Neue Hühnerkäfigordnung bringt in Israel fragwürdigen Fortschritt

What the media never question is Israel’s idea of a truce. It is very simple. Under an Israeli-style truce, Palestinians have the right to remain silent while Israel starves them, kills them and continues to violently colonize their land. Israel has not only banned food and medicine to sustain Palestinian bodies in Gaza but it is also intent on starving minds: due to the blockade, there is not even ink, paper and glue to print textbooks for schoolchildren.

Die sich selbst als “Achse des Guten” bezeichnende Seite zitiert Malte Lehmings Artikel im Tagesspiegel.

Die Hamas hat ihr Ziel erreicht. Wieder schaut die Welt auf den Gazastreifen, sieht Tote und Trauer, Tränen und Trümmer. Wieder wird das Elend von 1,5 Millionen Menschen offenkundig, von denen fast 50 Prozent arbeitslos sind und 80 Prozent unter der Armutsgrenze leben.

Stimmt eigentlich. Das war so schön ruhig um den Gaza-Streifen herum, mal von den gelegentlichen Meldungen über die Hungerzustände abgesehen.. Konnten sie nicht in Ruhe verhungern und unser achso leicht zu beunruhigendes Gemüt nicht weiter belästigen? Herr Lehming plädiert für das Ausschalten menschlicher Gefühle im Angesicht von humaner Tragödie und der schieren Masse an Toten, die in den letzten paar Stunden durch israelische Bomben gestorben sind – er scheint dies bereits geschafft zu haben.

Manchmal müssen Bilder des Leidens ausgehalten werden, damit nicht jene triumphieren, die auf die Wirkungsmacht dieser Bilder spekulieren. Das nämlich tut die Hamas. Für sie sind Aufnahmen palästinensischer Frauen, die um ihre Kinder weinen, eine Propagandawaffe im Kampf gegen Israel. Das ist skrupellos und zynisch. Es funktioniert nur, wenn der Mitleidsreflex unreflektiert bleibt.

Mich erinnert das an Condis “Geburtswehen”..

“Information Clearing House” hat einen interessanten Artikel von electronicintifada online gestellt, der mehr Beachtung verdient.

The rationalization for Israel’s massacres, already being faithfully transmitted by the English-language media, is that Israel is acting in “retaliation” for Palestinian rockets fired with increasing intensity ever since the six-month truce expired on 19 December (until today, no Israeli had been killed or injured by these recent rocket attacks).

But today’s horrific attacks mark only a change in Israel’s method of killing Palestinians recently. In recent months they died mostly silent deaths, the elderly and sick especially, deprived of food and necessary medicine by the two year-old Israeli blockade calculated and intended to cause suffering and deprivation to 1.5 million Palestinians, the vast majority refugees and children, caged into the Gaza Strip. In Gaza, Palestinians died silently, for want of basic medications: insulin, cancer treatment, products for dialysis prohibited from reaching them by Israel.

Die Rationalisierung des israelischen Massakers, die von englischsprachigen Medien1 bereits gewissenhaft durchgegeben wird, ist die, dass Israel palästinensische Raketenangriffe mit zunehmender Intensität, die seit dem sechsmonatigen Waffenstillstand abgeschossen werden, vergeltet (bis heute wurde kein Israeli dadurch verletzt oder getötet (Update: gestern ist darunter ein Mensch gestorben und mehrere verletzt.))

Aber die entsetzlichen heutigen Angriffe markieren nur eine Änderung in der israelischen Tötungsmethode. In den letzten Monaten starben sie (Palästinenser) einen stillen Tod, die alten und die Kranken im Speziellen, durch den Entzug von Nahrung und notwendiger Medizin, der der zweijährigen israelischen Blockade zu verdanken ist – eine Blockade, die Leid und Entzug in Bezug auf die 1,5 Millionen Palästinenser – in der Mehrheit Flüchtlinge und Kinder, die in Gaza eingesperrt sind – kalkuliert und beabsichtigt hat. In Gaza sind Palästinenser still gestorben aus Mangel an elementarer Medizin: Insulin, Krebsbehandlung und Dialyseprodukte, deren Transport zu ihnen von Israel verweigert wurde.

Dies darf nicht vergessen werden, wenn die gestrigen Angriffe Israels zur Bewertung stehen. Sechs Monate haben Palästinenser auf die direkten Anschläge Israels nicht reagiert und gehofft, dass friedliche Durchbrechung ihrer Gefängniswände gelingen. Wer kann ihnen dämliche aber verständliche Gegenangriffe ernsthaft verbieten wollen?

Übrigens: Auf der anderen Seite Israels protestieren immer noch Palästinenser gemeinsam mit Ausländern und Israelis gegen die Mauer und die illegale Landnahme. Hört jemand hin? Wenigstens ein unaufgeregter Artikel im Deutschland Radio beschäftigt sich damit:

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Und hier noch ein sehr guter Kommentar auf Malte Lehmings Gehirnausschüttung:

Reflexhaft

…sucht Malte Lehmig einmal wieder nach Rechtfertigungen für den Einsatz des israelischen Militärs im Gazastreifen. An seinem Kommentar ist so ziemlich alles schief. “Israel hat sich vor 3 Jahren vollständig aus dem Gazastreifen zurückgezogen” schreibt er und vergisst, dass in diesem Zusammenhang 1,5 Mio Bewohner Gazas eingesperrt und eingezäunt wurden, ihrer Bewegungsfreiheit vollständig beraubt, ihrer ökonomischen Perspektiven entkleidet und sie vollständig von Hilfslieferungen von außerhalb abhängig sind. Hilfslieferungen wurden im letzten Jahr mehr und mehr von Israel eingeschränkt – Gaza hungert, die medizinische Versorgung und öffentliche Infrastruktur ist zusammengebrochen, Arbeitsplätze existieren kaum noch. Bischof Desmond Tutu, geachteter Kämpfer gegen die Apartheid in Südafrika, spricht von Gaza als dem “größten Freiluftgefängnis der Welt.”

Ein Student aus Gaza formulierte es in einem Interview des BBC so: “Wir kämpfen gegen unsere Gefängniswärter. Es ist uns egal, ob es Eskimos, Engländer, Chinesen oder Israelis sind. Es sind DIESE Gefängniswärter, die verhindern, dass unser Leben eine Perspektive erhält.”

Inzwischen werden über 200 Tote nach den letzten israelischen Angriffen gezählt – Malte Lehmig spricht davon, dass manchmal “Bilder des Leids ausgehalten werden müssen”. Er mag dem Leid der Palästinenser die kalte Schulter zeigen – wir anderen sollten uns unsere politische Urteilskraft und unsere Mit-leidens-fähigkeit erhalten.

rashidaboukar

und

will…

… gar nicht wissen, wer in Ihren Augen der Skorpion ist, welcher – im Gegensatz zum Menschen – nur instinktgesteuert und lernunfähig ist.

Wenn man sie nur ließe, die Menschen dort.

timchen

  1. teils auch deutschsprachigen[]

Andere Beiträge:

  1. Israel: Außerhalb der Medienreichweite [1]
  2. George Galloway bringt es auf den Punkt.
  3. Menschenleben in Israel
  4. Warum Israel falsch reagiert
  5. Israel muss verhandeln

Comments

  • By microgod, 28. Dezember 2008 @ 07:13

    eine versöhnung im nahen osten bleibt unmöglich, so lange dort menschen in lagern leben müssen, welche von einem recht auf rückkehr träumen. friedliche koexistenz in freiheit braucht gegenseitiges vertrauen. das vorherrschende und alles überschattende, aus der geschichte begründete misstrauen kann nur überwunden werden durch persönliches vertrauen in die integrität und guten absichten des anderen.

  • By Omar, 28. Dezember 2008 @ 20:21

    Versöhnung muss m.E. nicht das vorrangige Ziel sein. Es geht zunächst darum, einen friedlichen Waffenstillstand herzustellen. Dazu war die israelische Seite bislang nicht in der Lage. Stattdessen stellt man Palästinenser vor die Wahl: Hunger oder Bomben!

  • By Kinch, 28. Dezember 2008 @ 22:03

    “Wer kann ihnen dämliche aber verständliche Gegenangriffe ernsthaft verbieten wollen?”

    Das könnte man sich doch ebenfalls, bezüglich der israelischen Gegenangriffe fragen, oder?

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