Rezension zu “Burka” von Eva Schwingheuer
Kathrin und Silvia haben eine sehr detaillierte Rezension zum Comic-Buch “Burka” von Eva Schwingenheuer geschrieben. Sehr lesenswert sind dabei auch die Analysen der Aussagen von Schwingheuer in Interviews zum Buch. Daneben bieten auch die (dringend nötigen) Ausführungen zu kolonialen Hintergründen der Auseinandersetzung um das muslimische Kopftuch viele interessante Informationen. Lesebefehl!
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By Dji hat wat, 31. August 2009 @ 17:54
Die sogenannte “Rezension” ist nicht lesenwert, sondern die dümmliche, aber natürlich gewollte, Verwechslung von satirischer Kritik mit Rassismus und Kolonialismus. Die Burka ist auch für aufgeklärte muslimische Kreise ein Menetekel der Frauenunterdrückung, das in der Moderne nichts verloren hat. Statt aber das stoffgewordene Gefängnis und Symbol des Taliban-Regimes zu kritisieren, lamentieren die “Autorinnen” völlig fern vom Inhalt der Zeichnungen über den angeblichen Rassismus der Zeichnerin. Eine wirkliche Interpretation findet gar nicht statt. Stattdessen wird einfach ergebnisorientiert eine platte und sehr gefährliche Rechtfertigung der Vollverschleierung abgeliefert. Dies schrieb eine Muslimin, die sich auch ohne Schleier “nicht anbietet”.
By Omar, 31. August 2009 @ 19:01
@Dji hat wat: Du scheinst die Rezension nicht gelesen zu haben und machst dieselben Fehler wie die Autorin des Buches:
1. “Symbol des Taliban-Regimes”: Vollkommener Mummpitz. Die Burka gibt es vollkommen unabhängig von der Taliban. Diese platte Sicht auf die Burka ist es, die zur undifferenzierten Betrachtung führt, wie sie bspw. in den Zeichnungen mündet.
2. Satire vs. Rassismus / Kolonianismus: Ich empfehle wieder die Lektüre der Rezension. Die Autorin Eva Schwingheuer argumentiert nicht nur mit einigen sehr expliziten Karikaturen rassistisch, sondern folgt mit ihren Ausführungen in Interviews ganz klar kolonialistischen Ansichten.
und
3. Die Burka wird an keiner Stelle der Rezension verteidigt.
By Dji hat wat, 31. August 2009 @ 19:22
DU scheinst es nicht zu begreifen. Beinbehaarung: Unter einer Burka kann man noch nicht einmal feststellen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Ku-Klux Clan: Egal ob es die Burka bereits vor dem Taliban-Regime gab, zur PFLICHT wurde sie erst mit diesen menschenverachtenden Fanatikern, die auch ihre eigenen andersdenkenden “Brüder” und “Schwestern” verfolgt und hingerichtet haben. Die Burka wurde später zum Symbol, ich wiederhole nochmals SYMBOL, dieses ultraorthodoxen Regimes, das sich islamisch schimpfte. Daher ist die satirisch verkürzte Nebeneinanderstellung das abstrakte Nebeneinanderstellen zweier brutaler und menschenverachtender Apparate. Um eine Kritik an den Opfern dieses Systems, also vor allen den Frauen, ging es der Zeichnerin, auch nach ihren eigenen Aussagen, gar nicht (das begreift man im übrigen auch ganz ohne ein Interview mit ihr gelesen zu haben). Weiter gehts mit der offensichtlich notwendigen Erklärung der Zeichnungen: Sportpalast-Burka: Gleiches Prinzip wie beim KKC gilt auch im Vergleich zu faschistoiden Systemen, die ebenfalls ihre Untertanen äußerlich, aber vor allen Dingen geistig uniformieren wollen. Kolonialistische Ansichten? Schon klar, die Zeichnerin wird bald in Syrien einmarschieren. Die beiden “Rezensentinnen” wollten sich in meinen Augen einfach nur wichtig machen, um sich in der muslimischen Gemeinde über das Schüren von Angst (Vorsicht überall lauert Rassismus und Islamophobie)anbiedern. Rassismus und Xenophobie gibt es tatsächlich. Aber sicher nicht in diesem Satireband.
By Umm Ishaq, 1. September 2009 @ 11:23
In Ermangelung des nötigen Talents zeichne ich nicht selbst. Wenn ich es jedoch täte, würden mir einige Motive einfallen, die den Sachverhalt (Wer ist Opfer, wer Täter?) deutlicher zutage treten lassen.
Wenn ich die Opfer als Täter oder wenigstens als willige Mitläufer karrikiere, dann wage ich zu behaupten, dass 90% der Betrachter das Abstraktionsvermögen abgeht, hier eine “satirisch verkürzte Nebeneinanderstellung” zu sehen.
Wer auf eine Frage wie “Wollt ihr die totale Burka” lauthals “Jaaaa” brüllt solidarisiert sich de facto mit dem “Islamofaschismus” ebenso wie anno 1943 die Zuhörerschaft im Sportpalast mit dem Nazi-Terror.
Wer mit KKK-Burka aufmarschiert, der ist in der Lage und sogar willens, “Ungläubige” brennen zu lassen oder an einen Lastwagen gefesselt zu Tode zu schleifen.
Was gibt es da zu deuteln? Genau das ist es, was die Zielgruppe dieser Satire lesen und sehen möchte.
By Umm Ishaq, 1. September 2009 @ 11:26
“Aufgeklärte muslimische Kreise” – erläutern Sie mir doch bitte einmal genauer, wer das sein soll.
Auch in der Debatte auf nafisa.de verabschiedete sich ja ein Diskutant in “intellektuellere Kreise”. Ich bin gespannt.
By Dji hat wat, 1. September 2009 @ 15:12
@Umm: Ich meinte mit aufgeklärten muslimischen Kreisen prominente Vertreterinnen wie Seyran Ates und Necla Kelek und die vielen Frauen und Männer, die ebenfalls dafür eintreten, dass sich der Islam für eine zeitgemäße Interpretation öffnet. Was das Abstraktionsvermögen angeht. Satire ist nicht dafür da, jedem der sie nicht versteht auch noch den Witz zu erklären. Außerdem ist es meiner Meinung nach genau umgekehrt. Das Abstraktionsvermögen geht eben jenen 10% ab, die gerne in alles “Islamophobie” hineininterpretieren, sich bereits im nächsten Holocaust wähnen und damit die Opfer verhöhnen, um ihre politischen Forderungen durchzusetzen. Und die lauten: Kopftücher sollten für Lehrerinnen erlaubt sein, Mädchen sollten auch im zarten Alter von bereits 9 Jahren als potenzielles Sexualobjekt mittels Kopftuch stigmatisiert werden dürfen, der deutsche Staat sollte wo es geht doch bitte wieder Geschlechtertrennung(z.B. im Sportunterricht)anbieten. Auch die Muslime sollten anerkennen und sich dafür einsetzen, dass Deutschland ein säkularer Staat ist bzw. die dahingehende Entwicklung auch gegen die Kirchen weiter vollführt. Religionen, und zwar alle Religionen, sind Privatsache. Die Staaten, die dieses vollbracht haben, bieten das beste politische Klima, damit alle Menschen, Gläubige aller Religionen und Ungläubige, in Frieden zusammenleben können. Ich würde mal tippen, dass Sie das nicht bestätigen würden, aber vielleicht gibt´s ja eine Überraschung.
By Omar, 1. September 2009 @ 16:00
@Dji hat wat: Seyran Ates und vor allem Necla Kelek als ausgeklärte Muslime zu kennzeichnen ist schon ein Problem. Vielleicht liegt es aber daran, dass Sie Aufklärung vor allem daran festmachen, inwieweit man Ihnen zustimmt. Jeder, der ihnen nicht zustimmt, sieht sich offensichtlich mitten im Holocaust (wer hat das eigentlich in die Diskussion gebracht?) oder sieht 9-jährige als Sexualobjekte an. Das zeugt nicht nur von einer platten Sichtweise ihrerseits, sondern ist auch keine Grundlage, um überhaupt in die informierte Diskussion einzusteigen.
Es gibt nur wenige Menschen, die nicht “Zeitgemäß” leben möchten – auch unter Muslimen. Was aber das zeitgemäße ausmacht, da werden sich Menschen ja nie wirklich einig – und das ist eigentlich auch gut so.
“Satire ist nicht dafür da, jedem der sie nicht versteht auch noch den Witz zu erklären.”
Ja klar, Juden braucht man auch nicht unbedingt den Witz hinter einer antisemitischen Karikatur heute oder damals zu erklären. Wenn sie den Witz nicht verstehen, dann brauchen sie ja auch nicht mitzulachen. Wie ist das? Sind für Sie rassistische Witze eher dem Rassismus oder doch dem Humor zuzuordnen??
“Die Burka wurde später zum Symbol, ich wiederhole nochmals SYMBOL, dieses ultraorthodoxen Regimes, das sich islamisch schimpfte”
Das ist Ihre Wahrnehmung. Die Taliban hätte wahrscheinlich eher eine Waffe oder – ganz traditionell – vielleicht den aufgeschlagenen Koran als Symbol benutzt und der Burka – auch wenn als Pflicht bereits über Maßen in Wichtigkeit vermehrt – keines zweiten Blickes gewürdigt.
Sie wollen nicht einsehen, dass in den Karikaturen keine Systeme/Apparate/Staaten dargestellt werden, sondern Menschen!
By Umm Ishaq, 1. September 2009 @ 20:05
@Dji hat wat (übrigens ein nettes Wortspiel):
Und wenn ich es nicht bestätigen würde?
Leider kenne ich Diskussionen wie diese zur Genüge. An dieser Stelle sollte eigentlich ein heftiges Dementi folgen, woraufhin die “islamkritische” Fraktion den “Beweis” antreten wird, dass Islam und Demokratie unvereinbar miteinander sind, was die Gegenseite wiederum bestreiten wird….ein perpetuum mobile. Deshalb stelle ich meine politiktheoretischen Ansichten auch nicht zur Diskussion
Nein, ich halte die Vollverschleierung für legitim, wenn sie aus freien Stücken geschieht.
Die Kriminalisierung dieser Frauen und ihre Stigmatisierung in der Öffenlichkeit lehne ich ebenso ab wie ihre beiderseitige Instrumentalisierung für den so genannten “Kulturkampf”. Sie haben für mich eine Existenzberechtigung. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
By Dji hat wat, 2. September 2009 @ 10:46
@Umm: Natürlich sind Islam und Demokratie vereinbar! Wer hat denn etwas Gegenteiliges behauptet? Da ich für einen absolut säkularen Staat eintrete, stellt sich die Frage ja auch gar nicht, weil für mich Religionen eine Sache des Herzens und der Privatsphäre sind. Was die Vollverschleierung (auch die freiwillige) angeht, sind wir völlig anderer Ansicht. Unsere Meinungsverschiedenheit gilt auch für den vorliegenden Satireband – ich habe bereits versucht Zeichnung für Zeichnung darzulegen, dass er nicht die Opfer, sondern symbolisch ein kriminell-patriarchales System karikiert. Wir drehen uns an der Stelle ein wenig im Kreis. Dass Sie das anders sehen ist halt so. Es ist aber auch kein Drama. :)
Vielleicht wäre das Thema Säkularität und Islam ein interessantes Thema an anderer Stelle? Liebe Grüße und danke für´s Wortspiel-Kompliment ;)