Too Much Cookies Network

Die Tagesschau auf Wilders’ Kursen

Samstag, 29. März 2008, 07:36

Es ist schon erstaunlich, zu welchem Schluß der SWR-Korrespondent Peter Heilbrunner kommt, als er die Veröffentlichung des Films “Fitna” von Geert Wilders einzuschätzen versucht:

Und was lehrt uns das? Wir müssen gelassener werden im Umgang mit Islam-Kritik. Meinungsfreiheit ist eine der größten Errungenschaften der freien Welt und die sollten wir nicht übervorsichtig opfern aus Angst vor erbosten Reaktionen. Mit Selbstzensur jedenfalls stellen wir das Licht unser westlichen Tradition unter den Scheffel - einen Dialog der Kulturen muss man offen führen können und ohne vorauseilenden Gehorsam.

Dabei hat er bei der Analyse schon die richtigen Stichwörter genannt, nur der Schluß passt einfach nicht dazu! Er fängt an, indem er diagnostiziert, der Inhalt des Films gerate “nach dem Wirbel im Vorfeld” in die Nebensächlichkeit. Der Film sei unter “normalen Umständen” aus unterschiedlichen Gründen keiner Erwähnung wert:

Und dennoch: Es bleibt einer schaler Beigeschmack. Zum einen, weil der Film unter normalen Umständen wahrscheinlich kaum wahrgenommen worden wäre - allein unter künstlerischen Gesichtspunkten hätte ihn am Ende keine TV-Anstalt ausgestrahlt. Es ist ein Machwerk der Youtube-Klasse - mehr nicht.

Das stimmt. Offensichtlich wurde der Film nicht als solcher gehandhabt, sondern eher als revolutionärer Film der Extraklasse, der Muslime zum Überkochen (und Vorführen) bringen wird..

Nun aber kommt dem Pamphlet eine Bedeutung zu, die ihm weder inhaltlich noch ästhetisch zukommen dürfte. Und das ist das eigentlich bittere an der Geschichte. Hätte es nicht diesen Hype im Vorfeld gegeben, wäre der Film in den tiefen des Internets einfach verloren gegangen - allenfalls ein paar Rechtspopulisten hätten sich daran nicht satt sehen können.

Tja, und wem haben wir das zu verdanken?? Wer hat einen Hype um einen versprengten Rechtsradikalen gemacht, ihm eine Bühne gegeben und über einen Film im Vorfeld berichtet, und über dessen Inhalt - unabhängig von dessen Existenz - spekuliert? Wer ist der eigentliche Vorgeführte in dieser ganzen Geschichte? Wer hat nur so reagiert, wie man es von ihm haben wollte und hat den Anschein von Intelligenz nicht wahren können?

Filmproduzenten aller Welt: Warum millionenschwere Werbemaßnahmen einleiten, um einen Film an die Leute zu vermarkten? Man braucht nur zu behaupten, Muslimen auf die Füße treten und nerven zu wollen - die (kostenlose) Aufmerksamkeit der berechenbaren Medien ist Ihnen sicher!

Wir müssen gelassener werden im Umgang mit Islam-Kritik. Meinungsfreiheit ist eine der größten Errungenschaften der freien Welt und die sollten wir nicht übervorsichtig opfern aus Angst vor erbosten Reaktionen. Mit Selbstzensur jedenfalls stellen wir das Licht unser westlichen Tradition unter den Scheffel - einen Dialog der Kulturen muss man offen führen können und ohne vorauseilenden Gehorsam.

Bravo, Mister Heilbrunner, Sie schaffen es nicht nur, vor der Ausstrahlung des Films den Ihnen vom Rechtsradikalen Geert Wilders vorgegebenen Kurs einzuhalten, sondern auch hinterher! Zu einem solchen Schluß kann nur einer kommen, der in seiner eigenen Medienblase lebt und die Welt in Spektakulärem und Langweiligem fälschlich einzuteilen versucht.

Darf ich Ihnen, Herr Heilbrunner und den anderen gescheiterten Mitgliedern der “vierten Säule” des Staates, zum Schluß noch einen Spiegel Ihrer selbst vor die Nase halten?

Deniz Özgür Uzun war ein türkischstämmiger Däne, der im Alter von 16 Jahren von drei dänischen Jugendlichen auf offener Straße - und am helllichten Nachmittag - mittels Baseballschläger umgebracht wurde. Dies geschah am 19.3.2008 - knapp 10 Tage her! Die Polizei in Dänemark behauptet, der Mord wäre im Kontext von Jugendgewalt und Gang-Kriegen geschehen.

Police believe that although Ozun was of Turkish descent and the attackers white Danes, the incident resulted from a heated verbal exchange and was not racially motivated. Another theory is that the three teens mistakenly believed Ozun was a member of a rival gang.

Anders scheint das die dortige muslimische und türkische Community zu sehen1, die den während der Tat anwesenden Freund von Deniz zitiert und berichtet, dass der Jugendliche zuerst mit rassistischen Beleidigungen übersät wurde. Die Annahme, dass es sich um eine rassistische Handlung dreht, mag nicht zutreffen, allerdings fragt sich, ob Sie - Herr Heilbrunner als ppt der “Medien” - nicht die Aufgabe haben, über solche Investigationen der Polizei kritisch zu berichten, die Eltern und möglicherweise Zeugen anzuhören? Bis heute findet sich fast kein Echo dieser Tat in der deutschen Medienwelt! Wo sonst sehen Sie Ihre Aufgabe? Wenn diese Aufgabe darin besteht, Rassisten nach dem Mund zu reden, dann wäre das ziemlich traurig. Dass Sie sich auch noch als Signalposten für die “westliche Tradition” und Wahrer der Werte der Aufklärung aufführen ist unglaubwürdig, wenn Sie gleichzeitig den damit verbundenen Mehrwert für die Gesamtgesellschaft2 komplett ignorieren.

Mit Dank an “anders deutsch”.


  1. eine Zusammenfassung der Reportage über den Fall findet sich hier []
  2. eben gerade der erhoffte Effekt der “vierten Säule” []
2 Kommentare

Kommentar von Azadur

Made Samstag, 29 of März , 2008 at 17:20

“Meinungsfreiheit ist eine der größten Errungenschaften der freien Welt und die sollten wir nicht übervorsichtig opfern aus Angst vor erbosten Reaktionen.”

Deshalb kuscht man auch ständig vor Israel Regierung? ;)

Kommentar von LaughingMan2008

Made Dienstag, 1 of April , 2008 at 19:06

Wilders fordert ein Koran Verbot, soviel zur “meinungsfreiheit”

Die angebliche “Zensur” kommt mir Bekannt vor :D
http://www.toomuchcookies.net/archives/819/idomeneo-die-virtuelle-bedrohung-der-falschen-oper.htm

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