Frauenemanzipation
Einen Aspekt der Reportagen zu Amina Wadud, habe ich versäumt anzusprechen: Es wird davon ausgegangen, dass Amina Wadud für die muslimischen Frauen spricht und dass es keine weiblichen Stimmen im Islam gäbe. Sie selbst fordert, dass mehr Frauen bei der “Reformierung” des Islams mitmachen sollen. Dass Frauen im Islam - sowohl auf theologischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene - gut vertreten sind, braucht man nicht dadurch zu beweisen, dass ein sehr grosser Teil der überlieferungen des Propheten erst durch seine Ehefrauen an uns herangetragen wurden. Auch heute gibt es zahlreiche weibliche islamische Gelehrte, die mitdiskutieren und auch antworten. Ein Beispiel ist auf islamonline.net abgedruckt worden, das ich auf die Schnelle zu übersetzen versucht habe. An manchen Stellen klingt der Text ein wenig stelzig, das bitte ich zu verzeihen - ich bin nicht der beste übersetzer! Hier also der Text von Frau Yasmin Mogahed (Mitglied bei “Ask About Islam” und wohnhaft in Wisconsin, USA):
“Was wir so häufig vergessen ist, daß Gott Frauen geehrt hat, indem er ihnen Wert bezogen auf einen Gott - nicht auf Männer gab. Aber, da der westliche Feminismus Gott von der Szene löscht, gibt es keinen Standard ausser Männer. Infolgedessen wird die westliche Feministin gezwungen, ihren Wert in Bezug auf einen Mann zu finden. Und damit hat sie eine fehlerhafte Annahme gemacht. Sie hat angenommen, daß Mann die Messrichtlinie darstellt, und folglich kann eine Frau nie ein volles menschliches Wesen sein, bis sie wie ein Mann - dem Standard - wird.Als ein Mann seine Haare kurz schnitt, wollte sie ihre Haare kurz schneiden. Als ein Mann der Armee beitrat, wollte sie der Armee beitreten und so weiter. Sie wünschte diese Dinge aus keinem anderen Grund ausser, dass der “Standard” ihn hatte.
Was sie nicht erkannte war, daß Gott Männer und Frauen in ihrer Besonderheit auszeichnet, nicht in ihrer Ähnlichkeit. Und am 18. März machten moslemische Frauen den selben Fehler.
Für 1400 Jahre hat es eine Übereinstimmung der Gelehrten gegeben, dass Männer Vorbeter sind. Was ändert die Angelegenheit für moslemische Frauen? Derjenige, der das Gebet führt, ist in keiner Hinsicht spirituell überlegen. Nichts wird besser, nur dadurch dass ein Mann es tut. Und das Gebet führen ist nicht besser, nur weil es “führen” ist. Wäre es die Rolle der Frauen gewesen, oder wäre es heiliger gewesen, hätte der Prophet (sas) dann nicht von A’ishah oder Khadijah oder Fatimah - die größten Frauen aller Zeit - verlangt, dass sie das Gebet anführten? Diesen Frauen wurde das Paradies versprochen, und doch führten sie nie ein Gebet an.
Aber jetzt, zum ersten Mal in 1400 Jahren betrachten wir einen Mann, der das Gebet anführt und wir denken “das ist nicht fair!”. Wir denken auf diese Weise, obgleich Gott dem Imam kein spezielles Privileg gegeben hat. Der Imam ist in den Augen Gottes nicht höher als derjenige, der dahinter betet. Andererseits kann nur eine Frau Mutter sein. Und der Schöpfer hat einer Mutter spezielle Privilegien gegeben. Der Prophet brachte uns bei, daß das Paradies zu den Füßen der Mütter liegt. Aber egal was ein Mann tut, eine Mutter kann er nie sein. Warum ist das nicht unfair?
Als er gefragt wurde, wer am meisten unsere freundliche Behandlung verdient, hat der Prophet (sas) dreimal mit “deine Mutter” geantwortet, bevor er nur einmal “dein Vater” sagte. Ist das nicht sexistisch? Egal was ein Mann tut, er wird nie in der Lage sein, den Status einer Mutter zu erlangen.
Und doch, selbst wenn Gott uns mit einzigartig Weiblichem ehrt, sind wir zu beschäftigt damit, unseren Wert im Vergleich zu Männern zu finden, um es zu achten oder sogar zu beachten. Wir auch haben Männer als den Standard akzeptiert; deshalb empfinden wir alles einzigartig Weibliche per Definition als minderwertig. Empfindlich sein ist eine Beleidigung, Mutter werden ist eine Degradierung! In der Schlacht zwischen der kühlen Vernunft (die als männlich gilt) und dem uneigennützigen Mitleid (das als weiblich gilt) führt die Vernunft.
Sobald wir akzeptieren, daß alles, was ein Mann hat oder tut besser ist, ist der Rest ein Kniereflex [->logische Folge;"Patellarsehnenreflex"]: wenn Männer es haben, wünschen wir es uns auch! Wenn Männer in den vorderen Reihen beten, nehmen wir an, daß dieses besser ist, also möchten wir auch in den vorderen Reihen beten. Wenn Männer das Gebet führen, nehmen wir an, daß der Imam Gott näher ist, also möchten wir auch beim Gebet vorbeten. Irgendwo entlang der Geschichte, haben wir die Schlussfolgerung akzeptiert, dass der Besitz einer weltlichen Position, ein Indiz für die Position bei Gott ist.
Eine moslemische Frau braucht sich nicht auf diese Art zu degradieren. Sie hat Gott als Standard. Sie hat den Gott, der ihr einen Wert gibt; dafür benötigt sie keinen Mann.
Tatsächlich haben wir in unserem Wahn, Männern zu folgen, nie angehalten, um die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass das, was wir haben besser [für uns] ist. In einigen Fällen gaben wir sogar höherwertiges auf, nur um wie Männer zu sein.
Vor fünfzig Jahren sahen wir Männer, das Haus verlassen, um zur Arbeit in Fabriken zu gehen. Wir waren Mütter. Und doch sahen wir Männer das tun, also wollten wir das auch tun. Aus irgendeinem Grund hielten wir es für eine Befreiung der Frauen, das Aufziehen eines menschlichen Wesens aufzugeben, um an einer Maschine zu arbeiten. Wir nahmen an, daß das Arbeiten in einer Fabrik dem Aufbau der Grundlagen der Gesellschaft überlegen war - gerade weil ein Mann es tat.
Dann nach der Arbeit, wurde von uns erwartet, übermenschlich zu sein - die vollkommene Mutter, die vollkommene Frau, die vollkommene Hausfrau und die vollkommene Karriere zu haben. Und während es nichts falsches per Definition daran gibt, dass eine Frau eine Karriere hat, mussten wir bald feststellen, was wir opfern mussten, um Männer nachzuahmen. Wir sahen zu, wie unsere Kinder uns immer fremder wurden und erkannten bald das Privileg, das wir aufgegeben hatten.
Und so beschließen erst jetzt Frauen im Westen - wenn sie die Wahl haben - , heim zu bleiben, um ihre Kinder zu erziehen. Laut der US-Staatabteilung der Landwirtschaft, arbeiten nur 31 Prozent Mütter mit Kindern und 18 Prozent Mütter mit zwei oder mehr Kindern vollzeit. Eine Umfrage der Parenting Magazine 2000 zeigt, dass von diesen arbeitenden Müttern 93 Prozent sagen, sie wären lieber zuhause mit ihren Kindern, aber seien gezwungen, wegen “der finanziellen Verpflichtungen zu bearbeiten”. Diese “Verpflichtungen” werden Frauen durch die Geschlechtergleichsetzung des modernen Westens auferlegt und sie wird von ihr durch die Geschlechterspezialisierung des Islams befreit.
Frauen im Westen haben fast ein Jahrhundert des Experimentierens gebraucht, um ein Privileg zu erkennen, das moslemischen Frauen vor 1400 Jahren gegeben wurde. Wenn man dieses Privileg berücksichtigt, würde ich mich nur degradieren, wenn ich versuche, etwas zu sein, das ich nicht bin und in aller Ehrlichkeit, nicht sein möchte - ein Mann. Als Frauen werden wir nie aufrichtige Befreiung erreichen, bis wir aufhören zu versuchen, Männer nachzuahmen und anfangen, die Schönheit in unserer eigenen gottgegebenen Besonderheit zu achten.
Wenn es eine Wahl zwischen kühler Vernunft und Mitleid geben sollte, so wähle ich Mitleid. Und wenn es eine Wahl zwischen weltlicher Führung und dem Paradies zu meinen Füßen gibt, so wähle ich das Paradies.”
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