Afghanistan – Democracy accomplished!
Hurra. In Afghanistan herrscht Demokratie! Von einer Wahlbeteiligung von 40 bis 50 Prozent ist die Rede – immerhin! Die Besatzer und Heilsbringer des Landes feiern sich selbst. Die Wahlgegner und Anschlagsandroher konnten fast die Hälfte der Wähler nicht davon abhalten, wählen zu gehen. Die Wahlkämpfer hierzulande übertreffen sich gegenseitig in der Hervorhebung dieses grandiosen Ereignisses, das auf der von uns für Afghanistan gezeichneten Geschichte einen weiteren Abschnitt markiert.
Presseagenturen haben die Nachricht weitergetragen, dass einige Wahlbeobachter “Unregelmäßigkeiten” während der Wahlen festgestellt hatten:
Die Stiftung für Freie und Faire Wahlen in Afghanistan (FEFA) berichtete über Mehrfach-Stimmabgaben, minderjährige Wähler und parteiische Mitarbeiter der Wahlkommission. In manchen Gegenden seien Wahlurnen nach Schliessung der Wahllokale mit gefälschten Stimmzetteln aufgefüllt worden, sagte FEFA-Chef Nader Naderi.
Zweimal wird in der Meldung betont, dass trotz dieser von den unabhängigen Beobachter festgestellten und schwerwiegend erscheinenden Fehler im Ablauf, die “EU-Beobachtermission” von einem “weitgehend positiven” Urnengang sprechen. Schließlich sollen die Unregelmäßigkeiten und die Reaktion auf sie nicht mit denen in der iranischen Wahl verglichen werden. Der Tages-Anzeiger zieht konsequenterweise den Zweifel hegenden Artikel zurück und veröffentlicht einen anderen, in dem die Stimmen der anderen Wahlbeobachter vollkommen ausgeblendet werden – unter dem Titel: “EU-Beobachter: Wahl in Afghanistan «weitgehend positiv»”. Dieser hatte den vorigen Artikel – der nicht mehr auffindbar ist – innerhalb einer Stunde ersetzt.
Aber Wahlfälschung, -behinderung und -unregelmäßigkeiten sind eine Sache. Eine völlig andere Sache betrifft eher den Sinn der Wahl an sich. Ist es eine sinnvolle Wahlveranstaltung, wenn der Wähler noch nicht einmal weiß, für wen er wählt?
Faced with a sea of unknown faces, many Afghans confessed on Friday they saw little option but pluck for the pretty girl, the TV star or the good Muslim in a turban when voting for provincial councillors.
Der Artikel in der pakistanischen Zeitung “The international News” ist augenöffnend. Wahrscheinlich ist es unabdingbar die Wahl zu fälschen, um überhaupt eine funktionsfähige Mehrheit – sei sie noch so korrupt – zu bekommen. Aber das Resultat hat nichts mit Demokratie zu tun – zumindest nicht in Afghanistan.
“I can’t remember who I voted for,” … ““I just opened the page and picked a name,” he smiled.
“I voted for a girl,” … “I can’t remember her name but she was pretty,”
“I went through the list and saw a girl more beautiful than the others, so I voted for her,”
“I came across a name — Murad Ali Murad. With ‘Ali’ in his name I thought he might be a Hazara so I voted for him,”
Wahrscheinlich würden in Afghanistan die Liste der Nichtwähler gewinnen, wenn man sie denn ließe. Das hängt nicht nur mit der niedrigen Wahlbeteiligung zusammen, sondern vor allem auch mit einer Konsequenz verantwortlichen Handelns:
“I checked halfway through the list and didn’t like anyone so I cast a blank ballot. I wasn’t sure if they’re the right people… I cast an unmarked ballot so as not to vote for a criminal or a bad guy,” Azimi said.
Und hier nochmal, was wir offiziell von den afghanischen Wahlen halten:
Bundeskanzlerin Angela Merkel bewertete die Wahl als “wichtigen Abschnitt in der Geschichte der demokratischen Entwicklung” Afghanistans. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich erfreut über den “Erfolg demokratischer Tugenden” nach 30 Jahren Terror und Krieg am Hindukusch.
Lesenswert ist auch das Interview mit Conrad Schetter.
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Too Much Cookies Network » Khalil Bendib – International Hate-The-Muslim-Woman Contest — 2. September 2009 @ 08:31
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By Mahdiyar, 22. August 2009 @ 20:52
As-salamu alaikum wr wb
Solange die “richtigen” Kanditaten gewinnen, herrscht in Afghanistan die Demokratie.
Wa alaikum as-salam
By Umm Ishaq, 24. August 2009 @ 15:52
Hamid Karzai rief sich bereits Stunden nachdem die Wahllokale geschlossen hatten, zum Sieger aus. Sein Konkurrent Abdullah Abdullah tat das ebenfalls und obwohl sich bereits Hinweise auf massive Unregelmäßigkeiten (Wähler stimmten mancherorts mehrfach ab) verdichten, gestern in der “Tagesschau” dann das schöne Statement, die Wahl sei “weitgehend transparent” abgelaufen…
Wie aussagekräftig ist ein Wahlergebnis überhaupt, wenn weite Teile der Bevölkerung durch pysische und psychische Gewalt vom Urnengang abgehalten werden?
Und was die Stellungnahmen des afghanischen Wahlvolkes angeht: wieviele Wahlberechtigte werden hierzulande am 27.9. ihr Kreuzchen wieder machen, ohne die Wahlprogramme auch nur einer Blickes gewürdigt zu haben. Einfach nur deshalb, weil schon der Vater ein SPD-Parteibuch hatte, “die Schworze ebe mit Geld umgehe könne” (O-Ton am CDU-Wahlstand in FFM) oder weil “Protest” angesagt ist?.
Übrigens erinnere ich mich noch sehr gut an eine im TV ausgestrahlte Umfrage vor der Bundestagswahl 1994. Frage: Worauf kommt es für Sie bei einem Bundeskanzler an?” Antwort: “Er sollte einen lustige Nase haben”….