Ayaan Hirsi Ali in Hannover: “Gefahren des Islams”

Vor etwas mehr als einer Woche war Ayaan Hirsi Ali (eigentlich: Magan) in Hannover und hat in der Cumberlandschen Galerie über die “Gefahren des Islam” referiert. Meinen Kommentar zur äußerst unkritischen Berichterstattung habe ich auf der Kommentarseite der haz veröffentichen lassen. Für Interessierte empfehle ich die Video-Dokumentation über Ayaan Hirsi Ali.

Der folgende Bericht hat mich dann noch von einem Bekannten erreicht, der selbst bei dem Vortrag anwesend war:

Gastbeitrag von Moritz

Ayaan Hirsi Ali, die oft als eine der wichtigsten Islamkritikerinnen der Welt bezeichnet wird, hat im März 2009 ein neues Buch veröffentlicht – “Adan und Eva, eine Begegnung mit dem Islam”. Im Zuge einer Europatour war sie auch in Hannover zu Gast. Ich weiß nicht, ob die Lesung ausverkauft war, aber es sah danach aus – rund 100 Leute die sich fast auf dem Schoß saßen und sieben Beamte des LKA die jede Bewegung aufmerksam verfolgten. In dieser Veranstaltung in der Cumberlandschen Galerie des Schauspielhauses Hannover las Ayaan Hirsi Ali das Essay “The Need for Self-Reflection Within Islam” aus ihrer Essaysammlung aus dem Jahr 2004 (Die Notwendigkeit der Selbstreflexion im Islam; der Text ist auch im Anhang des Romans Adan und Eva abgedruckt). Danach gab es eine Diskussionsrunde mit der Autorin und Regisseurin Thea Dorn und die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen.

Ich war überrascht darüber, wie ignorant Ayaan Hirsi Ali, Thea Dorn und die Zuschauer waren. Hirsi Alis Argumentationslinie beruht darauf, dass sie behauptet der Koran sei ein Buch voller Hass. Sie “beweist” dies durch aus dem Zusammenhang gerissenen oder unvollständigen Zitaten. Sie sagt außerdem, dass Islam ein monolithischer, hinterwäldlerischer und gefährlicher Glauben sei. Ayaan Hirsi Ali räumt ein, dass die Gläubigen selbst natürlich verschieden seien, den Islam an sich lehnt sie aber ab. Ich verstehe zwar, dass jemand der unter Wahhabiten aufwuchs, solch ein Bild vom Islam haben kann, doch sie ignoriert bewusst die verschiedenen Strömungen und kulturellen Kontexte des Glaubens, während sie gleichzeitig ihre schrecklichen Erlebnisse in Somalia, Saudi Arabien und Kenia auf die gesamte Religion projiziert. In einem Fernsehinterview, ausgestrahlt am 23.04. auf Kulturzeit/ 3Sat sagte sie außerdem, dass Euro-Islam eine Farce sei. Ein Großteil des Publikums klatschte enthusiastisch zu diesen Ausführungen.

Nun gut, sie sagte viele vereinfachende und verallgemeinernde Dinge, aber was hätte man auch anderes von jemanden erwartet, der für einen konservativen Think Tank arbeitet? Mich ärgerte viel mehr die Moderatorin und das Publikum. Alles was ich in dieser Situation hätte machen können, wäre ein Statement vor knapp einhundert islamophoben Menschen abgegeben können, denn eine Diskussionkultur herrschte in diesem Kreis nicht. So schwieg ich stattdessen und musste mir folgenden Unsinn anhören:

  • Ayaan Hirsi Ali behauptet, dass es in islamisch geprägten Ländern keinen wissenschaftlichen Fortschritt und keine kulturellen Leistungen gebe sowie dass islamische Gesellschaften in Frieden mit ihren Nachbarn lebten. Das ist eine offensichtliche Lüge und zudem eurozentristisch wenn nicht gar rassistisch.
  • Thea Dorn und Ayaan Hirsi Ali sagten, dass alle Kriege in letzter Zeit einen Bezug zum Islam hätten, zum Beispiel Irak, Iran und Afghanistan. Auch hier muss ich Einspruch erheben. Als Bush die Entscheidung traf, den Irak völkerrechtswidrig zu bombardieren, wo gab es dort die Verbindung zum Islam? Und abgesehen davon, dass Ayaan Hirsi Ali sich solch einen Krieg erhofft, wo gab es einen Krieg zwischen dem Iran und “dem Westen” in den letzten Jahren?
  • Ayaan Hirsi Ali und Stimmen aus dem Publikum forderten die Menschen auf, sie an Moslems zu wenden, und sie davon zu überzeugen, von ihrem “aggressiven Glauben” abzuschwören. Einige sagten: “Würden Moslems überhaupt zuhören? Kommen sie überhaupt zu einer “aufklärerischen” Veranstaltung wie dieser? Ich kann hier keine Moslems erkennen!”
    “Sollen sie vielleicht einen gelben Stern (oder Halbmond) tragen?!”, murmelte ich.
    Ayaan Hirsi Ali fragte dann tatsächlich, ob Moslems anwesend seien. Einige Pakistanis und eine Freundin, mit der ich die Lesung besuchte, hoben die Hand. Einige im Publikum wurden nervös. Vielleicht weil sie in “wir gegen SIE” Mustern dachten. Nach der Veranstaltung fragte ein Lehrer meine Freundin, ob sie die Lesung nicht davon überzeugt hätte, dass es besser sei, abzuschwören.

Ich bin immer noch erstaunt darüber, dass Ayaan Hirsi Ali so wenig aus ihrem Politikstudium in den Niederlanden mitgenommen hat. Sie kann immer noch nicht Religion von Kultur unterscheiden und verwechselt Korrelation mit Kausalität. Außerdem projiziert sie ihre Biographie auf die gesamte “islamische Welt” und wurde dafür von Islamophoben zur Heldin ernannt.

Die Veranstaltung war keine Diskussionsrunde, es war eine islamophobe Mehrheit die “sich gegen die multi-kulti Beschwichtigungs-Verschwörung wehrt”. Als ob solch eine Verschwörung überhaupt existiere. Interessanterweise wirkte das Publikum auf mich wie archetypische links-liberale Intellektuelle (ich glaube Seyran Ates saß in der ersten Reihe), so dass ich von die Einseitigkeit der Veranstaltung irritiert war. Warum saß kein muslimischer Intellektueller auf dem Publikum? Doch welcher liberale Moslem würde schon mit einer anti-islamischen Fanatikerin “diskutieren” wollen…

Eine Woche nach der Veranstaltung wurde mir der Band “Die Grenzen der Toleranz” von Ian Buruma empfohlen, in dem die Person Ayaan Hirsi Ali und die Ereignisse in den Niederlanden differenzierter betrachtet werden als in der Autobiographie “Mein Leben, Meine Freiheit”.

Andere Beiträge:

  1. Ayaan Hirsi Ali / Magaan – Video
  2. Ayaan Hirsi Ali Magan
  3. Moschee die; -,…scheen, Haus der Gefahren!
  4. Filistina 2008 in Hannover
  5. Webmontag in Hannover

Comments

  • By Amatulhaqq, 8. April 2009 @ 14:34

    Ayaan Hirsi-Ali ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich verkrachte Existenzen mithilfe der medial und politisch geschürten Angst vor dem Islam ihre “5 minutes of fame” verschaffen. Ohne jene wären sie aufgrund ihrer dürftigen Ausbildungsbiografien vermutlich genau dort, wohin in Krisenzeiten wie diesen immer mehr Geringsqualifizierte abrutschen: in der HartzIV-Endlosschleife. Doch dank eines feinen Näschens für kluge Vermarktungsstrategien und geschäftstüchtiger PR-Berater schaffen es diese “It-Girls” der Islamkritikergemeinde immer wieder, ihre unsäglichen gesellschafts- und kulturpolitischen Schlichtheiten und Halbwahrheiten ins weite Rund zu streuen und uns glauben zu machen, sie seien eine intellektuelle Avantgarde, die prophetischen, aufklärerischen Rufer in einer Wüste aus religiösem Wahn.

    Wenn man Interviews mit Hirsi-Ali ließt, verschlägt es einem immer öfter die Sprache. Offen redet sie davon, der Islam müsse “ein für allemal vernichtet” werden. Neulich erklärte sie sogar, sie fände Tom Tancredos Idee (Nuklearschlag gegen Mekka und Medina im Falle eines neuerlichen Terrorangriffs auf die USA) “gar nicht schlecht”. So etwas entdeckt man natürlich nur nach einer Google-Odyssee.
    Für solche Ansinnen lässt sich ein “Menschenrechtspreis” ja kaum rechtfertigen. Oder etwa doch?

  • By Abrothbar, 8. April 2009 @ 22:42

    Solche Veranstaltungen sind einzig allein einer gruppe ihre Poltischen und ideologische Ansichten immer wieder zu erinnern. Es hat eher was von einem Club Treffen in sie sich man sich selbst gerne beim ständigen wiederholen ihre Behauptungen zu hören.

    Wer widerspricht dem wird “Zensur” vorgeworfen gewünscht ist Selbsthass der Muslime. Die Extremisten “beweisen” die “Boshaftigkeit” indem die “Islamkriitker” ihnen zusprichen “Recht zu haben” und für alle zu “sprechen”.
    Mit diesen Trick wird sowie so alles was ein Moderater Muslime sagt “wertlos” (in deren Augen).
    Es ist ein perfider Trick den Muslimen vorzuwerfen Extremisten nicht per Gedankenkontrolle(?) davon abzuhalten etwas schlimmes zu tun.

    “dass alle Kriege in letzter Zeit einen Bezug zum Islam hätten” Weil diese in muslimisch Ländern stattfinden?
    Das dort Muslime tagtäglich im Kampf gegen den Terror ihr Leben lassen intressiert selbstgeile Hetzter natürlich nicht. Für sie ist dies ja gerade der Beweis wie “böse” der Islam sei.

    Mit anderen Worten wenn sie Muslime gegen Extremisten wehren zeigt wie “Böse” der Islam ist.

    Offensichtlich gilt das nicht wenn diese in Christlichen Ländern stattfinden.
    In wie fern die Religion im Kongo, Angola, Ruanda, Kolumbien einen Bezug hat/hatte aber es sind ja mehrheitlich Christliche Länder. “Der Bezug” scheint wohl eher den Hass solcher Personen auf die Muslime zu entsprechen (Sie sehen diese Kriege als gegen den Islam).

  • By Andreas, 10. April 2009 @ 12:40

    @ Amatulhaqq,

    eine “dürftige Ausbildungsbiografie” hat (Magan) “Ayan” Hirsi Ali ja nicht gerade vorzuweisen. Sie hat eine der besten Oberschulen für muslimische Mädchen in Kenya besucht. Ungeachtet ihrer Einstellung muss man feststellen, ihre politische Karriere in Holland nicht ohne einen für kenyanische Verhältnisse überdurchschnittlichen Bildungsstand möglich gewesen wäre.

  • By Amatulhaqq, 10. April 2009 @ 15:27

    Das mag zutreffen, jedoch wird wider besseres Wissen immer noch an der nachweislich falschen Version festgehalten, sie habe sich so zusagen “von ganz unten” an die Spitze, sprich: in einen Neocon- Think Tank, emporgearbeitet.
    Damit lässt sich die Behauptung untermauern, dass selbst Migranten aus der arabischen bzw. islamischen Welt integrierbar und aufstiegsfähig seien, wenn der “Hemmschuh Islam” erst einmal weg gefallen sei.

  • By Andreas, 10. April 2009 @ 18:49

    @ Amatulhaqq, ich bin mir in vielen Fällen der Berichterstattung in den Medien nicht sicher, ob da “wider besseres Wissen” falsch berichtet wird. In diesem Fall vermute ich eher Faulheit und Schablonen-Denken.

  • By Herbert, 11. April 2009 @ 18:06

    “eine “dürftige Ausbildungsbiografie” hat (Magan) “Ayan” Hirsi Ali ja nicht gerade vorzuweisen. Sie hat eine der besten Oberschulen für muslimische Mädchen in Kenya besucht.”

    boah diese islamisten geben mädchen einfach schuldbildung =D
    Ihre geschwister waren soagr auf einer christlichen Schule.

  • By Andreas, 11. April 2009 @ 18:11

    “boah diese islamisten geben mädchen einfach schuldbildung”

    @ Herbert, das haben sie ja nicht.

  • By Amatulhaqq, 18. April 2009 @ 17:09

    Aus aktuellem Anlass noch eine Wortmeldung.
    Es soll nicht unterschlagen werden, dass Personen wie Ayaan Hirsi-Ali nur deshalb diese Aufmerksamkeit und auch diesen unglaublich großen Zuspruch genießen, weil die Probleme, die sie thematisieren EXISTIEREN.
    Ja, die Lage der Frauen in Teilen der islamischen Welt IST katastrophal, ja, ist gab und gibt so genannte Gelehrte, die FGM über Verheiratung von Mädchen < 9 Jahre so ziemlich alles rechtfertigen, was dazu angetan ist, einem Mädchen / einer Frau ein normales Leben nachdem, was auch für eine gläubige Muslima ein normales Leben darstellt (Schulbildung, freie Berufs- und Partnerwahl, etc)zu verwehren.
    Die Kunst liegt nun darin, einerseits auf diese Missstände aufmerksam zu machen, andererseits aber auch auf die große Tradition der Frauenachtung im Islam. Hierzu gibt es zahllose Belege. Einzig: Hirsi-Ali et. al. vermögen dies nur deshalb glaubhaft zu verneinen, weil WIR (und damit meine ich nicht nur muslimische Frauen sondern auch und vor allem MÄNNER) nicht in der Lage sind, eine mächtige Gegenstimme gegen die zu erheben, die uns unserer elementaren RECHTE berauben.

    Wir sollten jedoch auch stets den Finger in die Wunde legen, die bei diesen zu “Helden der Menschenrechten” stilisierten Figuren klaffen und immer wieder laut und ohne Scheu die Frage, nach deren eigener Einstellung zu diesen stellen.

    Ayaan Hirsi-Ali fordert die “Auslöschung des Islams”
    Mina Ahadi, Mitglied einer Partei, die selbst das stalinsche GULAG-System und Maos “Kulturrevolution” als “bourgeoise” einstuft, fordert die Entziehung des Sorgerechts von Eltern muslimischer Mädchen (kollidiert massivst mit Art 6 Abs 2 u 3 GG!!) und fordert, den Islam auszulöschen.
    Ibn Warraq – unterstützt den indischen “Freidenker” Jaya Gopal, der den Freiburger Sektenguru Fritz-Erik Hoevels vom faschistoiden “Bund gegen Anpassung” aka. “Ahriman-Verlag” mit der Publikation seines Buches “Gabriels Einflüsterungen” beauftragt hat. Dieser (und Ibn Warraq) fordern die physische Auslöschung des Islams – durch Genozid. Jawohl! Einfach mal in die nächste Buchhandlung gehen, Buch zur Hand nehmen und nachlesen.

    Die “Leuchtenden Sterne der Aufklärung” – möge es für ihre Unterstützer nie einen Tag geben.

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