Mord an Marwa El-Sherbini: Migranten sind schuld?

Man kann nicht mehr behaupten, dass in Deutschland nicht über den Mord an Marwa El-Sherbini gesprochen wird. Tatsächlich wird recht viel gesprochen. Aus der vollständigen Denial-Phase (Nichtwahrhabenwollen) scheint man langsam herauszuwachsen1, allerdings stellt sich derzeit eine komische Mischung aus Anger (Zorn/Wut) und Denial ein. Jedenfalls wird derzeit von einigen Kommentatoren der Vorwurf der Islamfeindlichkeit in Deutschland mit Schärfe zurückgewiesen. Stattdessen sind mal wieder die Migranten schuld – was ein Glück also, dass Alex W. Migrant ist! Eine Diskussion über die Integration dieser ist in Deutschland weit mehr willkommen, als eine Diskussion über strukturelle Fremdenfeindlichkeit oder Islamfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft.

Vor einigen Tagen hatte Andrian Kreye einen Artikel bei jetzt.sueddeutsche.de veröffentlicht2 , der insgesamt die Multikulturalität als Auslöser für den Mord an Marwa El-Sherbini verantwortlich macht. Der Artikel ist überaus lesenswert, da man daran die Dynamik der Abweisung von Schuld sehr gut erkennen kann. Da wird schnell der Vergleich zu “Rassenunruhen” in den USA gezogen und dann festgestellt:

In allen drei Fällen waren es nicht die offensichtliche Dynamik des Rassismus von einer Mehrheit der Unterdrücker und einer diskriminierten Minderheit, die zum Ausbruch der Unruhen führten. Es war die fatale Mischung aus einander vollkommen fremden Kulturen, die in einem wiederum fremden Drittland aufeinandertreffen, in dem instutionalisierte wirtschaftliche Diskriminierung eine zusätzliche Klassenspannung schafft.

Die Mehrheit ist unschuldig

Das Freisprechen der Mehrheit von jeglicher Schuld funktioniert vor allem dadurch, dass man dem Täter passende Attribute verpasst. Der bekennende Deutsch-Nationalist wird deshalb fast durchgängig als Russlanddeutscher bezeichnet. Manche Medienschaffende legen gar die Vermutung nahe, dass Alex W. im Tschetschenienkrieg gekämpft hätte. Dabei kann das alles nur erklären, warum er für die Deutschen Rechten ansprechbar – ja gar begeisterbar – war, erklärt aber nicht den sehr wohl deutsch-inländischen islamfeindlichen Rassismus, den es nicht nur in rechten Kreise der NPD gibt.

Ohne Zweifel war der Antiislamismus die treibende Kraft. Doch es war eben kein gebürtiger Deutscher, der den Mord beging, sondern ein Russlanddeutscher, ein junger Mann, der seit sechs Jahren hier lebte und den Großteil seines Lebens in Perm nahe dem Ural in Russland verbrachte. Marwa el-Sherbini und ihr Mann Elwi waren auch keine Einwanderer, sondern Vertreter einer internationalen Wissenschaftlerszene. Elwi el-Sherbini ist Genforscher, seine Frau Marwa war Apothekerin. Das übliche Opfer-Täter-Schema von den armen Einwanderern und den mittellosen Rechtsradikalen greift hier also nicht.

Leidet der Autor vielleicht selbst unter rassistischen Mustern? Dass Menschen nicht nur in negativer, sondern auch in positiver Notation einer Fremdheitseigenschaft als feindlich angesehen werden, ist doch nichts neues. Eine alte SWR2-Sendung “Ganz oben thronen wir – Rassismus in der Weltliteratur” wählte deshalb jeweils zwei gebräuchliche Beschreibungen für die vier Gruppen “Neger”, “Jude”, “Muselmann” und “Zigeuner”, von denen eine positiv-neidische und die andere eher eine negativ-herablassende Konnotation besitzt3.

Hass gegenüber Fremden kann sich sowohl an der sozialen oder moralischen Schlechterstellung dieser Fremden – dreckig, dumm, faul, kriminell .. – als auch an der Besserstellung mit dazugehörigem Neid festmachen – reich, überheblich; ja auch Sauberkeit kann als trennende Eigenschaft angesehen werden.

Migrantenprobleme

Aber zurück zum Thema: Die Aufnehmergesellschaft wird von Schuld oder Verantwortung freigesprochen. Noch deutlicher macht es das Deutschland Radio Kultur. Kürzlich sendete es auf einander folgend die meines Wissens ersten und bislang letzten zwei Kommentare zum Mord an Marwa El-Sherbini aus. Man schaue sich einfach mal folgende Titel dazu an:

  • Mord unter Migranten: Der Fall Marwa El-Sherbini, Dorothea Jung
  • Was sagt der Mord an Marwa El-Sherbini über die multikulturelle Gesellschaft?, Michael Bommes

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wieder also das Feindbild multikulturelle Gesellschaft und den dazugehörenden Migranten! Die islamfeindliche Einstellung wird unter Berufung auf nicht näher spezifizierte “Sicherheitskreise” pauschal auf die Herkunft des Täters geschoben:

In Sicherheitskreisen heißt es über den Attentäter, er habe seine rassistische, islamfeindliche Prägung vermutlich schon in der alten Heimat erhalten. Hintergrund: In Russland sind Vorurteile gegen Muslime vor allem wegen des Tschetschenienkrieges weit verbreitet. Gerüchte, der Täter habe selbst in Tschetschenien gegen islamistische Rebellen gekämpft, wurden aber bislang nicht bestätigt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Im darauffolgenden Beitrag wird der Direktor des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien Michael Bommes interviewt. Er hält den Mord nicht für ein Zeichen von steigender Ausländerfeindlichkeit. Eher sieht er den Hintergrund in einer “ziemlich überlagerten” Konfliktsituation, etwa in einer Geschlechterauseinandersetzung:

Wir haben es hier mit einem jungen aggressiven Mann zu tun, der auf eine Situation trifft, in dem sich eine junge Frau – die er eigentlich für wehrlos hält – sich als in der Lage erweist, sich gegen ihn zu wehren. Das spielt hier auch eine Rolle. Das ist eine Geschlechterauseinandersetzung auch (Moderatoring bestätigt).

Dass die überwiegende Mehrheit der von Alex W. abgegebenen Beleidigungen eben nicht auf das Geschlecht des Opfers abzielten, zählt nicht als Hinweis darauf, dass das Wort “Schlampe” für ihn einer generellen Beschimpfung entspricht? Interessant wären die weiteren “überlagerten Konflikte”, die der Wissenschaftler hier sieht..

Deutschenfeindlicher Angriff eines Migranten

Dann spricht Herr Bommes eher langwierig von einer scheinbaren Banalität, dass nämlich auch Migranten “untereinander” Konflikte haben könnten..

In unserer Diskussion tun wird des Öfteren schonmal so, als hätten wir es mit einer homogenen Gruppe zu tun, nämlich der der Migranten und auf der anderen Seite hätten wir die Nichtmigranten. Und bei den Migranten vermuten wir, dass die irgendwie integrationsbedürftig sind, aber diese Migrantin, mit der es wir hier zu tun haben, die da ermordet worden ist, war offensichtlich keinesfalls integrationsbedürftig, sondern war gut etabliert – eine Apothekerin. Was wir im Migrationsprozess wiederkehrend beobachten ist, die Situation der Migranten ist nicht homogen, die sind in unterschiedlichen sozialen Lagen und die konkurrieren eben nicht nur mit Deutschen, die konkurrieren auch untereinander – auf Arbeitsplätzen, in der Schule, im Erziehungssystem, auf dem Wohnungsmarkt. Und insofern sollten wir nicht davon ausgehen, dass Migranten untereinander ein irgendwie harmonisches Verhältnis hätten und nicht etwa miteinander in Konflikt geraten könnten.

Und in solchen Konflikten beobachten wir in gewisser Weise auch all die Hässlichkeiten dieser Welt, wie wir sie sonst auch beobachten, nämlich dass man sich da – ja – bizarrerweise ausländerfeindlich oder eben auch schlicht und einfach rassistisch verhält.

Der Rassismus – so scheint es – ist etwas, was wir aus der Auslandsberichterstattung im Fernsehen kennen. Auf deutschen Straßen wäre das zu “bizarr” und wenn, dann nur importiert. Dementsprechend entwickelt sich der Rest des Interviews nur noch im Lichte der Auseinandersetzungen zwischen Migranten.

Etwas Bemerkenswertes geschieht hier allerdings quasi als Nebenprodukt: Durch die Zuschreibung des Integriertseins an Frau El-Sherbini, wird das Opfer plötzlich vorrangig über das Zu-uns-Gehören definiert, während wie schon dargelegt der Täter – trotz seiner deutschen Staatsbürgerschaft – mehr und mehr zum Ausländer gemacht wird. Der Angriff könnte so gesehen ein deutschenfeindlicher Angriff eines Migranten gesehen werden. Sollten wir da nicht Herrn Koch gratulieren. Er dürfte sich mit Deutschenfeindlichkeit zur Genüge auskennen..

Antimuslimischer Rassismus existiert nicht?

Aber Moment mal: Das Opfer hätte eben aufgrund ihrer Bekleidung und ihres Verhaltens – eben ihres Muslimseins – zu Lebzeiten niemals das Emblem des Integriertseins erhalten. Dieses Privileg wird Tausenden von muslimischen Frauen tagtäglich abgesprochen, auch wenn sie ähnliche oder gar bessere akademische Qualifizierung erlangt haben. Ganz im Gegenteil: man begegnet ihnen auch auf behördlichen Stellen mit Misstrauen und politisch werden ihnen wahlweise böse Absichten oder zumindest Unterdrücktheit vorgeworfen. Wenn die Vermutung stimmt, dass Frau El-Sherbini regelmäßige Moscheebesucherin war, dann dürfte sie wahrscheinlich auch mal diskriminatorischen Kontrollen von Seiten der Polizei ausgesetzt gewesen sein.

Aber nicht nur das. Beleidigungen – offen oder hinter vorgehaltener Hand – sind auch ein Alltagserlebnis von Muslimen. Be- oder Anspucken, Abfälligkeiten und Beschimpfungen über die Bekleidung – vor Allem das Kopftuch – sind Alltag für viele Muslime. ‘Alltag’ heißt auf keinen Fall Normalität oder Häufung, sondern vor Allem etwas, womit man zu leben lernt – etwa wie schlechtes Wetter in Norddeutschland. Dazu gehören in der Zeit nach dem 11. September 2001 natürlich auch die öffentliche Bezeichnung als “Islamist” oder gar “Terrorist”. Dass es zu Handgreiflichkeiten kommt, ist natürlich viel seltener der Fall.

Wahrscheinlich wäre es auch im Falle von Marwa El-Sherbini nicht zu Gewalt gekommen, wenn es keine Gerichtsverhandlungen gegeben hätte, wenn also Alex W. seine Beschimpfungen weiterhin ohne Konsequenzen hätte loswerden dürfen. Fest steht, dass Marwa El-Sherbini nicht die erste Muslima in Deutschland ist, die aufgrund ihrer Religion angemacht, bedroht wurde oder gar Gewalt erlebte. Dazu Michael Bommes:

Wenn Sie in die türkischen Gemeinden reingucken, die machen in ihrem Alltag natürlich irgendwie die Erfahrung, dass die Tatsache, dass man Moslem ist, einen unter etwas wie einen Dauerverdacht stellt. Und man muss damit rechnen, dass wenn man Moslem ist, dass man irgendwie etwas wie ein verdächtiger Mensch ist. Das ist ein Bißchen das, was in den letzten Jahren beobachtbar ist. Ich glaube, dass das im Alltag für die eine große Rolle spielt, aber nicht der dramatische Islamhass, wie wir im Falle von Dresden beobachten. Das – würde ich nach wie vor sagen – ist eine Ausnahmeerscheinung. Für die gibt es keinen Grund, die jetzt irgendwie für eine generelle Erscheinung zu halten.

Mich verwundert nicht, dass ich keine speziell auf die türkischen Gemeinden ausgelegte Studie bei Herrn Bommes’ Institut finden kann. Bei den Allgemeinplätzen, die er hier dazu bringt, scheint er nicht wirklich ausmachen zu können, welchen konkreten Diskriminierungen Türken (und Muslime) tatsächlich ausgesetzt sind.

Natürlich läuft man als Muslim nicht in Todesangst durch die Straßen. Allerdings reicht die Mischung aus kollektiver Gewaltandrohung in den Kommentarseiten nicht nur rassistischer Internetseiten wie PI, sondern auch etablierter Massenmedien wie “Die Welt” und tatsächlicher Gewaltausübung, die sich in Brandanschlägen auf Moscheen, Nazi-Parolen an Häuserwänden und Grabsteinen sowie einzelnen Übergriffen auf Muslime auf offener Straße aus, um an der These des Einzelfalls zweifeln zu lassen und von einem gefährlichen Trend zu sprechen. Eine Verweigerungshaltung ist da nicht zweckdienlich.

Nebenbei: islam.de führte bis Ende 2005 eine recht lange Liste an fremdenfeindlichen Angriffen gegen Muslime. Darunter finden sich Brandanschläge, tätliche Übergriffe und Schmierereien Rechtsradikaler. Diese Realität wird nicht wahrgenommen, weil sie einfach nicht berichtet wird. Und solange das nicht der Fall ist, wird auch ein Herr Bommes immer behaupten können, dass Muslime eigentlich keiner konkreten Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt sind.

Update 1:

Soviel zur Islamfeindlichkeit von “Russlanddeutschen”: russlanddeutsche Zeugen auf dem Spielplatz hatten Marwa ihr Handy geliehen, damit sie die Polizei rufen konnte. Sie wurden trotzdem bei der Ermittlung der Situation durch die Polizei ignoriert. In der Morgenpost steht mehr:

Ludmilla reichte ihr das goldene Motorola, was eine erneute Kanonade von Invektiven ihr gegenüber provozierte. Marwa rief dann mit Ludmilla Niesens Handy die Polizei. Zwei Wagen und vier Beamte kamen innerhalb von fünf Minuten und sprachen mit der Ägypterin, ihrem späteren Mörder und dem deutschen Vater als Zeugen. Mit den russlanddeutschen Frauen sprachen sie nicht. “Die Polizei hat von uns gar keine Notiz genommen, obwohl wir dort waren”, erzählt Korol. Sie sei überrascht gewesen, dass die Polizei nicht den Störer mitnahm, sondern die junge Frau. Die Erzählung der Frauen und ihrer Söhne bestätigt die bisher bekannten Fakten. Aber sie stellt die gängigen Interpretationen vom Konflikt unterschiedlicher Einwanderergruppen infrage. Auf dem Spielplatz hat sich ein Mann wie ein Psychopath benommen. Die Eltern haben sich dagegen gewehrt. Ausländer, Deutsche und Russlanddeutsche – gemeinsam.

Update 2:

Auch in der Frankfurter Rundschau schiebt Viktor Funk die Schuld auf “Russlanddeutsche”.

Wenn es eine Lehre aus der Tat in Dresden gibt, dann die: Das Thema Integration gehört – wieder einmal – auf die Tagesordnung. Über eins muss man sich dabei klar sein: Alle Migranten, auch die Russlanddeutschen, brauchen mehr Hilfe bei der Integration und vor allem Aufklärung darüber, dass Deutschland ein Land vieler Kulturen ist.

Diese Lehre ist doch nicht nur bei vielen NPDlern, sondern auch bei vielen Politikern und Wählern quer durch das politische Spektrum noch nicht angekommen. Braucht man da auch besondere integrative Anstrengungen? Und wie soll das erreicht werden? Ich meine, dass auch die “WELT” einen ähnlich gelagerten Kommentar veröffentlicht hatte, kann ihn aber leider nicht mehr finden.

Update 3 (21.7.2009):

Gerade rief mich Viktor Funk von der Frankfurter Rundschau an und wir haben uns über seinen Artikel unterhalten. Ich scheine seine Intention falsch verstanden zu haben, was das Verschieben von “Schuld” weg von der Mehrheitsgesellschaft hin zu den Migranten angeht. Tatsächlich schien mein Missverständnis vor allem am Begriff der “Integration” festmachbar sein. Unter Integration versteht Herr Funk eine beidseitige Integration, in der auch die “Aufnehmergesellschaft” Schritte auf die Migranten zutun muss. Dass in lange Zeit geleugnet wurde, dass Deutschland Einwanderungsland ist – eine Erkenntnis, die manch Politiker bis heute nicht erreicht hat – ist ein Symptom fehlender Integration. Herr Funk verwies auch auf das Buch “Etablierte und Außenseiter” von Norbert Elias, das mehr Licht in die Begriffsverwirrung bringen kann.

  1. mit den Phasen sind die von Elisabeth Kübler-Ross definierten fünf Phasen des Sterbens[]
  2. einen Tag später dann zu einem ‘richtigen’ Süddeutsche-Artikel aufgewertet[]
  3. Die Manuskripte der Sendung habe ich nicht mehr auf den Seiten von SWR2 finden können. Ich habe sie allerdings damals schon abgespeichert, da sie sehr gut waren. Interessierte sollten nachfragen. Die Eigenschaften im Übrigen: “Faul und lustvoll – der ‘Neger’”, “Intelligent und hinterhältig – ‘Der Jude’”, “Sinnlich und fanatisch – Der ‘Muselmann’” und “Frei und diebisch – der “Zigeuner”.[]

Andere Beiträge:

  1. Liebe Muslime, dreht nicht durch!
  2. Marwa E. – victim of a murder motivated by anti-islamic hatred
  3. Rassisten und der Mord an Ilan Halimi
  4. “Es geht nicht darum, Schuld zu sprechen..”
  5. Wie eine ältere türkische Frau..

Comments

  • By Umm Ishaq, 19. Juli 2009 @ 21:01

    As salamu alaykum,

    nach Silvias Kommentar auf nafisa.de noch ein sehr schöner, vor allem polemikfreier Beitrag!

    Bei der Lektüre der WELT-Artikel fiel mir auf, dass diese nahezu alle aus der Feder von Günther Lachmann stammen. Zur Erinnerung: der Redakteur Lachmann ist Autor eines der ersten so genannten ” islamkritischen” Bücher (“Tödliche Toleranz – Die Muslime und unsere offene Gesellschaft”), auf das auch in Bielefelds Studie explizit angesprochen wird.

    Die Dunkelziffer der tätlichen Angriffe auf muslimische Frauen ist zweifelsohne deutlich höher. Allerdings handelt es dabei häufig um Schwestern, deren äußeres Erscheinungsbild auch von zahlreichen Muslimen bis hinauf zu den Entscheidungsebenen der Verbände zumindest missbilligt. Hier hat man ganz oder teilweise die Kampfrhetorik der Mainstreammedien übernommen. Etwas mehr Solidarität täte Not.

  • By Susanne, 22. Juli 2009 @ 13:16

    Das Hauptproblem ist doch, dass sich muslimische Frauen verhüllen müssen, weil muslimische Männer so notgeil sind, dass sie sonst ihre eigenen Schwestern berubbeln. Hier täte ein kleiner Ledermaulkorb um das beste Stück Wunder. Dann könnte auch Marwa ohne Shleiereulenoutfit rumlaufen und würde noch leben.

  • By Serdar, 22. Juli 2009 @ 13:24

    @Susanne
    Wie jetzt? Der Mörder hat Marwa umgebracht, damit sich muslimische Männer nicht an ihr berubbeln?
    Achtung, so kann man den Mord auch als emanzipatorisch(!) rechtfertigen!

  • By Omar, 22. Juli 2009 @ 13:27

    @Susanne (Winter?): Stimmt wohl. Sind sie wohl selber schuld, wenn sie wie “Schleiereulen” (Giordano würde sagen “Pinguine”, aber da hat ja jeder Menschenfreund seinen eigenen Tiervergleich parat..) rumlaufen. Für dich scheint der Mord ja sehr verständlich zu sein!

    Natürlich irrst du! Das Hauptproblem besteht darin, dass du (und andere) glaubst, dass es ok ist, Marwa und andere zu bevormunden und ihnen vorzuschreiben, was sie anzuziehen haben und was nicht. Und du nennst dich wohl liberal..

  • By Melantrys, 22. Juli 2009 @ 18:47

    *glotz*

    Also, das ist mit einer der dümmsten Kommentare, die ich je gelesen habe.

    Wenn das Kopftuch erzwungenermaßen getragen wird (was ja leider durchaus vorkommt), dann bin ich auch keine Freundin desselben.
    Ansonsten herrscht hier in Deutschland eigentlich Religions- und Meinungsfreiheit usw.

    *schreib, lösch, schreib, lösch*

    Nein, das ist mir zu krank, meine Gedanken über den tatsächlich Fall zu definieren; das ist respeklos, auch wenn keines meiner Worte so gemeint wäre und ich hypothetisch über Dinge spekulieren würde, die im obigen Kommentar einfach angenommen wurden, ohne tatsächliche Fakten auch nur ansatzweise wissen zu wollen.

    Also ein Gedankenspiel. Fall 1. Machen wir ihn gleich ganz “schlimm”:
    Ein böser, böser Araber in Deutschland zwingt seine Frau, die das tatsächlich gar nicht will, Burqa zu tragen, damit diese ekligen unmoralischen Westler sie nicht anstarren, und natürlich, damit seine Mit-Muslime nicht denken, sie könnten sich ungestraft an ihr rubbeln, weil sie eine nur halb bekleidete Schlampe ist.
    Die arme Frau ist total unglücklich, fügt sich aber brav, weil sie gaaaanz fromm ist, und der Islam ja bekanntermaßen die Unterwerfung fordert (Allah, Papa, Ehemann, egal).

    Soweit das klischeeigste Islam-Klischee.
    Aber gehen wir davon aus, daß es in ihrem Fall zutrifft.

    Ein durchgeknallter Rassist sieht sie auf offener Straße, brüllt irgendwas über Pinguine und erschießt sie.

    Klarer Fall: der Islam ist Schuld. Wäre er nicht so verklemmt und hinterweltlerisch, hätte die arme Frau keine Burqa tragen müssen, und würde heute noch leben.

    Fall 2:
    Ein total moderner, aufgeklärter Araber lebt mit seiner Gattin in Deutschland und hat kein Problem damit, daß sie sich westlich (bis aufreizend im Hochsommer) kleidet, weil sie schließlich moderne Menschen sind, und hält diejenigen aus der muslimischen Gemeinde, die sie deshalb kritisieren, für antiquierte Idioten.

    Das letzte Mal in der Moschee war diese Frau vor drei Jahren oder so.

    So. So sollten sie sein, unsere voll integrierten Ausländer, nicht wahr?

    Ein durchgeknallter Rassist hört auf offener Straße, wie diese Frau mit verdächtig großer Nase mit leicht arabischem Akzent etwas zu einem Gemüsehändler sagt, brüllt irgendwas über die Unterwanderung unserer Gesellschaft durch den Islam und erschießt sie.

    Klarer Fall: hätte die Frau besser Deutsch gelernt, dann würde sie heute noch leben.

  • By Serdar, 23. Juli 2009 @ 12:33

    Wir merken uns: Besser Deutsch lernen! Die Deutschen könnten uns sonst umbringen, das hat hier Tradition!
    Jetzt weiß ich auch, warum sie in Solingen gezündelt haben! Die konnten alle kein Deutsch.

  • By Melantrys, 23. Juli 2009 @ 13:53

    Genau.
    Oder sie hatten zu große Nasen. Irgendwas müssen die doch an sich gehabt haben, was das provoziert hat, sonst wäre das doch nicht passiert.

    Oder hab’ ich da was falsch verstanden?

  • By Umm Ishaq, 24. Juli 2009 @ 13:06

    Dabei ist Tyota alba – die gemeine Schleiereule – ein hochintelligentes Tier und mit einem exzellenten Gehör ausgestattet. Pinguine sind bekannt für ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Sie leben monogam und sorgen hingebungsvoll für ihre Nachkommen. Selbst Ratten, mit denen man in der Brachialrhetorik der PI-ler gern einmal verglichen wird, sind wiederrum ihrer Intelligenz und ihres verzahnten Gesellschaftswesens wegen für Biologen und Zoologen seit Jahren ein attrativer Forschungsgegenstand.

    Im Grunde ist es also doch wahrhaftig eine Ehre, mit Wesen verglichen zu werden, von deren Qualitäten sich mancher Zeitgenosse aus dem Kreise der hauptberuflichen Abendlandretter eine große Scheibe abschneiden könnte.

  • By Melantrys, 24. Juli 2009 @ 15:47

    Hehehe.

    *Applaus @ Umm Ishaq*

Other Links to this Post

  1. Musafira — 25. Juli 2009 @ 12:09

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

Einen Kommentar schreiben