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Wie Puppen sollt ihr tanzen..

Mittwoch, 11. Juli 2007, 08:39

Eine interessante Umfrage hat sich das ZDF da ausgedacht: Wie denken Sie über den Bau großer Moscheen in Deutschland?

abstimmung zu Moscheebau

  • Der Islam ist eine Religion wie andere auch. Moscheebauten sind eine Selbstverständlichkeit.
  • Die neuen Moscheen sollten nicht zu groß und repräsentativ aussehen.
  • Es sollte bei den Gebetshäusern in Hinterhöfen bleiben.

..und siehe da, eine breite Mehrheit unterstützt Hinterhofmoscheen1. Das ist doch mal schön, denn die Hinterhofmoscheen haben den Vorteil, dass sie bereits existieren, nur wenig für den Unterhalt brauchen und ehrlich gesagt einen stillen Charme haben - ein Rückzugsraum.. Zudem kommt, dass Hinterhofmoscheen automatisch weniger einsehbar sind und somit keine blöden Kommentare zu erwarten sind, wenn man mal etwas feiern möchte, das die Mehrheitsgesellschaft nicht kennt..

Aber die Umfrage zeigt eine deutliche Tendenz im Umgang mit Muslimen. Wahrgenommen werden Muslime in weiten Teilen der Gesellschaft schon längst nicht mehr als Mitmenschen, die eigene Vorstellungen über ihr eigenes Leben inklusive dem religiösen Gemeinschaftsleben haben dürfen und eigenständig Ideen für den Dialog mit anderen Menschen entwickeln können. Stattdessen sind Muslime wie Schachfiguren, die man nach Belieben umherschieben kann und die man beiseite legt oder gar vom Spielfeld nehmen kann, wenn einem die Regeln des Spiels nicht mehr gefallen..

Ist doch die häufigste Forderung an Muslime eher, sie sollen aus dem Hinterhof kommen und eine strukturelle Transparenz mitbringen2. Nun sollen Muslime also bitte sehr doch wieder in die Hinterhofmoschee. Fein! Alle zurück, bitte..

Dann kommt aber ein Günter Wallraff darauf, dass das Buch “Satanische Verse” von Salman Rushdie in einer Moschee gehört werden müsste. Aufhänger für diese Forderung ist die Aussage des Dialogbeauftragten der DITIB Bekir Alboga, nach der sich die Kölner Moschee für kulturelle Veranstaltungen öffnen möchte.

Man müsse den Träger der Moschee, die Türkisch-Islamische Anstalt für Religion (Ditib), beim Wort nehmen, sagte Wallraff in einem Interview, das der “Kölner Stadt-Anzeiger” morgen veröffentlichen will. “Sie will sich öffnen und in die Moschee zu kulturellen Veranstaltungen einladen.”

Integriert?

Nicht, dass ich Herrn Wallraff Böswilligkeit unterstelle, aber er schwimmt offensichtlich im Strom der Forderungen, die an Muslime gerichtet sind, einfach nur mit. Ob es die Höhe einer Moschee, die Gebetsausübung und die dabei verwendete Sprache ist, das sind nur wenige Beispiele aus dem inzwischen reichen Fundus an Forderungen dem Muslime nachzukommen haben, wenn sie wirklich als integriert gelten wollen.

Mein Vorschlag an dieser Stelle wäre, solche Forderungen zu ignorieren und eigene Vorschläge zu erarbeiten. Muslime können Juden nicht vorschreiben, wie und wo sie ihren Gottesdienst leisten wollen oder welche Aktivitäten sie in ihren Gemeindehäusern nachgehen, ebensowenig, wie sie es anderen Religionsgemeinschaften gegenüber tun können. Es ist nur zu fair, einen solchen Gegenvorschlag komplett zu ignorieren und sich auf die eigene Vorstellung zu konzentrieren. Dazu gehört die Optik eines Gebetshauses3 wie auch der eigene religiöse Alltag. Und wenn Gemeinden ihre Moschee öffnen, dann tun sie das unter eigener Regie und so, wie es ihnen passt.

Herr Wallraff: Wenn Sie mir erlauben, in Ihr Haus zu kommen und Ihnen Ihre Gute-Nacht-Geschichte auszuwählen, die Sie unter Androhung einer Ausgrenzung dann lesen müssten, dann können wir über eine Lesung aus Salman Rushdie’s “Ich bin der Held” nachdenken. Ansonsten - und wenn Herr Alboga diese Lesung durchsetzt - ist es eine Art den Gemeindemitgliedern und in Anlehnung anderen Muslimen zu sagen: “Ihr dürft euer Leben nicht selbst bestimmen und ich bin euer Oberlehrer..”


  1. die Umfrage ist höchstwahrscheinlich manipuliert worden, allerdings soll das hier außer Acht gelassen werden.. []
  2. zwei Forderungen, die ich als Muslim selbst aufstelle, bei denen ich aber nicht verstehe, wie Nichtmuslime darauf kommen, sie zu stellen.. []
  3. die ich persönlich aus vollkommen anderen Gründen eher schlicht und wenig kostspielig wählen würde []
7 Kommentare

Kommentar von Hanifa

Made Mittwoch, 11 of Juli , 2007 at 11:22

Assalam o ALeikum Omar,

ja die Sklaven mussten auch die Puppen tanzen lassen, wenn sie es nicht taten, wurden sie noch mehr erniedrigt und unterdrückt von den Sklaventreibern.

Warum stehen gewissen Leute, die ja gern für uns MUslime sprechen wollen nicht aufrecht für uns ein? Ditib staatlich gefördert von der Türkei.

Sie schwächeln und zeigen keine Stärke (ich meine jetzt nicht mir Gewalt) Dadurch gewinnen die anderen immer mehr an Macht und versuchen es weiter, die Muslime klein zu machen

Bis heute ist hier der Islam, unsere Religion nicht anerkannt in Deutschland.

Wenn ich das schon höre Dialog, was für ein Dialog? Es gibt keinen Dialog.

So lange man den Mund hält und “lieb ” ist die Welt hier in Ordnung. Ich will aber nicht liebkind machen nur um anderen zu gefallen, dir mir nichts geben können.

Ich will meinen Glauben leben, inschaAllah.

InschaAllah hoffe ich, dass niemand zu diesem “Vortrag ” geht.

P.S:
Wir könnten ja auch eine Lesung über Menschenrechte starten, ich lese gerade das Buch von Murad Kurnaz.

Kommentar von Omar

Made Mittwoch, 11 of Juli , 2007 at 12:27

Salam Hanifa,

Wir könnten ja auch eine Lesung über Menschenrechte starten, ich lese gerade das Buch von Murad Kurnaz.

Ja, diese Lesung muss dann auch im Haus vom Steinmeier stattfinden!

Kommentar von Hanifa

Made Mittwoch, 11 of Juli , 2007 at 14:01

genau :-),

Kommentar von bigberta

Made Donnerstag, 12 of Juli , 2007 at 09:48

b.r.r., as-salamu alaikum. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
1.) Herr Wallraff bringt ein neues, sicherlich nicht ganz unwichtiges Buch über Call-Center raus: http://www.zeit.de/2007/22/Guenter-Wallraff, das schon in TTT und im ZDF beworben wurde.
2.) Darf ich das mal vorstellen:

“Auf Initiative von Ralph Giordano, Günter Wallraff und Alice Schwarzer haben rund 75 deutsche Schriftsteller - darunter vor allem die der Gescheiterten Linken und das gesamte Präsidium des westdeutschen PEN-Zentrums - den Bundespräsidenten aufgefordert, den Friedenspreis des Buchhandels an die Orientalistin und Islamforscherin Annemarie Schimmel nicht zu übergeben.”

Quelle: http://tinyurl.com/32r59c. Wie dubiös diese Aktion war, dazu hier: http://tinyurl.com/2plk5h

Kommentar von Jan

Made Freitag, 13 of Juli , 2007 at 13:25

Hallo!

Wie kommst Du zu dem nichtunschwer wiegenden Vorwurf, diese Umfrage sei manipuliert worden?

Gruß
Jan

Kommentar von Omar

Made Freitag, 13 of Juli , 2007 at 15:31

@Jan: Der Widerspruch zur gängigen Forderung “raus aus den Hinterhöfen” ist zu offensichtlich! Zudem ist es nun wirklich nicht schwer, die Umfrage zu manipulieren. Entsprechende Beispiele für ein solches Vorgehen gibt es ja zur Genüge..

Ich hätte es ja noch verstanden, wenn der zweite Punkt mehr Zustimmung gefunden hätte.. So scheint mir jemand die Ergebnisse mit Mehrfachwahl manipuliert zu haben. Übrigens: heute sind mit mehr als 20.000 Stimmen (!!) inzwischen nur noch 2% für “nicht zu groß und zu repräsentativ” und 72% für die Hinterhofmoscheen.. Glaubst du wirklich, dass das der Wirklichkeit entspricht, besonders in angesicht der Demonstration in Köln FÜR die Moschee??

PS: du lebst ja.. ;)

Kommentar von Tugba

Made Samstag, 14 of Juli , 2007 at 11:09

Selam

was macht es schon, wenn Herr Wallraff das Buch in einer Moschee vorliest?

Ich glaube nicht, dass uns das schadet.

Die Muslime könnten dann ihr Stellung dazu nehmen. Aber das sind irgendwie alte Gschichten.

Die Muslime würden damit zeigen:
Wir sind kritikfähig, aber auch nicht mundtod.

Den “anderen” dann zu erklären, wie wir die Sache mit den Versen sehen, bringt irgendwie gar nichts. Glauben doch sowieso nicht dran.

Andererseits ist komisch, wenn sie Dinge uns vorwerfen (Manipulation v. Koran seitens Satan), wobei sie an Koran (und Satan wohl auch?) nicht glauben.

Zu Annemarie Schimmel:

http://islam.de/944.php

Ich lese grade “Mystische Dimensionen des Islam” von ihr (ahh, daher also der Sufieinfluss). Eine wunderbare Frau.

Dass Herr Wallraff dafür stimmte, ihr den Preis abzuerkennen, kann ich nicht fassen.

Gruß, Tugba.

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