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Neue muslimische Mehrheit: Lale Akgün

Sonntag, 23. Dezember 2007, 22:09

In der taz vom 21.12.2007 fordert Lale Akgün, dass der Innenminister nicht mehr mit “islamischen Exoten” spricht, sondern mit der “liberalen Mehrheit” der Muslime. Letztere sei nicht in der Islamkonferenz vertreten, da dort nur “autoritärislamische Stimmen und [] antiislamische Stimmen” zu finden sind - zu Letzteren zählt sie Seyran Ates und Necla Kelek.

Aber auch islamkritische Stimmen wie Seyran Ates oder Necla Kelek sind dort vertreten.

Das ist doch genau das Problem. Innenminister Schäuble nimmt die autoritärislamischen Stimmen und die antiislamischen Stimmen. Er redet im Grunde genommen nur mit den Exoten. Aber die liberale Normalität wird dort nicht abgebildet.

Necla Kelek hatte ja früher sich selbst als Vertreterin der sog. “schweigenden Mehrheit” dargestellt:

Ich selbst bin eine Kultur-Muslimin. […] Ich bin jedoch überzeugt, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Moslems Kultur-Muslime sind.

Beide sehen sich nicht in der Aufgabe einen Beweis dafür zu liefern, dass sie eine “schweigende Mehrheit” vertreten. Derweil sprechen beide den muslimischen Organisationen den Vertretungsanspruch ab, weil diese je nach Statistik “nur” zwischen 10% und 25% der Muslime in Deutschland repräsentieren..

Vor allem kritisiert Frau Akgün ausgehend von der kürzlich erschienenen Studie “Muslime in Deutschland”1 “diejenigen Vereinigungen und Leute, die eine solche islamisch autoritäre Weltanschauung vertreten”. Auch hier wieder: einen Beweis liefert sie nicht! Wer braucht das schon, wenn man so “argumentieren” kann:

Wie kommt man an diese Vordenker ran?

Das ist natürlich schwierig. Wichtiger ist zu verhindern, dass diese Ideologen junge Leute aus den benachteiligten Vierteln verführen und ihnen eine radikale Weltanschauung einimpfen. Irgendwo müssen sie diese Positionen doch aufschnappen. Das passiert eben vor allem in den Moscheevereinen und Koranschulen.

Es bleibt die Frage: welche “liberale Mehrheit” meint Frau Akgün genau? Denn, hätte Sie die Studie auch nur überflogen, wäre ihr aufgefallen, dass diese zum Schluß kommt, dass eine Mehrheit der Muslime in Deutschland eher “fundamental”-religiös, “orthodox”-religiös oder “traditionell, konservativ” ist! Auch wenn man annehmen darf, dass Liberale2 aufgrund der wenig medienkonformen Definitionen in der Studie auch innerhalb der drei Gruppen zu finden sind, weist die Zusammensetzung doch ein klares Übergewicht der Orthodoxen und denjenigen, die eben gerade durch die muslimischen Verbände vertreten werden auf, wie man der nachfolgenden Grafik entnehmen kann3:

Muslime - Verteilung

Vielleicht meint Frau Akgün ja auch sich selbst mit der “liberalen Normalität”.. Deutlich wird das auch bei der Statistik zum Besuch von Koranschulen: Nur knapp die Hälfte der Schüler in der Befragung haben angegeben, dass sie keine Koranschule besucht haben. Der Rest hat eine solche besucht4. Und wer bietet diesen Unterricht an? Genau! Die Moscheegemeinden.

Folgerichtig ist es für Schäuble sinnvoll - wenn er mit Muslimen sprechen will - dass er mit den Verbänden und Moscheebetreibern spricht5. Ob diese wiederum mit ihm sprechen sollten - das ist eine gänzlich andere Frage und sollte auch unter Berücksichtigung seiner Ansichten bzgl. Folter, Menschen- und Bürgerrechten behandelt werden.

Übrigens: Interessante Kommentare zur Studie gibt es beim Küchenkabinett und Citronengras. Meinerseits versuche ich die Studie noch zu durchblicken6.


  1. UT: “Integration, Integrationsbarrieren, Religion und Einstellungen zu Demokratie, Rechtsstaat und politisch-religiöser Gewalt” ↩ bmi []
  2. hier gemeint: politische Liberale []
  3. hier nur als Beispiel ausgewählt []
  4. ob einige der Schüler den von ihnen besuchten Unterricht nicht als “Koranschule” bezeichnet hätten, geht aus der Befragung natürlich nicht hervor.. []
  5. ungeachtet des durchaus fehlenden formalen Vertretungsanspruchs []
  6. vor allem die Definitionen für die einzelnen auch hier erwähnten “Gruppen” unter Muslimen zu finden []
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