Dialog ist wenn nur ich reden darf
In einem Treffen, das dem Dialog gewidmet war, hat dieser Eingriff eine direkte Negation dessen dargestellt, was ein Dialog sein soll. Wir hoffen, dass solch ein Vorfall die Mission des Papstes nicht beschädigen wird, die auf die Förderung des Friedens und des interreligiösen Dialogs angelegt ist, wie er bei seiner Pilgerreise bei vielen Gelegenheiten bekräftigt hat. Wir hoffen, dass dieser interreligiöse Dialog im Heiligen Land nicht durch diesen Vorfall kompromittiert wird.
Was war passiert? Gab es einen Anschlagsversuch auf den Papst? Auf die Versammlung?
A senior Palestinian Muslim cleric fiercely denounced Israeli policy in Jerusalem in the presence of Pope Benedict on Monday and appealed to the pope to help end what he called the “crimes” of the Jewish state.
Was war geschehen? Auf einer interreligiösen Dialogveranstaltung im Rahmen einer Reise des katholischen Obermuftis1 Papstes hatte der palästinensische Richter Sheikh Taiseer Tamimi spontan das Mikrofon ergriffen und eine Rede gehalten, in der er auf die Besatzungswirklichkeit Israels mit klaren Worten aufmerksam machte.
Offensichtlich hat sich der Papst allerdings nicht vorgestellt, dass Dialog so verstanden werden könnte, dass andere Menschen sprechen könnten. Oder aber, er wollte die Gesprächsthemen so weit einschränken, dass der Elefant im Raum nicht anzusprechen wäre.
Jedenfalls hat der Pressesprecher des Vatikans Federico Lombardi folgende Pressemitteilung herausgegeben:
The intervention of Sheikh Tayssir Attamimi was not scheduled by the organizers of the meeting. In a meeting dedicated to dialogue this intervention was a direct negation of what a dialogue should be.
Wie soll denn ein Dialog aussehen? Wenn der Dialog nicht auch dazu genutzt werden kann, sich auf grundsätzliche Dinge einigen zu können, dann ist es fraglich, weshalb ein solcher Dialog geführt werden sollte. Zu diesen Grundsätzlichkeiten gehört die Ablehnung von Verbrechen und Terror.
Er bat darauf um Vergebung für das, was Christen Juden antaten — ein indirektes Schuldeingeständnis, so wurde es jedenfalls verstanden, des Versagens der Kirche in Zeiten des Holocaust.
Das “Versagen der Kirche” müsste eigentlich “Komplizenschaft der Kirche” und müsste meines Erachtens für Katholiken von heute zusammen mit dem Unfehlbarkeitsanspruch des jeweiligen Papstes immer noch ein Paradoxon ergeben. Aber unabhängig davon besteht das Versagen auch darin, dass die Kirche zumindest nicht gegen die Verbrechen vorging. In dieser Tradition sieht sich der jetzige Papst wohl immer noch, wenn er die brutale Besatzungsmacht Israel nicht verurteilt.
Auch die israelische Seite hat auf das “Vergehen” von Tamimi reagiert:
It is a shame that the extremists were those who represented the Palestinians and the Muslims in this important event in the presence of the Holy See.
Tamimi ist also ein Extremist dafür, dass er der israelischen Regierung die Besatzung und das Töten vorwirft?? Wie unverschämt muss man eigentlich sein, um das Anprangern von Morden als Extremismus einzustufen? Über diese Differenzen muss man sich doch in einem interreligiösen Dialog einigen können. Das wird auch von allen gefordert, wenn es um die Distanzierung der muslimischen Vertreter von Terroristen geht. Wie glaubwürdig ist diese Forderung, wenn doch auf der anderen Seite Morden und Aushungern ohne weitere Diskussion hingenommen werden müssen?
Diese Themen sind natürlich ansatzweise politischer Natur. Zumindest beinhalten sie auch politische Differenzen jenseits der moralischen Aspekte. Der Papst versuchte zu bekräftigen, dass er nicht in politischer Mission sei und aus diesem Grund das Thema “Nahost” nicht berühren möchte. Auf der anderen Seite ist sein Auftritt und seine Selbstinszenierung – nicht nur im nahen Osten – zu einem Großteil politischer Natur. Auch behandelt er die Menschen um sich wie es ein Politiker auf der Suche nach Fotoshoot-Möglichkeiten tun würde. Ernsthaftigkeit bei dem Dialogvorhaben scheint da nur zweitrangig.
- ich liebe es immer wieder, wenn von muslimischen “Geistlichen” oder “Pastoren” die Rede ist… [↩]
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Comments
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By salomon, 22. Mai 2009 @ 17:11
das kommt davon, wenn man die haelfte unterschlaegt.
der netter herr hat naehmlich nebenbei dazu aufgerufen, dass sich christen und muslime gegen “die juden” verbuenden sollen!
das liest sich doch dann etwas anders. nicht wahr, ya omar!?
By Omar, 22. Mai 2009 @ 18:21
@salomon: “der netter herr hat naehmlich nebenbei dazu aufgerufen, dass sich christen und muslime gegen “die juden” verbuenden sollen!”
Das liest sich durchaus anders. Ist aber gleichzeitig auch nicht wahr. Zumindest in seiner Rede beim Papstbesuch ist von diesem Aufruf keine Spur. Bist du der selbst der arabischen Sprache mächtig und hast dir die Rede angehört oder woher hast du diese Information?
Aber das bringt mich auf eine Idee. Vielleicht werde ich in nächster Zeit den Wortlaut der Rede von Tayseer At-Tamimi übersetzt wiedergeben, dann können wir über die Details unterhalten.