Ramadanblogs: Tagesablauf im Ramadan
In der zweiten Woche des diesjährigen Ramadans gehts es in den Wochenblogs um den Tagesablauf im Ramadan.
Taner beschreibt sehr eindringlich und mit Liebe zum Detail seinen Tagesablauf vom morgendlichen Aufstehen zu den Rufen seiner Mutter bis zum abendlichen Abtauchen “in das Land der Träume”. Als Schüler wird sein Tag von der Schule dominiert, auf die er sich “während der Fastenzeit besser [im Unterricht] konzentrieren” kann. Entgegen der allgemeinen Auffassung zeigt sich an seinen Ausführungen, wie reich an Arbeit der Tag eines Fastenden sein kann. Schön finde ich, dass der Hunger ihm offensichtlich und an verschiedenen Stellen ‘aus der Feder quillt’ und die Zeilen füllt, er aber gleichzeitig eine “Moral der Geschichte” und seinen eigenen Lerneffekt während des Fastens beschreiben kann.
Tekays
Verschiebung des Arbeitsalltags,
Iftar in der Moschee.
genügend Nahrung,
genügend Schlaf.
Spartanisch beschreibt Tekays die verschiedenen Stationen ihres Alltags. Für einen typischen Überblick keine schlechte Form.
Eine ähnliche Verschiebung des Arbeitsalltags findet sich bei Bilal, wobei man aber bei der Lektüre bemerkt, dass dadurch der Alltag nicht weniger belebt wirkt, auch wenn dadurch die Freiheit des schnellen “Nachmittagsnickerchen” eher gegeben ist. Interessant ist die Wahrnehmung der Gebete innerhalb des Alltags als “Countdown”.
Canaan – die Gewinnerin des Muslimischen Blogwettbewerbs – beschreibt eine gesteigerte Konzentration im Ramadan. Um den Alltag zu bewältigen, schläft sie gerne nachmittags, “da einem eventuell die körperliche Kraft nach einem anstrengenden Schultag fehlt”. Alles in allem, versucht aber auch sie den normalen Alltag beizubehalten.
mein eigener Beitrag
Ich muss gestehen: Leider konnte ich bislang an den beiden Wochenblogs nicht ordnungsgemäß teilnehmen. Da es auch an meinem derzeitigen Tagesablauf liegt, möchte ich kurz ausführen. Mein Tag wird derzeit stark von der Arbeit dominiert, die – da derzeit mehrere Dinge parallel am Institut laufen – sehr anstrengend ist. Wenn ich dann gegen oder nach 18:00 nach hause komme, habe ich mir oft vorgenommen, noch mehrere Artikel zu schreiben, was sich aber meist ob der Müdigkeit verflüchtigt. Dazu hatte ich mir am Anfang des Ramadans vorgenommen, mich nachmittags nach der Arbeit für eine halbe Stunde schlafen zu legen, aber das habe ich bislang nicht in die Tat umgesetzt.
Ich muss sagen, sonderlich hungrig fühle ich mich nur selten, genauso wenig wie ich Durst verspüre, obwohl ich im normalen Alltag stets ein Glas Wasser am Arbeitstisch stehen habe und sie mehrmals am Tag nachfüllen muss1. Dabei nehme ich inzwischen nur noch abends eine Mahlzeit zu mir und bin zu müde, um ein “Frühfrühstück” (Suhur) einzunehmen – ganz bestimmt nicht das, was ich jedem empfehlen würde.. Aber wie sagt man so schön: Do as i say, not as i do!
Schüleralltag
Dazu noch eine Frage, die mir im Zusammenhang mit Ramadan gestellt wurde. Eine Lehrerin eines Gymnasiums rief mich neulich an und wollte ein “Überdenken” der Ramadanregeln anregen. Sie hatte nämlich Probleme mit ihren Schülern, die teilweise nach der vierten Schulstunde nicht mehr leistungsfähig sind und teilweise von Kopf- und Bauchschmerzen klagen. Sie hatte an heißen Tagen einigen Schülern vorgeschlagen, mindestens kurzzeitig ihr Fasten zu brechen, um ein wenig Wasser zu sich zu nehmen, was die Schüler verweigert hätten. Sie klagt ferner darüber, dass die muslimischen Schulkinder auf der einen Seite fasten, auf der anderen Seite in den Pausen mit ihren Mitschülern toben und somit noch mehr Energie verbrauchen, die sie für die nachfolgenden Schulklassen nicht mehr hätten.
Ich persönlich sehe zunächst einmal die Probleme ein. Auf der anderen Seite werden die Regeln des Ramadans nicht von Menschen gemacht und dementsprechend ist ein “Überdenken” nur schwer vorstellbar. Außerdem zeigen Beispiele wie die vorgenannten Schüler deutlich, dass man auch im Ramadan Leistungen erbringen kann. Dies setzt aber voraus, dass man sich im Ramadan vernünftig verhält – ein sinnvolles Frühstück einnimmt, einen harmonischen Tag anstrebt, Überreaktionen, laute Streitgespräche und Toben in den Pausen meidet – kurzum, die Energieeffizienz steigert.
Und da weiß ich nicht, ob wir Muslime nicht schon einiges verpasst haben, was wir hätten liefern müssen. Ich zumindest habe noch keine breit angelegten Workshops oder Vorträge gesehen, die auf den Ramadan – vor allem in den Sommermonaten – vorbereiten. Aber das wäre sinnvoll, denn der Umgang mit den langen Fastenzeiten ist nicht selbstverständlich! Weder für Eltern, Kinder, noch für Schulen.
Was meint ihr dazu? Was hättet ihr der Lehrerin geantwortet? Und an die Schüler vor allem gerichtet: Wie geht ihr mit Ramadan im Sommer um und glaubt ihr, dass [Moscheen/Vereine/Eltern/...] mehr zur Vorbereitung leisten müssten?
- dazu muss man sagen, dass ich die Theorie habe, dass das Wasser verdunstet, aber das nur nebenbei[↩]
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