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Das “Problem der Juden”

Freitag, 21. März 2008, 17:56

Gerade habe ich ein interessantes Interview auf Deutschland Radio Funk gehört, das mit Kardinal Paul Josef Cordes geführt worden ist. Darin geht es einerseits um die späte Antwort des Vatikans auf die Tibet-Schlachtungen, andererseits wird eine Änderung in der Karfreitagsfürbitte des Papstes angesprochen, gegen die der Zentralrat der Juden protestiert haben soll:

Kardinal Cordes, ich möchte mit Ihnen noch einen Blick auf das kommende Osterwochenende richten und auf den Streit, der sich rankt um die neu formulierte Karfreitagsfürbitte von Papst Benedikt XVI. Darin heißt es, man bitte für die Juden, damit Gott sie erleuchte und sie Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Korn, sprach gegenüber der “Frankfurter Rundschau” von einem Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten. Verstehen Sie die Kritik?

Seine Antwort hierauf ist m.E. höchst merkwürdig:

Cordes: Ja, einerseits verstehe ich es, dass die Menschen, die Juden in Deutschland immer wieder Gelegenheit nehmen, nehmen müssen, auf sich aufmerksam zu machen und die vergangene Geschichte wieder ins Licht zu rücken,

Ja, diese Juden! Immer um Aufmerksamkeit bemüht..

dass man nicht vergessen darf, was sie erlitten haben, und dass man, sagen wir mal, auch die Spannungen, die zwischen den Juden und der Gesellschaft sind oder sein können, anspricht.

Spannungen zwischen “den Juden” und “der Gesellschaft”?? Wovon spricht er denn da?

Wenn man jetzt mal gerade von der Reise der Bundeskanzlerin absieht, ist es ja nicht überall in der Gesellschaft so, dass die jüdischen Menschen, die bei uns leben, akzeptiert sind.

Das kommt natürlich auf das Umfeld an..

Und ich verstehe von daher die Tatsache, dass zum Beispiel eben der Leiter des Zentralrats wieder auf sich aufmerksam macht und auf das Problem der Juden.

Aha! Der Leiter des Zentralrats der Juden will also nur auf sich aufmerksam machen.. Und außerdem will er auch noch auf das “Problem der Juden” aufmerksam machen. Interessant!

Andererseits verstehe ich es also nicht, denn, wenn Christus gekommen ist, um den Menschen Heil zu bringen - und es gibt ja interessanterweise auch im Judentum eine messianische Bewegung, die dahin zielt, Christus anzuerkennen -, dann, meine ich, darf man es uns Christen nicht vorwerfen, dass wir für eine Zuwendung der Juden zu Jesus Christus beten.

Bitten, sollte man um alles dürfen, vor allem wenn es um die vermeintliche oder tatsächliche “Rechtleitung” eines Menschen geht. Davon sollte sich keiner irritieren oder gar beleidigen lassen. Aber dies dann auch noch mit einer Abspaltung der anderen Religion zu begründen - nichts anderes sind diese messianischen Juden - das ist schon hart an der Grenze des gesellschaftlich vertretbaren..

Insgesamt scheint es der katholischen Kirche sehr leicht zu gelingen aus einem religiösen Konflikt einen antisemitischen zu basteln (sie wollen ja nur Aufmerksamkeit, wobei es “denen” um das Thema an sich ging..)!

2 Kommentare

Kommentar von Simon Columbus

Made Freitag, 21 of März , 2008 at 18:16

Dieses doch leicht verwirrt klingende Gesabbel des werten Kardinal Cordes lädt wirklich dazu ein, einmal zu einem gemeinsamen Gebet für seine geistige Gesundheit aufzurufen. Es scheint, als könne er es wirklich gebrauchen.

Kommentar von Melantrys

Made Freitag, 21 of März , 2008 at 22:50

Bin schwer enttäuscht vom Papst. Wieso nur um Erleuchtung der heidnischen Juden bitten? Die zurückgebliebenen Musels sehen Jesus doch auch nur als einen Propheten von vielen, und nicht als Messias. So geht dat nicht! Bekenne dich!! (Oder was man so sagt…..)

Aber mal ernsthaft, bin gerade beim Googeln (Ist das ein Wort? lol) auf die Wikipedia-Seite zum Karfreitag gestoßen. Sehr interessant, daß die Sache mit der Bekehrung zu Christus in der Vergangenheit geändert worden war, da man die Passage als abwertend gegenüber den Juden betrachtet hatte. Im Februar diesen Jahres hat Benedikt die alte Form in leicht abgeschwächtem Wortlaut wieder eingeführt.
Der Mann hat echt noch Großes vor. Mit schnellen Schritten zurück ins Mittelalter: “Rückbesinnung” auf lateinische Messen, die “das einfache Volk” dann leider nicht verstehen kann, “Rückbesinnung auf alte “Werte” wie Missionierung der “Heiden”….

Kann mir mal jemand in diesem Zusammenhang erklären, wieso der Islam als rückständig bezeichnet wird und wir verlangen, daß in den Moscheen hierzulande Deutsch gesprochen wird…?

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