Von Trophäen und Peinlichkeiten
Unsere nächtlichen Besucher in der Lüneburger Heide gehen uns natürlich nicht aus dem Kopf. Der Einsatz war - wie bereits gesagt - ziemlich dämlich, da offensichtlich nicht genügend darüber nachgedacht wurde.
Nette Menschen
Eines möchte ich gerne klarstellen: sowohl die “Dörfler”, als auch die Polizisten waren - soweit wir das einschätzen können - echt nette Menschen. Wir sind zum Mittag desselben Tags durch das Dorf gegangen, haben Leute gegrüßt und hatten nach einem Bauernhof gesucht, wo man frische Eier kaufen kann. Die paar Menschen auf der Straße, die wir antreffen konnten waren allesamt ganz nett und lieb. Auch die Polizisten waren hinterher richtig nett. Das ändert allerdings nichts daran, dass das Vorgehen ziemlich dämlich/hysterisch war und dass der Einsatz und die Störung unserer Ruhe und unserer Sicherheit nicht rechtfertigbar ist.
In Hamwiede hängen diverse “Nazis raus”-Aufkleber1 und die Menschen schienen mir sehr aufgeschlossen. Das Dorf und die Gegend - die auch sehr angenehm ist - würde ich jedem, der Ruhe in seinem Urlaub braucht, nur empfehlen. Aber gerade, dass es allesamt nette Menschen waren, ist noch bedrückender: Wären es Rechtsradikale Haudruffs gewesen, hätte ich nichts anderes erwartet. So allerdings zeugt das von einer unheimlichen Hysterie in der Bevölkerung.
Cowboys am Werk
Diese Hysterie setzt sich bei den Polizisten fort und vermischt sich dort offensichtlich mit einer seltsamen Art von Heldenhaftigkeitsbestreben. Ich hatte das Gefühl, dass einige der Polizisten erwartet hatten, am Ende des Tages mit einer Trophäe vor den Fernsehkameras zu stehen und deswegen übereifrig waren, den Terroristen (meine Wenigkeit) zu schnappen. Eine wirkliche Bedrohung hat rational gedacht nie vorliegen können, bzw. hätte durch Beobachtung des Hauses vermieden werden können!
Wenn ich mir aber ausmalen muss, was wohl passiert wäre, wäre ich nicht rechtzeitig aus dem Bad gekommen, um die Tür aufzumachen oder wenn ich das Türöffnen ein wenig verzögert hätte (etwa um erst einmal einen Ausweis der Polizisten zu sehen) oder hätte ich meinen Arm nicht beiseite schieben gelassen, dann überkommt mich schon ein Schauer. Ein Polizist hatte selbst gesagt, dass sie die Tür eingetreten hätten. Ich gehe weiter davon aus, dass sie mit gezogenen Waffen eingetreten wären und wenn ich dann aus dem Badezimmer gekommen wäre, dann wäre es sicherlich schlimmer gekommen.
Ein solches Vorgehen muss im Sinne der Sicherheit in Deutschland angeprangert und in Zukunft verhindert werden, um Menschenleben und “Kollateralschäden” zu vermeiden!
Wie weiter?
Was tun wir also derzeit? In der Bloggosphäre wird das Geschehen schon recht intensiv diskutiert2 und unter den diversen Blogbeiträgen und Kommentaren finden sich nützliche Tipps zum weiteren Vorgehen.
Derweil versuchen wir auch herkömmliche Medien für den Fall zu sensibilisieren, vor allem weil diese eher die Möglichkeit haben, unsere Darstellung zu überprüfen3. Die Walsroder Zeitung, die Hannoversche Allgemeine und die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine haben wir bereits informiert und hoffen, dass sie der Geschichte nachgehen. Auch überregionale Zeitungen sind jetzt angefragt worden. Ich hoffe, sie sind sich dafür nicht zu schade..
Weiterhin versuchen wir natürlich auch rechtlich abzuklären, was zu tun ist. Folgende Vorschläge sind schon eingegangen:
- Dienstaufsichtsbeschwerde
- Anzeige (wegen Hausfriedensbruch?)
- Diverse Bürgerrechtsvereinigungen einschalten
Es fragt sich natürlich, ob wir Einsicht in die Vorgänge bei der Polizei erhalten können. Wurde ein Staatsanwalt überhaupt eingeschaltet? Wer wurde in die Ermittlungen einbezogen? Wer hat den Einsatz zu verantworten? Noch etwas wäre interessant zu erfahren: Der Einsatzleiter hat am Telefon Daten über uns erfragt. Welche Daten konnte er auf diese Schnelle erhalten und was mich am meisten interessiert ist zu wissen, warum er das getan hat, nachdem feststand, dass wir unschuldig sind?
Danke
Danke auf jeden Fall an alle, die den Fall weiterverbreitet haben. Hier eine Liste:
Melantrys, MaloXp, Watchblog Islamophobie, Wwwut, Paul, si tacuisses, Steffen, Kurokasai, Schieflage, Sven Scholz, Ringfahndung, OnlyMeAndI, Carsten, StoiBär, Al-Sakina, Fefes Blog, Spreeblick, LieberBruderAli, l’optique, Ascene.de, AMAZONAS-Box, unkreativ, Metaminimum, argwohnheim, ver-tarn, pantoffelpunk, Kandil, Ghost Dog, lawblog
- einer verdeckt sogar den Busplan der aus Walsrode kommenden Busse[↩]
- nicht alle setzen ein Trackback[↩]
- natürlich können wir jedem den Kontakt des zuständigen Polzisten geben, wenn nötig[↩]
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Comments
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Polizisten des Schattens « nerone — 30. Oktober 2007 @ 11:07
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By sChen, 30. Oktober 2007 @ 11:57
kein Ding, haben wir gerne gemacht und dir danke für den Link
By Ati, 31. Oktober 2007 @ 01:29
Ich empfehle dir die TAZ einzubinden. Für mich ist das eine der wenigen kommerziellen Zeitungen, die authentisch Verletzungen von Bürgerrechten anprangert und auch nach geht.
Aber auch die Fernsehmagazine Monitor und Panorama. Beide Sendungen berichten aus meiner Sicht auch sehr kritisch gegenüber staatliches Handeln.
lg
By Daniel, 1. November 2007 @ 14:01
Hallo,
also ich empfehle mal auf jeden Fall einen Anwalt einzuschalten.
Das mit der Akteneinsicht ist sonst nicht so einfach: § 475 StPO
Eine weitere Möglichkeit ist dann, eine Feststellungsklage zu erheben, die darauf gerichtet ist, das Gericht feststellen zu lassen, daß die Aktion rechtswidrig war.
VG, Daniel
By bernhard, 2. November 2007 @ 15:59
für die feststellungsklage braucht es keinen anwalt, ist natürlich zu empfehlen. dabei wird dann evtl auch überprüft, ob das polizeigesetz rechtmäßig ist. das halte ich für zumindest zweifelhaft…
By Schwarzkopf, 2. November 2007 @ 19:17
Assalam Alaikum ihr neues Pärchen,
vor Kurzem habe ich eine abstrakte Nachricht gelesen, dass ein Flugzeug auf einer nationalen Strecke in der USA zur Notlandung gesteuert wurde, weil ein Passagier mit einem hochdotiertem Angstpegel zwei andere Passagiere in ihre Unterhaltung die arabische Sprache benutzten gehört hatte und diese an der Stewardess meldete. Die beiden Mutmaßlichen waren Mitglieder einer Sonderkommission der amerikanischen Armee und auf ihrem Weg zum Einsatzort Irak..
Durch diese Erzählung möchte ich die fatalen Folgen einer verantwortungslosen selbst verursachten Angst anleuchten. Wenn Verursacher solcher Startsignale ein Idiot ist, dann sind diejenigen, die ihm das Glauben schenken die absoluten Narren.
Warum hat die „Beschwerdezentrale“ in euerm Fall sich nicht ausführlicher vergewissert und von dem „Meldenden“ mehr Information verlangt, bevor sie ihren Fleiß ausübte und ihr Männer hinschickte, kann ich auch nach schwer tun nicht verstehen.
In einer dunklen Nacht habe ich mal die Polizei beschwerend über den lauten Nachbar angerufen. Erst nach dem 7ten Anruf und zweistündigem Warten kam die Hilfe. Leider wird es in Zukunft die Erwähnung des Nachbarsäußeres den Hilfsvorgang nicht beschleunigen können, er ist nämlich groß und blond..
Ich bin sehr pessimistisch was uns schwarzhaarige und kleine Deutsche (besonders wie ich!), in diesem Land in dieser zeit mit diesem Maß an Misstrauen angeht… In so einer Gesellschaft ist es mir verdammt schwer mich als ein loyaler Bürger zu sehen…
Auf eine bessere und “sichere” Zukunft!