Ein ganzes Volk ist verrückt geworden

“Das ist ein schreckliches Gefühl der Einsamkeit. Ein ganzes Volk ist verrückt geworden. Man kann schreien, aber keiner hört zu.”

Ein Volk, das darauf getrimmt wird, einem zerstörerischen Krieg zuzujubeln, der das Sterben aus der Ferne beobachtet, das Leiden der Menschen aber nicht sieht. Das Bild von der israelischen Politik zeigt sich selten so deutlich und so grausam, wie wenn es Krieg führt. Aus dem Libanonkrieg haben die Kriegstreiber in Israel nur gelernt, den Krieg besser zu verkaufen und die Gegenstimmen und Proteste besser zu unterdrücken. Dazu zählen die zwei Parteien, die nun nicht zu den Wahlen zugelassen werden sollen, weil sie sich gegen den Krieg ausgesprochen hatten. Es gehört aber auch dies dazu:

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Abweichende Meinungen will man nicht hören. Zum Beispiel die Meinung von Roby Damelin. Sie hat ihren Sohn bei einem Terroranschlag verloren und gilt damit in Israel als eine Autorität bei der Frage, wie man mit den Palästinensern umgehen soll. Ein paar Tage nach dem Ende der israelischen Militäroperation wird sie im Fernsehen dazu interviewt. Doch sie will lieber über die Israelis sprechen.

“Ich frage mich wirklich, was mit diesem Volk los ist. Geht es hier um Sicherheit oder um Rache? Wo ist unsere Barmherzigkeit?”

Und schon wird sie vom Moderator unterbrochen.

Es ist nicht das, was man in Israel derzeit hören will. Mitleid mit den Palästinensern hat im Moment keine Konjunktur. Roby Damelins kurzer Auftritt im Fernsehen ist damit beendet.

Rami Elhanan hat ähnliches erlebt, auch er ist Vater eines Terroropfers. Seine Tochter wurde vor elf Jahren bei einem Anschlag in Jerusalem ermordet. In der letzten Woche veranstalteten er und andere Angehörige von Terroropfern eine Demonstration für die Opfer des Krieges diesseits und jenseits der Grenze. Doch unversehens fanden sich die Demonstranten in Handschellen vor einer Richterin wieder.

“Das ist ein schreckliches Gefühl der Einsamkeit. Ein ganzes Volk ist verrückt geworden. Man kann schreien, aber keiner hört zu.”

800 Demonstranten gegen den Krieg wurden im Verlauf der Militäroperation verhaftet. Fünf Tage nach Beginn des Waffenstillstands saßen noch immer mehr als 250 in israelischen Gefängnissen.

Auch interessant der Kommentar von Carsten Kühntopp in Bezug auf die Zukunft der arabischen Friedensinitiative:

Schlechte Aussichten – Die ‘Arabische Friedensinitiative’ auf der Kippe
Schlechte Aussichten – Die ‘Arabische Friedensinitiative’ auf der Kippe

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