Minderwertigkeitskomplexe
Freitag, 7. Dezember 2007, 10:24
“Andes deutsch” beschäftigt sich mit dem taz-Interview mit Seyran Ates und stimmt ihr in der folgenden Aussage zu:
Diese verantwortungslose Multikulti-Heile-Welt-Propaganda beinhaltet auch eine Form von Rassismus. Denn diese Leute wollen, dass meine Leute, die aus der Türkei kommen, nicht hier ankommen. … Multikultis grenzen uns auch aus. …
Aber für den Multikulti hat der Migrant immer einen geringeren Intelligenzquotienten als ein Deutscher. Sie schauen sich unsere Entwicklung an wie in einem Zoo. Nach dem Motto: Mal gucken, wie der anatolische Bauer sich entwickelt. …
Aber ich muss auch in der Schublade bleiben, ich darf mich nicht entwickeln, ich muss die Ausländerin bleiben, ich bin immer die Exotin.
Ich hab mir also das Interview durchgelesen und mein erster Eindruck hat sich nur verstärkt: Die Aussagen, die Frau Ates hier trifft, fussen meines Erachtens auf einen sehr tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex. Die Grundaussage ist die, dass Migranten per se eine Weiterentwicklung hin zum Deutschen nachvollziehen müssten - um glückliche oder gute Bürger zu werden - und dass “Gutmenschen” oder auch “Multikultis” diese Entwicklung durch Nichteinfordern von Integrationsschritten hemmen würden.
Was manch einer als die Achtung der Individualität eines Migranten ansieht, sieht Frau Ates als die Verhinderung des kulturellen Aufstiegs dieses Migranten an. Die Mitnahme kulturellen und traditionellen Denkens und Handels aus dem Ursprungsland (oder meinetwegen aus irgend einem anderen Land) scheint für sie schlecht zu sein und das kulturelle ‘in Deutschland ankommen’ die Quintessenz und die Höhe der Entwicklung eines Deutschen mit Migrationshintergrunds.
Diese verantwortungslose Multikulti-Heile-Welt-Propaganda beinhaltet auch eine Form von Rassismus. Denn diese Leute wollen, dass meine Leute, die aus der Türkei kommen, nicht hier ankommen. Sie fühlen sich selber als Deutsche unwohl und wollen deswegen auch von Ausländern, dass diese sich hier nicht integrieren. Multikultis grenzen uns auch aus.
Was Frau Ates den “Multikultis” vorwirft (sich nicht in der eigenen Haut/Kultur wohl zu fühlen), trifft auf sie umso mehr zu. Türke sein, ist schlecht! Wer ist hier also Rassist?
Ein schmankerl noch: Seyran Ates weiß schnell, wann man die Sphäre der halbwegs objektiven Argumentation verlassen darf - immer dann wenn einem politischer Extremismus vorgeworfen wird…
Sie können also nicht nachvollziehen, wenn Ihnen vorgeworfen wird, sie würden der zögerlichen Integrationspolitik der CDU nahe stehen? Kritiker vergleichen Ihre Integrationsthesen sogar mit NPD-Programmen.
Das ist eine totale Beleidigung und ein persönlicher Angriff meiner Person. Diejenigen, die mir so etwas vorwerfen, leiden unter ihrer mangelnden Intelligenz. Seit über 20 Jahren kämpfe ich für die Frauenrechte, und kaum ein NPDler und wenige Christdemokraten verfolgen diese Ziele. Außerdem haben diese Parteien Ideale, die ich nicht vertrete.
Autsch!
Tags: Deutschland, integration, Multikulti, Seyran Ates, Türken
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Kommentar von Iris
Made Freitag, 7 of Dezember , 2007 at 20:47
Ich würde Frau Ates als erstes gern mal die Frage stellen, wo sie immer diese 0815 Typen trifft, die sie DIE Multikultis nennt. Und dann würde ich sie auch gern mal fragen, woher sie das Selbstbewusstsein nimmt, ständig so selbstverständlich für DIE Migranten oder DIE Türken zu sprechen.
Ich selbst würde mich zwar nicht aus eigenem Antrieb eine Multikulti nennen, aber ich wünsche mir das Deutschland, in dem ich am liebsten leben möchte, u.a. als eine multikulturelle Gesellschaft. Und damit meine ich, dass Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, zunächst mal mit Herz und Verstand anerkennen, dass alle Menschen - egal wo sie oder ihre Ahnen (zufällig!) geboren wurden - von Geburt an gleichberechtigt sind, aber deswegen nicht alle gleich sein müssen. Menschen sollen einander mit ihren individuellen Besonderheiten als gleichwertige Gesellschaftsmitglieder achten. Und in meiner Vorstellung von einer multikulturellen Gesellschaft in Deutschland sollten die Menschen (im Rahmen des Grundgesetzes!) selbst entscheiden dürfen, inwieweit sie sich der Mehrheit anpassen wollen.
Meine Gründe: Anders ist für mich nicht per se besser oder schlechter. Unterschiedliche Perpektiven und Lebensmodelle finde ich interessant. Vielfalt werte ich als Bereicherung, zwangsweise Gleichmacherei dagegen als Beschränkung …ab einem gewissen Punkt auch als Beschränktheit ;o).
Kommentar von Melantrys
Made Freitag, 7 of Dezember , 2007 at 23:03
Speziell dem letzten Abschnitt des Kommentars von Iris gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen.
Ich bin mal ganz faul und schließe mich einfach an.
