  5. Areligiöse Terroristen

Comments

  • By Leo Brux, 27. Dezember 2009 @ 15:49

    Alien in Europe
    hat dazu einen schönen Beitrag:
    http://alienineurope.wordpress.com/2009/12/23/spiegel-folgt-den-spuren-von-memri-auf-der-jagd-auf-qaradawi/

    Hier geht es dann weiter:
    http://alienineurope.wordpress.com/2009/12/26/weihnachtsbaume-am-falschen-ort-was-haben-wir-nur-dagegen/

    Und bei fareus wird über Weihnachten und Silvester diskutiert – ob Muslime sich daran beteiligen dürfen:
    http://fareus.wordpress.com/2009/12/26/einladung-zur-propaganda/

  • By belal, 28. Dezember 2009 @ 14:33

    Mein Schreiben an Spiegel.de

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    als ehemaliger Student der arabischen Literatur und Orientalischer Sprachen hätte sich Ihr Korrespondent Herr Volker Windfuhr in Kairo die Mühe machen sollen, die Rede on Herrn Qaradawy im arabischen Original anzuhören,anstatt sich auf eine tendenziöse Übersetzung der Rede durch das fragwürdige Internetportals „MEMRI“ zu verlassen.
    Herr Qaradawy hat an keiner Stelle seiner Rede ein Verbot des Weihnachtsfestes gefordert, noch sonst den Christen das Recht abgesprochen, ihre religiösen Feste in Muslimischen Mehrheitsgesellschaften zu feiern.
    Seine Rede war an Muslime adressiert, sich nicht die Praxis nicht-Islamischer Feierlichkeiten mit eindeutig religiösem Bezug zu Eigen zu machen. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn in Deutschland ist es ja schließlich auch nicht üblich, dass Christen das Islamische Opferfest und das Islamische Fest des Fastenbrechens feiern.
    Angesichts der Tatsache, dass vor einiger Zeit ein Parlamentsgeordneter für seine Forderung, einen offiziellen Islamischen Feiertag in diesem Land einzuführen, fast geteert und gefedert worden wäre, ist die weihnachtliche und gegenstandslose Empörung über Herrn Qaradawy, die dieser Bericht zu verursachen sucht, einerseits geradezu grotesk. Andererseits ist er leider auch Ausdruck eines gesellschaftlichen wie auch medialen Zustandes, der Muslime und Islam selten positiv projiziert.
    In den 55 Jahren (!), die meine Familie in Deutschland lebt, haben nur 2 (!) Nicht-Muslime es geschafft, unserer Familie zu den Islamischen Festen zu gratulieren, nur einer ist Deutscher, der andere ist ein Serbe aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wir werden trotzdem an unserer Jahrzehnte alte Familientradition festhalten, und unseren christlichen Freunden zu ihren religiösen Festen gratulieren.
    Den Artikel von Herrn Windfuhr haben wir in unserem Ordner mit dem Namen „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer verdreht die Wahrheit am Besten in diesem Land?“ abgeheftet!
    Mit freundlichen Grüßen
    M. Belal El-Mogaddedi
    27.12.2009

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  1. Too Much Cookies Network » Alexander Schuller verbreitet Lüge vom Weihnachten-verbietenden Muslim — 26. Januar 2010 @ 20:17

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