Kritische Islamkonferenz - die Abschlußerklärung
Gestern und heute fand die “Kritische Islamkonferenz 2008″ mit dem Titel “Aufklären statt verschleiern!” in Köln statt. Veranstalter war der “Zentralrat der Ex-Muslime e.V.” zusammen mit anderen Organisationen. Eine Abschlusserklärung, die schon vorher fertig sein musste, steht bereits online. Die darin verfassten Ansichten beinhalten keine Überraschungen:
Islam ist demnach - das scheinen die werten Damen und Herren durch langjährige Studie und entgegen ihrer eigenen Hypothesen bewiesen bekommen zu haben - “eine Politreligion mit Doppelgesicht, eine religiös überhöhte, vormoderne Vorschriftenlehre, die sämtliche gesellschaftlichen Bereiche zu regulieren beansprucht und die der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen entgegensteht”. Der erste Teil der Aussage ist natürlich leicht zu widerlegen, wenn man sich die Frage stellt, ob der Islam die Straßenverkehrsordnung jenseits der Forderung des Nichttötens anderer Verkehrsteilnehmer regelt. Der zweite Teil ist ebenso falsch, aber soll aus Platzgründen nicht Bestandteil dieses Artikels werden..
Während der Islam und die Muslime offensichtlich die vordergründigen Feinde sind, die es zu bekämpfen gilt, richtet sich die Wut der Abgeschworenen1 vornehmlich auf den Bundesinnenminister, der ihrer Meinung nach den Islamismus befördert.
Wenn sich Zuwanderer in Deutschland heute stärker als in der Vergangenheit als „Muslime“ verstehen und „westliche Werte“ ablehnen, so ist dies auch ein „Erfolg“ der „Deutschen Islamkonferenz“.
Das größte Problem, das sie mit Schäuble haben ist seine “Strategie, ausgerechnet den konservativen Islamverbänden eine bedeutende Rolle bei der Integration zuzuweisen”, denn diese verhinderten die Integration von Muslimen bspw. durch den Druck, den sie auf muslimische Frauen übten, sich zu verhüllen! Wie sich dieser Druck ausdrückt und ob die kritisch Konferierenden einen Beweis dafür hätten, bleibt offen.
Vier Thesen
Vier Thesen werden in der Abschlusserklärung wiedergegeben, die sich stark überlagern.
§1 Integration kann nicht durch Förderung des Islam gelingen
1. Integration ist ein individueller Prozess, sie muss dementsprechend individuell gefördert werden: Die Ausstattung von Islamvereinen mit Privilegien entsprechend den christlichen Kirchen fördert keine Integration.
Integration ist natürlich ein individueller2 Prozess. Das heißt aber noch lange nicht, dass man nicht auch Vertretervereine als Hilfe heranziehen kann, um größere Gruppen der Migranten zu erreichen. Warum Religionsgemeinschaften in einem weltanschaulich neutralen Staat nicht dieselben Rechte/Privilegien genießen sollen, ist nicht verständlich. Wahrscheinlicher ist, dass die Herrschaften die Aberkennung aller Rechte von Religionsgemeinschaften3 fordern möchten, dies aber aus Angst vor der öffentlichen Zurschaustellung ihres eigenen Fanatismus nicht direkt tun. Dazu später mehr.
2. Keine verdeckte Islamisierung unter dem Deckmantel der Förderung von Integration: Migranten dürfen nicht einfach der in ihrem Herkunftsland vorherrschenden Religion zugerechnet und den betreffenden Religionsgesellschaften zugewiesen werden.
Der zweiten Aussage stimme ich sogar zu: Migranten zu subsumieren ist tatsächlich fatal. Dass aber damit eine “verdeckte Islamisierung” einhergeht, halte ich für Schwachfug.
3. Die große Gruppe der nicht religiösen Einwanderer muss von Politik und Medien wahrgenommen werden und eine angemessene Vertretung erhalten.
Zwei Fragen:
- Woher wissen diese Menschen, dass es eine “große Gruppe” nichtreligiöser Einwanderer gibt, wenn es für diese keine Vertretung gibt? Müssten sich diese nicht vorher organisieren4, damit eine solche Aussage überhaupt Sinn macht?
- Wofür brauchen nicht religiöse Menschen eine Vertretung und warum ist es Aufgabe von “Politik und Medien” diese wahrzunehmen? Den Zentralrat der Ex-Muslime scheinen ja alle soweit wahrgenommen zu haben5. Wenn sich also weitere “nicht religiöse” vertreten sehen wollen, sollten sie sich dann nicht zusammenschließen und ihre Forderungen an die Politik richten, wie es normale Menschen auch tun? Und ist es wirklich einer Vertretung würdig, wenn die einzige Forderung diejenige ist, dass doch bitte andere Gruppen keine Rechte6 bekommen sollen??
§2: Ziel ist eine säkulare Gesellschaft
Ich wusste ja schon, dass der Zentralrat der Ex-Muslime vor allem ein Haufen versprengter Ex- und “immer noch” Kommunisten ist. Dass sie in ihrem Totalitarismus aber so weit gehen würden, dass sie eine “ideale Gesellschaft” fordern, das habe ich mir nicht vorstellen können!
1. Integration setzt Gemeinsamkeit voraus: Die staatliche Schule muss ein solcher Ort der
Gemeinsamkeit werden und darf nicht nach den Vorgaben der Religionsgemeinschaften organisiert werden.
Ohja! Das ist die Traumvorstellung eines jeden stalinistischen Kommunisten: Kinder und Erwachsene gleichermaßen sollen keine Eigenheiten haben. Hier wird Integration nicht zur Assimilation, sondern zur Uniformität. Wer aus dem Rahmen springt muss in den Rahmen zurückgebracht werden. Wer Fußball statt Volleyball spielen will, wird schlicht ins Aus befördert.
2. Die Abmeldung vom Biologie-, Sexualkunde-, Musik- oder Sportunterricht aus religiösen Gründen ist Ausdruck einer bildungs- und demokratiefeindlichen Einstellung und deshalb nicht zu dulden.
3. Wir fordern die kopftuchfreie Schule, um die Entwicklung von Mädchen und jungen Frauen im Sinne einer freien Selbstbestimmung jenseits patriarchaler Normen zu unterstützen.
Diese Forderung ist nur die praktische - und medial leichter zu verkraftende - Umsetzung des ersten Satzes. Vordergründig predigt der Zentralrat der Ex-Muslime die Individualität und die Emanzipation, aber zunehmend verstärkt sich der Eindruck, dass anstelle der von ihnen kritisierten rigiden religiösen Autorität eine ebenso rigide und den einzelnen Menschen missachtende Standardisierung. Die gesellschaftliche Normalität soll demnach zum Zwang werden, Unterschiedlichkeit ist nicht erwünscht.
4. Anstatt flächendeckend einen bekenntnisorientierten Islamunterricht einzuführen, ist ein neues Schulfach „Religions- und Weltanschauungskunde“ angezeigt, in dem die Herwachsenden neutral und sachlich über die Grundinhalte der Religionen sowie der philosophisch-humanistischen Religionskritik und der säkularen Ethik informiert und unterrichtet werden.
Hier wieder der Versuch, eine neue Religion zu etablieren! Statt Vielfalt soll ein Einheitsbrei unterrichtet werden, auf dass die Kinder alle zu braven Säkularisierten werden. Es würde mich nicht wundern, wenn einzelnen Teilnehmern dabei ganz spezielle, auf die Aufhebung der Religiosität ausgerichtete Unterrichtsinhalte vorschweben. Dass dies dogmatisch und anti-emanzipatorisch ist, wird ihnen nicht auffallen..
§3: Die islamische Herrschaftskultur muss kritisiert werden
1. Steinigungen, Ehrenmorde, weibliche Genitalverstümmelung, Verfolgung von Homosexuellen oder Zwangsverheiratungen sind nicht Ausdruck einer „anderen“ Kultur, sondern Verbrechen, die als solche benannt und unterbunden werden müssen.
Ja, und? Wird dies nicht schon getan? Auf der anderen Seite: man nimmt immer nur seine eigene Umgebung wahr..
2. Patriarchale Vorstellungen und Verhaltensweisen müssen unabhängig davon, in welcher Gemeinschaft sie auftreten, zurückgedrängt werden.
Wirklich? Was ist dann mit den matriarchalischen Vorstellung? Müssen wir auch diese erst einmal überwinden?
3. Antisemitismus ist auch in islamischen Communities nicht hinnehmbar.
Ich hab da auch so eine Forderung: Antisemtismus ist auch unter Ex-Muslimen nicht hinnehmbar. Und wenn wir schon dabei sind: Muslimfeindlichkeit ebenso wenig!
4. Die Freiheit der Meinungsäußerung, der Kunst und Wissenschaft ist die unverzichtbare Grundlage einer modernen, offenen Gesellschaft und darf nicht aus Rücksicht auf religiöse Denkverbote beschnitten werden.
5. Kritik ist in einer freien Gesellschaft unabdingbar: Sachlich begründete Kritik darf nicht als „rassistisch“, „fremdenfeindlich“ oder „islamophob“ diffamiert werden. Fremdenfeindlichkeit ist ein Grundübel, das wir bekämpfen müssen, doch sollte uns das nicht von Kritik an menschenverachtenden Ideen und Praktiken im islamischen Kontext abhalten.
Zur Erklärung, was an dieser Aussage “islamophob” ist: Während Fremdenfeindlichkeit als Übel wahrgenommen wird, wird bei den kritisierbaren Dingen die “im islamischen Kontext” hervorgestellt. Solange sich die Kritik ohne Diskriminierung auf die “menschenverachtende Praktik” allein bezieht, ist sie angebracht. Glaubt man allerdings eine besondere Kritisierbarkeit einer Gruppe ausgemacht zu haben, dann ist man nicht besser als völkische Rechtsradikale, die eine besondere Kriminalität unter Ausländern herauszustellen versuchen.
6. Wir fordern rechtsstaatlichen Schutz und finanzielle Unterstützung für bedrohte Islamkritiker/innen wie Ayaan Hirsi Ali, Kurt Westergaard, Mina Ahadi und viele andere.
Meine Forderung dagegen: Lügner wie Ayaan Hirsi Ali (Magaan) teeren und federn7. Ansonsten keine Bevorzugung von Menschen vor anderen Menschen. Schutz gebührt jedem, der bedroht ist, also auch muslimischen Predigern, die in einer der vielen von rechtsradikalen Angriffen bedrohten Moscheen wohnen! Finanzielle Unterstützung darf weiterhin nicht für hetzende Menschen ausgegeben werden.
Und wenn wir schon beim Geldverteilen sind: ich will auch Geld!
§4: Weltanschauungsfreiheit muss Maßstab für politische Entscheidungen sein
Den Unterstützern dieses Pamphlets ist doch klar, dass Weltanschauungsfreiheit nicht die Freiheit von jeglicher Weltanschauung bedeutet, sondern die Freiheit, die eigene Weltanschauung selbst zu bestimmen, oder? Und dass politische Entscheidungen in einer Demokratie von den in dieser Demokratie lebenden Bürgern abhängig ist, die - ihre Weltanschauungsfreiheit ausnutzend - auch ihre Weltanschauung bei der Entscheidung mitberücksichtigen, sollte doch auch klar sein..
Ganz interessant ist folgender Satz:
Die „Kuscheldiplomatie“ mit Vertretern theokratischer Systeme muss beendet werden,
Also: Vatikan, rüste dich! Aber dann wird konkretisiert:
stattdessen sind Kontakte zur säkular-demokratischen Opposition in den „muslimischen Ländern“ herzustellen und auszubauen.
Die Geister, die ich rief..
Der Zentralrat der Ex-Muslime und vor allem seine Hauptfiguren stehen nicht für die Freiheit des Einzelnen. Sie sind derzeit nur akzeptabel, weil sie die teils grassierende Islamfeindlichkeit bedienen können. Ihre Ideen und Vorstellungen entstammen dem vorletzten Jahrhundert. Ich hoffe und rechne damit, dass dies mehr und mehr Leuten auffällt.
- das Motto der Ex-Muslime war anfangs “Wir haben abgeschworen”. Damit wollten sie offensichtlich ihre Islam-Abstinenz verdeutlichen.[↩]
- und eigentlich noch nicht einmal fest definierter Prozess[↩]
- wenn nicht religiöser Menschen[↩]
- das fordert man ja auch gemeinhin von Muslimen[↩]
- auch wenn das Interesse rapide abgenommen hatte, als man merkte, dass der Verein inhaltslos ist[↩]
- vor allem das Recht zur Selbstbestimmung[↩]
- lies: aus der politischen Szene verbannen![↩]
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By Thomas B., 2. Juni 2008 @ 01:48
Ausnahmslos dogmatische Stalinisten und Kommunisten, die Leute, die da sitzen im ZdE, gleichmachend, religionshassend, fremdenfeindlich! Mit Verlaub, wach mal auf aus deinem Tiefschlaf der bürgerlichen Halbbildung und des Kulturrelativismus! Schade, dass du nicht dabei warst auf der Konferenz, sonst hättest du vielleicht ein nicht so völlig verzerrtes Bild von den Zielen dieser Gruppe.
Ein paar Anmerkungen:
Zu deiner Kritik an §1:
-Schäuble diskutiert mit islamischen Verbänden, die die Menschenrechte nicht anerkennen, Sharia, Kopftuchzwang, Hass auf Ungläubige, Unterdrückung von Frauen tolerieren bis propagieren.
-Zuwanderer über ihre Religionszugehörigkeit zu definieren und sie so in eine Identität quasi hineinzuzwingen kann nicht funktionieren, wenn man aufgeklärte und integrierte Migranten zum Ziel hat.
-Eine säkulare Gesellschaft, orientiert an humanistischen Werten ist keinesfalls zwangläufig mit einem stalinistischen Terrorregime gleichzusetzen, sondern so ziemlich das genaue Gegenteil davon.
Zur Kritik an §2:
- Man kann de facto seine individuellen Eigenheiten haben, ohne sich so stark über ihre Religionszugehörigkeit definieren zu müssen. Mit Gemeinsamkeit sind Werte wie Grundrechte und rationale Kritikfähigkeit gemeint, die es unbedingt zu fördern gilt, keinesfalls totale weltanschauliche Konformität.
- Du solltest dir mal die Mühe machen, zu recherchieren, was man unter humanistischer Weltanschauungskunde versteht. Im krassen Gegensatz zu Religionsunterricht (mit ausdrücklichem Missionierungsauftrag!!) wird versucht, Religionen und andere Ethiksysteme möglichst objektiv wie kritisch zu erklären, ganz ohne, dass eine bestimmte Perspektive dabei suggeriert werden soll. In Berlin beispielsweise sind es vorwiegend Religionslehrer, die das Schulfach Ethik unterrichten, welchem ein ganz ähnlicher Gedanke zugrunde liegt.
Dass, wie du panikartig suggerierst, dort marxistisches Gedankengut dort vermittelt werden soll, ist vollkommen absurd und entbehrt jeglicher faktischen Grundlage.
Zur Kritik an §3:
- Islamischer Terrorismus wird in den Medien kaum Thematisiert, solange keine Menschen dabei umkommen, und selbst wenn das geschieht, ist es nur interessant, sofern es im Westen vorkommt.
Eine unanagebrachte Toleranz und Angst vor Verleumdung als islamophob oder gar xenophob bezeichnet zu werden, verhindert oft sachliche und kritische Berichterstattung.
- Der Versuch einer Polemik mit einer matriarchalischen Leitkultur scheitert vollends. Eine solche existiert schlichtweg nicht, Frauen werden nach wie vor in aller Herren Ländern unterdrückt, insbesondere dort, wo der Islam Staatsreligion ist.
- Antisemitismus bedeutet nicht bloß Kritik an jüdischen Glaubensinhalten, sondern perfiden Rassismus und Fremdenhass. Rationale Kritik an der religiösen Weltanschauung Islam mit Antisemitismus gleichzusetzen ist eine üble Verleumdung, die sachlichen und vernünftigen Diskurs sabotiert.
- Auf der Islamkonferenz wurde eines sehr deutlich:
In der Tat werden “menschenverachtende Praktiken” kritisiert, sowie die ideologischen Wurzeln dieser. Nie werden Gruppen von Mänschen als “Täterschaft” definiert. Es geht allein um Kritik an kruder Ideologie, niemals um Hass auf “die Muslime”. Mina Ahadi bringt es auf den Punkt: “Wer gegen den politischen Islam kämpft, der kämpft nicht gegen Muslime, sondern für sie! Er hilft ihnen in dem notwendigen Emanzipationskampf gegen eine menschenverachtende, faschistoide Ideologie. Es ist ein Kampf für Freiheit, Chancengleichheit, Selbstbestimmung.”
Zur Kritik an §4:
- Freiheit von jeglicher Weltanschauung ist eine völlig absurde Idee, die mit den Inhalten der Resolution herzlich wenig zu tun hat. Jeder Mensch soll glauben, was er will, solang er Menschenrechte und demokratischen Rechtsstaat anerkennt. Im Vatikanstaat gelten die Menschenrechte übrigens bezeichnenderweise offiziell bis heute nicht.
- Du hast anscheinend nicht die leiseste Ahnung, was in theokratischen Staaten wie dem Iran vorgeht. “Unehrenhafte” Frauen werden dort nach wie vor regelmäßig unter großer Zuschauerschaft gesteinigt, Andersdenkende und “Ungläubige” werden hingerichtet (so wie u.a. Mina Ahadis Mann und viele ihrer Freunde). Das ist selbstverständlich nur die Spitze des Eisberges. Nichtsdestotrotz arbeiten westliche Staaten, Organisationen und Unternehmen mit diesen terroristischen Regimes zusammen. Verkehrte Welt, wenn du mich fragst.
Mit freundlichen Grüßen,
Thomas B.
By Omar, 2. Juni 2008 @ 11:42
@Thomas B.: Tatsächlich ist ein Großteil der ZdE-Mitglieder bekennende Kommunisten. Die von dir angesprochene Mina Ahadi soll selbst noch Mitglied in der radikalen kommunistischen Bewegung in Iran sein. Ich war tatsächlich nicht in Köln bei der Konferenz, allerdings kann ich davon ausgehen, dass die Abschlusserklärung der Veranstalter durchaus das wiedergibt, was auf der Konferenz besprochen (und beschlossen?) wurde, oder? Auf der anderen Seite: Wenn ich das nächste Mal Zeit habe und mir jemand die Unkosten erstattet, so bin ich gerne bereit, mir das Ganze live anzuhören..
Zu deinen Anmerkungen:
- Die islamischen Verbände erkennen sehr wohl die Menschenrechte an. Die Behauptung des Gegenteils ohne Beweise zu liefern grenzt schon an Verleumdung. Auf der anderen Seite: wie sieht es mit dem Menschenrechtsverständnis des von dir gelobten Zentralrats der Ex-Muslime aus? Diese umfasst nämlich nach der allgemeinen Menschenrechtserklärung nicht nur die Bekenntnisfreiheit ein, sondern auch und vor allem die Freiheit, seine eigene Religion privat und öffentlich auszuüben. Andere Verträge schließen auch das Recht der Eltern mit ein, ihre Kinder in Übereinstimmung mit ihren eigenen Überzeugungen zu erziehen.
- Das Hineinzwingen jedweder Person in eine Religionsgemeinschaft unterstütze ich nicht. Das gilt aber auch für die Religionslosigkeit. Dementsprechend kann der Zentralrat der Ex-Muslime mitnichten für Ex-Muslime sprechen, da diese ja durchaus auch eine andere Religion angenommen haben könnten, statt zu Atheisten zu werden.
- Es muss kein explizit marxistisches Gedankengut vermittelt werden. Wenn Mina Ahadi et al Vorbilder für den Inhalt dieses Ethikunterrichts sind, dann ist das ganz und gar nicht objektiv, sondern stets mit der Brille eines militant-atheistischen Menschen gesehen. Der Unterschied zu einem religiös-missionarischen Unterricht wäre also nur im Besuchszwang (Religionsunterricht ist stets freiwillig, während so ein Ethikunterricht nur schwer als freiwilliges Fach angeboten werden könnte) und der Sichtweise.
- Dass islamischer Terrorismus nicht genügend thematisiert werden, ist Humbug! Vereitelte Anschläge muslimischer Täter sind nicht nur Thema, sondern auch Aufhänger für viele Sicherheitsgesetze. Dass im Übrigen Anschläge im Ausland nicht häufig genug thematisiert werden, ist auch auf Anschläge anderer Gruppierungen auszuweiten. Christliche Terroristen in Afrika oder Indien werden hier aber überhaupt nicht thematisiert!
- Es gibt keine matriarchalische Kultur? Schon mal was von den Minangkabau gehört? Das ist nicht das einzige Volk, das matriarchal lebt, aber ich picke es mal heraus, um auf eine andere Eigenheit hinzudeuten: Es ist ein muslimisches Völkchen.. Du siehst, ein Blick über das eigene Horizont hilft schon sehr.
Mich stört an der Resolution vor allem, dass einerseits allgemeine und sehr absolutistische Kritik an Religiosität und ihrem Platz in der Gesellschaft geübt wird, andererseits über “islamkritische” Absätze die Öffentlichkeit erreicht (und damit betrogen) wird. Warum geht die “kritische Islamkonferenz” nicht auch auf Beschränkungen ein, die sie den beiden Kirchen oder den jüdischen Gemeinschaften auferlegen wollen ein?
In meinen Augen ist der Zentralrat der Ex-Muslime nur ein medial verwertbares Vorhaltesymbol, hinter dessen Islamophobie (meinetwegen “Islamkritik”) sich eine eklige, weil Andersdenkende ausschaltende Atheismusbewegung verbirgt. Wenn der ZdE ehrlicher wäre, wäre er bei weitem nicht so medial begehrt, wie er es heute ist.
By Tekays, 2. Juni 2008 @ 14:03
looking here:
http://www.taz.de/nc/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2008%2F05%2F30%2Fa0111&src=GI&cHash=9f0a210b09
By Thomas B., 2. Juni 2008 @ 22:19
Lieber Omar,
du scheinst recht vorurteilsbelastet sein, was Kommunisten angeht. Diese Menschen sind beinahe die einzigen, die Widerstand leisten in islamistischen Regimes wie dem des Irans. Ihnen Traditionsblindheit in Bezug auf die verheerenden Konsequenzen des Realsozialismus unter Stalin, Mao und Konsorten vorzuwerfen, erscheint mir doch fragwürdig. Ich denke, dass diese Menschen durchaus in der Lage sind, aus der Geschichte zu lernen und vergangene Fehler nicht zu wiederholen.
In der Tat spiegelt die Abschlusserklärung das wider, was auf der Konferenz beschlossen wurde. Kostenerstattung für Bildung halte ich an sich für eine sehr förderungswürdige Sache, doch leider haben Wirtschaft und Staat andere Interessen.
Kommentare auf deine Kommentare:
- Pro forma erkennen diese Verbände die Menschenrechte an, das will ich nicht abstreiten, wohl aber, dass die lebenspraktische Realität ein wenig anders aussieht.
Wenn du dir die Erklärung des ZdE genau ansiehst, wirst du feststellen, dass dort nirgendwo steht, dass Religionsfreiheit als Menschenrecht angezweifelt oder gar angegriffen wird, wohl aber hingegen unethische, verwerfliche Taten, die im Namen eines religiösen Dogmas respektive Gottes vollzogen werden. Eltern sollen ihre Kinder nach ihren Überzeugungen erziehen, aber sie sollen sie meines Erachtens gleichsam zu kritischen Menschen erziehen, die Fragen stellen dürfen. Ich bin der Ansicht, dass es ebenso falsch ist, von christlichen oder muslimischen Kindern zu sprechen, wie es falsch ist, von atheistischen oder säkularen Kindern zu sprechen.
- Wer zwingt denn irgendwenn in Religionslosigkeit hinein? Ehrlich gesagt, ich verstehe dein Argument nicht. Auch ein beispielsweise zum Christentum oder zum Buddhismus konvertierter Muslim ist ein Ex-Muslim oder etwa nicht? Der ZdE definiert sich nicht als explizit atheistische Organisation.
- Nirgendwo steht, dass das Gedankengut einer Mina Ahadi in irgendeiner Weise für ein Schulfach Religions- und Weltanschauungskunde oder humanistische Lebenskunde relevant sein soll. Ich habe keine Ahnung, wie du auf diese absurde Idee kommst. Ebenso wird nirgends behauptet, das Schulfach solle höher gewertet werden als Religionsunterricht, oder mit einem verschärfteren Besuchszwang als jenem versehen werden.
- Es ist zunächst zu definieren, was man unter Terrorismus versteht. Für den ZdE beginnt er schon im kleinen, bei Unterdrückung der individuellen Entfaltungs- und Meinungsfreiheit.
An deiner Kritik am christlichen Terrorismus mag etwas dran sein, damit kenne ich mich kaum aus. Überhaupt finde ich sehr schade, dass es kein äquivalentes Wort zu Islamismus bezogen aufs Christentum gibt, denn einige Organisationen und Politiker in den USA beispielsweise wären meines Erachtens eindeutig so einzustufen.
- Entschuldigung, das mit der matriarchalischen Kultur war ein Fehler, ich habe das heute morgen schon in der Uni recherchiert und sehe das ein. Dass korangetreues Leben und matriarchalische Kultur allerdings möglich sein soll, halte ich dennoch für schwer vorstellbar.
- Ich kann nicht verstehen, warum Religionskritik in einer Gesellschaft, die sich selbst als aufgeklärt bezeichnet, immernoch so stark verteufelt wird, obwohl sie, denke ich, das einzige vernünftige Gegengift gegen Indoktrination und Fundamentalismus darstellt.
Dass die ZdK andersdenkende “ausschalten” will, halte ich für ein unzulässiges Statement. Ziel ist in der Tat, Weltanschauungen von Menschen, die Grundrechte nicht akzeptieren, gesamtgesellschaftlich nicht mehr in dem Maße zu tolerieren, wie es derzeit der Fall ist.
Zweitens, konfessionslose Menschen sind meines Erachtens stark benachteiligt in diesem Land, obwohl sie die größte Gruppe (wenn man Protestanten und Katholiken einzeln zählt) bilden.
Religionen müssen sich genauso Kritik aussetzen lassen, wie jede andere philosophische Weltanschauung. Alles andere wäre Andersdenkende ausschalten, nicht aber vernünftige Kritik an unvernünftigen, weil unethischen Weltanschauungen!
Ich habe heute von einer Freundin ein sehr interessantes Video geschickt bekommen, dass ich dir zum Abschluss ans Herz legen möchte:
** sorry, kein Link zu so dämlichen und hasserfüllten Seiten - und bestimmt kein Link zu einem der vielen Pat-Videos **
Lieber Tekays. Den taz-Artikel habe ich bereits Freitag gelesen.
Er ist meines Erachtens schlecht recherchiert, und teilweise höchst suggestiv (insbesondere der Teil zur Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung: wer dieses Video gesehen hat, würde nicht im Traum auf die Bezeichung “Mob” kommen; auch die Recherche zur rbeiterkommunistischen Partei und ihrer Ideologie ist mangelhaft, der angebliche Führerkult an den Haaren herbeigezogen).
By maike bueskens, 3. Juni 2008 @ 17:45
Eine Religion die von einem Kinderschaender gegruendet wurde, kann man nicht ernst nehmen
By Hasan, 3. Juni 2008 @ 17:49
“Wirklich? Was ist dann mit den matriarchalischen Vorstellung? Müssen wir auch diese erst einmal überwinden?”:
Nenn mir mal “matriarchalische Vorstellungen”, die vor allem in dem religiösen Milieu, um das es hier geht, dieselbe Dominanz besitzen wie patriarchalische, wenn du so “schlau” sein willst!
By Hasan, 3. Juni 2008 @ 17:53
“. . . dann ist man nicht besser als völkische Rechtsradikale, die eine besondere Kriminalität unter Ausländern herauszustellen versuchen”:
Schau dir mal die Kriminalitätsstatistiken z. B. aus Berlin an und erfahre, welchen religiös-kulturellen Hintergrund der übergroße Teil jugendlicher Intensivtäter hat - soll ich es dir verraten, liebe Omar? Es sind KEINE Migrantenkinder aus buddhistischen Elternhäusern!
Übrigens muss man kein Neonazi sein, um REALITÄTEN wahrzunehmen!
By Omar, 4. Juni 2008 @ 01:04
@maike: zum ernst nehmen kann dich keiner zwingen. Deinen Hass für dich zu behalten ist auch nur ratsam, genauso wie es ratsam und angebracht ist nicht jedem zu zeigen, dass man keine Ahnung hat.
@Hasan: Wenn ich so “schlau” wäre wie du, hätte ich den Text noch nicht einmal gelesen, denn es scheint mir, du hast es tatsächlich nicht getan. Noch einmal zur Erklärung: Welche kulturelle Eigenheit man abzulegen hat, kann nicht willkürlich bestimmt werden. In Deutschland und Europa ist weitestgehend weiterhin das Patriarchat bestimmend, auch wenn die Gesetze sich in eine andere Richtung gewendet haben (in den letzten zehn bis 15 Jahren). Dagegen gilt unter den muslimischen Minangkabau ein Matriarchat, (das nicht weniger streng ist und wahrscheinlich durchaus auch Ungerechtigkeiten enthält) vorherrschend (übrigens: dieses Matriarchat wird von europäischen Einflüssen bedroht)! Mehr ist dazu nicht zu sagen.
@Hasan: Lieber Hasan, dir würde ich nicht vorwerfen, ein Neonazi zu sein. Anhand deiner anderen teils recht vulgären und teils einfach nur belämmerten Kommentare hier und auf anderen Seiten schließe ich eher auf eine Diskontinuität in der Gehirnfunktionalität. Einfacher ausgedrückt: du hast nen Knall.
@Thomas B: Meine Feststellung, dass Ahadi et al noch immer kommunistischen Ideen nachhängen habe ich an Fallbeispielen festgemacht. Dass du jetzt einfach so behauptest, sie wären es nicht mehr, kann gerne deine Meinung sein, aber bis du mir einen Hinweis gibst, warum du das annimmst, muss ich das nicht ernst nehmen.
Genauso müsstest du einfach mal konkret werden, was den Vorwurf an die muslimischen Verbände in Deutschland angeht.
Die Abschlusserklärung des Zentralrats der Ex-Muslime zeigt ein Defizit beim Freiheitsverständnis - ein Defizit, den Alt-Kommunisten aufzeigen. Die Antireligiosität der Mitglieder grenzt - wie bereits gesagt - an einen quasi-religiösen Eifer.
“Eltern sollen ihre Kinder nach ihren Überzeugungen erziehen, aber sie sollen sie meines Erachtens gleichsam zu kritischen Menschen erziehen, die Fragen stellen dürfen.”
Wieder: Das ist keine klare Aussage. Soll den Eltern ein Erziehungshandbuch an die Hand gegeben werden - von staatlichen Stellen? Tatsache ist, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft die Einflusssphären zur Regulierung durch den Staat sehr begrenzt sein müssen. Ich behaupte, dass diese iranischen Revolutionäre, die mit dem Drang nach Veränderung in ihrem eigenen Staat gelebt haben, dies einfach nicht verstehen. Und es zeigt sich an ihren Aussagen sehr deutlich!
Der Zentralrat der Ex-Muslime hat keinen einzigen Vertreter, der Ex-Muslim und Neu-Christ oder -Jude ist. Sie werden von der radikal-areligiösen Giordano Bruno Stiftung hauptsächlich unterstützt, hatten ihr erstes Forum im Freigeisterforum und ihre Seite ist nicht etwa vom Verein selbst, sondern von “Michael Schmidt-Salomon” getragen (also der Domainname). Daneben kannst du dir mal die Linkliste anschauen und dann noch das Interview mit Arzu Toker durchlesen, die darin von “wir Atheisten” spricht. Das braucht doch keiner weiter auszubuchstabieren.
“Dass korangetreues Leben und matriarchalische Kultur allerdings möglich sein soll, halte ich dennoch für schwer vorstellbar.”
Das ist aber nicht der Punkt. Tatsächlich ist es möglich - im Übrigen glaube ich, dass es öfter vorkommt, als man gemeinhin annimmt - und dann sollte dir - als geistesoffenem Menschen, hoffe ich mal - gelingen, dein Vorurteil mit den neu hinzugewonnen Fakten beiseite zu wischen..
Religionskritik: die gibt es en masse und sie wird diskutiert, widerlegt und ignoriert. Das verhält sich genauso wie mit der Kritik an der Areligiosität. Da zum Schluss jeder einzelne seine Religiosität und vor allem seinen Glauben entscheidet, kann man nicht sagen, dass eine Diskussion unbedingt tabuisiert oder enttabuisiert werden sollte.
Vor allem wünsche ich mir aber bei der Kritik immer diese Prise Sachverstand, die leider meist fehlt. Sie fehlt ganz offensichtlich bei den Ex-Muslimen. Dementsprechend finde ich das persönlich nicht so tragisch, dass - wie im taz-Artikel dargestellt - Mina Ahadi in keiner deutschen Moschee unterwegs war, sondern vielmehr finde ich es bedrückend, dass sie als Kronzeugin auftritt, obwohl sie offensichtlich keine Ahnung hat. Das verdient dann beizeiten Kritik aus meiner Feder.. (und die sollte ja nun auch nicht tabuisiert werden!)
“Zweitens, konfessionslose Menschen sind meines Erachtens stark benachteiligt in diesem Land, obwohl sie die größte Gruppe (wenn man Protestanten und Katholiken einzeln zählt) bilden.”
Die Benachteiligung der Konfessionslosen sehe ich nicht so, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. So aber würde ich das für ein Mythos halten. Und wenn man schon Protestanten und Katholiken nicht zusammen zählen wollte (oder gar einfach nur Religiöse gegen Nichtreligiöse aufrechnen wollte), dann müsste man auch innerhalb der “Konfessionslosen” differenzieren, denn selbst da gibt es durchaus gläubige Menschen, die sich nur nicht einer übergeordneten Instanz unterordnen lassen wollen.
Das von dir verlinkte Video war vor allem deshalb nicht von Interesse, da nur ein Brite dort vor einer Kamera stehend zu sehen war, der seinen (lieber intim gebliebenen) Hass freien Lauf liess. Fakten waren da nur spärlich zu finden.
@Tekays: Der Artikel in der taz ist in der Tat interessant. Ich wollte dazu noch einen weiteren Beitrag schreiben, wo es vor allem um die “Repräsentanz” oder den Zusammenschluss der Muslimhasser gehen soll und wie unterschiedlich sie doch sind. Mal schauen, ob ich das zeitlich hinbekomme..
By martin, 21. September 2008 @ 22:44
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