Fehlender Big-Brother fördert rechtsfreien Raum
Laut Innenministerkonferenz wird das Internet “immer mehr zur Plattform für Kriminelle” [3]. Um dem entgegenzuwirken wollen die Herren Innenminister die Vorratsdatenspeicherung durchsetzen. Im Klartext: Nur wenn jeder einzelne Bürger dieses Landes 24 Stunden am Tag beobachtet wird (und dazu gehört die Internet-Reise ebenso wie der Einkauf im nächsten Supermarkt), können Kriminelle überführt werden.
Ein echtes Armutszeugnis liefern unsere Innenminister ab, sowohl was Kompetenzenim Breich Internet-Protokolle angeht, als auch was ihre Erwartungen an die deutschen Polizisten und Landes-/Bundeskriminalpolizei angeht.
Zum einen ist der Verkehr im Internet nur beobachtbar, wenn alle Länder der Welt mitmachen. Wir können noch hoffen, dass das nie passieren wird. Wenn aber ein unbeobachteter Rechner existiert, der Anfragen von anderen Rechnern weiterleitet, dann geht die Rechnung mit der Beobachtung des Internets schon nicht mehr auf. Es gibt in Deutschland allein diverse Router, die ohne Aufzeichnung der laufenden Verbindungen diese weiterleiten. Das Projekt JAP (Anonymity And Privacy) an der TU Dresden zielt in Richtung der weiteren Anonymisierung und damit dem Schutz der Privatsphäre im Internet [1].
Auf der anderen Seite ist auffällig, dass wann immer mehr Sicherheit gefragt ist, von der zuständigen Seite eine Einschränkungen der allgemeinen Freiheiten gefordert wird. So wird Beobachtung zum Patentrezept. Vater Staat will uns nicht aus den Augen verlieren! Nicht nur das: er will auch ständig mit Zettel und Stift hinter uns her rennen dürfen und alles notieren dürfen, was wir tun, auch wenn es zum Zeitpunkt belanglos erscheint. Ist es wirklich die einzige Methode, mit der sich Kriminelle aufspüren lassen? Anders gefragt: Ist das eigentlich eine Methode, mit der sich Kriminelle aufspüren lassen?
Einigen scheint es nicht bewusst zu sein, dass durch mehr Information nicht gleich mehr Erkenntnisse entstehen. Gleichzeitig vergrössert man das Risiko, dass die Informationen, wo sie doch schonmal da sind, geklaut oder missbraucht werden. Wenn also das nächste Mal jemand gezielt Ihren erst kürzlich im Internet-Shop gekauften Computer klaut, dann liegt das nicht unbedingt am Betreiber des Online-Shops; Möglicherweise liegt es am Gesetz, das von ihrem Provider fordert, dass ihre Verbindung ins Internet mitsamt dem Einkauf aufbewahrt und den zugegebenermassen immer auftretenden Sicherheitslücken der Provider-Rechner.
Freace.de führt einen interessanten Artikel, der auf die “sehr demokratische” Vorgehensweise des von uns gewählten Innenminister Otto Schily eingeht [2].
Omar
[1] Anonymity and Privacy: Anonymity is not a crime
[2] Schily, die Demokratie und die Vorratsdatenspeicherung
[3] Innenminister wollen einjährige Speicherung von Verbindungsdaten
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