Gewalt gegen Zivilisten im Gaza-Krieg

Deutschland Radio strahlte eben gerade folgendes Interview mit dem Historiker und Buchautor Daniel Cil Brecher.

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Es geht im Interview um die kürzlich bekannt gewordenen Bekenntnisse von israelischen Soldaten, die im Gaza-Krieg teilgenommen haben und entweder gegen eigene oder gegen Gewaltexzesse von Kameraden gegen Zivilisten ausgesagt haben. Leider noch nicht verschriftlicht, deshalb nur ein kleiner Ausschnitt daraus:

Herr Brecher, eigentlich decken sich die Berichte der Veteranen doch mit den Darstellungen auf palästinensischer Seite und Völkerrechtlern. Warum ist die Bevölkerung jetzt erst schockiert?

Brecher: Die israelische Bevölkerung geht davon aus, dass all das, was Palästinenser sagen erst einmal als Propaganda behandelt wird und mit einer Prise Salz genossen werden muss. Die Aufregung, die jetzt entstanden ist, geht auch darum, dass die israelischen Soldaten selbst das Nest beschmutzen. Das ist auch ein Teil der Debatte im Moment.

Ein Haaretz-Artikel erklärt die Lage ganz gut:

Another squad leader from the same brigade told of an incident where the company commander ordered that an elderly Palestinian woman be shot and killed; she was walking on a road about 100 meters from a house the company had commandeered.

The squad leader said he argued with his commander over the permissive rules of engagement that allowed the clearing out of houses by shooting without warning the residents beforehand. After the orders were changed, the squad leader’s soldiers complained that “we should kill everyone there [in the center of Gaza]. Everyone there is a terrorist.”

Mich überrascht diese Ansicht nicht, da die veröffentlichte Meinung der führenden Politiker in Israel von nichts anderem gezeugt hat. Das Leben der Palästinenser (und in 2006 der Libanesen) ist weit weniger wert als das Ziel, wieder als Vormacht zu gelten. Dass Libanesen und Palästinenser selbst für ihren Tod verantwortlich sind, bedeutet nur, dass sie allesamt Terroristen sind, die bestraft werden. Das ist bei weitem keine “normale” Kriegsführung, in der strategische und realistische Ziele verfolgt werden. Wie weit das an der Rationalität der Führung und Regierung Israels zweifeln lässt, sei jedem einzelnen überlassen.

Das Verhalten der israelischen Soldaten ist allerdings keinesfalls einzigartig. Daniel Cil Brecher hebt hervor, dass die Dömonisierung der Gegner ein gängiges Vorgehen bei längerfristigen kämpferischen Auseinandersetzungen ist.

Es ist ein allgemeines Problem. Das hat nichts mit dem “genetischen Design” der Israelis zu tun. Es entsteht allmählich, es ist nicht etwas, was sich punktuell einstellt. Es ist eine Haltung gegenüber den Palästinensern, die entsteht im Konflikt, in dem jahrzehntelangen Konflikt, die Entmenschlichung. Wenn ein Soldat auf Zivilisten schießt, so bedeutet das erst einmal, dass er bei sich selbst einen gewissen Schalter umlegen muss, sonst geht das gar nicht anders.

Das ist natürlich auch bei Palästinensern der Fall, die teilweise Mord an israelischen Zivilisten damit rechtfertigen, dass diese “alle Soldaten Israels” sind. Genauso kann man auch die Dämonisierung in Dokumentationen zu den US-Kriegen in Afghanistan und dem Irak sehen. Ich empfehle an dieser Stelle die Dokumentarfilme “The Road To Guantanamo” (2006)1, “Ghosts of Abu Ghraib” (2007) und vor allem “Taxi To The Dark Side” (2007).

Im israelischen Kontext drückt sich die Entmenschlichung der Gegner zunächst einmal in der Einstellung der Soldaten zu ihrem Beruf. Nun werden z.B. gängige T-Shirts der israelischen Soldaten unter die Lupe genommen und – siehe da! – tote Palästinenser – explizit Zivilisten und darunter viele Kinder – sind Hauptmotive der T-Shirts.

Dead babies, mothers weeping on their children’s graves, a gun aimed at a child and bombed-out mosques – these are a few examples of the images Israel Defense Forces soldiers design these days to print on shirts they order to mark the end of training, or of field duty. The slogans accompanying the drawings are not exactly anemic either: A T-shirt for infantry snipers bears the inscription “Better use Durex,” next to a picture of a dead Palestinian baby, with his weeping mother and a teddy bear beside him. A sharpshooter’s T-shirt from the Givati Brigade’s Shaked battalion shows a pregnant Palestinian woman with a bull’s-eye superimposed on her belly, with the slogan, in English, “1 shot, 2 kills.”

Tote Babys, Mütter, die an den Gräbern ihrer Kinder weinen, eine Waffe, die auf ein Kind gerichtet ist und gesprengte Moscheen – dies sind einige Beispiele von Bebilderungen, die sich israelische Soldaten diese Tage auf ihre T-Shirts drucken lassen. T-Shirts, die sie sich anlässlich des Ende ihrer Ausbildung oder eines Feldeinsatzes bestellen. Die Slogans, die dazu kommen sind auch nicht weniger kraftlos: Ein T-Shirt für Scharfschützen trägt die Aufschrift “Benutzt lieber Durex,” neben dem Bild eines toten palästinensischen Kindes, daneben seine weinende Mutter und ein Teddybär. Ein Scharfschützen-T-Shirt der Givati-Brigade [Shaked Bataillon ??2] zeigt eine schwangere Frau mit einer Zielscheibe, die ihr Bauch überlagert; Der Slogan in Englisch “1 Schuß, 2 Tote”.

Diese T-Shirts werden oftmals sogar der Armeeführung vorgelegt, die sie auch zulässt. Es gibt viele weitere Motive, einige sind hier aufgelistet.

Im selben Zusammenhang möchte ich auf die Hasstiraden aufmerksam gemacht werden, die nicht nur in Israel verstreut werden. Ein Beispiel ist sicherlich auch die Rede von Lala Süsskind, die bei einer pro-israelischen Demo in Berlin die Worte der frühen israelischen Politikerin Golda Meir reiterierte. Viel drastischer fallen da die Worte einer Vertreterin der Siedlungspolitik3 in einer NY-Synagoge ins Gewicht. Nadia Matar von der Siedlergruppe “Women in Green” rief dazu auf, den palästinensischen Präsidenten zu ermorden und – mehr noch – bezeichnete als Fehler, dass Israel in 1948 und 1967 nicht alle Palästinenser vertrieben hatten und erntete dafür heftigen Applaus. Inzwischen hat sich die Leitung der Synagoge von der Rede von Nadia Matar distanziert.

  1. ja, teilweise als Spielfilm gemacht[]
  2. ich bin zu unversiert in militärischen Ausdrücken[]
  3. eigentlich: Enteignungspolitik![]

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  1. Kriegsverbrechen in Israel: Alle wussten es, nur niemand sprach es aus - Soldaten, Leben, Zivilisten, Armee, Video, Gaza, Stellung, «Ich - Migrantenkind — 26. März 2009 @ 11:08

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