Posts tagged: Kirche

Michael Bertrams: Offener Brief des Rats muslimischer Studierender und Akademiker

author | 15. Oktober 2009

Ein beachtenswerter offener Brief des Rats muslimischer Studierender und Akademiker an die nordrheinwestfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter bezüglich der Äußerungen des Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts Münster Michael Bertrams. Bertrams hatte anlässlich des Jubiläums der “Barmer Erklärung” einen Vortrag gehalten, in dem es um das Verhältnis zwischen Staat und Kirchen ging. Dabei reduzierte er die Religionsfreiheit weitestgehend auf die Freiheit christlich erzogen zu werden. Muslime sollte man nun nicht unbedingt alle abschießen, allerdings wären sie als gleichberechtigte Partner innerhalb des Staates nicht hinnehmbar und sollten auch – qua ihrer offensichtlichen Verfassungsfeindlichkeit – nicht als Beamten arbeiten.

Begründungen oder gar Beweise für dafür, dass Muslime seiner Meinung nach nicht verfassungskonform agieren könnten liefert er nicht. Den Muslimen selbst kann man ja nicht glauben, deshalb ist ein Dialog und eine Diskussion darüber unwichtig. Michael Bertrams macht es sich um einiges einfacher: “Die Stichworte ‘Scharia’ und ‘islamischer Gottesstaat’ mögen hier genügen.” Wow! So viel Fachwissen habe ich ja nicht erwartet. Hut ab. Der hinreichende Beweis für die These ist gegeben. Keine weiteren Fragen.

Anbei noch der Brief des Rats muslimischer Studierender und Akademiker. Den Brief gibt es auch im pdf-Format.

Dialog ist wenn nur ich reden darf

author | 13. Mai 2009

In einem Treffen, das dem Dialog gewidmet war, hat dieser Eingriff eine direkte Negation dessen dargestellt, was ein Dialog sein soll. Wir hoffen, dass solch ein Vorfall die Mission des Papstes nicht beschädigen wird, die auf die Förderung des Friedens und des interreligiösen Dialogs angelegt ist, wie er bei seiner Pilgerreise bei vielen Gelegenheiten bekräftigt hat. Wir hoffen, dass dieser interreligiöse Dialog im Heiligen Land nicht durch diesen Vorfall kompromittiert wird.

Was war passiert? Gab es einen Anschlagsversuch auf den Papst? Auf die Versammlung?

A senior Palestinian Muslim cleric fiercely denounced Israeli policy in Jerusalem in the presence of Pope Benedict on Monday and appealed to the pope to help end what he called the “crimes” of the Jewish state.

Idea mit einer Schockmeldung und vielen Fehlern

author | 22. Februar 2009

Die Paranoia, die manch christliche Organisation erfasst, ist teils verständlich, aber zum größten Teil einfach grotesk und belustigend. Woher die Gefahr kommt – ob von Muslimen, von Atheisten oder von anderen Christen – ist egal, ständig werden düstere Zukunftsprognosen erstellt, um das bevorstehende Armageddon zu prognostizieren. Als ich diese Meldung las, war ich aber doch schon erstaunt, wie hoch die Angst offensichtlich hängt. Da betitelt niemand geringeres als das evangelische Nachrichtenportal IDEA ((selbst bezeichnen sie sich als “das christliche Nachrichtenportal”)):

Künftig mehr Muslime als Christen in Berlin?

Steinmeier: Verschrottungsprämie für Autos!

author | 28. Dezember 2008

Steinmeier hat eine Idee!

Frank-Walter Steinmeier hatte gestern noch Kirchen- und Wirtschaftsvertreter zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen, um zwischen ihnen zu vermitteln, nachdem einige der Kirchenvertreter Banker in ihren Weihnachtsansprachen kritisiert hatten. Vielleicht winken ja den Kirchenvertretern einige großzügige Schecks, wenn sie solche Ansprachen in Zukunft sein lassen.

Heute allerdings hat Steinmeier eine neue brillante Idee: Um die Wirtschaft anzukurbeln, soll es eine Prämie für jedes verschrottetes Auto geben.

Dialogdefizite und der Moslem als solcher

author | 12. September 2008

Peinlich: Abt Notker Wolf, ranghöchster Repräsentant des Benediktinerorden präsentiert seine ganze Bandbreite an Dialogerfahrung, denn

Erst wenn die Menschen unterschiedlichen Glaubens an der Basis anfangen, miteinander zu leben, wird sich etwas bewegen. Es nützt überhaupt nichts, wenn Theologen diesen Dialog führen, der doch aber an den Menschen völlig vorbeigeht.

Es nützt nichts, deshalb muss Herr Wolf das auch nicht machen! Sich dazu aber äußern, wie “der Moslem” ist, mit dem er den Dialog nicht selbst zu pflegen braucht, das möchte er sich dann doch nicht nehmen lassen:

Wenn ich an den Durchschnittsmoslem denke, für den ist Politik und Religion dasselbe. Und das zu trennen, wie wir es tun, ist für ihn Blasphemie. Der Islam ist getrieben von dem Willen, sich durchzusetzen.

Lutz Taubert: Was Kreuz und Kopftuch unterscheidet

author | 22. Juni 2008

Lutz Taubert schreibt im bayerischen Sonntagsblatt über den Unterschied zwischen Kreuz und Kopftuch. Aufhänger ist der Landesparteitagsbeschluss der Grünen in Bayern, alle religiösen Symbole aus den Schulen zu bannen. Die Grünen hätten in einem zweiten Schritt die Kruzifixe über den Klassenzimmertüren wieder ausgenommen.

Herr Tauber plädiert für die strikte Unterscheidung zwischen religiösen Symbolen: Die Gleichbehandlung der Religionen (die nach Meinung von Herrn Tauber “in Ordnung” sei) bedeutet noch nicht die Gleichbehandlung ihrer Symbole.

Das “Problem der Juden”

author | 21. März 2008

Gerade habe ich ein interessantes Interview auf Deutschland Radio Funk gehört, das mit Kardinal Paul Josef Cordes geführt worden ist. Darin geht es einerseits um die späte Antwort des Vatikans auf die Tibet-Schlachtungen, andererseits wird eine Änderung in der Karfreitagsfürbitte des Papstes angesprochen, gegen die der Zentralrat der Juden protestiert haben soll:

Kardinal Cordes, ich möchte mit Ihnen noch einen Blick auf das kommende Osterwochenende richten und auf den Streit, der sich rankt um die neu formulierte Karfreitagsfürbitte von Papst Benedikt XVI. Darin heißt es, man bitte für die Juden, damit Gott sie erleuchte und sie Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Korn, sprach gegenüber der “Frankfurter Rundschau” von einem Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten. Verstehen Sie die Kritik?

Seine Antwort hierauf ist m.E. höchst merkwürdig…

Rowan Williams und Scharia – religiöse und säkulare Gerichte

author | 14. März 2008

Vor etwa einem Monat hat der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, laut Medienmeldungen gefordert, “die Scharia in bestimmten Fällen in Großbritannien anzuwenden”. Und genauso wie zu erwarten ist, dass sich so einige Muslime über Karikaturen aufregen würden, die vorgeben, den Propheten Muhammad (saws) darzustellen, war abzusehen, dass die Worte Rowan Williams Entrüstungswellen nach sich ziehen würden. ((Vielleicht ein besserer Vergleich: Die Regensburger Rede des Oberhauptes der katholischen Kirche, die die wenigsten Muslime gelesen hatten, die sich lauthals darüber aufgeregt hatten – denn dies trifft auch für die meisten Kritiker Williams zu..))

Das Thema ist so groß, dass ich mehrere Artikel darüber schreiben werde, in der Hoffnung ein wenig mehr Licht in dieses Thema zu bringen. Die wenigsten Menschen scheinen die Rede des Erzbischofs gelesen zu haben und die meisten Medien scheinen sie misverstanden zu haben. Deshalb fange ich mit einer Bestandaufnahme dessen an, was in der Rede zum Thema gesagt wurde.

Christliches Verständnis

author | 6. Juli 2007

Zwei kurze Kommentare:

Christliches Dialogverständnis

Solche Wortschöpfungen wie “Kuscheldialog” sind nicht nur flauschig-lustige Wortschöpfungen, sondern drücken mehr oder weniger gewunden aus, wie der christliche Partner den Dialog versteht: Nämlich als mehr oder weniger heftigen Vorhalt, dass der andere Partner eigentlich so denken und reden müsste wie mann selbst, wäre der andere nur endlich selbst zum rechten Christenmenschen geworden, statt immer noch – und wider besseres Wissen – Muslim oder Jude oder von mir aus auch Gummibärchen zu bleiben. Für Frauen gelten da übrigens gerade wegen des emanzipativen Gehalts christlicher Religion verschärfte Bedingungen, das nur nebenbei.