Gastfreundschaft muss geahndet werden

Was macht man, wenn man einen fernen Bekannten aus dem visumpflichtigen Ausland einladen möchte?

Genau dasselbe, was ein Unternehmer tut, wenn er sich mit einem visumpflichtigen Geschäftspartner in Deutschland (vielleicht, um einen Auftrag zu besprechen?) treffen möchte: Man schickt dem Gast eine Einladung, damit er diese bei der Beantragung des Visums vorlegen kann. Eigentlich ist da nichts bei, aber unserer tollsten Regierungskoalition des Jahrtausends glaubt, dass es sich lohnt, dass man in eine Datei aufgenommen wird:

Wer einen visumpflichtigen Ausländer nach Deutschland einlädt, soll künftig in einer speziellen Datei gespeichert werden. Darauf haben sich das von der CDU geführte Innenministerium und das von der SPD geführte Auswärtige Amt verständigt, berichtet der sozialdemokratische Innenpolitiker Michael Hartmann. “Wir sind ein weltoffenes Land, aber wir müssen auch den Visamissbrauch durch Schleuser und Menschenhändler verhindern”, sagte er der taz.

Zweck der Speicherung? Damit sollen Gastgeber identifiziert werden, die zu gastfreundschaftlich sind (also, zu oft Menschen einladen). Das geht nämlich nicht! Das Boot ist voll und da passen keine doofen Ausländer mehr rein. Die Vermeidung von Zuzug muss oberste Priorität haben und darf nicht dem Prinzip des Datenschutzes untergeordnet werden!

Von Abgeordneten der CDU/CSU wird dem entgegengehalten, dass auch die Speicherung eines Autokennzeichens beim Kraftfahrtbundesamt “anlasslos” sei. “Mit der bloßen Speicherung ist ja kein Unwerturteil verbunden”, heißt es aus Verhandlungskreisen. In rund zwei Wochen sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.

Ja, genau! Warum nicht gleich alle Pappnasen aus der Union registrieren und bei Viel-Lügnern und Viel-Faschisten gleich ausweisen oder in die Klapsmühle einweisen? Dazu haben wir sogar inzwischen genügend Anlass!

Nein, aber mal im Ernst: Wenn wir schon die Daten haben, könnten wir sie doch auch für diffuse Polizeirecherchen verwenden:

Die Einlader-Datei dient zwar in erster Linie der Kontrolle der Einwanderung. Aber auch Polizeibehörden und Geheimdienste werden voraussichtlich Zugriff erhalten.

Gibt es ein Wort für diese Krankheit, unter der solche Politiker heute leiden? Viel wichtiger: Gibt es ein Heilmittel? Bitte!

[via]

Comments

  • By Melantrys, 20. November 2007 @ 21:22

    Gibt es ein Wort für diese Krankheit, unter der solche Politiker heute leiden? Viel wichtiger: Gibt es ein Heilmittel? Bitte!

    Aber sicher doch. Paranoia. Eventuell mit Wahnvorstellungen.

    Bin zwar kein Psychologe, aber da soll es doch wohl einige wirksame Medikamente geben, oder?

  • By Omar, 20. November 2007 @ 21:36

    @Melantrys: manche von denen glauben ja tatsächlich, dass sie Deutschland (oder vielleicht die ganze Erde) damit sicherer machen. Bei anderen bin ich mir nicht so sicher, ob sie es nicht vorsätzlich so tun als ob.. Überwachungs-Schily ist ja nun auch bei einer Überwachungsfirma engagiert.. Wer weiß welchen Job sich gerade Schäuble zu sichern versucht..

  • By Melantrys, 20. November 2007 @ 23:39

    Auch wenn man’s ehrlich meint und keine “dunkleren” Gedanken dahinter verborgen sind - der Preis für Sicherheit kann und darf nicht endlos hoch sein. Wenn der gläserne Bürger keinerlei Privatsphäre mehr hat… also, dann tut’s mir leid, dann ist mir eine abstrakte Terrorismus-Sorge allemal lieber.

    Also, ich fühle mich nicht besonders sicher, wenn ich mir so überlege, in wie vielen Listen ich wohl verewigt bin, weil ich hier und auf irakischen Blogs kommentiere, ein paar Mal mit dem Irak telefoniert und schon 2 arabische Länder bereist habe.

    Ohne die Spannung auf meine (sehr) langsam entstehenden Urlaubsposts verderben zu wollen… ich bin bei der Rückkehr aus Damascus beim Zoll hier ziemlich auseinandergenommen worden…

Other Links to this Post

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

Einen Kommentar schreiben