Rassismus hat mit Grobheit nichts zu tun
Wolfgang Günter Lerch schreibt in der FAZ-Glosse am 24.4. dass der neue israelische Außenminister Avigdor Lieberman “etwas von einem Elefanten im Porzellanladen” an sich hätte. Ihn markierten “grobe Sprüche” und Körpersprache mit einer “gewissen Aggressivität”. Den Assuan-Staudamm zu bombardieren, wenn Ägypten “angreifen” sollte, hatte Lieberman einmal vorgeschlagen.
Allerdings weicht diese Grobheit einer gewissen Pragmatik, wie Lerch feststellt, indem er auf das Treffen von Avigdor Lieberman mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Suleiman1 hindeutet.
Dass Lieberman seine Ansichten plötzlich radikal geändert haben könnte, ist unwahrscheinlich; doch seine diplomatisch-abgewogenen Äußerungen gegenüber dem ägyptischen Gast machen deutlich, wozu der politische Alltag, wenn man ein Amt innehat, auch ein ausgesprochenes Rauhbein bewegen kann.
Lerch schlußfolgert daraus, dass man auch einer israelischen Regierung das Recht der ersten hundert Tage zubilligen sollte. “Dann sieht man weiter.” Ähnliche Gedanken äußerte er bereits Anfang April.
Mein erster Gedanke war: Diese 100-Tage-Regel muss wahrscheinlich genau nach den palästinensischen Wahlen Anfang 2006 entstanden sein. Denn keiner sprach von der 100-Tage-Regel als die “Rauhbeine” Hamas gewählt wurden. Damals sprachen alle davon, dass es ein Unding sei, dass die Palästinenser nicht die Fatah gewählt hatten. Auf der anderen Seite muss man Wolfgang Günter Lerch zugute halten, dass er auch damals konsequent genug war, dazu aufzurufen, die Wahlen unabhängig vom Ergebnis zu akzeptieren.
Wie der Westen, wie Europäer und Amerikaner darauf reagieren, wird dazu beitragen, in welchem Maße Muslime die Demokratisierungsforderungen von außen ernst nehmen. Gelten sie nur, wenn ‘die Richtigen’ gewählt werden? Nicht zuletzt die Amerikaner waren es, die immer wieder auf diese Wahlen gedrungen haben.
Wiederum muss man sich fragen, wofür eigentlich Herr Lerch warnt, wenn er der israelischen Regierung die 100-Tage-Frist zubilligen möchte. Befürchtet er, dass “westliche” Regierungen geschlossen ein Embargo über Israel verhängen? Vielleicht die Waffenlieferungen stoppen?? Ziemlich unrealistisch!
Letzter Gedankengang: Der Vergleich zwischen Avigdor Lieberman und der Hamas ist zumeist irreführend. Die Hamas ist außenpolitisch ein “Problem”. Avigdor Liebermans kleinste “Probleme” sind die außenpolitischen. Die Hamas hat nicht vorgeschlagen, Christen des Landes zu verweisen, wenn sie nicht der Hoheit der Muslime in Palästina zustimmen. Das genau hat allerdings Lieberman vorgeschlagen. Wenn man den israelischen Außenminister unbedingt mit jemandem vergleichen wollte, dann müsste man den inzwischen versorbenen Jörg Haider heranziehen. Avigdor Lieberman ist ein Rassist. Seine Grobheit kann er durchaus verschleiern, aber nicht seinen Rassismus. Billigt man einem Rassisten auch die 100 Tage zu?
- der vollständige Namen dieses ominösen wichtigen Menschens bleibt uns vorenthalten, warum? Ist er so geheim, dass noch nicht einmal jemand seinen vollständigen Namen kennt?[↩]
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