Ralph Giordano und die Pinguine
Mittwoch, 23. Mai 2007, 12:13
Zu welchen Methoden selbst bekannte Persönlichkeiten greifen müssen, um Bücher über den Ladentisch zu bekommen, das ist langsam erschreckend! Ralph Giordano hatte sich vor einigen Tagen schützend vor die Pro-Köln-Sekte gestellt1 und sich gegen den Bau einer Moschee positioniert. Später hat er muslimische Frauen als “menschliche Pinguine” bezeichnet. Im Interview mit Deutschland Radio versucht er zu erklären:
Selbstverständlich richtet sich diese Wortbildung, dieser Ausdruck gegen die, die diese Frau in einen menschlichen Pinguin verwandelt haben, indem sie sie von Kopf bis Fuß unter schwarzem Tuch begraben. Das sage ich dazu.
Da die absolute Mehrheit der muslimischen Frauen sich selbst kleiden, richtet sich seine Kritik doch noch gegen diese Frauen!
Die Kritik von Ralph Giordano gründet darauf, dass bekopftuchte Frauen “seine” Ästhetik beschädigen. Was soll man dagegen machen? Inwieweit glaubt Herr Giordano also, seine persönliche Freiheit des Nichtsehenwollens ausleben können zu müssen? Will er vielleicht ein Verbot?
Wer Verbote fordert, ist gleich von Vornherein im Unrecht. Ich sage dazu nur eines: Ich will auf deutschen Straßen keine Burka-Trägerinnen und Shado-Verhüllten sehen.
Was denn nun? Naja gut, er will es also nicht sehen, aber ein Verbot fordert er nicht. Also entweder die Menschen ausweisen2 oder es sollten alle Kopftuchfrauen beim Anblick von Herrn Giordano die Straße räumen..
Was noch so die Ästhetik von Herrn Giordano stört, dazu gehört der Muezzin-Ruf von Minaretten - Ob der Bart beim Mann ihn auch stört, das wissen wir derzeit noch nicht. Was ihn offensichtlich nicht stört, sind die Nonnentracht, Zöpfchen bei Männern oder auch alte Menschen auf der Straße..
Einseitige Redefreiheit
Ralph Giordano fordert im Interview weiterhin mehrmals, von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch machen zu dürfen.
Die Geschichte des Islam ist eine einzige Entwürdigung der Frau und das bis zur Stunde. Und ich will das sagen dürfen, auch wenn es radikalen Muslimen nicht gefällt.
Ich rede hier nicht von Verboten; ich will das nur sagen dürfen.
Als ihn die Moderatorin darauf aufmerksam macht, dass ihn keiner daran hindert, führt er aus:
Ja, ich kann es sagen, Gott sei Dank richtig, weil wir hier in einer Gesellschaft leben, einer demokratischen Republik, einem demokratischen Verfassungsstaat, wo das möglich ist. Aber fragen Sie mich nicht, welche Reaktionen es darauf gibt.
Wie jetzt? Will er nun die Sülze von sich geben und allen anderen den Mund verbieten? Naja, jedenfalls wird er “giftig” und “richtig böse”, wenn ihm jemand eine unangenehme Frage stellt.. Dementsprechend fällt auch die Reaktion von Herrn Küppersbusch im Wochenrückblick der taz aus:
Ralph Giordano hat sich vehement gegen einen geplanten Moscheebau in Köln gewandt und die “Integration der Muslime” schlicht für gescheitert erklärt. Was soll man dazu sagen?
Die Achtung vor seinem Werk und seinem Engagement gebietet es, zu versuchen, ihn zu verstehen. Versucht. Fertig.
Pro Köln ist das Volk
Noch eine Kleinigkeit: Im Interview versucht sich Ralph Giordano wieder von der Initiative “pro Köln” zu distanzieren, indem er anführt, dass diese ihn wahrscheinlich in eine Gaskammer stecken würden, woraufhin diese angeblich eine Strafanzeige gestellt hätten. Abseits von diesen Worthülsen führt Giordano aus, dass “die Mehrheit” den Bau der Moschee ablehnt. Das ergibt sich für ihn durch die Anrufe, die er nach seinen Äußerungen erhalten hatte. Dass aber die Leute, die ihn angerufen haben von “pro Köln” kommen, darauf ist er nicht gekommen.. Ob er aber beim Bau einer jüdischen Synagoge auch die Menschen befragen würde, das erzählt er uns nicht..
Günther Bernd Ginzel
Weitaus differenzierter übrigens gibt sich der Publizist Günther Bernd Ginzel im Interview mit Deutschland Radio:
Ich kenne ihn [Giordano] zwar mit dem gleichen Gestos des Pathos und des Appellativen. Ich frage, ich sage, tut dies. Das funktioniert, wenn der Überlebende spricht, wenn das Opfer spricht, wenn er sozusagen aus seiner persönlichen und kollektiven Geschichte Schlüsse zieht und sagt, tut was gegen rechts. Es funktioniert nicht in diesem Kontext. Es wirkt entweder albern, anmaßend oder eben rechtspopulistisch.
Im Interview äußert er Kritik daran, dass der interreligiöse Dialog bei Muslimen nicht an die Basis durchgedrungen ist.
Wir haben keinen Dialog mit dem Islam. Es gibt einzelne Islamvertreter, mit denen man spricht. Ich tue das ja seit Jahrzehnten. Aber es ist nie an die Basis durchgedrungen, von Ausnahmen wie Mannheim und so weiter abgesehen. Da wäre vieles zu diskutieren und zu kritisieren, innerjüdisch in Bezug auf die jüdische Identität und das Verhältnis zu Israel und in Bezug zum Islam und vor allen Dingen auch die antisemitischen Tendenzen unter jungen Muslimen, die wir von vielen Schulen hören.
Ich stimme ihm hier teilweise zu, auch wenn man sich fragen muss, ob der Dialog an sich (als Instrumentarium, nicht als Ergebnis) überhaupt jeden einzelnen Menschen berühren oder interessieren muss. Weiterhin muss man sich auch fragen, inwieweit die Basis anderer Religionen davon betroffen sind.
Weitere Kommentare
- Wenn Publizisten nichts verstehen und trotzdem reden
- Der sakrosankte Herr Giordano
- Aus eigener Erfahrung müsste Herr Giordano wissen, dass so etwas gefährlich ist
Kommentar von brian jones
Made Montag, 28 of Mai , 2007 at 08:42
Hi
why did Mr. Giordano placed himself helping the
“pro Cologne” group (stellte sich schützend vor
die pro-Kölle-Sekte) ? I can´t neither see nor
understand that Ralph acted in this way (if so) … sincerely,
B. Jones, PhD. (London)
Kommentar von Omar
Made Montag, 28 of Mai , 2007 at 12:47
@brian: actually by now, Mr Giordano is saying, he wouldn’t associate with this group and as cited above, he thinks they would put him in a concentration camp, if they had the chance..
But still, by actually defending their cause, he is protecting the group from the obvious rebuke of being radical. I do think that the motion of getting to chose if a religious minority can exercise their religion is redical and therefor Mr. Giordano can’t just invoke being traditionally a political “left”.
Pingback von Too Much Cookies Network » Weiche Grenzen beim Moscheenstreit von Köln
Made Sonntag, 19 of August , 2007 at 13:58
[...] dass seine Ästhetik durch Kopftuch tragende Frauen gestört wäre, die seiner Meinung nach wie “menschliche Pinguine” aussähen. Inzwischen hat sich seine Begründung in einem offenen Brief an Herrn Alboga ausgeweitet [...]
Kommentar von phpeter
Made Sonntag, 2 of September , 2007 at 20:26
Habt ihr Superexperten mal seinen offenen Brief gelesen ? Habt ihr darin irgendwas gefunden, was ihr so nicht unterschreiben könntet ? Habt ihr euch abseits eurer üblichen PC-Reflexe schon mal ernsthaft mit der Problematik auseinandergesetzt ? Ich denke nicht. Außer schön euer Fähnchen nach dem vermuteten Mainstream-Wind hängen, habt ihr - glaub ich - auch nix drauf. Cheers.
Kommentar von Omar
Made Sonntag, 2 of September , 2007 at 20:54
lieber Superexperte phpeter,
wen du mit “Superexperten” meinst wird ja nicht deutlich, vor allem in der Mehrzahl nicht.. Davon mal abgesehen, hätte ich schon erwartet, dass man das Datum des ergoogelten Artikels sich anschaut, bevor man sich dermaßen verausgabt. Hättest du das getan, wäre dir aufgefallen, dass dieser Artikel nichts mit dem offenen Brief von Giordano zu tun haben kann, da Letzterer erst danach erschien. Das macht den offenen Brief von Herrn Giordano aber auch nicht besser! Cheers.
Kommentar von Iris Weber
Made Freitag, 16 of November , 2007 at 10:38
Islamische Verhüllungen jedweder Art, angefangen vom Kopftuch bis zur Ganzkörperverhüllung sind eine Beleidigung für jede Europäerin, Christin und Frau, da die Entwicklung, welche die menschliche Zivilisation seit dem Mittelalter durchlaufen hat, durch diese Kleidungsstücke mit Füßen getreten wird.Sie sind gleichzeitig eine Beleidigung für jeden Europäer, Christen und Mann, da sie ihm unterstellen jede Frau zum Sexobjekt zu degradieren und ihn für unfähig stempeln einer modernen Frau mit Respekt zu begegnen.Es wird in der Tat höchste Zeit für ein Kopftuchverbot nicht nur in öffentlichen Gebäuden, sondern in der generell in der Öffentlichkeit.Das Problem ist nicht die Aggressivität des Islam, das Problem ist die Feigheit Europas und seiner politischen Vertreter.
Pingback von Too Much Cookies Network » Die Selbstfesselung - oder: Die Mischung machts!
Made Mittwoch, 16 of April , 2008 at 23:20
[...] abfälligen Äußerung über das Aussehen von muslimischen Frauen gerichtet war. Wer Menschen mit Tierbildern vergleicht, der hat Kritik zu erwarten! Das ist unterstes Niveau und verdient, dass man ihm das [...]
