Interview gone bad – Wenn Palästinenser undankbar werden…

Der Moderator im Deutschland Radio Interview an die palästinensische Tourismusministerin Khouloud Daibes gewandt:

Frau Daibes, warum dieser emotional-schroffe Ablehnung? Warum zählt für sie nicht diese Geste: Zwei freie Völker Seite an Seite – so eine Vision aus dem Munde von Benyamin Netanjahu, das wäre doch vor Wochen, vor Monaten noch undenkbar gewesen. Warum zählt nicht allein diese Geste und den Rest dieser Punkte, die sie angesprochen haben – die Siedlerfrage, das Flüchtlingsproblem – kann doch dann Gegenstand von Verhandlungen sein..

Die Befragte hatte kurz davor sehr sachlich dargelegt, warum die palästinensische Seite1 von der Rede Benyamin Netanjahus nicht gerade begeistert war. Hier ist ihre Aussage, die eine solche Antwort beim Moderator ausgelöst hatte:

Das Problem ist, dass nach sechzig Jahren die Palästinenser nicht mehr die Verwaltung der Besatzung akzeptieren [können], Jerusalem ist jeden Tag bedroht von weiterer Konfiszierung des Landes, von Vertreibung der Palästinenser aus Ostjerusalem – das ist alles gegen das internationale Recht. Das sind besetzte Gebiete, die das Rückkehrrecht, das ist ein Menschenrecht, was auch total abgelehnt wird. Ohne diese Minimalforderungen der Palästinenser, was im historischen Friedensprozess angefangen hat, könnte man nicht zum Frieden kommen. Und ich denke, wenn man “Zwei-Staaten-Lösung” sagt, das sind zwei unabhängige Staaten, wo beide Völker mit Würde und mit voller Zuständigkeiten leben. Was Netanyahu anbietet ist ein – wenn Sie wollen – ein Ghetto unter israelischer Kontrolle! Ein Staatlein2, wo die Palästinenser überhaupt nichts zu sagen haben und ich denke nach über 60 Jahren Vertreibung und Besatzung ist das nicht vielverlangt, wenn die Palästinenser einen Staat verlangen in den besetzten Gebieten einschließlich Jerusalem und das basiert auch auf die internationale Legitimität. Insofern – wenn diese Prinzipien nicht anerkannt werden; ich denke da kann man nicht von besserer Zukunft für unsere Kinder reden.

Also: warum kann es nicht um die “Geste” gehen? Die Vertagung der zentralen Fragen – und sie hat nur einige Wenige angesprochen – kann nicht ernsthaft als Lösungsansatz gelten. Der Moderator schlägt im Prinzip vor, dass Palästinenser sich mit dem zufrieden geben sollten, was ihnen Herr Netanyahu zu geben bereit ist, immer berücksichtigend, dass Herr Netanyahu ja auch ‘ganz anders’ könnte, sich aber derzeit beherrscht..

Nachdem er sie dann allen Ernstes fragte, wozu ein palästinensischer Staat eine Armee bräuchte – eine der Dinge, die die israelische Seite ablehnt – wirft er ihr vor:

Frau Daibes, Sie haben den US-Präsidenten angesprochen. Er hat die Netanyahu-Rede als einen wichtigen Schritt vorwärts interpretiert. Sind Sie nicht gerade dabei, die neuen US-amerikanischen Sympathien zu verscherzen?

Übersetzt: Papa wird richtig böse sein!

Was für ein schlechtes Interview – und das lag nicht an ihren Antworten.

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Update 17.6.2009:

Inzwischen ist der Wortlaut des Interviews auf dradio.de veröffentlicht. Ich fasse einfach mal die ersten paar seiner Fragen zusammen:

  • Frau Daibes, warum sind Sie nicht bereit, die ausgestreckte Hand des israelischen Ministerpräsidenten zu ergreifen?
  • Wollen Sie also die ganze Hand und nicht nur den kleinen Finger?
  • Ist die Tür für Verhandlungen tatsächlich jetzt wieder zugeschlagen? So hat es Ihr Chefunterhändler formuliert.
  • Frau Daibes, warum diese emotional schroffe Ablehnung? Warum zählt für Sie nicht diese Geste, zwei freie Völker, Seite an Seite? …

Erkennt man ein Muster?

  1. und sie spricht da vor allem für die Teilregierung im Westjordanland, auch wenn sie in der ‘Einheitsregierung’ ebenfalls einen Ministerposten inne hat..[]
  2. kleiner Staat[]

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Comments

  • By Zionist Juice, 17. Juni 2009 @ 12:48

    “Daibes: Das ist eigentlich keine ausgestreckte Hand, das ist eine Explosion aller Friedensbemühungen, die wir seit 16 Jahren führen.”

    das nenne ich mal einen gelungenen fall von selbstironie!

    das problem ist: die palaestinensischen araber wollen keinen eigenen palaestinensischen staat. das ist das problem.

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