Quod Erat Demonstrandum Islamophobie

Hilal Sezgin schreibt in der taz über das “Das reine deutsche Gewissen”..

Islamophobie ist kein Privatvergnügen scheinbar überempfindlicher Muslime, kein Privileg, das sie gegenüber der Mehrheitsgesellschaft ausspielen wollen. Genauso wenig wie die anderen “Ismen”: Der Vorwurf des Antisemitismus ist nicht etwa eine hinterhältige Waffe der Juden, sondern der Hinweis darauf, dass jemand anders die Waffe auf sie gerichtet hat. Frauen machen nicht auf berufliche Benachteiligungen aufmerksam, um den Kollegen die Stimmung zu verderben, sondern weil ihnen selbst die Stimmung am Arbeitsplatz bereits verdorben ist. Natürlich kann man alles missbrauchen. Vereinzelt haben Frauen falsche Sexismus-Vorwürfe erhoben; es gibt Muslime in anderen Ländern, die das Problem “Islamophobie in Deutschland” für ihre eigenen Agitationen nutzen. Doch das sind sekundäre Phänomene, sowohl von ihrer Häufigkeit als auch ihrer Logik her. Zuerst kommen Ausgrenzung und Verbrechen, dann kommt der Vorwurf. Nicht der Vorwurf ist die Gemeinheit, sondern der diskriminierende Akt, der davor geschah!

Doch rassistisch, antisemitisch oder ausländerfeindlich wird eine Äußerung oder Handlung weniger durch die individuelle Absicht eines Einzelnen; sie erhält diese Bedeutung erst vor einem allgemeineren Muster im Hintergrund. Dass die Islamophobie in Deutschland zugenommen hat, bedeutet zum Beispiel, dass sich in unserem öffentlichen Sprechen ein Muster etabliert hat, das bestimmte Bilder evoziert [...]. Dieses Muster klassifiziert Angehörige einer Bevölkerungsgruppe über Stereotype und lässt die Einzelnen eher als ausführende Organe ihrer vermeintlichen “Kultur” erscheinen denn als individuelle Akteure mit eigenen Präferenzen und Entscheidungen.

Danach schreibt schon der erste Kommentator (Peter):

Die Gleichsetzung von Islamophobie mit Antisemitismus halte ich für nicht ganz zutreffend.

Für einen Antisemiten ist die “jüdische Weltverschwörung” die Realität – aber in Wahrheit basiert sein Antisemitismus auf einer Wahnvorstellung, einem Hirngespinst.

Al Qaida und die blutigen Massaker der Islamisten, die Tausende von Toten des 11.September – die sind kein Hirngespinst, keine Wahnvorstellung.

Daher erlaube ich mir schon gelegentlich, hier und da ein ganz klein wenig “islamophob” zu sein.

Die Existenz Al-Qaidas – ungeachtet der Hintergründe und weltweiten Verstrickungen – ist für Peter Grund genug, einem Moslem mit Misstrauen zu begegnen und “klein wenig islamophob” zu sein..

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Comments

  • By Serdar, 22. Juli 2009 @ 12:26

    Ich frag mich, warum die Existenz von Al-Qaida einen Unterschied machen soll? Schließlich hat oft das Ressentiment mit dem wirklichen Juden oder Muslim nichts zu tun. Genauso gut könnte man ja argumentieren, weil es Israel gibt, gibt es Antisemitismus. Infolge von Auflösung dieses Staates würde er einfach verschwinden.

    Sezgin setzt auch den Islamfeindschaft und Antisemitismus nicht gleich. Das beide in einem Satz vorkommen heißt das ja noch gar nicht. Vergleich kann man durchaus beide, und es gibt bestimmt auch Überschneidungen.

    Zum Kommentar von Peter:
    Für einen Antisemiten ist die “jüdische Weltverschwörung” die Realität – aber in Wahrheit basiert sein Antisemitismus auf einer Wahnvorstellung, einem Hirngespinst.
    Tja nach dieser Definition dürften wohl viele Antisemiten (streng genommen) keine Antisemiten sein. Viele hassen Juden einfach aus, weil sie Juden sind. Von dem ideologischen Überbau haben sie oft keine Ahnung.

  • By Serdar, 22. Juli 2009 @ 12:45

    Und damit die Leute nicht dumm sterben, hier zwei Literaturtipps:

    Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich

    Islamfeindschaft und ihr Kontext

  • By ConsiderAbout, 22. Juli 2009 @ 17:08

    Salam,
    wirklich sehr gute Zitate. Der Kommentar von Peter, sowie viele solcher Kommentare, die unter solchen Artikel fast schon zu 100% immer aufzufinden sind, zeigt, dass Islamophobie ein Merkmal ist, welches sich bereits in vielen Köpfen eingebrannt hat, dass jedoch diese Leute sich oftmals dessen gar nicht bewusst sind. Peter mag das bewusst sein, aber viele andere Kommentatoren merken dies nicht einmal. Besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass diese nicht in der Lage sind, an so etwas objektiv heranzugehen.

  • By Dent, 22. Juli 2009 @ 21:28

    Ich leb seit 30 Jahren in einem Teil Berlins mit deutlich überdurchschnittlichem Anteil an muslimischen Mitbürgern, ich kauf im türkischen Supermarkt und lass meine Balkontür im Sommer auch nachts offen, ich würde mich als tolerant und weltoffen beschreiben und ich bin höchstens Islamophob wenn ich nachts aufm U-Bahnhof nem Haufen Schränke mit grimmigen Mienen und Goldketten begegne.

    Aber jetzt mal ehrlich bin ich islamophob wenn ich angst vor Al-Quaida haeb, einer zu 100% Muslimischen Organisation, dessen bewusstes Ziel es ist Angst und Schrecken zu verbreiten?
    Al-Quaida hat sehr wohl etwas mit dem Problem, den Sie behaupten für die Muslime zu sprechen und geniessen viel mehr stillschweigende Zustimmung, als viele Muslime gerne zugeben würden. Heutige Christen werden von Muslemischer Seite auch oft genug mit den Kreuzzügen in Verbindung gebracht. Es gibte bene umgekehrt viele Ressentiments gegenüber Christen in islamischen Ländern.
    Ich persönlich war nie nen Nazi, aber ich muß, als deutscher, auch mit den Stereotypen leben. Als Atheist haben gläubige Muslime vielleicht ein Problem mit mir, usw.

    Ich bin sicher Islamophobie ist ein wachsendes Problem, wenn auch vielleicht nicht ganz so schlimm wie u.a. hier dargestellt.
    Ich bin auch nicht sicher ob man es, vor allem in Deutschland, mit Antisemetismus gleichsetzen kann, auch wenn die Symptome die gleichen sein mögen, die Krankheit die dahintersteckt ist eine andere. Abgesehen davon ist eine nicht unerhebliche Zahl von Muslimen ebenfalls antisemitisch eingestellt, obwohl sie ja – genau genommen – auch Semiten sind.

    Das Problem ist also ein ziemlich komplexes, dem sollte man gerecht werden.

  • By Serdar, 23. Juli 2009 @ 12:44

    @Dent
    Woher weißt du eigentlich das “grimmige Mienen und Goldketten” Muslime sind? Anhand der Hautfarbe? Es könnten auch orthodoxe Christen oder Yeziten sein. Und wenn sie Muslime wären, vielleicht ist ihnen ihre Religion egal?

    Aber jetzt mal ehrlich bin ich islamophob wenn ich angst vor Al-Quaida haeb, einer zu 100% Muslimischen Organisation, dessen bewusstes Ziel es ist Angst und Schrecken zu verbreiten?

    Nö, vor Al-Qaida haben auch Muslime Angst, nur ist die Wahrscheinlichkeit größer in Deutschland von einem Nazi verprügelt zu werden oder vom Auto überfahren zu werden größer. Konsequenterweiße müsstest du Antideutsch sein :-)

    Al-Quaida hat sehr wohl etwas mit dem Problem, den Sie behaupten für die Muslime zu sprechen und geniessen viel mehr stillschweigende Zustimmung, als viele Muslime gerne zugeben würden. Heutige Christen werden von Muslemischer Seite auch oft genug mit den Kreuzzügen in Verbindung gebracht. Es gibte bene umgekehrt viele Ressentiments gegenüber Christen in islamischen Ländern.

    Woher weißt du eigentlich das sie mehr stillschweigende Zustimmung genießen? Unterstellungen und Vermutungen sollten auch belegt werden. Al-Qaida bringt jeden um, warum sollen die Zustimmung genießen? Ich könnte ja behaupten, Katholiken sympatisieren stillschweigend mit der IRA. Und überhaupt hab ich bis jetzt vom Vatikan noch keine Distanzierung gegenüber dem katholischen Terror gehört.

    Ich bin auch nicht sicher ob man es, vor allem in Deutschland, mit Antisemetismus gleichsetzen kann, auch wenn die Symptome die gleichen sein mögen, die Krankheit die dahintersteckt ist eine andere. Abgesehen davon ist eine nicht unerhebliche Zahl von Muslimen ebenfalls antisemitisch eingestellt, obwohl sie ja – genau genommen – auch Semiten sind.
    Du kannst sicher sein, das Antisemitismus nicht mit Islamophobie gleichgesetzt werden kann. Das macht auch keiner. Es gibt auch viele antisemitische Muslime, aber da sind sie bei dem Rest der Mehrheitsbevölkerung in guter Gesellschaft.
    Und noch eine Fehlinformation auszuräumen: Muslime sind keine Semiten und Juden auch nicht! “Semitisch” ist eine Sprachgruppe, keine Nation oder Rasse.

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