3. Blogkarneval deutschsprachiger Muslime
Friedensgrüße allerseits,
der Blogkarneval deutschsprachiger Muslime findet nun zum dritten Mal statt. Angefangen hat das ganze mit einer Idee, die ich mit einer inzwischen ausgebloggten Aya anfang diesen Jahres umgesetzt hatte, nämlich die Bestandsaufnahme von deutschsprachigen muslimischen Bloggern. Nachdem Aya den ersten Blogkarneval übernommen und danach von der Bloggerlandschaft verschwunden ist und daraufhin der mediagard-Blog von Mimoun unter der Blogkarnevalis1 leiden musste, hoffe ich doch sehr, dass es mir nicht ähnlich geht, isa.
Anfangen möchte ich den Blogkarneval mit einem Artikel von Bilal, der in den letzten zwei Monaten in Afghanistan war und dort ein Seminar zum Thema “Selbstmordattentate aus Islamologischer Sicht” mitorganisiert hatte. Seinen Artikel baut er um den Islamgelehrten Maulawi Khumaro auf, der nicht erst seit dem letzten Krieg in Afghanistan sich offen gegen die Ideologie des Selbstmordattentats ausspricht und dafür mit Anschlägen bedroht wird. Die Schilderungen geben eine oft vermisste Nähe zum Geschehen in Afghanistan und somit verdient “der letzte Vogel im Garten”, dass man ihm die für die relative Länge benötigte Zeit schenkt. Ein dickes Lob gebührt Bilal indes, dass er sich für ein solches Thema engagiert.
Eine Reihe von Artikeln im Blogkarneval beschäftigt sich derweil mit Kritiken, die an Muslime gerichtet werden. Einige der Kritiken beziehen sich auf die politische Vertretung von Muslimen in Deutschland und dienen meist der Marginalisierung des Einflusses muslimischer Vertretung. Ekrem bemängelt bspw., dass Bundesinnenminister Schäuble den Zusammenschluss der deutsch-islamischen Dachverbände zum Koordinationsrat mit dem Hinweis auf ihre relativ geringe Mitgliederzahl relativiert.
Daneben gibt es aber immer wieder Kritiken2, die allgemeiner Natur sind. Einige werden vorgetragen von Kronzeugen islamischer Kultur. Dazu zählt sich Ayaan Hirsi Ali und diese ist Thema in Maryam’s dritter Folge aus “Was macht eigentlich…”, die zuletzt den recht aktiven Gemeinschaftsblog “Watchblog Islamophobie” mit initiiert hat. Im dritten Teil geht es um einen Artikel, in dem Ayaan die Lage in der Türkei aus ihrer (anscheinend sehr unterinformierten) Sicht beschreibt. Lesenswert.
Nicht als Kronzeuge, aber als “geschütztes Objekt” trat Ralph Giordano auf, als er nicht nur den Bau einer Moschee in Köln stark kritisiert hatte, sondern auch noch muslimische Frauen als “menschliche Pinguine” bezeichnete. Kathrin nimmt seine Vorgehensweise zum Anlass, um die “gängigsten Methoden selbst ernannter Islamkritiker bei der Konstruktion einer Gefahr durch den Islam” darzustellen. Die Liste der Methoden ist beachtlich und obwohl die meisten die ein oder andere Methode wiedererkennen werden, ist es doch schön, sie auf einer Seite und an einem solch guten Beispiel aufgelistet zu bekommen.
Mit keiner nennenswerten Qualifikation (weder Kronzeuge noch geschützt) tritt der selbst ernannte Udo “Erretter der christlichen Nation” Ulfkotte auf. Seine Argumentationsschwächen im “Duell” mit Hans-Christian Ströbele benennt Kadir im Artikel “Udo Ulfkottes lächerlicher Auftritt”. Im Allgemeinen glaube ich persönlich, dass Ulfkotte tatsächlich wenig faktisches Wissen an den Tag legen kann, aber er benutzt sein Unwissen sehr geschickt, um sich die politische Bühne selbst zu schaffen.. Kadir beschreibt daneben im Artikel “Ein Hauch von Apartheid” eine sehr unangenehme Erfahrung, die er beim Besuch der IAA in Frankfurt machen musste.
An dieser Stelle ist ein Blick in meine eigene Zusammenfassung der Sendung “Quergefragt - Wird Deutschland vom Islam unterwandert?” sinnvoll. Dort versuche ich darzustellen, mit welch verqueren Argumenten Henryk M Broder und Seyran Ates des Argumentierens willens diskutieren.
gulap widmet sich in “Wissenschaftliche Gottesbeweise - Teil 1 / 2 / 3” einem ganz heiklen Thema. Jeder Begleiter der Debatte zwischen “Darwinisten” und “Kreationisten” - die vor allem in den USA und meines Erachtens auf beiden Seiten sehr dogmatisch geführt wird - wird anmerken, dass die drei Gottesbeweise letztlich darauf beruhen, dass etwas, was wir in unserer begrenzten Auffassungsgabe als optimal betrachten3 nur durch einen Plan zustande kommen kann. Trotzdem sind die drei genannten Beispiele lesenswert.
Zum Schluss kommt noch ein Hinweis von den neusten zwei muslimischen Karnevalisten: Fatma und ihr Ehemann Habib (Betreiber von Fros und levent) stellen einen “Islamic Event Guide” für Berlin vor, der als Community-gestütztes Projekt dafür Sorge tragen soll, dass Veranstaltungen in Berlin leichter bekannt gegeben werden können.
Wie man unschwer sehen kann war die Artikelauswahl sehr reichhaltig und unterschiedlich. Es hat großen Spaß gemacht, die Zusammenfassung zu schreiben und ich hoffe, dass sich der Blogkarneval als feste Institution etabliert und in Zukunft noch mehr Blogger auf den Plan ruft und sie ein Stück weit vernetzt. Der nächste Blogkarneval wird isa wieder in zwei Monaten stattfinden.
- das ist die Krankheit, die Blogger befällt, nachdem sie Gastgeber eines Blogkarnevals waren. Sie drückt sich darin aus, dass sie plötzlich nicht mehr schreiben wollen oder unangekündigt ihren Blog löschen[↩]
- wenn man sie noch so bezeichnen kann[↩]
- wir kennen die Alternativen nicht, wenn es sie überhaupt gibt[↩]
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Comments
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Musafira über "Islamkritik à la Giordano" « Watchblog Islamophobie — 1. Juni 2007 @ 23:18
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AquaCool » 2. & 3. Blogkarneval deutschsprachiger Muslime — 23. Juli 2007 @ 16:01
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By h4bib, 1. Juni 2007 @ 12:20
Super!
Ich hoffe auf großen Erfolg. Meine Unterstützung habt ihr! Weiter so.. das Internet Medium sollten sich auch die Muslim zu Nutzen machen…