Die nächste fremdenfeindliche Pleite beim Anti-Islamisierungskongress

Es war schon eine schöne Veranstaltung, die hier in Hannover durchgeführt wurde. Am Freitag, den 1. Mai haben sich zwischen 15.000 und 20.000 Menschen auf dem Klagesmarkt versammelt, um neben den alljährlichen Demonstrationen und Kundgebungen gegen wirtschaftliche Ausbeutung und für stärkere Arbeitnehmerrechte auch gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu kämpfen. Verschiedenste Organisationen von den Gewerkschaften, über Migrantenorganisationen, Kirchen, Stadtverwaltung, Stadtteilvertretungen, politischen Parteien, Hochschulen, (teils spontanen) Künstlervereinigungen usw. usf. nahmen am “Fest der Demokratie” teil.

Es war sehr gut, dass man nicht nur auf das Verbot oder die Einengung der Demonstration hingearbeitet hat, sondern sich inhaltlich damit auseinandergesetzt hat und durch das demonstrative Zusammensein gezeigt hat, wer “das Volk” ist und wer sich in der Minderheit befindet – ein Eigenschaft, die sich der rechte Rand – durch eine verständliche Selbst-Ghettoisierung1 – oftmals zuschreibt. Dass sich dabei beispielsweise lokale pro-palästinensische und pro-israelische Organisationen auf einen gemeinsamen Aufruf einigen konnten stößt Radikalen – Namen werden aus Angst vor Klagen nicht genannt – durchaus negativ auf, ist aber im Zentrum des Anliegens: Der Aufruf gegen Rassismus besitzt eine breite Konsensfähigkeit – und das ist gut so.

Vom Projekt “offene Moscheen” hatten wir die Teilnahme von verschiedensten Muslimen am Fest unter dem Banner “Muslime gegen Rassismus” initiiert – und viele Hannoveraner Moscheevereine für die Idee gewinnen können2. Zwei Zelte mit einer Moscheenausstellung, Plakaten und Informationsmaterial zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sowie Tee und Gesprächen haben wir organisiert. Beliebt war dabei der Kalligraphietisch, an dem der jeweilige Vorname in schöner arabischer Schrift von einem Kalligraphen auf einen Button aufgezeichnet wurde. Für Kinder gab es einen Tisch mit Kinderschminke.

Die rechtsradikale Demonstration in Hannover war im Vorfeld bereits verboten worden, weshalb auch bis auf einige wenige Rechte kein Auftritt der Rassisten zu verzeichnen war.

Warum erzähle ich das? Heute sollte ja der vielbesungene “Anti-Islamisierungskongress”3 in Köln stattfinden. Rechtsradikale und ganz allgemein islamophobe Gruppierungen in ganz Europa hatten dazu aufgerufen, so auch “Deutschlands größter [sic] politischer Blog”. Wieviele sind dabei zusammengekommen?

Die Veranstaltung der Organisationen “Pro Köln” und “Pro NRW” mit Rednern europäischer Rechtsparteien begann am Mittag auf einem Platz im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz. Wie die Polizei WDR.de sagte, gab es etwa 150 Teilnehmer.

150! Zunächst einmal die Frage: 150 mit oder ohne den Veranstaltern und ihren Ordnungskräften, bezahlten Soundcheck-Menschen und Schlägertrupps? Und dann: 150? Aus ganz Europa? Dafür blähen sie sich aber im Internet ganz schön auf.. Alles unter multipler Persönlichkeit leidende Mitbürger?4

Dazu sage ich nur: an unserem Kalligraphiestand am 1. Mai sind wir mehr als 500 Buttons los geworden – und die Nachfrage war ja durchaus größer!

Nebenbei: Das ändert jetzt meine Todo-Liste für dieses Jahr:

  • Islamisierung – check!
  • Untergang des Abendlands organisieren – check and counting..

..ich hab ja sonst nichts zu tun…

  1. verständlich ist die Ghettoisierung vor allem rückwärts: rassistisches Gedankengut kann nur dann aufrecht erhalten werden, wenn man es wie eine Monokultur pflegt[]
  2. das war recht viel Arbeit, die sich allerdings gelohnt hat[]
  3. müsste es nicht “Antiislamisierungskongress” heißen, um im Sinne der Veranstalter zu sein??[]
  4. Dass die Rassisten selbst von 1000 Teilnehmer sprechen, ignorieren wir mal aufgrund der leeren Flächen, die eindeutig in den Videos zur Veranstaltung zu sehen sind..[]

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Comments

  • By epicykel, 11. Mai 2009 @ 03:53

    Daß sich mehrere tausend Leute in Hannover versammelt haben, um gegen Nazis zu protestieren, ist eine schöne Sache. Und auch völlig gefahrlos – der Nazi-Aufmarsch war ja verboten worden. Weniger schön war, wie seitens der Staatsmacht mit Menschen umgegangen wurde, die aktiv etwas gegen Nazis zu unternehmen suchten: indymedia

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