Necla Kelek, Navid Kermani hat den Christen “ins Gebüsch gepinkelt”

Vor einigen Tagen hat Necla Kelek ihr “Urteil” zur Causa Navid Kermani gefällt. So unwichtig ihre Meinung auch sein mag und so unbeholfen stets ihre Versuche der Meinungsäußerung auch immer erscheinen mögen, irgendeine Zeitung druckt sie schon ab. Und wenn es nicht die FAZ ist, dann zumindest die “Welt”. Wieder einmal merkt man an den Äußerungen Keleks, dass sie nicht verstanden hat, worum es geht.

Herr Kermani sehe nur, “was er will” und es falle ihm “nur das Eigene, sein Islambild, ein”. Ihre Reflexe in Bezug auf muslimbezogene Themen verlassen sie auch hier nicht und so tut sie das, was sie Herrn Kermani unterstellt, wenn sie folgendes Gedankengeholpere zum Besten gibt:

Dabei wäre die Auseinandersetzung zum Beispiel um Marias Jungfräulichkeit gerade für einen Muslim eine Herausforderung. Aber Kermani bleibt dem traditionellen islamischen Denken verhaftet. Zitat: “Jungfräulichkeit bedeutet für mich nichts anderes: rein – und damit, immanent gesprochen: gereinigt – von der Erfahrung.” Projiziert er damit nicht seine islamische Auffassung von der Jungfrau, die auf dem weißen Laken dem Mann oder der Sippe nachweisen muss, dass sie “rein”, das heißt unberührt – “frei von Erfahrung” ist?

Ja, da ist er wieder, der böse Muslim, der traditionell und standardmäßig eine Reinheitsvorstellung pflegt, die die Veräußerung der intimsten Privatsphäre an die nächste Öffentlichkeit gebietet. Einen anderen Muslim kennt Frau Kelek nicht und damit sei der Beweis erbracht, dass es diesen Muslim nicht gibt. Die Jungfräulichkeit hebe im islamischen Kontext auf die “sexuelle Unselbständigkeit der Frau ab”. Sie sei traditionell ein “stillschweigender Teil des Ehevertrags”. Bei allem Geschwafel von der berührten Frau als “ehrlos” vergisst Kelek, dass eine Wiederheirat im islamischen Kontext nicht nur erlaubt, sondern häufig anzutreffen ist und eine “unberührtheit” beider Partien eher in wenigen Ehen der Fall ist. Vielleicht spricht sie aber vom Katholizismus oder von evangelikalen Idealvorstellungen einer Ehe.

Davon hat sie allerdings ganz andere Vorstellungen:

Die Unberührtheit Marias beinhaltet nach meiner Auffassung aber auch die Unabhängigkeit vom Mann, das Recht ohne Sexualität leben zu dürfen – wie die Nonnen.

Dass sich die Geschichte Marias – vor Allem, was die Unberührtheit angeht – zwischen Islam und Christentum kaum unterscheiden, scheint ihr nicht bekannt zu sein und so kann man über ihre recht willkürliche emanzipatorische Interpretation ruhig hinwegsehen. Dass Frau Kelek selbst nur sieht, was sie sehen will, erkennt man daran, dass ihr nicht auffällt, dass die islamische Geschichte weit mehr von einer ‘Unabhängigkeit’ Marias geprägt ist. Nicht nur, dass im christlichen Glauben stets ein Josef von Nazaret eine Rolle spielt, teilweise als Marias Verlobter, teilweise sogar als ihr Mann, manche Christen sehen in Josef den tatsächlichen Vater von Jesus. Aber wenn das der Fall ist, dann ist die “Unberührtheit” Marias in der christlichen Vorstellung immer noch weit mehr mannabhängig als die im Islam.

Im Folgenden – der eigentliche Anlass für diesen Artikel – ein Leserbrief von Claudia Karas an die “Welt”-Redaktion, der den gesamten Text von Necla Kelek behandelt:

Leserbrief zu “Eloquente Nuscheligkeit Navid Kermani hat den Christen ‘ins Gebüsch gepinkelt’. Es wurde bemerkt. Eine Entgegnung von Necla Kelek” vom 27.06.09

Nachdem Necla Kelek erst kürzlich den Direktor des kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, Claus Leggewie angepinkelt hatte, dehnt sie ihren Harndrang aus auf Navid Kermani — und „Die Welt“ ist dafür das richtige Örtchen!

Nicht Navid Kermanis Wirken ist fragwürdig, sondern Keleks unqualifizierte „Entgegnung“ mit der sie u.a. auch den zunächst als Preisträger für den Hessischen Kulturpreis genannten renommierten Wissenschaftler Fuad Sezgin in den Dreck zieht. Eben weil dessen Beweggründe für die Ablehnung in den wenigsten Zeitungen vollständig und korrekt wiedergegeben wurden, kann Kelek diese auf infame und hinterhältige Weise in Zweifel ziehen.

Zweifellos hat Sezgin den Preis nicht abgelehnt, weil er nicht zusammen mit “dem Juden und stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden” ausgezeichnet werden wollte, sondern tatsächlich wegen der — angesichts der israelischen Kriegsverbrechen milde formulierten — “sehr einseitigen Befürwortung der damals virulenten militärischen Aktivitäten Israels in Gaza” und es ihm „als striktem Gegner militärischer Konfliktlösungen in der heutigen Welt unmöglich ist, unter diesen Umständen den Preis anzunehmen“. Allein dafür gebührte ihm der Kulturpreis alleine und nicht Kriegstreibern wie Herr Korn und den beiden anderen Vorgeschlagenen, die für eine unkenntliche “Schaffung einer Kultur des Respektes” geehrt werden sollten.

Keleks Urteil über Kermanis Buch “Gott ist schön” ist schlicht inkompetent und anmaßend. Offensichtlich fehlt ihr die intellektuelle Gabe, ein Buch des Islamwissenschaftlers vorurteilsfrei zu lesen, geschweige denn auch nur zu begreifen!

Mit “Gott ist schön” hat Navid Kermani der Schönheit der arabischen Sprache in Gestalt des Koran ein Denkmal gesetzt.

Er möchte auch den nicht Arabisch Sprechenden die Schönheit des Koran und der arabischen Sprache nahebringen und die Faszination der Koran-Rezitation – die gleichzeitig Herz und Verstand anspricht – auf die Hörenden begreiflich machen und erklärt, warum diese schöne Koran-”Dichtung” eigentlich nicht “übersetzbar” ist.

Das ist zuviel des guten für Necla Kelek, die nicht Arabisch spricht und nichts versteht – und doch mitreden will im großen Kreis der meist selbsternannten “Islam-Experten”.

Gewiss, nicht nur “für den Muslim Kermani eine ganz fremde Vorstellung” – deutelt Kelek kurioserweise “die Unberührtheit Marias” als “Unabhängigkeit vom Mann, das Recht ohne Sexualität leben zu dürfen – wie die Nonnen.” und “die Disziplinierung des Triebes (sei) Voraussetzung für Zivilisation und Spiritualität”. Hingegen soll man aber “die Schamkultur des Islam aus diesem Verhältnis zur Jungfräulichkeit ableiten”, denn “dem Muslim wie dem Islam ist ihre Art von Entsagung gotteslästerlich”.

Claudia Karas

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Comments

  • By Umm Ishaq, 3. Juli 2009 @ 11:35

    Ich habe Navid Kermanis Artikel in der NZZ mehrmals gelesen. WO äußert er sich eingehender über die Jungfräulichkeit Maria? Es ist eine Reflexion über den gekreuzigten Jesus.

    Necla Kelek ist imho keine ernstzunehmende Kritikerin des gegenwärtigen Islams, wobei ich Kritik hier als etwas Befruchtendes, Notwendiges verstanden haben möchte. Sie ist eine von eigenen Traumata zutiefst verstörte, komplexbeladene Persönlichkeit, die im Grunde noch immer gegen die dominante Figur des eigenen Vaters kämpft. Ihr pathologisch anmutender Griff ins eigene Haar zu jeder sich bietenden Gelegenheit ist nur ein äußeres Anzeichen dafür.

    Würde sie nicht vermittels der o.g. Blätter (u.a. von denen man es im Grunde nicht erwartet) ihre Bösartigkeiten, vulgo: soziologisch getarnte Hetze in die Köpfe der Mehrheitsgesellschaft streuen, sie könnte mir beinahe leid tun.

  • By Serdar, 3. Juli 2009 @ 22:04

    Die Frau ist sich echt für nichts zu schade, nur um zu “Eingemischtsein” zu simulieren.

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