Ich hab was gegen Vorurteile und bin auch nicht der Ansicht, dass man sie durch zur Schau gestelltes Negieren bekämpfen kann. Zum Einen beweist bekanntlich die Ausnahme stets die Regel, sodass das Zurschaustellen per se kontraproduktiv ist. Zum Anderen führt solches Zurschaustellen regelmäßig zur irreführenden Unterscheidung zwischen “gutem” und “bösem” [beliebige Minderheit einfügen]. Das hilft im Endeffekt nicht weiter.
Eine Gruppe von Muslimen hat sich im aktuellen Fall dazu entschlossen, viele verschiedene Bilder von Muslimen in “muslimischer Kleidung” zu portraitieren. Das Projekt “Pictures of Muslims wearing things” ist lustig und unterhaltsam. Aber was bringt das?
Vor Kurzem wurde auf taz ein Artikel zu muslimischen Blogs veröffentlicht, in dem die Autorin Julia Herrnböck auch mein Blog kurz vorstellt und mich zitiert. Außerdem wurde mein Blog in einer Studie zu muslimischen Blogs vorgestellt und ich verweise noch auf einen Artikel, den ich der “Islamischen Zeitung” schrieb und der sich mit einer vom Zentralrat der Muslime veröffentlichten “Fatwa” zum möglichen Fastenbrechen von muslimischen Profifußballern auseinandersetzt.
Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. Wir brauchen den Diskurs weiter, wie wir sozusagen in Afghanistan das hinkriegen, dass auf der einen Seite riesige Aufgaben da sind des zivilen Aufbaus, gleichzeitig das Militär aber nicht alles selber machen kann, wie wir das vereinbaren mit der Erwartung der Bevölkerung auf einen raschen Abzug der Truppen. Und aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung. Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.
Inzwischen wird nach dem Bundespräsidenten Horst Köhler nicht nur die abstrakte Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt, sondern auch ganz konkrete Handelswege, Arbeitsplätze und Einkommen (sprich: Reichtum). Ich bin hier nichtdereinzige, dersich fragt, wo da der Unterschied zu einer Rechtfertigung von Angriffskriegen zu finden ist.
Gerade lese ich ein Interview des Deutschlandradios mit Außenminister Guido Westerwelle. Ich muss schon zugeben, das ganze wirkt surreal – nicht nur wegen der vielen “Israel ist doch unser Freund”-Bekundungen und der Unbeholfenheit, mit der auch Westerwelle versucht, das Thema “Kritik an Israel” weichzuspülen, selbst wenn es um so banale Dinge wie die illegale Siedlungspolitik geht. In der Zusammenfassung des Interviews fand ich schon die Bemerkung “Sein einziges Druckmittel: der Dialog.” herrlich. Mir ist dann noch diese Antwort Westerwelles aufgefallen:
Engels: Auch wenn derzeit der Konflikt ja mit Washington sehr deutlich ist, ist es da das richtige Signal, auch öffentliche Fototermine mit Herrn Lieberman zu machen im Sinne von “Deutschland steht immer zu Israel”?
Westerwelle: Ich glaube, es ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn man im Nahostprozess etwas bewirken will, dann muss man mit den gewählten und legitimierten Repräsentanten eines Landes auch reden, und ich glaube auch, dass Israel eine Regierung hat, die immer wieder gerne auch in Deutschland als Gast gesehen wird. Wir hatten die israelische Regierung gerade erst zu Gast bei den offiziellen Regierungskonsultationen. Das tut dem Ganzen gut. Nicht miteinander zu reden, das wäre eine völlig falsche Konsequenz.
Wirklich? Man muss also mit gewählten Repräsentanten eines Landes reden? Wo bleibt dieser Pragmatismus eigentlich im Falle der Palästinenser?
Neue Artikel für den 22. February 2010: Custom Feed: Norman Finkelstein’s German Tour cancelled under Pressure, Echte christliche Nächstenliebe, Die Gefühle der Gesellschaft, Die Ethnisierung sozialer Probleme
Vor fast genau vier Jahren gab es einen offenen Brief einer Initiative an die frischgewählte Kanzlerin Angela Merkel – darunter waren “Literaturnobelpreisträger Günter Grass, die Autoren Erich Loest und Peter Rühmkorf, Wirtschaftsexperten wie Thilo Bode und Rudolf Hickel sowie die Millionenerben Frank Hansen, Percy Rohde und Susann Haltermann” und natürlich der Initiator des Aufrufs der Hamburger Reeder Peter Krämer. Darin forderten die damals 21 Unterzeichner des Appells “für eine Vermögenssteuer” die Einführung bzw. Ausweitung der Vermögenssteuer. Offensichtlich traf der Brief auf taube Ohren. Trotzdem lebt der Appell und die Gruppe weiter und die Zahl der Unterzeichner hat sich sogar auf 44 Unterstützer erhöht. Gestern habe ich ein Interview mit einem eher neuen Unterzeichner gelesen, das mich stark berührt hat. Der Millionär Vollmer fordert eine Vermögensabgabe für Reiche und stellt seine Sicht auf sehr einsichtige Art und Weise dar:
Peter Vollmer: Ich zahle eben immer weniger Steuern. Das ist die Frage. Ich habe angefangen mit einer Einkommenssteuer von 56 Prozent. Die wurde dann runtergesetzt auf 53 Prozent, dann wurde sie runtergesetzt auf 48 Prozent, dann auf 45 Prozent und dann auf 42 Prozent. Jetzt sind noch mal wieder drei Prozent oben draufgekommen. Das heißt, die Versteuerung von hohen Einkommen wird immer mehr reduziert. Und nun ist jetzt noch oben draufgekommen seit 1. Januar dieses Jahres, dass im Falle von Einkommen aus fest verzinslichen Papieren oder aus Sparguthaben und so weiter eine einheitliche Steuer eingeführt worden ist von 25 Prozent. Das heißt, auf diesen Teil zahle ich nicht mal mehr 45 Prozent, sondern nur noch 25 Prozent. Das ist fast noch mal eine Steuersenkung von 50 Prozent. Insofern verstehe ich fast gar nicht die Frage, warum Deutschland ein Hochsteuerland sein sollte. Es ist in Wirklichkeit ein Niedersteuerland.
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in der ZDF-Mediathek findet sich neuerdings ein Video aus der Sendung ZDF aspekte vom Freitag, den 30.10.2009. Unter dem Titel “Schändliches Schweigen” geht darin eine Frau Anna Bernard angeblich auf “den Fall” der ermordeten Marwa El-Sherbini ein. Wie sie das tut wäre sehr witzig, wenn es denn nicht so traurig gewesen wäre. Erst die Ansage:
Am 1. Juli wurde eine junge Ägypterin im Landgericht Dresden von einem Russlanddeutschen mit 16 Messerstichen ermordet. Danach wurde die Frage gestellt, ob es in Deutschland ein unterschwelliges rassistisches Klima gibt. Diese Frage stellte man sich natürlich auch in der islamischen Welt – vor Allem in Ägypten. Diese Woche hat nun der Prozess gegen den 28-jährigen Angeklagten begonnen – der tobt im Gerichtssaal, schweigt aber in der Sache.
Das nehmen sich scheinbar die Macher dieses Programms zum Motto: Schweigen in der Sache! Aber eins nach dem Anderen. Mit welchen Mitteln des hohen Journalismus möchte die Reporterin nun an den Fall herantreten. Wie wird sie “den Fall Marwa El-Sherbini” behandeln?
Ich halte Jon Stewart nicht gerade für den informiertesten Kommentator zum Nahost-Konflikt, aber er ist sicherlich ein recht offener und mutiger Mensch, wie er an diversen Kommentaren gezeigt hat. Nun hat er zwei Aktivisten eingeladen – Dr. Mustafa Barghouti und Anna Baltzer -, die sich für die Rechte von Palästinensern einsetzen. Sehr interessantes Interview, das scheinbar durch einen proisraelischen Aktivisten gestört wurde (Man hört ihn mehrmals im Hintergrund, bevor er aus dem Raum eskortiert wird). Einen Bericht aus dem Studio gibt es von Adam Horowitz, der anwesend war.
Ein interessantes Interview auf dailyshow mit William Kamkwamba, der mit 14 Jahren während eines Dürrejahres in Malawi und lediglich auf der Grundlage einiger Bilder in einem Buch eine funktionierende Windenergieanlage gebaut hat. Die Passage über google ist recht ansprechend.
How shocked was I to see, that the guy, who famously modified an Obama picture on a Times-magazine into the Batman-foe “The Joker” played by the late Heath Ledger is in fact a direct cousin of mine. Though i never met him in person i know his mother very well. The picture of Joker-Obama was made popular by some yet-unknown guy who captioned it with “socialism”, retouched some background out and hung it all over Los Angeles. Yesterday the story about the origin of the image broke in the Los Angeles Times.
Man kann nicht mehr behaupten, dass in Deutschland nicht über den Mord an Marwa El-Sherbini gesprochen wird. Tatsächlich wird recht viel gesprochen. Aus der vollständigen Denial-Phase (Nichtwahrhabenwollen) scheint man langsam herauszuwachsen ((mit den Phasen sind die von Elisabeth Kübler-Ross definierten fünf Phasen des Sterbens)), allerdings stellt sich derzeit eine komische Mischung aus Anger (Zorn/Wut) und Denial ein. Jedenfalls wird derzeit von einigen Kommentatoren der Vorwurf der Islamfeindlichkeit in Deutschland mit Schärfe zurückgewiesen. Stattdessen sind mal wieder die Migranten schuld – was ein Glück also, dass Alex W. Migrant ist! Eine Diskussion über die Integration dieser ist in Deutschland weit mehr willkommen, als eine Diskussion über strukturelle Fremdenfeindlichkeit oder Islamfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft.
Der Moderator im Deutschland Radio Interview an die palästinensische Tourismusministerin Khouloud Daibes gewandt:
Frau Daibes, warum dieser emotional-schroffe Ablehnung? Warum zählt für sie nicht diese Geste: Zwei freie Völker Seite an Seite – so eine Vision aus dem Munde von Benyamin Netanjahu, das wäre doch vor Wochen, vor Monaten noch undenkbar gewesen. Warum zählt nicht allein diese Geste und den Rest dieser Punkte, die sie angesprochen haben – die Siedlerfrage, das Flüchtlingsproblem – kann doch dann Gegenstand von Verhandlungen sein..
Die Befragte hatte kurz davor sehr sachlich dargelegt, warum die palästinensische Seite von der Rede Benyamin Netanjahus nicht gerade begeistert war. …
Für mich kam es tatsächlich als Überraschung heute ((zuerst gelesen hatte ich das bei Sven Scholz)). Das Bundesverfassungsgericht hatte heute festgestellt, dass der Einsatz von Wahlcomputern verfassungswidrig ist. Das ist aus denunterschiedlichstenGründen eine gute Nachricht.
Problematisch auf der anderen Seite finde ich die Auffassung von Dirk Heckmann im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Dieser gibt als Grund für die Ablehnung der Wahlcomputer “Technik-Misstrauen” an:
Prozesse in einem Computer können von außen nicht eingesehen werden. Also kann sie der Bürger nicht nachvollziehen. Das Gericht ist somit sehr misstrauisch gegenüber der Technik. Dabei muss der Wähler bei der Wahl per Stimmzettel auch Vertrauen haben: Er muss darauf vertrauen, dass die Wahlhelfer richtig zählen.
Das ist natürlich falsch. Der Wähler muss nicht den Wahlhelfern vertrauen, sondern kann selbst überprüfen, ob sie ihre Arbeit richtig machen. Dafür sind Wahllokale bei der Auszählung der Stimmen ja auch offen für jeden Bürger. Diesen Luxus erreicht man bei Computern nicht, unabhängig vom Grad des Vertrauens in ihn oder seine Macher.
Update: Darf ich hinzufügen, dass es gerade Technik-begeisterte Menschen sind, die sehr stark gegen Computerisierung des Wahlprozesses sind?
Das Deutschlandradio Kultur hat den israelischen Soziologen Moshe Zuckermann interviewt. Dieser hatte bereits in der Tageszeitung “Neues Deutschland” zu Beginn der militärischen Attacken Israels auf den Gaza-Streifen ein sehr lesenswertes Interview gegeben.
Hierzulande sind laute »Bravo!«-Rufe und andere Kriegseuphorie aus dem »Israel-solidarischen« Lager zu vernehmen. Was empfinden Sie als Israeli angesichts dieses deutschen Freudentanzes?
Zuckermann: Den Ekel, den ich schon immer empfunden habe, wenn sich der furor teutonicus aus der Ferne am Opferleid von anderen ergötzt hat. Mit Israel-Solidarität hat das gar nichts zu tun. Unter gewandelten historischen Umständen werden sich diese Tanzfreudigen am Untergang von Juden genauso delektieren. Sie verkörpern all das, was man sich klischierterweise als Deutsche vorstellt – sie sind eben die deutschesten aller Deutschen.
Khalid Abed (Name geändert), Dozent für Maschinenbau an der Universität Gaza, wirft Israel eine Versorgungsblockade des Gaza-Streifens vor, die schon vor der jetzt gebrochenen Waffenruhe bestanden habe. Er verstehe, dass Israel aus der Geschichte heraus um seine Sicherheit besorgt sei. Doch auch er habe das Recht auf Sicherheit. Zurzeit könne er wegen der Blockade des Gaza-Streifens seiner Tochter nicht einmal Windeln oder einen Apfel kaufen.
Ein interessantes Interview.
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Welches reiche Sammelsurium hat der “Verein Deutsche Sprache” (VDS) auf Lager, um der deutschen Sprache auf die Sprünge zu helfen? Lesen wir die Antwort des Geschäftsführers des besagten Vereins dazu an. Der Hintergrund des Interviews durch “Welt Online” ist das Vorhaben die Anregung in der CDU, eine sprachliche Bindung ans Deutsch ins Grundgesetz aufzunehmen:
Holger Klatte: Über unsere gemeinsame Sprache haben wir eine Möglichkeit, uns zu verständigen. Jeder der in Deutschland lebt, solle diese Sprache auch beherrschen und wir müssen zeigen, dass die Sprache uns wichtig ist, angefangen mit dem Schulunterricht, über die Sprache der Wirtschaft bis zur Wissenschaft.
WELT ONLINE: Und eine durchs Grundgesetz geschützte Sprache kann hier helfen?
Holger Klatte: Die deutsche Sprache bekommt so die Bedeutung, die sie verdient. Wir hoffen, dass Deutsch im Schulunterricht wieder mehr gefördert wird. Andere Länder wie Frankreich oder Polen haben schon entsprechende Gesetze. Unser Hauptziel ist aber nicht nur die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Unser Ziel ist die generelle Förderung der deutschen Sprache.
WELT ONLINE: Wie wollen Sie Ihr Ziel erreichen?
Holger Klatte: Wir sammeln seit dem Sommer Unterschriften. An die 10.000 haben sich bereits für den Grundgesetzeintrag ausgesprochen, doch die Aktion ist noch lange nicht beendet.
Also, sie haben weit mehr Ziele vor Augen, die sie allerdings allesamt scheinbar durch einen Eintrag der deutschen Sprache ins Grundgesetz erreichen wollen!
Im Cicero darf man zwar kommentieren, aber der Kommentar erscheint offenbar an keiner Stelle und er wird auch nicht beantwortet.. Deshalb veröffentliche ich hier einen Kommentar, den ich letztens bei einem Interview des Cicero-Journalisten Alexander Görlach mit Prof. Kalisch verfasst hatte.
Ach, die armen Aleviten, die bekommen’s von jeder Seite auf die Mütze: Fernsehkritiker Christian Buß im Deutschland Radio Interview:
Heise: Geben Sie mal ein paar Beispiele, wo Sie sagen, was gelungen, was nicht gelungen ist!
Buß: Der gelungene “Tatort” für mich, wo eben der Islamismus vorkommt, den Sie ansprechen, beziehungsweise Migrationsprobleme, ist der skandalisierte Aleviten-”Tatort” gewesen aus Hannover mit Maria Furtwängler. Danach sind ja verschiedene Aleviten-Verbände Sturm gelaufen, weil sie sich verunglimpft gefühlt haben.
Interessant finde ich weiterhin, dass er der besagten Folge Differenzierung zuspricht. Auf der anderen Seite ist das kein Wunder, wenn man bedenkt, wie wenig er zu differenzieren in der Lage zu sein scheint..