Polizeieinsatz in Hamwiede – einige Fragen

Nachdem ich gestern den Polizeieinsatz in Hamwiede wiedergegeben hatte, möchte ich noch ein paar Fragen bzgl. des Polizeieinsatzes loswerden:

  • Warum durften die Kriminalpolizisten ohne Durchsuchungsbefehl “unser” Haus stürmen?
  • Warum nahmen die Polizisten an, dass “Gefahr in Verzug” wäre1? Wenn wir an einer Bombe gebastelt hätten, hätten wir sie doch bestimmt nicht in Hamwiede explodieren lassen wollen. Wenn wir “Schlepper” wären hätte man das bestimmt auch anders herausbekommen können. War die Möglichkeit, uns einfach anzurufen, anzusprechen oder meinetwegen das Haus zu beobachten den Beamten nicht in den Sinn gekommen?
  • Sind die Indizien “orientalisch aussehend”2 und “ohne Auto” “im Dunkeln” angekommen3 ausreichend, um einen solchen Einsatz zu rechtfertigen?
  • Die Polizei in Soltau-Fallingbostel hat sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, nachzudenken, denn was uns im Gespräch mit dem Einsatzleiter an Gründen für den Einsatz genannt wurde macht keinen Sinn:
    • Es wurde ein Vergleich zu den ebenfalls in einem Ferienhaus untergebrachten Terroristen Fritz G. et al gezogen. Das Ferienhaus und der Umstand, dass wir Muslime sind (a.k.a. “orientalisch aussehend”), sind allerdings die einzigen Parallelen, die gezogen werden können..
    • Dass wir ohne Auto angereist sind, war zwar auch den Vermietern aufgefallen, da der Ort Hamwiede ein wenig abgelegen ist (20€ Taxigebühren aus Walsrode), allerdings kann das kein Grund sein anzunehmen, dass wir etwas Schlimmes im Schilde führen. Ganz im Gegenteil: für einen Bombenbau wäre es natürlich besser, wenn man ein wenig mobil wäre!
    • In einem – wie mir scheint – verzweifelten Versuch, den Einsatz zu rechtfertigen hat der Einsatzleiter noch erwähnt, dass der Ort ja in der Nähe der Autobahn wäre und man deshalb annehmen könnte, dass wir “Schlepper” (ganz genau haben wir ihn auch nicht verstanden) wären.
  • Warum haben sich die Polizisten nicht beruhigt, als ich an die Tür kam? Wäre ich an die Tür gekommen, wenn ich wirklich ein Schußgefecht hätte herausfordern wollen?? Hätten sie nicht einen Augenblick warten können, als ich darum bat mit dem Hinweis, dass sich meine Ehefrau noch ankleiden wollte? Mit Verlaub, aber die Vorgehensweise vor allem an der Stelle kommt mir noch immer wie “Cowboy-Verhalten” vor.
  • Warum wurde versucht, weitere Daten (Beruf, ursprüngliche Herkunft) zu beziehen, als schon feststand, dass wir unschuldig sind? Der Einsatzleiter hatte außerdem unsere Personaldaten über Telefon durchgegeben und scheinbar Information darüber erfragt, ob über uns etwas vorliegt.

Wer kann mithelfen??

  1. wie auf unsere Frage hin geantwortet wurde[]
  2. es wurde explizit meine schwarze Haarfarbe genannt, das Kopftuch von Kathrin wird aber wohl auch eine Rolle gespielt haben[]
  3. wir sind unseres kleinen Geldbeutels wegen mit Taxi an den Urlaubsort gefahren und das nachdem die Hochzeitsfeier zuende gegangen war..[]

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Comments

  • By Ati, 28. Oktober 2007 @ 17:36

    Hallo,

    grundsätzlich möchte ich dir mein Bedauern dazu aussprechen, dass deiner Frau und dir solch eine Unverschämtheit widerfahren ist.

    Ich versuche dir einige Antworten zu deinen Fragen zu geben. An alle anderen, die das lesen, bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege.

    Die Provinzcowboys werden sich sicherlich auf §102 ff StPO i.V.m. 129a,b StGB stützen. Es lohnt sich für dich diese durchzulesen.

    Gemäß §105 StPO ist bei Gefahr in Verzug auch ein Staatsanwalt befugt, eine Dursuchung anzuordnen.

    Den Polizisten kannst du aus meiner Sicht keinen Vorwurf machen, wie sie gehandelt haben. Diese haben sicherlich lediglich die Info bekommen, dass sich potenzielle Terroristen in der Wohnung aufhalten und demgemäß gehandelt. Ich zumindest kann verstehen, weshalb die nicht gewartet haben, bis du die Türe aufgemacht hast. Jedoch kannst du den zuständigen Einsatzleitern, sowie der Provinzstaatsanwaltschaft nicht nur einen riesen Vorwurf machen, sondern solltest meiner Ansicht nach diese vor einem ordentlichen und einem Disziplinargericht zerren.

    Diese müssten jetzt nämlich nachweisen, aufgrund welcher konkreten Tatverdachtsmomente sie die Lage als “Gefahr in Verzug”
    eingeschätz haben. Natürlich werden die das versuchen, um heil aus der Sache heraus zu kommen. Wenn aber das die Gründe sind, die du hier genannt hast, dann sollten aus meiner Sicht einige Leute ihre Ämter niederlegen, weil genau diese diese hier eine Gefahr für die Öffentlichkeit mit ihrer Paranoia darstellen!

    Du solltest auch nicht nur die muslimischen Verbände, sondern generell Medien in dem einbeziehen, was euch widerfahren wurde.

    Ich rate dir einen Anwalt zu nehmen und den Provinzcops ihre mittlerweile lächerlich ausufernden Paranoia vor Augen halten.

    Auch solltest du dich beim Bundespräsidenten, beim paranoiden Innenminister und den zuständigen Landesbehörden entschieden beschweren.

    Mach deinen Fall auf jeden Fall öffentlich. Das reicht jetzt langsam mit dieser Paranoia und den blöden Generalverdächtigungen!

  • By Ati, 28. Oktober 2007 @ 17:56

    Ich habe noch was vergessen.

    Ich rate dir auch dein Recht auf informelle Selbstbestimmung zu nutzen und bei der Polizei, dem Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt zu erfragen, ob überhaupt, und wenn ja, welche Daten über dich dort in diesen Behörden gespeichert sind.

    Sollten diese, wie ich aufgrund deines Berichtes annehme, keine Daten über dich gespeichert haben, stützt das nur die These, dass es hier einigen AmtsinhaberInnen in einem kleinem Dörfchen zu langweilig wurde und paranoide Policia gespielt haben.

    Dennnoch, herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit und lasst euch nicht ärgern ;)))

  • By pavel, 28. Oktober 2007 @ 23:06

    Nimmt euch einen guten Anwalt und macht der Polizei ordentlich Feuer unterm Arsch, deren Aktion riecht ziemlich ungesetzlich. Ansonsten sollte man sich wohl direkt an die Medien wenden sowie an Verbände wie die Humanistische Union. Lasst keine Zeit verstreichen, je schneller ihr in diesem Kontext reagiert, desto besser!

  • By nuri, 29. Oktober 2007 @ 14:31

    As-Salamu aleykum wa Rahmetullah,

    liebes frischverheiratete Ehepaar,
    lieber Omar, liebe Kathrin,

    was euch da passiert ist, tut mir schrecklich leid, aber trotzdem möchte ich euch zu eurer Ehe euch alles Gute und viel Glück wünschen. (Auch wenn diese schreckliche Situation euch sehr getroffen und erschrocken hat, finde ich, solltet ihr dies als eine der ersten schweren Momente (die man im ganzen Leben ähnlich oder anders noch sehr oft zu meistern hat) sehen, die ihr als Ehepaar überstanden habt. Es sollte euch noch mehr zusammenschweißen, inscha’Allah.

    Ich finde ihr solltet einen Antwalt (wenn ihr muslimische Anwälte sucht, auch da gibt es welche, bspw. als mir bekannte Anwälte: Yahya Heising – Tel. 0228/2425268 – in Bonn oder Michael Murat Sertsöz in Köln, als Hilfe vielleicht auch: http://www.muslim-lawyers.de) konsultieren und alle möglichen Menschenrechtsorganisation (national, international) sowie die Menschenrechtsbeauftragten von Kreis, Land und Bund anschreiben. Euch mit Diskriminierungsbeauftragten in Verbindung setzen.

    Ich würde sogar vorschlagen, auch dem Bundespräsidenten ein Brief zu schreiben, denn schließlich ist er auch unser Bundespräsident.

    Möge Allah (swt) euch von dem schrecklichen Erlebnissen erholen lassen und alle Unschuldigen (Muslim od. Nicht-Muslim) vor derartigen Verleumdungen und falschen Beschuldigungen bewahren.

    Möge Er (swt) eure Ehe segnen, Euren Bund stärken und Euch vor jedem Übel beschützen, denn Er ist wahrlich “el-Hafiz”.

    Gruß und Dua
    Nuri

  • By annett, 29. Oktober 2007 @ 22:50

    salam aleikum omar uns kathrin,
    sehr traurig das ganze, so sollten flitterwochen nicht verlaufen….
    alhamdulillah, ich wünsche euch dafür für eure ehe alles gute und Allahs s.t segen!!
    ich schließe mich den kommenataren oben an und denke, ihr solltet wirklich an die medien gehen, je schneller desto besser. ebenso denke ich, ist es eine gute idee, sich an den bundespräsidenten und auch an den innenminister zu wenden (auf den kommentar bin ich dann aber wirklich gespannt!)
    viele grüße!
    wa salam annett

  • By Chad Kroski, 30. Oktober 2007 @ 01:37

    schliesse ich mich obiegen kommentatoren an und wurde sagen:

    anzeige erstatten, beim anwalt (mindestens) informieren und an die offentlichkeit gehen.

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