Diskriminierung an der Theke

Szenario: Der deutsche Muslim mit türkischem Migrationshintergrund Ali Özgürk geht zum örtlichen McDonalds und bestellt einen Hähnchen-Döner ohne Zwiebeln aber mit einem Schuss Zaziki und einer “ordentlichen” Menge scharfer Soße. Die Kassiererin schaut ihn dümmlich an und fragt dann – nach gefühlten zwei Stunden – höflich, ob er denn alle Tassen im Schrank hätte und sagt ihm, bei McDonalds hätten sie keinen Döner zu verkaufen. Er könne gerne zwischen “McBurger”, “McPommes”, “McBurger mit McPommes” und “McDoubleBurger avec Cheese and DobbleMcPommes” wählen. Alle Sorten kämen auch als Menü mit einer McCola oder McSprite und alle Preise endeten mit 99 Cent!

Ali Özgürk ist verdutzt und weiß nicht, wo er anfangen soll. Zunächst – so erklärt er – würde er zu seinem Döner immer nur einen türkischen Tee trinken wollen und kein Getränk, das ihn praktisch anzuspringen droht und selbst dann hätte er lieber das beschwörenswert “bessere” TurkaCola. Dann erklärt er, dass er Gerichte mit Vorsilben generell nicht über den Weg traut und fragt schließlich, was die Donaldianer denn gegen einen leckeren Döner hätten und warum er denn keinen bekommen könnte.

Darauf antwortet die Kassiererin, ihr Unverständnis für seine Fragen professionell verhüllend, dass McDonalds seine eigenen Produkte verkauft und dass Herr Özgürk ja gut und gerne in einen spezialisierten Dönerladen gehen könne, um einen Döner zu bestellen. Hier würden einfach keine Döner verkauft.

Herr Özgürk läuft hochrot an, wirft der “Sch***pe” am Tresen mehrere türkische und deutsche unschöne Worte an den Kopf und rempelt einen anderen Kunden an, während er sich wild und explizit fuchtelnd in Richtung Ausgang bewegt. Draußen angekommen ruft er gleich seinen Freund von der lokalen Presse an und berichtet ihm von der “diskriminierenden Erfahrung”, die er gerade durchlebt hatte, der diese gerne weiter trägt.

Zu weit hergeholt? Ist es denn eine Diskriminierung, wenn man als Kunde nicht das Gewünschte bekommt? Ich weiß, was folgen würde, würde dieses Szenario in Deutschland Realität werden. Es entstünde ein Skandal, der antimuslimische Kommentatoren auf den Plan riefe. Ein gewisser Herr H.M.B. wäre außer sich und würde ungewohnt direkt kommentieren: “Diese Muslime fühlen sich ja immer beleidigt.”1 Weitere totgeglaubte und aktenführende Muslimfeinde würden zu neuem Leben erwachen und würden ihr Bestes und viele Interviews geben, würden von Talk-Show zu Talk-Show herumgereicht und dabei schärferes Vorgehen gegen Muslime und die “Ideologie des Islams” fordern – auch im beschaulichen Hannover..

In Großbritannien bietet eine Pizzakette in einem Bezirk Birminghams laut dieser Meldung seit kurzem nur noch “Halal”-Fleisch an. Darüber sind mindestens zwei Kunden erregt, einer von ihnen – Chris Yates, 29 – hatte folgendes dazu zu sagen:

I’m all for racial and religious tolerance but if anything this is intolerant to my beliefs and discriminatory against me.

Ich bin sehr für die Tolerierung von Rassen und Religionen, aber dies ist wenn überhaupt eine Intoleranz in Bezug auf meinen Glauben und eine Diskriminierung gegen mich.

Peter Merholz, 38, beschreibt sein Problem ein wenig genauer:

I’d been coming here for ages but now I’ll go elsewhere because I can’t get a pepperoni pizza, which is what I always have.

Ich bin jahrelang hierher gekommen, aber nun werde ich woanders hingehen, da ich keine Pepperoni-Pizza mehr bekomme, die ich aber haben möchte.

[via]

  1. Er würde noch einen Witz anfügen, um seinem Image als Chef-Polemiker und Selbstinszenierer gerecht zu werden[]

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