Frauenfreundliche Moscheen und Gemeindehäuser
Samstag, 2. Juli 2005, 00:11
Zwei islamische Organisationen, die “Islamic Social Services Association, Inc” (ISSA) und “Women in Islam, Inc” haben mit der Unterstützung von fünf grossen amerikanischen und kanadischen islamischen Dachverbänden und Organisationen ein Informationsblatt für Moscheevereine herausgebracht, das darauf drängt, muslimischen Frauen den Zugang zur Arbeit in Moscheen nicht länger zu verweigern. [1,2] Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass Frauen in führende Positionen oder Positionen mit besonderer Verantwortung gewählt werden können.
Die Verfasser bedienen sich einiger Verse aus dem Koran, um die Dringlichkeit ihres Anliegens zu unterstreichen. So heisst es etwa in Al-Tauba (9:71) grob übersetzt:
Und die Gläubigen, Männer und Frauen, sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und verrichten das Gebet und zahlen die Steuer (gemeint sind Almosen) und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. ..
Die Pflicht Gutes zu tun und Schlechtes abzuwenden, wurde beiden Geschlechtern explizit auferlegt, obwohl das grammatikalische Maskulin hier ausgereicht hätte.
Interessant ist auch der Kapitel über die aktuelle Lage der Teilhabe von Frauen an Moscheeaktivitäten. Auch wenn die Daten vom Jahr 2001 stammen, so werden sie dadurch nicht weniger aussagekräftig. Dass beispielsweise 75% der Moscheebesucher Männer sind, wird heute immer noch stimmen. In Deutschland wird das vor allem der Fall sein (der Anteil könnte sogar etwas grösser sein), da ein grosser Teil der Moscheebesucher ausländische Studenten sind, die durchaus auch ledig leben. 54% der Moscheen in Nordamerika pflegen regelmässige Aktivitäten speziell für Frauen, 27% gelegntlich und 19% überhaupt nicht! Ich erwarte persönlich, dass sich diese Verteilung über die letzten paar Jahre gravierend geändert hat. Heute kann es sich keine Moschee leisten, Frauen zu ignorieren.
In 50% der Moscheen sassen oder sitzen Frauen in Vorständen oder Stellen der Entscheidungsfindung! Auf der anderen Seite erlauben 31% der Moscheen Frauen nicht den Zugang zu solchen Verantworungspositionen. Nur 19% berichteten, dass sie zwar die Tore für die Partizipation von Frauen in Entscheidungsfindungsprozesse geöffnet hatten, aber sich in den letzten fünf Jahren keine Frauen gemeldet hätten, die daran Interesse hatten.
Die Verfasser gehen dann darauf ein, was einzelne Moscheen tun können, um diese Missstände zu beseitigen. Einen Satz aus der Einleitung möchte ich an dieser Stelle übersetzen, weil ich glaube, dass sich jeder Moscheevorstand darüber Gedanken machen sollte:
Wenn Kindern beigebracht wird, dass der Islam Frauen und Männer gleichwertig behandelt und dass der Islam Frauen beispiellose Rechte gegeben hat, und dann mit ansehen müssen, dass die Praxis der Theorie wiederspricht, dann ist ihr Wille dem Glauben zu folgen erschüttert.
Omar
[1] Women Friendly Mosques and Community Centers: Working Together to Reclaim Our Heritage (intro.pdf)
[2] Women Friendly Mosques and Community Centers: Working Together to Reclaim Our Heritage (text.pdf)
[3] US Muslim Groups Urge Mosque Rights for Women
Category: Islam
Tags: Ausland, emanzipation, euroislam, frauen, Islam, kopftuch, vereine
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