Deutscher mit und ohne Migrationshintergrund
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- Deutscher mit und ohne Migrationshintergrund
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Man merke: Alex W., Mörder von Marwa El-Sherbini ist Deutschrusse, während Herta Müller, die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin, zwar in Rumänien geboren und aufgewachsen ist, aber sie ist dennoch die Deutsche Herta Müller. Ist ja auch kein Wunder: Spätestens seit Rüttgers wissen wir ja, dass Rumänen faul sind und nicht wissen, was sie tun. Herta Müller ist anscheinend nicht faul und sie macht nicht den Anschein, dass sie nicht weiß, was sie tut. Ergo, Herta Müller muss Deutsche sein! Alex W. auf der anderen Seite ist Rassist und hat ein Verbrechen begangen1, er kann kein Deutscher sein und seine Probleme stammen auch nicht aus Deutschland.
Update: Der Streit, ob Herta Müller nun Deutsche oder Rumänen ist, findet sich nun auch bei der Deutschen Welle: Verehrt und instrumentalisiert: Rumäniens zwiespältige Beziehung zu Herta Müller. Wohlgemerkt: Von Deutschland wird Frau Müller nicht instrumentalisiert, sondern von den Rumänen.
DW: Herta Müller gehörte zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien. Genauer gesagt zu den Banater Schwaben. Deshalb mutete es etwas merkwürdig an, dass sie als rumänische Schriftstellerin vereinnahmt wird, wie Sie sagen. Aber mittlerweile liegen ihre Romane auch auf Rumänisch vor. Wie ist sie denn bisher in Rumänien rezipiert worden?
Ein paar von ihren Romanen sind in rumänischer Sprache erschienen, übersetzt von Nora Ioga, einer ganz großen Schriftstellerin und Dichterin. Und Herta Müller hat immer gesagt, das die rumänische Sprache sie sehr beeinflusst hat in ihrer dichterischen Tätigkeit. Sie spricht Deutsch. Sie ist eine Deutschstämmige. Aber der Klang der rumänischen Sprache, die ein wenig frivol und sinnlich ist, beeinflusst ihre Art und Weise zu schreiben.
- das ja durchaus auch relativiert werden kann, aber dazu woanders..[↩]
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By gibgasachi, 9. Oktober 2009 @ 15:05
“DW: Herta Müller gehörte zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien. Genauer gesagt zu den Banater Schwaben. Deshalb mutete es etwas merkwürdig an, dass sie als rumänische Schriftstellerin vereinnahmt wird, wie Sie sagen.”
LOL. Dann möchte ich bitte auch nicht, dass Fatih Akin weiterhin von den Deutschen vereinahmt wird!
By Omar, 9. Oktober 2009 @ 15:20
Fatih Akin ist doch erfolgreich, ergo ist er integriert (lies: er hat sich an die deutsche Art des Erfolgreichseins angepasst) und somit eigentlich ja Deutscher.
By Serdar, 9. Oktober 2009 @ 16:03
Wenn er einen deutschen Pass hat, ist er ein Deutscher. So einfach!
By Omar, 9. Oktober 2009 @ 16:24
@Serdar: ganz so einfach scheint es ja bei Alex W nicht zu sein.
By riccardo, 10. Oktober 2009 @ 11:28
@Serdar
Die Frage ist doch, ob Fatih Akin sich als Deutscher fühlt. Wenn nicht, ist auch der Pass überflüssig, Pässe schaffen keine Identität.
By Tekays, 10. Oktober 2009 @ 12:08
ach so, was heißt “sich als Deutscher fühlen”?
By Omar, 10. Oktober 2009 @ 12:58
@riccardo: diese Frage wird doch nie gestellt. Keiner hat etwa Alex W gefragt, ob er sich als Deutschen versteht oder “fühlt”.
By riccardo, 11. Oktober 2009 @ 13:21
Werte Tekay´s, Du fragst was es heißt, sich als Deutscher zu fühlen? Das ist doch ganz einfach. Lebst du gern hier? Fühlst du dich der Kultur und den Menschen verbunden, auch wenn du dich über manches ärgerst. Hast du Heimweh, wenn du im Ausland bist, freust du dich wenn du wieder zurück nach Deutschland kommst, in deine Heimat? Wenn ja bist du deutsch, mit und ohne Papier. Wenn nein hilft dir auch der Pass nicht.
By riccardo, 11. Oktober 2009 @ 13:50
@Omar
Was heißt hier, diese Frage wird doch nie gestellt. Natürlich wird sie gestellt. Zaimoglu sagt dazu z.B.: “Natürlich bin ich Deutscher, ich träume sogar deutsch.” Akin sagt: “Deutsch ist meine Muttersprache, ich bin Deutscher.”
Und was hat das ganze mit Alex W. zu tun? Das musst du mal genauer erklären.
By Omar, 11. Oktober 2009 @ 15:39
@riccardo: Diese Frage “Fühlst du dich als Deutscher” wird im Prinzip nicht gestellt, um festzustellen, ob jemand Deutscher ist. Meist wird über den Köpfen der Menschen hinweg entschieden: “Der ist Deutscher – der ist es nicht!” Auch deine Definition von Deutschfühlen ist gelinde gesagt sehr eigen und auch nicht Gegenstand der politischen und medialen Definition von “Deutschsein”.
Was es mit Alex W zu tun hat? Ganz einfach: Alex W – der angeblich gerne die NPD wählt – wurde (ohne ihn zu fragen natürlich) als Deutsch-Russe oder Russlanddeutscher oder Russe bezeichnet. Damit hat man das Problem des rassistischen Mörders auf den Ausland geschoben. Alex W war kein Deutscher, weil man lieber die Probleme aus dem Ausland analysiert, als vor der eigenen Haustür zu kehren.
By gibgasachi, 12. Oktober 2009 @ 10:23
Nach riccardos Definition wären viele “Manfred und Annegret Müller”‘s keine wirklichen Deutschen…
By riccardo, 12. Oktober 2009 @ 11:47
Keine Panik @gibgasachi. Ich belästige euch in eurem trauten Heim nicht weiter. Lies mal das hier:
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,654462,00.html
und du verstehst was ich meine.
By Omar, 12. Oktober 2009 @ 12:33
@riccardo: die Antwort auf gibgasachi habe ich nicht verstanden.
Der Spiegel-Artikel von Hasnain Kazim ist recht gut und beschreibt in meinen Augen ein tatsächliches Dilemma. Es bestätigt aber auch, was ich sagte: die Debatte hat vielmehr mit dem zu tun, was andere über Migranten sagen, als mit dem, wie man sich selbst fühlt, zumal dieses “Gefühl” ja weder statisch noch so einfach heruntergebrochen werden kann auf die von dir genannten Kriterien.
By gibgasachi, 12. Oktober 2009 @ 13:29
Ich glaube riccardo hat mich so verstanden, dass ich meinen würde ein Ausländer könne kein deutscher werden.
So habe ich das llerdins nicht gemeint. Ich meinte nur, dass seine Definition des Deutschseins zu kurz greift.
By yasar, 18. Oktober 2009 @ 21:40
Die Frage nach dem “Deutsch-Sein” ist sicherlich wichtig. So bin ich beispielsweise ein deutscher Staatsbürger und ein Türke. Ich bin überzeugt, dass dies sich nicht ausschliesst – ja sogar die Normalität für über 80% der türkischen Jugend in Deutschland ist.