Elmar Brok auf Israelmission – Voreingenommenheit hat einen Namen

Update: Die Frage habe ich verkürzt an Herrn Brok im Abgeordnetenwatch gestellt. Bitte meldet euer Interesse an der Frage, damit er sie auch tatsächlich beantwortet..

Herr Elmar Brok,

in der letzten Woche haben Sie als Parlamentarier im Europäischen Parlament zwei Tage auf Kosten des Steuerzahlers in Israel verbracht, um sich einen Einblick in die Situation zu verschaffen. Sie haben sich dazu mit verschiedenen israelischen Politikern, Wissenschaftlern, Militärs und Offiziellen – teilweise in privater Atmosphäre – getroffen. Während Sie sich Sderot persönlich angeschaut haben und nun von einem Raketeneinschlag berichten konnten, haben Sie wie ein Kriegstourist nur von einem weiten Besichtigungspunkt am Erez-Übergang den Gaza-Streifen gesehen. Das Leiden der Menschen darin blieb Ihnen offensichtlich verborgen. Noch am selben Tag haben Sie zwar verwundete israelische Soldaten persönlich getroffen, aber auf der anderen Seite lediglich mit den israelischen Ärzten gesprochen, die verwundete Palästinenser behandelt haben sollen. Wieder haben Sie also eine Chance vertan, das Leiden und die Aussagen der vom Krieg betroffenen Palästinenser anzuhören.

Am nächsten Tag, nach einem gemütlichen Abend mit israelischen Politikern und dem ehemaligen Sprecher der israelischen Armee, trafen Sie sich mit verschiedenen auch radikalen israelischen Politikern zwei Stunden lang. Danach trafen Sie laut Plan für 1,5 Stunden mit zwei palästinensischen Vertretern – beide vom Westjordanland nach Tel Aviv angereist. Wieder waren Sie also nicht in der Lage, vom Krieg Betroffene zu treffen.

Dementsprechend ist auch Ihre Pressemitteilung ausgefallen, in der mit keinem Wort eine Verurteilung der mörderischen Vorgehensweise des israelischen Militärs erwähnt wird, sondern die Schuld am Sterben den Opfern in die Schuhe geschoben wird.

Herr Brok, meine Frage an Sie: Glauben Sie, dass ein gerechter Frieden erreicht werden kann, wenn westliche Politiker – die ja auch als Vermittler agieren könnten – stets nur die eine Seite der Geschichte und nur das Leiden einer Gruppe sehen?

Welche kritischen Fragen bezüglich des Beginns der Bombardierung durch Israel haben Sie Ihren Gesprächspartnern stellen können? Sind Sie sich der Tatsache bewusst gewesen, dass Israel den Waffenstillstand gebrochen hat?


Herr Brok ist Senior Vice President Media Development Bertelsmann AG. Dazu liest man in wikipedia:

Brok wurde wiederholt vorgeworfen, die Interessen seines Arbeitgebers Bertelsmann anstatt der seiner Wähler zu vertreten. So war er maßgeblich am Zustandekommen der EU-Richtlinie zum Urheberrecht beteiligt, die nach Aussage eines Bertelsmann-Managers die Position der Medienunternehmen stärke. Im Entwurf für den Vertrag über eine Verfassung für Europa setzte Brok durch, dass das Recht auf „Geistiges Eigentum“ im Verfassungsentwurf absolut gesetzt wurde und keiner sozialen Verpflichtung unterliegt (Art.II-77 Abs. 2). Der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim bezeichnete Broks Tätigkeit mehrmals als „legale Korruption“.

Broks Angabe, er trenne Mandat und private Geschäftsinteressen „messerscharf“, wurde von Brüssel-Korrespondenten bezweifelt, die interne Bertelsmann-Papiere zugespielt bekamen. Es wurden Vorwürfe laut, er habe seine Beziehungen genutzt, um einen festen freien Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Hajo Friedrich, der zuvor kritisch über ihn berichtet hatte, an zukünftiger Berichterstattung zu hindern. Hierzu habe Brok bei FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher angerufen. Nachdem Nonnenmacher daraufhin mit dem Brüsseler FAZ-Büro gesprochen habe, hätte Friedrich nicht mehr für das Politikressort schreiben dürfen, wie er es vorher gelegentlich getan hatte.

Bringt es also noch etwas, mit einem solchen Menschen zu sprechen? Naja, man kann es ja mal versuchen..

  • By gv, 15. Januar 2009 @ 02:04

    Hallo,

    finde den Brief sehr gut und vor allem sehr wichtig!
    Danke!

  • By Gerlinde Sherer, 17. Januar 2009 @ 15:12

    ES IST IMMER DAS GLEICHE SPIELCHEN westl.Politik.

    Wir orientieren uns an den Eindrücken von der EU-Abgeordneten
    Luisa Morgantini, da sie dem in Deutschland aufoktroierten
    Tunnelblick nicht unterliegt.
    Die Deutsche Unterwürfigkeit unter den zionistischen
    “Verbrecherstaat” Israel (Zitat aus einem Statement des
    jüd.Neuen Historikers AVI SHLAIM)macht uns zum Mittäter.
    So haben wir Mitschuld an den Opfern des Libanon (2006)
    und nun wieder im Gaza-Streifen.
    Ich schäme mich für deutsche Politik, deren ich mehr
    Klugheit und Fingerspitzengefühl zugetraut hätte.
    So bleibt mir und meiner Familie nur noch
    die kommennden Wahlen zu boykottieren, da ja alle im gleichen
    Boot sitzen. Gerlinde Scherer

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