Rupert Neudeck zu Afghanistaneinsatz
Donnerstag, 16. August 2007, 19:01
Ein interessantes Interview mit Ruper Neudeck, dem Leiter der Hilfsorganisation “Grünhelme”. Der wichtigste seiner Aussagen ist sicherlich dieser hier:
Das heißt, wir schaffen nicht Sicherheit dadurch, dass wir mehr Soldaten dort hinschicken
Interview mit Rupert Neudeck, “Grünhelme”, Sicherheitssituation in Afghanistan
Aber scheinbar ist es die Zauberformel, die benutzt wird: Mehr Sicherheit erreicht ein Politiker aus Berlin oder Washington dadurch, dass er die Zahl der Soldaten um 10%, 20% oder gar 30% erhöht, je nach dem, was das Budget hergibt. Was diese Soldaten in Afghanistan tun, das interessiert doch niemanden. Die werden schon wissen, was sie zu tun haben:
Die sitzen völlig verbarrikadiert in einer riesengroßen Kaserne, in einer Festung, in die niemand hinein kommen kann, aus der die auch gar nicht heraus kommen. Das heißt, in die Dörfer, wo wir die Schulen bauen, kommen die niemals hin. Das muss man einfach wissen. Das heißt, die Schimäre von Sicherheit ist nicht dadurch geschaffen, dass wir solche Festungen in Afghanistan bauen, sondern vielleicht durch etwas anderes.
Ganz offensichtlich ist mit guter Absicht und eben nicht in einer Tradition des Besatzers viel zu erreichen und man muss dann auch nicht mit Anfeindungen durch Afghanen rechnen:
In den Zeiten von 2002, 2003 bis 2004 war es ja so, dass die Bevölkerung mit einer solchen Euphorie und einem solchen Enthusiasmus mit uns den Wiederaufbau betrieben hat, den Wiederaufbau ihrer Schulen, ihrer Brücken, ihrer Straßen. Da ist ja niemals irgendeine Unsicherheit gewesen.
Eben! Diesen Auftrieb hätte man recht schnell bedienen müssen und immer mehr Hilfe zur Selbsthilfe leisten müssen, statt eine immer weiter fortschreitende Militarisierung der “Hilfe” anzustreben:
Man muss - das wäre der zweite Vorschlag, den ich machen würde - ganz vieles von dem, was wir bisher mit Deutschen gemacht haben, afghanisieren. Das heißt, wir müssen die 120.000 Afghanen, die wir in Deutschland haben, wir müssen Hunderte davon für einen Wiederaufbau in Afghanistan gewinnen. Das wird sicher gelingen, wenn wir das entsprechend mit dem Geld bezahlen, das wir den Deutschen selbstverständlich bezahlen. Wir haben eine solche Schere in Bezug auf die Sicherheitskräfte der Afghanen und der Europäer, dass das gar nicht zu fassen ist. Der NATO-Soldat kostet 5.000 Euro im Monat. Der afghanische Soldat kostet 200 Euro pro Monat. Das muss man sich mal vorstellen. Also, es wäre also möglich, das zu afghanisieren. Dann, denke ich, haben wir mehr Sicherheit.
Gleichwohl hält auch Herr Neudeck nichts von einem Abzug:
Nein. Partieller Rückzug, das ist, glaube ich, ganz illusionär. Das müssen wir gar nicht diskutieren. Das geht gar nicht. Rückzug ist das Gefährlichste und das Schwierigste überhaupt. Wenn man so Riesenapparate schafft, die kann man gar nicht einfach zurückziehen. Das weiß man. Aber was ich ganz sicher weiß, ist, dass den Abgeordneten des Bundestages anzuempfehlen ist, nicht auf irgendeine irrsinnige Idee zu kommen, das noch zu verstärken, zu meinen: Mehr Sicherheit wird dadurch geschaffen, dass statt 10.000 Soldaten 20.000 dort sind.
Category: Ausland, Politik, Sicherheit
Tags: Afghanistan, Ausland, Krieg, Politik, Sicherheit
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