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Christliches Verständnis

Freitag, 6. Juli 2007, 00:32

Zwei kurze Kommentare:

Christliches Dialogverständnis

Solche Wortschöpfungen wie “Kuscheldialog” sind nicht nur flauschig-lustige Wortschöpfungen, sondern drücken mehr oder weniger gewunden aus, wie der christliche Partner den Dialog versteht: Nämlich als mehr oder weniger heftigen Vorhalt, dass der andere Partner eigentlich so denken und reden müsste wie mann selbst, wäre der andere nur endlich selbst zum rechten Christenmenschen geworden, statt immer noch - und wider besseres Wissen - Muslim oder Jude oder von mir aus auch Gummibärchen zu bleiben. Für Frauen gelten da übrigens gerade wegen des emanzipativen Gehalts christlicher Religion verschärfte Bedingungen, das nur nebenbei.

Ja, auch im Islam gibt es die Verkündung (Dawa auf Arabisch) , von der die evangelische Kirche in ihrer Handreichung spricht, allerdings ist mir unangenehm, dass kein Unterschied zwischen dem Dialog und der Verkündung/Missionierung gemacht werden soll. Bestes Beispiel aus islamischer Perspektive in Deutschland sei mal der Tag der offenen Moschee. Traditionell kommen dorthin drei Gruppen von Menschen:

  • Menschen, die am Islam interessiert sind und entweder kurz vor einer Konversion stehen oder zumindest darüber nachdenken. Das sind Menschen, die genau diese Verkündung brauchen, denn sie sind an Informationen interessiert und wollen das Wasser aus dem Glas trinken, das sich andere lediglich anschauen möchten..
  • Menschen, die an Exotischem interessiert sind und eine andere Kultur/Küche erleben möchten. Das sind auch bis heute nicht wenige, die einfach mal reinschnuppern möchten, eine Moschee von innen sehen wollen und durchaus auch den Kontakt zu ihnen fremden Menschen knüpfen wollen. Sie sind meist enttäuscht, wenn sie auf deutsche Muslime treffen, denn die entsprechen nicht dem exotischen Südländer, den sie eigentlich erwartet hatten.. Dies sind Menschen, die vor allem am Dialog interessiert sind und mit denen es sich eignet, über Gott und die Welt zu sprechen. Der Dialog dient aber auch nur dem zwischenmenschlichen Kennenlernen, nicht mehr! Diese Menschen finden Wasser anschauenswert, werden es aber bis zum nächsten TOM ohne Kontakt aushalten..
  • Menschen, die professionell mit Muslime zu tun haben und Ansprechpartner suchen. Das sind meist Lehrer, Anwälte und manchmal auch allgemein Arbeitgeber. Sie haben einen klaren Auftrag, der nichts mit der Religion, sondern vielmehr mit den Menschen zu tun hat. Sie suchen einen konstruktiven Dialog und wollen auch Kontakte knüpfen, um mit Muslimen Projekte zu planen oder Fragen zu klären. Möglicherweise wollen sie auch Vermittler (vor allem Lehrer, die mit muslimischen Eltern nicht klarkommen..). Sie wissen nicht, was Wasser ist, wollen aber wissen wie man das Glas hält..

Wie man deutlich erkennen kann, kann sehr wohl zwischen Verkündung und Dialog unterschieden werden. Auch ist es beim Dialog zwischen bekennenden Christen und Muslimen eher hinderlich, wenn jeder nur verkündet. Es muss Raum für Unterschied geben und trotzdem ein konstruktiver Dialog möglich sein. Deshalb hat mich die Handreichung der EKD besonders irritiert..

Christliches Deutschlandverständnis

Vor ein paar Tagen hatte Kardinal Lehmann eine neue Definition von staatlicher Neutralität gegenüber Religionen gebracht, nach der “die Neutralität des Staates im Blick auf die einzelnen Religionen [] nicht mit Gleichgültigkeit und unreflektierter Toleranz gegenüber dem Wirken von Religionen in der Gesellschaft verwechselt werden [darf]“. Er fordert, dass Dies hatte Herr Lehmann bei einem Empfang, den der Erzbischof von Freiburg, Zollitsch, und der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Fischer, gemeinsam für die obersten Bundesgerichte in Karlsruhe gaben gesagt und es hat ihm scheinbar keiner der Anwesenden widersprochen!

Saima Bajwe aus Koblenz bemerkt in der FAZ von gestern:

Zu “Kardinal Lehmann: Islam rechtlich nicht gleichstellen” (F.A.Z. vom 21. Juni): In einem säkularen Staat ist der Einfluss, den eine Religion auf die Kultur des Landes genommen hat nicht von Relevanz und kann nicht als Legitimation für dessen Privilegierung vor dem Recht akzeptiert werden. Natürlich hat das Christentum die europäische Kultur geprägt. Doch haben nicht auch Gelehrte anderer Religion wie des Islams Grundlagen der Mathematik, Medizin oder anderer Naturwissenschaften gelegt, die für uns Menschen in Europa nicht wegzudenken sind? Die Gleichheit der Menschen vor Gericht und das Recht auf ein freies Glaubensbekenntnis bedingt die Gleichstellung aller Religionen vor dem Recht. Denn genau diese Werte sind es doch, die eine Demokratie ausmachen: Freiheit, Toleranz, Gleichheit und vor allem Vielfalt der Meinungen und der Religionen.

Tatsächlich kann man eine starke Auswirkung islamischen Rechtsempfinden in deutschem feststellen. Die Möglichkeit der Frau etwa, den eigenen Nachnamen bei Heirat zu behalten, das erleichterte Scheidungsrecht1, etc. pp. sind keineswegs dem Christentum entsprungen oder von christlichen Vertretern propagierte worden. Aber lassen wir dem Kardinal seine Naivität, wenn er uns bloß die Verfassung lässt und sich an die Trennung von Kirche Staat hält..

Wessen Einlassung ich für weit gefährlicher halte, ist Ronald

  • oder überhaupt, dass es etwas wie eine Scheidung gibt.. []
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