Malte Lehming: Das beste was ich gelesen hab’!
Malte - stramm gestanden1 - Lehming meint im Kommentar des Tagesspiegels urteilen zu können:
[D]erart ausgewogen, äquidistant und romantisch ging es nicht zu, als heute die Leichen von zwei unschuldigen Israelis gegen fünf quietschlebendige Verbrecher der islamistischen Hisbollah ausgetauscht wurden.
Wie viele andere Medien erwähnt Herr Lehming dabei nur einen der von ihm als “Verbrecher” titulierten Libanesen, nämlich den inzwischen berühmtberüchtigten Samir Kuntar. Man muss lange suchen, um die anderen Namen - Khader Zidan, Mahmad Srour, Hussein Suleiman and Maher Kurani - zu erhalten und herauszubekommen, welche Verbrechen sie sich zu schulden haben kommen lassen.
Um 9 Uhr sollen die Libanesen Samir Kuntar, Khader Zidan, Maher Qurani, Mahmad Srour und Hussein Sleiman am Grenzübergang Rosh Hanikra an die Hizbollah übergeben werden. … Die vier anderen libanesischen Gefangenen sind Hizbollah-Kämpfer, die während des Zweiten Libanonkriegs 2006 von der israelischen Armee gefangen genommen wurden.
Die vier weiteren Hizbollah-Kämpfer wurden also unter ähnlichen Bedingungen gefangen genommen wie die unschuldigen israelischen Soldaten. Was sie wohl zu Verbrechern macht? Herr Lehming holt zu Verunmenschlichung noch weiter aus:
Nein, denn Israel hat heute einmal mehr den Unterschied zwischen Humanität und Barbarei demonstriert. Hier eine Gesellschaft, die bis an die Grenze des Erträglichen und Zumutbaren für jedes ihrer Glieder kämpft. … Und dort die Terroristen, die sich hinter der eigenen Zivilbevölkerung verstecken, Unschuldige in den Tod reißen und sich dafür als Märtyrer feiern lassen, auf die siebzig Jungfrauen warten.
Wie kommt man eigentlich zu so einer Schlußfolgerung? Ist einfach: Man ignoriere, dass der Gefangenenaustausch als Spätfolge des Libanonkriegs vor zwei Jahren zu sehen ist, bei dem sich Israel störrisch weigerte Kriegsgefangene aus den eigenen Zellen zu entlassen oder auch nur sterbliche Überreste von Gefangenen auszuhändigen. Weiter ignoriere man die massenhafte und unvorstellbare Bombardierung des Libanons über Tage hinweg, bei der mehr als 1000 Libanesen starben oder man unterstelle diesen libanesischen Zivilisten pauschal Schuldigkeit2. Gleichzeitig muss man ignorieren, dass mit den fünf noch lebendigen Gefangenen weitere 200 Verstorbene übergeben wurden und dass viele weitere - sowohl lebend als auch verstorben - in Israel festsitzen. Bei einer solch eingeschränkten Wahrnehmung ist es nicht mehr schwer, israelische Soldaten zu verehren, Israel als den Inbegriff der Humanität und Libanesen als Barbaren zu sehen.
Daran ändert wahrscheinlich auch die Inschrift auf dem Grab eines Baruch Goldsteins oder seine Feier als nationalen Helden nichts, der am 25. Februar 1994 bei einem Überfall 29 wehrlose Palästinenser während des Gebets erschoss und weitere 150 verletzte..
Hier ruht der Heilige Dr. Baruch Kappel Goldstein, gesegnet sei das Andenken dieses aufrichtigen und heiligen Mannes, möge der Herr sein Blut rächen, der seine Seele den Juden, der jüdischen Religion und dem jüdischen Land geweiht hat. Seine Hände sind unschuldig und sein Herz ist rein. Er wurde als Märtyrer Gottes am 14. Adar, Purim, im Jahre 5754 (1994) getötet.
Ja, Baruch Goldstein ist ein unschuldiger Held - ebenso wie alle anderen Israelis und vor allem die freiheitsliebenden israelischen Soldaten auch. Danke Herr Lehming! Soviel journalistisches Feingefühl vermisst man weithin.
PS: Nächster Artikel von Herrn Lehming: Die Helden aus Guantanamo. Raten Sie schon jetzt, wen er damit meint..
- sein Bild möchte ich hier aus Angst vor einer Unterlassungsaufforderung oder Schlimmeres nicht zeigen[↩]
- ist auch nichts Neues[↩]
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Too Much Cookies Network » Links für 21072008 — 22. Juli 2008 @ 01:44
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By Omar, 17. Juli 2008 @ 10:49
Ganz interessant der folgende Artikel von Yonatan Mendel: Wir sind unschuldig, wenn wir töten!
By belal el mogaddedi, 17. Juli 2008 @ 12:37
salam omar,
deine reaktion auf den artikel von malte ist sehr gelungen.
das bild von malte l. sollte sich jeder leser deines artikels aber schon einmal genauer anschauen.
die körpersprache wird in der politischen berichterstattung gern bemüht, um einer interpretation gewicht zu verleihen, warum dann nicht auch hier.
wer das foto des malte l. genau betrachtet, sieht einen extrem nach rechts verdrehten kopf; beim betrachten glaubt man förmlich die wirbelkörper einrasten zu hören.
manche einrast-mechanismen haben die unart, dass man sie nicht wieder rückgängig machen kann. ruckartige bewegungen können große schäden hervorrufen, dies scheint bei malte l. passiert zu sein, wie sein blasiert einseitiger artikel nun leider auch belegt.
sein fall ist offensichtlich chronischer natur, der gang zum orthopäden oder manualtherapeuten wird hier wohl wenig helfen, denn wer so stramm nach rechts stiert, dessen tunnelblick kann man kaum therapieren.
gruss (und still gestanden!!!)
belal
p.s.:
der name “malte” soll von dem alten deutschen namen “helmolt” abstammen, der wiederum usprünglich “herrschen” und “walten” bedeutet. vielleicht ist auch eine zu große prise “helm” im ursprungswort enthalten. nomen est omen?