Category: Ausland

The first victim of a riot is the news – London’s burning

author | 10. August 2011

In der letzten Zeit bin ich ja ein wenig beschäftigt und kann mich dementsprechend nicht um Nachrichten kümmern, wie ich es mir wünschen würde1. Natürlich habe ich mitbekommen, dass in England des Nachts Vandale betrieben wird und da ich nicht dumm sterben wollte, habe ich mich an den Nachrichtenlieferanten par excelence in Deutschland gerichtet: die Tagesschau.

Der Aufmacher: “Krawalle in Manchester, Bangen in London”, die Bilder von gerüsteten Polizisten mit Bränden im Hintergrund. Der Artikel selbst ist noch weniger informativ als die üblichen “1000 Worte”. Der Artikel listet penibelst auf, wo protestiert wird, welche und wie viele Geschäfte in Brand gesetzt wurden und was die Regierung alles unternimmt, um zu reagieren.

Was man zunächst nicht als Information bekommt: Warum gehen da diese Menschen auf die Straßen? Mitten im Artikel prangt mir dann ein bekannter Kopf entgegen: Der hannoversche “Kriminologe” Christian Pfeiffer! Auch wenn ich von seiner wissenschaftlichen Vorgehensweise weder im Bereich der “Killerspieledebatte”, noch im Bereich der “Jugendkriminalität” noch in seiner religionsbasierten Auswertung von Kriminalität besonders viel halte, denke ich mir: hören wir einfach mal rein.

Es war doch nur ein Krimineller!

Die erste Frage erschließt mir zumindest einen Auslöser der Aufstände: Ein Mann wurde offenbar von der Polizei erschossen. Auf Wikipedia findet sich natürlich weit mehr zu Mark Duggan finden, als die Tagesschau wohl jemals berichten würde. Auf die Frage des Moderators, wie es daraufhin zu dieser Eskalation kommen konnte antwortet Pfeiffer mit vier Stichpunkten:

  1. Die Polizei habe nicht sofort erklärt, dass der Getötete eben kein “braver Familienvater” ist, sondern “stark kriminalitätsverdächtig” sei.
  2. Die Polizeikräfte sind durch Kürzungen geschwächt.
  3. Unterschicht. “Eine Riesenzahl von sozial nichtintegrierten jungen Migranten, schlecht ausgebildet, mit miserablen Perspektiven für die Zukunft.”
  4. In England ist das elterliche Züchtigungsrecht nicht abgeschafft.

Wow. Heißt das, es ist o.k., wenn Kriminelle oder gar Kriminalitätsverdächtige von der Polizei auf der Straße erschossen werden?? Sollen sich die Menschen nicht darüber aufregen? Auf der anderen Seite: Von welchen Migranten spricht Herr Pfeiffer da schon wieder? Nur weil unter den Demonstranten viele Schwarze sind, heißt das doch nicht, dass das Migranten sind! Oder bleibt man im Sinne des Candidusmus immer Migrant, solange man dunkelhäutig ist? (Der Punkt mit dem Züchtigungsrecht – das muss man verstehen – ist nur ein Wink auf seine Jugendkriminalitäts-”Studie”.) Ansonsten kann man das Video danach getrost abschalten. Viel Interessantes kommt dann nicht mehr.

Im Artikel geht es dann weiter mit einer klitzekleinen Notiz, dass offenbar der Erschossene eben nicht auf die Polizei geschossen hatte. Die frühere Darstellung der Polizei, dass nämlich er das Feuer eröffnet hätte, bleibt unkommentiert stehen.

Berichterstattung am Kern vorbei

Die Art der Berichterstattung erinnerte mich an ein Video, das ich vor einigen Tagen gesehen hatte. In der britischen Sendung analysiert Charlie Brooker die Reportage zum G20-Treffen. Prinzipiell läuft es darauf hinaus, dass Nachrichtensender bei Demonstrationen lediglich die Zahl der Demonstranten, die Ausmaße aus unterschiedlichen Weitwinkel-Perspektiven und natürlich sehr gerne mögliche Gewalt und Randale berichten, aber kaum oder gar nicht den Inhalt der Demonstrationen wiedergeben.

Ein weiterer Beleg für das Desinteresse von Nachrichtensender, das wirklich Relevante zu berichten, mag dieses Interview sein. Das führte das BBC mit einem Autor Darcus Howe, von dem sie offensichtlich andere Aussagen erwartet hatten:

Das Interview wird abrupt abgebrochen, als die Moderatorin erkennt, dass sie den alten Mann nicht für dumm verkaufen kann. Seine Antwort: Have some respect!

Darcus Howe kommt nicht dazu, seine Aussagen auszuformulieren. Im Guardian schreibt allerdings Nina Power den Kontext der Aufstände an:

at least 333 [deaths in police custody] since 1998 and not a single conviction of any police officer for any of them

Soviel zur Aussage Pfeiffers, dass es ja nur ein Krimineller war, der dort erschossen wurde!

To the politicians

Ich schließe für heute mit einem Gedicht von Guy Denning:

you blame the anarchists
and you blame the youth
you blame the immigrants
but ignore the hard truth
it isn’t the muslims
it isn’t the blacks
it’s a world of lost dreams
that fuel the attacks
kids promised everything
they’ll never achieve
at school and on tv
and on estates they can’t leave
you’ll call for more money
to support your rich friends
and it’ll come from the people
who call for your end

London is burning

  1. ich weiss, damit lasse ich meine werten Besucher stets unterinformiert ;-) []

Gute Revolution – schlechte Revolution

author | 1. Mai 2011

The freedom seeking scream of people of Tunisia ended the tyranny and atrocity and put a smile on the face of the oppressed people of Tunisia,” dies waren die Worte, die iranische Parlamentarier für die tunesische Revolutionäre Anfang des Jahres fanden. Ähnliche Aussagen fanden sich bei Ahmadinedschad und bezüglich der ägyptischen Demonstranten. Und natürlich findet die iranische Regierung die Revolutionsversuche im kleinen Golfstaat Bahrain toll, versprechen sie sich doch größeren Einfluss über die Schiiten im Land. Zu Syriens Revolutionäre finden sich aus Iran keine solchen Worte! Und die eigenen Demonstranten hatte man keine zwei Jahre zuvor noch brutal niedergeschlagen.

Der Iran ist mitnichten der einzige Staat, der scheinheilig und bigott agiert. Die offiziellen Reaktionen der US-Regierung auf die Revolutionen im Iran einerseits und ihre Reaktionen im Falle Bahrains oder Ägyptens sind ebenfalls bigott und zeugen davon, dass sie ihre eigenen Interessen höher werten als die Rechte der Demonstranten. So trivial das klingt, so muss man sich das immer wieder vergegenwärtigen! Nicht zuletzt sind mit den USA, Groß-Britannien und Frankreich gleich drei große Militärmächte dabei, den libyschen Revolutionären die “Transition” zu “erleichtern” und man kann nur mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Verträge für die Erdölförderung bereits unterschrieben wurden1.

Libyen

Der Nato-Angriff auf Libyen ist ein Ergebnis gelebter Bigotterie. Gerechtfertigt wurde der anfänglich zur Etablierung einer No-Fly-Zone propagierte Angriff auf Libyen damit, dass Gaddhafi seine Menschen mit Flugzeugen angriffe und komplette Städte bombardierte, um den Aufstand niederzuschlagen2. Zwei Jahre zuvor hatte man nicht nur tatenlos zugeschaut, wie Israel Menschen im Gaza-Streifen gnadenlos bombardierte, man hat gar Druck auf Ägypten ausgeübt, damit diese eine Flucht besagter Menschen vor dem “gegossenen Blei” verhindert! Nach dem “Einsatz” hat sich die USA immer dann quergestellt, wenn es in der UN darum ging, diesen untersuchen zu lassen. Die Opferzahlen und die Frage, ob es bei den von Gaddhafis Schergen getöteten Menschen sich “wirklich, wirklich” um Zivilisten handelte, brauchen offensichtlich noch nicht einmal untersucht zu werden!

Aus dem selben Grund, weshalb Iran die Revolution im Bahrain unterstützt, würden dieselben Staaten diese Revolution nicht unterstützen. Die US-Regierung hatte gar im Falle Bahrains “Zurückhaltung” von beiden Seiten verlangt. Das würde jede der Regierungen ähnlich sehen, gegen die demonstriert wird: “Geht nach hause, dann schießen wir euch nicht mehr so sehr an.”

Dass Politiker und dementsprechend auch Regierungen bigott sind, das ist man nicht anders gewohnt. Schlimmer wiegt meines Erachtens die Bigotterie “einfacher” Menschen.

Syrien

Syriens Einheitsdiktatur, die zuletzt ohne große Einwände durch die automatisierte Vererbung des “Präsidenten”posten an seinen Sohn praktisch zu einer Monarchie wurde, wird darüber gerechtfertigt, dass der Präsident populär sein soll. Da er populär ist, darf er auch ungezügelt alles niederschlagen, was ihn nicht so sehr bewundert. Übrig bleiben natürlich die Verehrer! Auf Menschenrechtsverletzungen angesprochen, wird schnell abgewägelt. Außerdem seien die Demonstranten Wahhabiten und wollten einen Gottesstaat frei nach Saudi-Arabien errichten. Tolle Erklärung für einen mordenden Einsatz der Regierung!!

Bahrain

Bahrains Vorgehen gegen seine Demonstranten wird bei einigen gerechtfertigt durch die Gefahr, die Schiiten offensichtlich darstellen würden. Diese hätten wohl für die Ausweisung von Sunniten demonstriert! Das wäre sogar ein interessanter Hinweis, wenn er nicht so weit von der Realität wäre, denn mein Gesprächspartner lieferte irgendwann seine Quelle, aber dort stand lediglich, dass sich (schiitische) Demonstranten gegen eine von ihnen als rassistisch empfundene Einbürgerungspolitik demonstriert hatten. Sie mahnen an, dass der Staat absichtlich Sunniten ins Land holt, um die Mehrheitsverhältnisse zu ändern. Ich kann den Vorwurf nicht überprüfen, aber davon unabhängig ist es etwas komplett anderes, als die Behauptung, die Schiiten wollten alle Sunniten ausbürgern lassen. Also darf auch Bahrain zuschlagen, foltern und außergerichtlich hinrichten.

Marokko

Zuletzt habe ich eine Diskussion geführt, in der mein Gegenüber die marokkanische Ausprägung der Diktatur verteidigte: Der marokkanische König und selbsternannter größenwahnsinniger “Amir ul Mu’minin” sei nicht mit den Despoten in Syrien, Ägypten oder Tunesien zu vergleichen!

Schließlich sei der marokkanische König Mohammad der Sechste ein “Glücksfall” für Marokko und er würde eine authentische Autorität besitzen – im Gegenteil zu den anderen arabischen Herrschern! Der halbquasireligiöse Hype, den der absolutistische marokkanische König um sich baut wird damit kritiklos übernommen und die Begründung, die sein Vater vor ihm benutzt hatte, um seine Diktatur zu rechtfertigen nicht weiter hinterfragt: Er besäße qua seiner unüberprüfbaren Abstammung einen Sonderstatus! Tja, was soll man hierauf noch antworten? Glücklicherweise hat dieser König noch nicht hart durchgegriffen, aber ich schätze wenn die Demonstrationen bei ihm größer werden, wird er sich auch dieses Recht nehmen – und seine Huldiger werden es ihm rechtfertigen. Denn: er ist toll!

Andere

Ich suche noch jemanden, der Yemens Präsitator Saleh toll findet und sein Vorgehen gegen seine Demonstranten zu rechtfertigen versucht. Vielleicht fehlt es dem Saleh an dieser speziellen Art Charisma, die das Morden erlaubt? Saudi-Arabien erkauft sich die Huldigung regelmäßig. Außerdem haben sie ein paar “Gelehrte”, die bereits Demonstrationen als haram abgestempelt haben! Vielleicht ließen sich auch welche für Saleh finden? Im Falle der maroden Strukturen der zwei palästinensischen “Regierungen”, die sich geschickt über Wahltermine hinausretten, ist es schwer wirklich Aufstand zu üben, denn die meisten Palästinenser sind damit beschäftigt, ihre Häuser nach der letzten israelischen Selbstverteidigungsaktion wieder aufzubauen – und zwar kontinuierlich. Die verbliebenen Aufständischen, die gegen die Korruption demonstrieren werden mit irgendwelchen dahergelaufenen Polizisten verjagt. Zudem sind beide “Regierungen” über die Zweiteilung zufrieden, da sie eine Polarisierung und damit starke Sympathisanten hervorruft.

Disclaimer zum Schluss: Ich bin natürlich gegenüber allen möglichen Revolutionen sehr kritisch. Man weiß nirgends, wer sich gerade an die Macht bringen möchte. In Libyen scheint es offensichtlich, aber auch in Tunesien und Ägypten wird die Zukunft noch zeigen, wieviel hinter verschlossenen Türen geschah. Schließlich ist es unglaubwürdig, dass das Militär eines diktatorisch regierten Landes mit dem Diktator bricht, allein um den Menschen auf der Straße zu helfen. Vielmehr scheint es mir in beiden Fällen, dass Entscheidungsträger im Militär den Diktator nicht mehr haltbar fanden und sich noch schnell und opportunistisch ins richtige Licht rücken wollten. Dasselbe kann natürlich (nicht unbedingt vom Militär ausgehend) in allen anderen Staaten vorliegen. Nur: Dies rechtfertigt keinesfalls das Töten von Demonstranten, wie es in Syrien, Yemen, Saudi-Arabien, Bahrain, Tunesien, Ägypten, Libyen und anderen Staaten passiert. Selbst wenn jemand auf offener Straße und unmissverständlich für die Annexion des eigenen Landes durch ein feindliches Land aufruft – also Hochverrat verübt – sollte es nicht gerechtfertigt sein, ihn zu massakrieren. Daran müssen sich nicht nur bisherige, sondern auch zukünftige Regierungen messen lassen. Meinungsfreiheit bedeutet dann nicht nur die Erlaubnis zur Kritik an der alten Regierung, sondern vor allem zur Kritik an den aktuellen Verantwortungsträgern.

Disclaimer #2: Jegliche Staaten, die ich hier vergessen hatte, bitte ich zu entschuldigen. Die Liste sollte nicht vollständig sein.

Bilder von Bendib.com

  1. nennen sich auch Wiederaufbauhilfe[]
  2. die publizierten Opferzahlen darf man ruhig kritisch betrachten und inzwischen versucht man immer offener den Regierungswechsel voranzutreiben – vom UN-”Mandat” vollkommen unabhängig[]

“Ich bin nicht so schrecklich, wie ihr denkt!” ??

author | 1. November 2010

Ich hab was gegen Vorurteile und bin auch nicht der Ansicht, dass man sie durch zur Schau gestelltes Negieren bekämpfen kann. Zum Einen beweist bekanntlich die Ausnahme stets die Regel, sodass das Zurschaustellen per se kontraproduktiv ist. Zum Anderen führt solches Zurschaustellen regelmäßig zur irreführenden Unterscheidung zwischen “gutem” und “bösem” [beliebige Minderheit einfügen]. Das hilft im Endeffekt nicht weiter.

Vor einigen Tagen hatte der Radiomoderator Juan Williams (bei NPR, in den USA) im Fernsehen folgenden Satz von sich gelassen:

Look, Bill, I’m not a bigot. You know the kind of books I’ve written about the civil rights movement in this country. But when I get on the plane, I got to tell you, if I see people who are in Muslim garb and I think, you know, they are identifying themselves first and foremost as Muslims, I get worried. I get nervous.

Schau, Bill1, ich bin keine bigotte Person2. Du kennst ja die Art Bücher, die ich über die Bürgerrechtsbewegung in diesem Staat geschrieben hatte. Aber wenn ich auf ein Flugzeug steige, das muss ich schon sagen, wenn ich Menschen sehe, die sich muslimisch kleiden und ich denke, du weißt, sie identifizieren sich zu allererst und vor allem als Muslime, werde ich verunsichert. Ich werde nervös.

Der Radiosender NPR hat Juan Williams wohl auf Grund dieser Aussagen entlassen. Man darf aber davon ausgehen, dass dem Mann die Mittel nicht ausgehen werden, denn sein Vertrag bei Fox wird nun wohl unkündbar werden. Ich weiß nicht, ob ich genauso gehandelt hätte wie NPR. Über die veröffentlichten Gründe und möglichen Gründe für die Entlassung gibt es bei Wikipedia genügend zu lesen.

Als Muslim fragt man sich allerdings, wie man auf solche Äußerungen reagieren soll. Man kann sie ignorieren – soll er doch Angst haben! Nur: diese Angst von ihm und anderen führt offensichtlich zu Gesetzgebungen, die Einschränkungen der Rechte von Muslimen bedeuten. Man kann Sanktionen fordern, aber dann ist der Vorwurf des Mundtotmachens gleich um die Ecke.

Einige Muslime sind der Meinung, dass es einer PR-Kampagne bedürfe. Also gehen sie in unsinnige Talkshows, lassen sich von jedem interviewen, der mehr als zwei Zuschauer vor den Fernseher locken kann und nutzen ansonsten jede Gelegenheit, um in perfekter und netter Sprache Menschen davon zu überzeugen, dass sie nicht bedrohlich sind. Immerhin gelingt es ihnen nachweisbar besser als denjenigen Muslimen, die glauben mit massenhaften Demonstrationszügen und möglichst lauten, möglichst arabischen und möglichst religiös konnotierten Sprüchen irgendetwas zum Positiven zu bewegen! Aber ist das ein Zeugnis von Erfolg? Wohl kaum.

Eine Gruppe von Muslimen hat sich im aktuellen Fall dazu entschlossen, viele verschiedene Bilder von Muslimen in “muslimischer Kleidung” zu portraitieren. Das Projekt “Pictures of Muslims wearing things” scheint sehr viel von Jon Stewart’s “The Daily Show” beeinflusst zu sein3. Tatsächlich finden sich viele Bilder von der “Rally to restore Sanity” vom 31.10..

Die Aufmachung der Seite und vor allem der Bilder ist ganz lustig und dadurch unterhaltsam, etwa hier:

My Wife is a Muslim and Not a terrorist, but I’m scared of her anyway.

Wie gesagt, lustig. Aber man muss sich fragen, was diese eigenartige peep-show eigentlich bringt?!

  1. Bill O’Reilly ist Moderator einer Fox-Sendung, in der er selbst regelmäßig u.A. Haßtiraden gegen Muslime (aber der Fairness halber auch gegen alle, die ihm nicht zustimmen) loslässt[]
  2. an sich schon eine komische Aussage![]
  3. Cue the more you know rainbow[]

Johannes Gerloff und der absolute Frieden bei gleichzeitiger Unterdrückung

author | 14. September 2010

Auf israelnet hatte Johannes Gerloff einen höchst zynischen Artikel unter der Überschrift “Das Ende der Ruhe vor dem Sturm?” veröffentlicht. Anlass war die Ermordung vier israelischer Siedler im Westjordanland durch einen Palästinenser1. Darin drückt er in vielen Worten aus, dass nun mit den vier toten Israelis das “Schweigen” der Waffen gebrochen wäre. Mehr noch: Er gibt dem “Verhandlungswut der Politikergutmenschen” die Schuld für die Getöteten, denn – so scheint die Argumentation – ohne Verhandlungen gab es keine Toten und nun sei diese “Ruhe” gestört. Als Quintessenz des Artikels kann dieser Satz gelten:

Warum kommt kein Denker im Westen auf die Idee, auf den Nahen Osten anzuwenden, was in Europa gar nicht so schlecht funktioniert hat: An erster Stelle für das Wohl der Menschen zu sorgen und derweil politische Fragen auf Eis zu legen?!

Interessante Sicht! Nicht zuletzt hatte ja die Hamas einen langfristigen Waffenstillstand als Alternative zu den anhaltenden Friedensgesprächen vorgeschlagen. Würde Herr Gerloff dem also zustimmen? Nein, denn gleich einen Absatz später zeigt er, welche politischen Fragen er nicht unbeantwortet lassen möchte:

Ist das wirklich so schlecht, dass um Deutschland herum so manche Grenzfrage ungelöst blieb? Sollten wir Deutschen den Palästinensern nicht sagen können, dass auch der Aufbau eines demilitarisierten Staates eine vielversprechende Zukunftsperspektive hat? Und warum kann Herr Westerwelle nur den Serben die Anerkennung des Kosovo nahelegen? Warum nicht auch seinen arabischen und moslemischen Freunden die längst überfällige, grundsätzliche und bedingungslose Anerkennung eines Rechts auf Existenz für den jüdischen Staat Israel?

Genau! Die “bedingungslose Anerkennung” Israels als “jüdischen Staat” – also die Aberkennung der historischen Rechte der Urbevölkerung Palästinas gepaart mit der Anerkennung der streng nach Apartheid riechenden Gesetze Israels – ist offensichtlich nicht verhandelbar. Und die Palästinenser könnten doch so gut neben einem derart massiv militarisierten Israel ihren Platz als entmilitarisiertes Angriffsziel einnehmen!2

Aber der studierte (christliche) Theologe Johannes Gerloff geht noch einen Schritt weiter: Hauptsächlich geht es nämlich im Artikel um die Aberkennung jeglicher Menschlichkeit der Palästinenser. In keinem Satz erwähnt Herr Gerloff nämlich, dass in der von ihm so bezeichneten “Ruhe” (also innerhalb 2009 und bis zum 31.7.2010) 100 (!!) Palästinenser bereits von israelischem Militär und israelischen Zivilpersonen ermordet wurden! Diese Zahl verzeichnet die Menschenrechtsorganisation B’tselem in einer Statistik aller Toten seit dem letzten Großangriff Israels auf den Gazastreifen, bei dem bereits mehr als 1400 Menschen starben. Seit Anfang 2010 wurden zudem mehr als 800 Palästinenser allein im Westjordanland verletzt – die meisten bei friedlichen Demonstrationen im Westjordanland, woran sie durch israelisches Militär gehindert wurden, oder bei militärischen Angriffen, aber eben auch durch Angriffe israelischer Siedler (dies sind Zahlen der Vereinten Nationen)! In Ostjerusalem sind in der gleichen Zeit inzwischen mehr als 220 Gebäude zerstört worden, um die dortigen Palästinenser weiter zu vertreiben und Fakten zu schaffen, bevor die Verhandlungen das Thema “Jerusalem” auch nur annähernd erreichen. Das ist die “Ruhe”, die sich mit Händen greifen lässt!

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass diese Taktik der Hervorhebung israelischer Opfer (auch immer schön mit Namen und humaner Geschichte, ganz im Unterschied zu den namenlosen und nur als zwei-, drei- oder vierstellige Zahlen in Statistiken vergessenen Palästinensern) und der Missachtung jeglicher Opfer auf palästinensischer Seite nichts Neues ist. Selbst die relativ weltoffene israelische Haaretz-Zeitung betitelte: 4 Israelis killed in shooting attack shattering years of relative West Bank calm, was sehr zynisch ist, schaut man sich die Zahl der palästinensischen Opfer an!

Steve Feldman hat auf Palestine Note eine sehr prägnante Antwort geschrieben, die ich hier versuche zu übersetzen:

Laut der israelischen Zeitung Haaretz hat die kürzliche Tötung der vier Israelis Jahre der “relativen Ruhe” erschüttert. Relative Ruhe? Für wen? In den Wochen vor dem schrecklichen Ermordung hat das “Palestine News Network” über 14 palästinensische Zivilisten berichtet, die durch israelische Siedler und bei militärischen Angriffen seit dem 2. Mai getötet wurden. Nur zwei Wochen zuvor hat das Tikkun Magazin einen Artikel mit dem Titel “Israelische Siedlergewalt eine tägliche Realität” veröffentlicht, der die täglichen Emails wiederspiegelt, die ich von Friedensorganisationen bekam, welche Angriffe auf palästinensische Westbank-Familien beschreiben.

Die vertrackte Wahrnehmung davon, dass die Tötung von Israelis stets ein Brechen der Ruhe darstellt, ist Beleg einer Ungerechtigkeit und Gefühllosigkeit einiger Menschen gegenüber christlichen und muslimischen palästinensischen Familien. Das ist kein neues Phänomen; Ali Abunimah hat dies vor Jahren hervorgehoben. Voreingenommene Wahrnehmung ist Schuld an einem großen Teil des Problems im israelisch-palästinensischen Konflikt. Dieser Konflikt wird enden, und ich würde sogar vorhersagen bald, wenn wir anfangen, Juden, Christen und Muslime in Israel und Palästina gleichermaßen zu lieben. Wenn wir das nämlich tun, werden wir feststellen, dass wir für Sicherheit und Frieden für jedermann hinarbeiten müssen, nicht nur für die Menschen auf einer Seite des Konflikts.

Johannes Gerloff auf der anderen Seite scheint dieser Sinn für Gerechtigkeit abhanden gekommen zu sein. Wenn Palästinenser aufhören würden sich zu wehren, dann wäre in seinem Sinne für Frieden gesorgt, denn ihre Toten zählen nicht. Sie zählen nicht, wenn es um die Einschätzung der Situation geht und sie zählen noch lange nicht, wenn es um die Etablierung eines Friedens im Nahen Osten geht. In diesem Sinne sind auch in seinem gesamten Artikel von keinem einzigen palästinensischen Opfer der “Ruhe” und von keiner Rechtsverletzung eines Palästinensers zu lesen!

Ich habe Herrn Gerloff meine Kritik als Email geschrieben und ich möchte seine ausweichlerische Nichtantwort nicht vorenthalten (In Kursiv habe ich die Antwort kommentiert).

Zuerst einmal vielen Dank dafür, dass Sie Israelnetz so aufmerksam lesen. Das ehrt uns!

Sie haben bestimmt übersehen, dass sich mein Artikel auf das Westjordanland und die Fatah bezieht (Nein, habe ich nicht, aber 1. muss man sich fragen, warum die Gaza-Bewohner keine Rolle spielen und 2. habe ich ja dargestellt, dass die Palästinenser im Westjordanland weiterhin Angriffen ausgesetzt waren!) – nicht aber auf den Gazastreifen und die dort herrschende Hamas. Das ergäbe in der Tat eine völlig andere Perspektive. Aber wird die Lage in Gaza von Obama-Abu Mazen-Netanjahu & Co. nicht vollkommen ausgeblendet? Müsste sich nicht vor allem Abu Mazen zuerst um die innere Einheit, die Einheit mit dem Gazastreifen und die Legitimität seines Amtes kümmern, wenn ihm tatsächlich am Wohl seines Volkes liegen würde? (Ausweichstrategie: SIE waren es, der die Situation als Ruhe beschrieb. Die Palästinenser leben die tödliche Unruhe und Ungerechtigkeit jeden Tag und versuchen diese zu kommunizieren.)

Dass im Westjordanland ein Dauerkrieg zwischen Israel und dem Fatah-Regime einerseits und der Hamas und ihren Gesinnungsgenossen andererseits geführt wird, habe ich nie bezweifelt. Dass die Sicherheitskooperation zwischen Israelis und Fatah funktioniert, stellt niemand in Frage – dass sie Opfer fordert, ebenso wenig. (Interessante Rechtfertigung für die Morde!) Auch der Siedlungsstreit Siedlungsstreit?? Hört sich schon fast wie eine altrömische Senatsdebatte an. Das ist ein militarisierter Angriffskrieg, der da einseitig geführt wird und den Palästinensern nicht nur ihre Länder wegnimmt, sondern sie immer weiter in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt. Für Sicherheit wird dabei nur für die Siedler gesorgt.) wird mit unverminderter Härte von allen Beteiligten fortgeführt. Da haben Sie vollkommen Recht. Vielleicht haben Sie auch übersehen, dass ich vom „terrorärmsten“ und nicht vom „terrorlosen“ Jahr geschrieben habe.

Und natürlich gehört es auch nicht zum Schweigen der Waffen, dass täglich aus Gaza Raketen auf Südisrael fallen. Wie viele waren das noch einmal? Haben Sie die vielleicht vergessen zu erwähnen? Oder zählen Sie die nicht? (Nein, zähle ich aus Prinzip nicht, denn dann müsste ich auch die Raketen aus Israel auf den Gaza-Streifen zählen und da käme ich nicht mit! Haben Sie diese vielleicht gezählt?)

Ich finde übrigens gut, dass Sie nicht nur die palästinensischen Opfer anmahnen, sondern gleichzeitig auch die israelischen – obwohl das so ziemlich ausnahmslos Soldaten waren. Soldaten sind tatsächlich auch Menschen, Familienväter, Söhne und oft noch Kinder. (Ja, das sind sogenannte oder tatsächliche “Terroristen” auch! Behalten Sie das auch im Hinterkopf.) Sie haben auch Recht, Ihren Ekel darüber zum Ausdruck zu bringen, dass selektiv berichtet wird. Wir konzentrieren uns auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, rechnen einzelne Toten- und Demonstrationsverletztenzahlen auf, während sich das arabische Volk im Besonderen und die Moslems im Allgemeinen gegenseitig zu Tausenden, wenn nicht Zigtausenden im Irak, im Jemen, im Libanon und an vielen anderen Orten abschlachten. Haben Sie schon einmal einander gegenübergestellt, wie viele Juden und wie viele Moslems durch sunnitische Märtyreraktionen ums Leben gekommen sind? Wahrscheinlich unterliegen wir tatsächlich einer massiven Verführung, wenn wir uns lediglich auf den Konflikt zwischen der islamischen Welt und dem Westen konzentrieren, anstatt einmal die innerarabischen und innermoslemischen Probleme und deren Ursachen zu betrachten. Ekel! (Den wahren Ekel verspüre ich eher, wenn ich Ihre Art mitbekomme, mit Argumenten zu spielen. Sie sind offensichtlich weder an Gerechtigkeit noch an einen damit verbundenen Frieden interessiert. Ich hoffe für uns beide, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft sowohl in Deutschland, als auch in Israel nicht auf Extremisten wie Sie hören, denn mit Ihrem zynischen Umgang mit Menschen und deren Leben ist keiner gut beraten.)

Grüße, Johannes Gerloff

Jerusalem, Israel

Eine interessante Sache möchte ich anmerken: In Ermangelung vorzeigbarer Zahlen, was die Opfer palästinensischer Angriffe angeht, geht man – ja, auch Herr Gerloff – immer wieder dazu über nach der Anzahl der “Raketen” zu fragen. Es gibt keine mir bekannte Zahl israelischer Geschosse – irgendeiner Größe – auf Palästinenser. Das hat aber auch einen Grund: Die Opferzahlen sprechen bereits Bände! Und sein letzter Absatz? Was muss man dazu noch sagen? Wie gesagt: Ausweichstrategie!

Übrigens: Mondoweiss hat eine grobe Liste von Angriffen auf Palästinenser im Westjordanland durch israelische Siedler veröffentlicht, die auf die Schnelle die Tragweite deutlich macht.

  1. offebar durch die Hamas gestützt[]
  2. Grundsätzlich gilt: Palästinenser dürfen – innerhalb des Weltbilds vieler Israel-Liebhaber – keine Sicherheit verlangen![]

Frohe Botschaft: Morgen ist Eid-al-Ramadan?!

author | 8. September 2010

Tja, wieder stellt sich die Frage nach der Neujahrssichtung und ich wähle wieder als therapeutisches Mittel das Schreiben, um für mich zu einem Ergebnis zu kommen. Die Frage ist:

Ist das Fastenbrechenfest, das Eid-al-Fitr, Bayram oder Neudeutsch Zuckerfest schon morgen oder erst übermorgen?

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Ich würde mich am liebsten nach der Mehrheit in Deutschland richten und die wird nunmal durch die im Koordinationsrat der Muslime vertretenen Verbände gestellt, die allesamt morgen, Donnerstag, zum ersten Festtag deklariert haben. Das Problem ist nur: Ich bin wissenschaftlich eher von den Erklärung von mondsichtung.de oder moonsighting.com überzeugt, die nämlich erklären, dass die Mondsichel (in etwa sechs Stunden) lediglich in Südamerika (Südargentinien und Chile) zu sehen sein wird und diese Orte nicht nur im Normalfall die Sichtung nicht melden, sondern vor allem auch einfach etwa von Europa viel zu weit weg sind und nur durch die willkürliche Festlegung der Datumsgrenze zufällig nicht zu unserem ‘nächsten’ Tag gehören. Das ist eigentlich ein recht schlagendes Argument. (Die Argumentation des European Council for Fatwa and Research überzeugt ganz und gar nicht!)

Nur – und das nennen die Mondsichtungsseiten selbst auch – in 1978 sollen sich die im OIC vertretenen muslimischen Länder anscheinend darauf geeinigt haben, diese Art der Berechnung der Sichtungsmöglichkeit zuzulassen. Also man müsste annehmen, dass es bereits weitestgehend einen Konsens gibt, der darauf abzielt, den Donnerstag als ersten Tag des Festes zu wählen.

Nix da! Wie es scheint werden Muslime in den meisten Ländern morgen weiterfasten und erst am Freitag das Fest begehen. Auf moonsighting.com gibt es eine lange Liste, bei der man schon sehen kann, dass lediglich das European Council for Fatwa and Research und zwei Regionen Leeds in Großbritannien und Dearborn in den USA, sowie teilweise einige schiitische Gelehrte das Fest auf den Donnerstag legen, während alle anderen Staaten den woanders sehen – im Übrigen auch europäische Staaten wie Irland, Frankreich, die Niederlande, Luxemberg und Schweden.

Was macht man also jetzt? Gehe ich nach dem, was mich wissenschaftlich überzeugt und was zufällig auch noch die weltweite Mehrheit der Muslime tun wird oder gehe ich nach dem, was die Mehrheit der deutschen Muslime tun wird – also meine direkte Nachbarschaft? Erschwerend kommt noch hinzu, dass mein Vater ziemlich schnell angekündigt hat, dass er morgen fasten wird, meine Mutter wahrscheinlich ebenso!

Ich habe eine Lösung: Morgen bin ich nicht da. Ich bin nicht hier. Ich bin auch nicht da. Morgen werde ich per Cut für eine kurze Weile verschwinden und dann erst am nächsten Tag auftauchen, als sei nichts gewesen. Ich könnte ja den angeblich letzten Ramadantag und angeblich ersten Festtag auch einfach verreisen und somit auf jeden Fall mein Fasten brechen. Ich könnte aber auch nicht fasten, aber den ganzen Tag nichts essen und nichts trinken?!!?

… ich bin frustriert.

Willkommen in der Servicelandschaft Deutschland

author | 19. Juli 2010

Dass ein transatlantischer Flug ganze 45 Minuten zu früh ankam, missfiel den Fluglotsen des Frankfurter Flughafens sichtlich, denn sie liessen uns eine halbe Stunde warten, bevor sie uns einen Parkplatz zubilligten. Die gefühlte durchschnittliche Verspätung wäre ansonsten zu sehr nach unten gezogen worden. Der Pilot – der im Übrigen einen tollen und ruhigen Flug geflogen war sowie eine nachahmenswerte Landung hingelegt hatte – hat uns gleich zu Beginn des Landeanflugs mitgeteilt, dass wir noch nicht erwartet werden. Vor dem Flughafengebäude wartend musste er uns mehrmals vertrösten, bis er uns 20 Minuten später erfreut mitteilte, dass am Gate direkt vor uns sich einige Fahrzeuge zu bewegen anfingen, um den Zugang zu räumen und wohl unsere Ankunft vorzubereiten. Gute Nachrichten, die etwa weitere 10 Minuten auf ihre Auflösung warten ließen.

Ich denke, keiner hatte es eilig, aber nach einem so langen Flug, wäre es doch schön, wenn der Flughafen schon frühzeitig unsere Ankunft vorbereiten könnte. Schließlich ist es ja nicht wie mit verfrühten Gästen, die unvermittelt anklopfen. So ein Flugzeug kündigt sich spätestens zum Landeanflug 45 Minuten vorher an. Da lässt sich doch das ein oder andere machen, oder?

Aber auch ansonsten: An den Flughäfen der USA war überall kostenloses Internet via wifi zugänglich, während man in Frankfurt gerade einmal das wifi-netz von tmobile bekommt, das allerdings kostenpflichtig ist! Wenigstens gibt es inzwischen gemütliche Sitzecken mit einigen wenigen Stromanschlußmöglichkeiten. In Philadelphia etwa gab es nicht nur das kostenlose Internet, sondern auch verschiedenartige Sitzecken überall im Flughafen, mal liegend, mal sitzend, mal mit Tisch, mal innerhalb eines Kinderspielplatzes – und überall Stromanschlüsse! So kanns doch auch gehen.

Andererseits muss ich schon sagen, dass die Toiletten im Frankfurter Flughafen weit sauberer sind als in den US-Flughäfen, die ich besucht habe.

IHH-Verbot durch Thomas de Maizière

author | 12. Juli 2010

Erst las ich den Telepolis-Artikel, und dann über einen facebook-Eintrag die Pressemitteilung des BMI. Und tatsächlich: Es war ernst gemeint: Der Innenminister Thomas de Maizière straft eine Organisation ab, da sie Menschen in Gaza hilft1. Selbst in der Pressemitteilung betitelt das BMI die Organisation in bester “BILD”-Manier als “Hamas‑Spendenverein”, was einem schon zu denken geben sollte.

Die IHH (international oder deutschland) ist eine Menschenrechts- und Hilfsorganisation, die weltweit aktiv ist, so wie andere Hilfsorganisationen auch. So kann anhand des google-caches der inzwischen nicht mehr auffindbaren IHH-Seite schnell gesehen werden, dass etwa Bosnien, Äthiopien, Ghana, Kamerun, Uganda, Marokko, Südosttürkei, Bangladesch und weiteren Ländern und Gebieten in den Arbeitsbereich der IHH fallen.

Das interessiert den Innenminister kaum, denn wer Schulen, Krankenhäuser oder andere rein humanitäre Einrichtungen im von der Hamas regierten Gaza-Streifens unterhält, unterstützt oder nach einem israelischen Angriff wiederaufbaut, der entlastet das Gesamtbudget der Hamas. Eine komische Erklärung, denn so müsste die von der UN getragenen UNWRA sowie viele weitere Hilfsorganisationen, die durch soziale Projekte im Gaza-Streifen – solange sie von Israel überhaupt erlaubt werden – letztlich auch das Budget für “vermeintlich” soziale Belange2 der Hamas entlasten.

In unserem vermeintlich freiheitlich-demokratischen Staat hat das Amt für Staatsschutz Innenministerium auch gleich die Räume der verbotenen Hilfsorganisation gestürmt und durchwühlt. Rechtstaatlichkeit erlaubt den Betreibern dagegen zu klagen, aber die Aussichten auf Erfolg sind bei einer solchen Einstellung zu Gerechtigkeit (auf den Gaza-Streifen bezogen) minimal.

Weitere Kommentare:

  • Engin Karahan hat die Pressemitteilung des Vorsitzenden der IHH Deutschland Mustafa Yoldas veröffentlicht

    „Mit der Begründung des Bundesinnenministers müsste wohl auch die UNO oder das Rote Kreuz mit einem Verbot belegt werden. Denn was hier abgestraft wird, ist die Hilfe für die notleidende Bevölkerung im Gaza-Streifen“, sagte Yoldas und führte weiter aus, „dass sich der deutsche Staat zum willfährigen Vollstrecker der israelischen Politik, die mit ihrem Terror gegen die palästinensische Bevölkerung diese an den Rand der Existenz gedrängt hat, macht“.

  • Alien in Europe kommentiert ebenfalls:

    Der Bezug zum Al-Aqsa e.V., den der Innenminister dankenswerter Weise selbst herstellt, zeigt das Ausmaß des Skandals. Seit Jahren bemühen sich deutsche Behörden, muslimische Organisationen und Charities zu behindern und zu verbieten. Wenn man nichts anderes findet, versucht man es mit Steuerrecht, angeblichen Vorwürfen, oder hier mit Spenden an Einrichtungen der Hamas. Einrichtungen? Ja, Schulen, Krankenhäuser, Waisenheime….

  • Hilfe wird kriminalisiert – De Maizieres makabere Politik
  1. man sollte anmerken, dass die IHH in Deutschland zwar vernetzt, aber doch eine andere Organisation ist als die IHH in der Türkei[]
  2. auch ein komischer Wortgebrauch: Die Hamas betreibt natürlich auch “vermeintlich” Krankenhäuser, die nur “vermeintlich” Menschen behandeln oder “vermeintlich” Wunden heilen. Das Innenministerium stellt schon komische Dinge in Frage..[]

Noch ein Grund, den Goldstone-Bericht zu lesen

author | 7. Juli 2010

Die Zeitung “The Independent” enthält einen Bericht von Catrina Stewart und David Usborne, in der es heißt, dass 42% der von Israel besetzten palästinensischen Westbank inzwischen von Siedlerstädten, -dörfern sowie deren Infrastruktur genutzt wird.

Jewish settlers, who claim a divine right to the whole of Israel, now control more than 42 per cent of the occupied West Bank, representing a powerful obstacle to the creation of a Palestinian state, a new report has revealed.

The jurisdiction of some 200 settlements, illegal under international law, cover much more of the occupied Palestinian territory than previously thought. And a large section of the land has been seized from private Palestinian landowners in defiance even of an Israeli supreme court ruling, the report said, a finding which sits uncomfortably with Israeli claims that it builds only on state land.

Der Goldstone-Bericht, den leider viel zu wenige Politiker gelesen haben und scheinbar noch weniger Medienschaffende, hatte dieses Fakt bereits vor einem Jahr bestätigt:

Paragraph 198: “According to United Nations sources, almost 40 per cent of the West Bank is now taken up by Israeli infrastructure associated with the settlements, including roads, barriers, buffer zones and military bases.”

Zurecht fragt Philip Weiss: Yes, and how much of the water? Denn, was die Wassernutzung angeht, so werden die Siedlungen und Israel selbst weitestgehend bevorzugt. Eine quantitative Studie ist mir leider aber noch nicht bekannt..

HARDtalk with Kenneth O’Keefe

author | 27. Juni 2010

Ein sehr interessantes Interview mit Kenneth O’Keefe, der Passagier der Mavi Marmara und ein früherer US-Marine war.

Terror ist nicht gleich Terror!

author | 26. Juni 2010

Wie romantisch: Die New York Times interviewt Tzipi Livni und fragt sie unter Anderem nach ihren Eltern:

Your parents were among the country’s founders.

They were the first couple to marry in Israel, the very first. Both of them were in the Irgun. They were freedom fighters, and they met while boarding a British train. When the British Mandate was here, they robbed a train to get the money in order to buy weapons.

It was a more romantic era…

Wie wahr! Es war noch eine romantische Ära, als Israels Terroristen in Milizen organisiert waren und zwar keinen funktionierenden Staatsapparat aufweisen konnten, dafür aber umso ungefragter morden konnten. Damals war etwa der Vater von Tzipi Livni – Eitan Livni – ein General der terroristischen Organisation Irgun1, die nicht nur britische Zivilisten im berühmten Anschlag auf das King David Hotel töteten, sondern vor allem Palästinenser, etwa mehr als Hundert in Deir Yassin. Sie trugen als “Freiheitskämpfer” dazu bei, dass die “freiwillige Migration” der Palästinenser aus ihren Häusern beschleunigt wurde, damit der Mythos vom Land ohne Volk und dem dazu gehörenden Volk ohne Land Wahrheit werden kann. Ja. Sehr romantisch.

Was kommt als nächstes? Bin Ladens Enkel, der über die “romantischen Zeiten” erzählt, als sein Vater dazu beitrug, dass zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen werden? Wird der Interviewer dann auch ins Schwärmen kommen, statt kritische Fragen zu stellen?

HT: Mondoweiss

  1. National Military Organization in the Land of Israel[]

Terroranschlag in Athen tötet griechischen Minister – was, wenn es ein Muslim wäre?

author | 25. Juni 2010

Zurecht fragt loonwatch in der Serie “What if they were muslim?“, wie die Reaktionen ausfielen, wenn der heutige Anschlag auf das Zivilschutzministerium eindeutig Muslimen zugeordnet werden könnte.. Wahrscheinlich würde die Tagesschau-Seite die Nachricht nicht erst an sechster Stelle bringen…

und im Artikel hätten sie zumindest einmal eine Abwandlung des Begriffs “Terror” nicht in Anführungsstriche gesetzt:

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou verurteilte die Tat als “terroristischen Anschlag”. “Während unser Land und unser Volk täglich kämpft, um die Krise zu meistern, wollen feige Mörder unsere Demokratie und die griechische Gesellschaft verletzen”, erklärte er am Abend. Die “Terroristen” würden ihr Ziel nicht erreichen. “Sie werden die Antwort bekommen, die sie verdienen – nicht nur vom Staat, sondern auch von der Gesellschaft”, hieß es in der Erklärung Papandreous weiter.

Wie sagt man so schön: Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber (fast) alle Terroristen sind Muslime. Das ist vor allem deshalb der Fall, da per Definition aufsehen erregender Terrorismus nur von Muslimen begangen werden kann! Hier aber scheint offenbar nur der griechische Regierungschef der Meinung zu sein, dass es “Terror” war, der dort verübt wurde. Für die Tagesschau ist das noch fraglich..

Unser Bundeshorst und das Bundeswehrmandat am Hindukusch

author | 27. Mai 2010

Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. Wir brauchen den Diskurs weiter, wie wir sozusagen in Afghanistan das hinkriegen, dass auf der einen Seite riesige Aufgaben da sind des zivilen Aufbaus, gleichzeitig das Militär aber nicht alles selber machen kann, wie wir das vereinbaren mit der Erwartung der Bevölkerung auf einen raschen Abzug der Truppen. Und aus meiner Einschätzung ist es wirklich so: Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung. Ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.

Inzwischen wird nach dem Bundespräsidenten Horst Köhler nicht nur die abstrakte Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt, sondern auch ganz konkrete Handelswege, Arbeitsplätze und Einkommen (sprich: Reichtum). Ich bin hier nicht der einzige, der sich fragt, wo da der Unterschied zu einer Rechtfertigung von Angriffskriegen zu finden ist.

Im Prinzip sagt Köhler damit nichts neues. All die Frauenrechte, Menschenrechte und der Terrorismus, das wir uns als Begründung für den Afghanistaneinsatz anhören müssen sind letztlich nur vorgeschobene Gründe, um die wahren Gründe nicht nennen zu müssen. Das Brisante ergibt sich eher aus der Offenheit, die Köhler an den Tag legt, denn bislang war man der offiziellen Auffassung, dass ein Angriffskrieg (auch wenn zur Wahrung deutscher “Interessen”) der deutschen Verfassung wiederspricht. Dementsprechend macht es Sinn, dass gegen den Bundeskanzler Strafanzeige erstattet wird! Viel wird es aber wohl nicht bringen…

Back to normal führt Ruprecht Polenz die Diskussion, in dem er den Bundeskanzler sprichwörtlich zum Horst macht und ihm Unfähigkeit zur Kommunikation vorwirft. Aber für einen Politiker ist der Vorwurf der Unfähigkeit wohl immer noch leichter zu verkraften als zuzugeben, dass er wissentlich einen Fehler macht. Im heutigen DLF-Interview entschuldigt er die Aussagen Köhlers folgendermaßen:

Polenz: Ich glaube, der Bundespräsident hat sich hier etwas missverständlich ausgedrückt. Er wollte keine neue Militärdoktrin für Deutschland verkünden, sondern nur deutlich machen, dass Deutschland mit seinem Einsatz in Afghanistan einen Beitrag zur internationalen Sicherheit und Stabilität leistet, und der Hinweis darauf, dass natürlich von der Stabilität Afghanistans auch die Stabilität in der Region – denken Sie daran, dass Länder wie Pakistan an Afghanistan angrenzen -, dass das davon abhängt und dass wir eben ein Interesse daran haben müssen, dass solche Instabilitäten möglichst nicht entstehen, und dass wir davon natürlich auch in einer globalisierten Welt betroffen wären, auch wenn das scheinbar weit entfernt ist.

Armbrüster: Sie sagen jetzt, er habe sich etwas unmissverständlich ausgedrückt.

Polenz: Missverständlich ausgedrückt!

Armbrüster: Missverständlich ausgedrückt. Dafür spricht er aber sehr ausführlich über dieses Thema. Was meint er denn zum Beispiel, wenn er im Zusammenhang mit Afghanistan davon spricht, dass wir freie Handelswege wahren müssen?

Polenz: Nein! Ich würde den Zusammenhang mit Afghanistan hier nicht herstellen. Aber natürlich haben wir ein Interesse an freien Handelswegen, wie die Welt insgesamt. Sie sehen das ja beispielsweise am internationalen Einsatz gegen Piraterie am Horn von Afrika. Allerdings ist hier selbstverständlich die Voraussetzung ein klares, völkerrechtliches Mandat und ein multilaterales Vorgehen. Das ist für Deutschland die Voraussetzung.

Und das ist noch nicht mal alles. Ruprecht Polenz spielt auch noch den vollkommen Schockierten in Angesichts der Vorstellung, Deutschland (oder die Alliierten) würden sich wirtschaftliche Vorteile aus der Besatzung Afghanistans erhoffen:

Armbrüster: Das heißt, diese Interessen (deutsche Handels- und Rohstoffinteressen) würden Sie für Deutschland bei diesem Einsatz in Afghanistan ausschließen?

Polenz: Die sehe ich dort überhaupt nicht. Die haben nie eine Rolle in den Diskussionen des Deutschen Bundestages gespielt. Ich hatte jetzt zwar – das will ich gerne kurz berichten – ein Gespräch mit dem afghanischen Bergbauminister, der in Deutschland war und der geschildert hat, dass Afghanistan auch ein rohstoffreiches Land ist, und er wollte damit erklären, dass Afghanistan doch eine gute Zukunftsperspektive habe. Für mich waren Teile dieser Informationen durchaus neu und ich bin auch erst mal etwas erschrocken, weil ich ja weiß, wozu der Rohstoffreichtum in manchen Ländern in Subsahara Afrika führt, wenn Sie etwa an den Kongo denken, der ja eher unter seinem Rohstoffreichtum leidet, weil Banden ihn ausbeuten, weil die Nachbarn neidisch darauf sind und teilweise intervenieren. Also ich sehe eher dadurch eine Komplikation in Afghanistan. Aber Deutschland verfolgt diese Interessen nicht als Grund für den Bundeswehreinsatz.

Ja genau, da hat man ja noch einen Grund, militärisch einzugreifen: Wir müssen die Afghanen ihrer Rohstoffe entledigen, damit sie nicht mehr deswegen angegriffen werden – oder schlimmer noch: sich untereinander deswegen bekriegen. Ruprecht Polenz ist der Mitfühler des Jahres!

US modifies Pledge of Allegiance to include Jack Bauer

author | 26. Mai 2010

In the wake of the end of the two-hour season- and series-finale of the hit-series “24″, the US pledge of allegiance has been modified in a swift move through a bipartisan move and across the two houses to include an allegiance to Jack Bauer, the hands-on counter-terrorist protagonist. The new pledge of allegiance which will henceforth be sworn across the country reads as follows:

I pledge allegiance to the Flag of the United States of America, to the Republic for which it stands and to aworld protector Jack Bauer, judge, jury and prosecutor.

The first draft of a pledge of allegiance including Jack Bauer still included the previous phrase “one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all” but was quickly deemed too long. Within the hour the draft was corrected.

Asked for his motivation to vote for the bill, one republican senator had this to say: “Duh! Jack Bauer is cool, man.” A more detailed answer was to be had from his colleague across the aisle:

Listen, Jack Bauer not only saved the world like a million times over by saving the US, he also brought down his own agency and defied on numerous accounts other government agencies that had been compromised by terrorists. He also brought down at least three corrupt presidencies with his righteousness and stopped two fraudulent vice-presidential takeovers as well as give some dozen foreign countries and terrorist organisations a run for their money.

He added: “.. also, he is really uber-cool.”

The (current) president of the United States of America didn’t comment on the new pledge. In fact, he didn’t answer his phone since the hit-series ended, which has been excused to the bitterness, that the series-finale had brought with it. Knowing that from now on, and after the head of the counter-terrorist unit and friend of Jack Bauer Chloe O’Brian had ordered the drone looking at Bauer to be shut down, nobody will really know where Jack Bauer is and what his days look like, has devastated the country and even brought some communities to complete standstill.

But skeptics have argued that the president is actually afraid to leave his bunker because he is nervous about what Bauer would do to him if he knew about his sins. One commentator who wished to stay anonymous argued, that this new climate would frighten any US president to start a war unjustly or for that matter make peace unjustly..

Eine Bibel in der einen und ein Gewehr in der anderen Hand

author | 17. Mai 2010

Der (englischsprachige) russische Fernsehsender RussiaToday hat eine Diskussion zwischen Norman Finkelstein und einem frühen Berater von Ariel Sharon und heutigen PR-Menschen (Ranaan Gissin) ausgestrahlt, das sich anzuschauen lohnt. Anbei die drei Videos (leider mit einigem an Werbung), aber vorweg das wichtige Zitat:

Ranaan Gissin: When my great parents, came from Russia in a hundred and fifty years ago they came because there was a Bible in one hand, my grandfather came with a Bible in one hand and a rifle in another, and his hand was extended to the Arabs who lived here, some did make business with him and others who fought him had to meet the wrath of his rifle, and that’s how you live in the Middle East.

Als meine Großeltern vor 150 Jahre aus Russland kamen, kamen sie weil in eine Bibel in der einen Hand war, mein Großvater kam mit einer Bibel in der einen und einem Gewehr in der anderen Hand und seine Hand1 war für die Araber, die dort lebten, ausgestreckt. Einige haben mit ihm Handel getrieben und andere, die ihn bekämpften, mussten die Rache seines Gewehrs spüren und das ist die Art, wie man im Nahen Osten lebt.

Sein Großvater hat also den Einheimischen angeboten, ihm ihr Land ohne Kampf zu überlassen. Als sie ihn bekämpften, mussten sie die Rache seiner Waffe spüren! Wie nett von ihm. Später bleibt die Frage von Norman FInkelstein unbeantwortet:

Norman Finkelstein: Yes, I wonder Mr. Gissin if I came with a Bible in one hand and came to your home, I knocked on your door and said “according to my Bible, my family lived where your home is, my family lived there two thousand years ago,” would you pack up your bags and leave?

Ich frage mich, Herr Gissin, wenn ich mit einer Bibel in der einen Hand zu ihrem Haus käme und an die Tür klopfend ihnen sagte, “laut meiner Bibel lebte meine Familie vor zwei Tausend Jahren, wo ihr Haus ist”, würden sie ihre Sachen packen und ausziehen?

Mehr Transkription gibt es bei loonwatch.

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  1. welche eigentlich noch?[]

Warum “Labelmuslime” immer unglaubwürdig bleiben werden..

author | 12. Mai 2010

In ihrem neusten “islamischen Wort” titelt Hilal Sezgin “Liberal im Islam” und greift vornehmlich eine eher lange Debatte von vor ein paar Wochen in Facebook auf. Darin ging es u.A. um den von Lamya Kaddor versprochenen Verein “Liberaler Muslime”, der von einigen Muslimen – in der Diskussion – als vermarktungsstrategie bei gleichzeitiger politischer Disqualifizierung anderer Vereine kritisiert wurde. Ich habe einige Probleme mit dem Text von Hilal Sezgin, die ich gerne ob der fehlenden Zeit nur in Kürze darstellen möchte1.

Was ist Islam?

Ein zentraler Absatz des Artikels ist dieser hier:

Liberal, oder modern, oder reformerisch ist die Art des Islams, der ich anhänge, indem ich nicht glaube, dass es einen exakten Weg für alle gibt, der allein den richtigen Islam darstellt. Ich persönlich hänge nicht der Orthodoxie an, oder, korrekter: der Orthopraxie. Selbstverständlich denke ich, dass es ein Minimum an Grundüberzeugungen gibt, die den Islam ausmachen – so die beiden Inhalte der Schahada, auch die fünf Säulen. Aber schon bei der konkreten Umsetzung der fünf Säulen wird es kompliziert. Es gibt viele Muslime, die sich nicht exakt an die Tradition der fünf Säulen halten. Ich selbst gehöre dazu. Sind wir deswegen schlechte Muslime? Schlechtere? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Eines möchte ich vorweg klären: Frau Sezgin macht einem die Diskussion über den Artikel dadurch schwer, dass sie sich zumindest teilweise persönlich darin beschreibt. Das versuche ich im Folgenden soweit wie möglich zu ignorieren, da ihre persönliche Glaubenspraxis nicht nur irrelevant, sondern für mich auch gar nicht zur Bewertung steht. Vielmehr geht es mir um die generalisierbaren Aspekte des Artikels.

Zunächst einmal: Das Wort “exakt” im “exakten Weg für alle” ist natürlich relativ! Das ist deshalb wichtig, da Frau Sezgin recht willkürlich die ‘fünf Säulen’ als Grundlage für den Islam benennt. Willkürlich ist dies, da sie nicht sagt, wie sie darauf kommt, dass die fünf Säulen Grundlagen des Islams seien. Jemand, der die fünf Säulen nicht als Grundlage sehen möchte, kann ja für sich sagen, es gäbe keinen “exakten Weg” und sein Weg beinhalte eben nicht diese Säulen. Wie kommt Frau Sezgin darauf, diesen Menschen aus dem Islam auszuschließen? Sie macht doch denselben Fehler, den Muslime machen, die etwa all diejenigen, die Alkohol trinken als Nichtmuslime ansehen.

In ihrer Relativierung der fünf Säulen steckt eine weitere Unlogik: die fünf Säulen seien “Grundüberzeugungen”. Dabei ist nur die erste Säule etwas, woran man glauben oder wovon man überzeugt sein kann. Zur Erklärung: Die fünf Säulen umfassen gemeinhin das Glaubensbekenntnis2, das Gebet3, die Zakat4, das Fasten des Monats Ramadan und die Pilgerfahrt. Bis auf die erste Säule handelt es sich also um rein praktische “Säulen”, also um Aufforderungen zum praktischen Handeln! Wie ist der von ihr gewählte Begriff “Grundüberzeugung” in diesem Zusammenhang zu verstehen?

Die Differenzierung zwischen der “Überzeugung” von einer Säule und ihrer praktischen Durchführung wird dann im Artikel von Frau Sezgin über die alltägliche Praxis “viele[r] Muslime” gerechtfertigt. Natürlich gibt es viele Muslime, die in ihrem Alltag nur wenig dieser Säulen tatsächlich anwenden, aber warum sollte sich dann die Definition des Islams dadurch ändern? Wenn sich jemand als Muslim bezeichnet und sagt, er glaube an die Existenz mehrerer Götter, ändert das am Monotheimus des Islams ja nichts, sondern stellt diesen Menschen zunächst vor das Problem der Konsolidierung seines Mehrgottglaubens mit den Quellen des Islams! Genauso muss es natürlich auch für die Handlungen der einzelnen Menschen gelten.

Was ist liberal?

Leider eröffnet die schwache Definition in diesem Hilal’schen Absatz weitere Ungereimtheiten. Die Grundfrage “was ist Islam” wird nicht beantwortet und anstelle dessen tritt ein persönliches (und zudem willkürliches und irrationales) Empfinden an die Stelle der Antwort. Dies findet sich in den nächsten Absätzen wieder:

Bei allem aber, was über die fünf Säulen hinausgeht, glaube ich nicht, dass Verhaltensvorschriften den Kern des Islams ausmachen.

Ich stimme dieser Aussage eigentlich zu. Der Kern des Islams ist tatsächlich durch die fünf Säulen beschrieben, wofür sich auch genügend Belege finden5. Belege dafür, dass natürlich auch vielmehr zum Islam gehört, was nicht unbedingt Kernbestandteil ist, finden sich allerdings ebenfalls. Frau Sezgin liefert hier keine Belege und der Leser ist genötigt, sich die Frage zu stellen “Warum eigentlich?”, was er im Laufe des Artikels oftmals tun muss.

Nun wäre das nicht so schlimm, solange sie ihren persönlichen Glauben – aus mir unergründlichem Antrieb – lediglich in die Öffentlichkeit tragen möchte. Sie fordert aber im “islamischen Wort”, dass “liberale Muslime” ernst genommen werden – und zwar explizit von anderen (etwa die von ihr genannten “traditionellen”?) Muslimen.

Ich fordere, dass sie nicht die Nase rümpfen angesichts des Islams, wie ich ihn sehe, und dass sie ihn nicht weniger ernst nehmen als den ihren. Wir sind unterschiedlicher Auffassung, und wir können darüber diskutieren.

Wie soll man ernsthaft diskutieren, wenn einer Rationalität in der Diskussion aus dem Weg gegangen wird, indem auf die Erfragung von Quellennachweisen keine handfesten Argumente geliefert werden können? Sich selbst als “liberal” bezeichnende Muslime (in der besagten Facebook-Diskussion) zeichneten sich leider bislang darin aus, dass sie rationalen Antworten gerne aus dem Weg zu gehen suchten. Insofern ist die Beschreibung, die Hilal Sezgin selbst gibt, nicht von ungefähr:

Die liberale Glaubensauffassung aber, um die es mir hier geht, besagt etwas anderes, nämlich: Manche Dinge sind nicht so wichtig, wie es – jetzt nehme ich das Wort doch in den Mund – traditionellere Muslime oft sehen. Fragen der privaten Lebensführung, der Familienform, der Sexualität gehören für mich einfach nicht zum spirituellen oder ethischen Kern einer modernen Religion.

Nun kann ich verstehen, wenn die teilweise penetrante und penible Fragerei nach Pflichten und Verboten einem auf die Nerven gehen kann und man sie für sich ablehnt. Aber man muss sich fragen, wer eigentlich (auch innerhalb der “Gruppe” der “liberalen Muslime”) den Rahmen für “wichtige” und “unwichtige” Fragen setzen sollte. Dass die Frage nach der privaten Lebensführung eines Räubers durchaus legitim ist (also die Feststellung, dass stehlen “haram” ist), wird wohl keiner abstreiten, obwohl dieser Sachverhalt in den fünf Säulen nicht explizit Erwähnung findet6. Aber wie sieht es mit der Frage nach der Familienform und Sexualität eines Familienvaters, der sich mit seinen Töchtern verheiraten lässt? Glauben “liberale”, dass der Islam dazu nichts sagt – ja, nichts sagen darf? Wie sieht es mit der Diskussion um Zinsen und Wirtschaften aus? Darf sich eine Religion anmaßen, dort Richtlinien zu haben? Ist es total undenkbar, dass Gott ein Maß an Gerechtigkeit anwendet, das wir mit unserem Verstand nicht unbedingt einzusehen imstande sein müssen?

Das grundsätzliche Problem ist doch, dass “liberale Muslime” letztlich ausschließlich ihrem eigenen Verstand folgen wollen und glauben, dass dadurch alles besser wird. Dass eine Frage “unwichtig” sei bedeutet oftmals, dass sie durch die jeweilige Person (nicht selten im Eigennutz) selbst beantwortet wird. Aber ist es nicht eher Gutdünken, was an den Tag gelegt wird, wenn es einer Basis entbehrt? Ist es nicht auch dieses Gutdünken, das einen bevormundenden Vater dazu bringt zu glauben, es sei seine Pflicht, seine Tochter (natürlich immer in ihrem Interesse!) zwangszuverheiraten? Es ist keine Religion, die ihm das sagt, er zieht auch selten eine Quelle dafür heran. Es ist sein Verstand! Dies ist die Willkür, die “liberale Muslime” letztlich so sehr gut heißen.

Quellen! Argumente! Argumente! Argumente!

Nun wird der Verstand im Koran oftmals angerufen und der Mensch wird aufgefordert, diese Gabe auch im Zusammenhang mit (religiösen) Erkenntnissen einzusetzen. Schon frühe Muslime hatten sich über das Wechselspiel zwischen Verstand und Quellen gestritten. Nur: Gänzlich ohne Quellennachweise hat kein argumentativer Interpret gearbeitet.

Wahrscheinlich kann man sich weitestgehend (auch mit “liberalen Muslimen”) auf die Zentralität des Korans als Quelle der Religion im Falle des Islams einigen. Die meisten “lieberalen”, die ich kenne, würden dagegen die Überlieferungen des Propheten zumindest in praktischer Anwendung ablehnen7. Das Problem ist nur, dass die fünf Säulen sich nur teilweise aus dem Koran ableiten lassen. An keiner8 Stelle besagt der Koran, dass es fünf Säulen gäbe. Allein durch ihre wiederholte Nennung – oftmals in Serie – lässt sich eine gewisse “Wichtigkeit” erahnen. Hauptsächlich findet sich dagegen die Nennung der fünf Säulen in Überlieferungen des Propheten Muhammad. Rationale Muslime der Vergangenheit haben diese Überlieferungen mehr oder minder sorgfältig aufbewahrt, was ihren Nachfolgern die Möglichkeit gab, diese Sorgfalt zu bewerten und damit die Authentizität der Überlieferung zu prüfen und die Überlieferungen damit zu klassifizieren.

Diese Arbeit ist keineswegs abgeschlossen und natürlich ist auch die Möglichkeit der (verschiedenen) Authentifizierung oder Interpretation bei weitem nicht ausgeschlossen, aber die dafür verbrauchte Zeit scheint vergeudet zu sein, schaut man sich die Argumentation liberaler Muslime an. Mit einem einfachen Hinweis auf den “spirituellen und ethischen Kern” des Islams scheint offensichtlich die Wichtigkeit einer Frage – und damit ihre Beantwortung – ausgewischt zu werden. Der Erfolg vieler Muslime, den Islam von Schamanen, Mittelsmännern und heiligen Geistern frei zu halten und dafür nachvollziehbaren Argumenten Vorrang zu geben, wird dadurch größtenteils relativiert, da nun jeder daherkommen kann und ein Ideal in vollkommener Unabhängigkeit von rationalen Argumenten predigen kann und dies als Islam verkaufen kann. Dieser kann im Gegensatz zu heutigen Fälschern argumentativ nicht angegriffen werden, da seine Argumente aus “dies ist zeitgemäß”, “ich glaube nicht, dass das halal/haram ist”, “die Frage ist unwichtig” oder im Höchstfall “diese Quelle erkenne ich nicht an”9 bestehen. Quellen? Argumente? Theologie? Dialektik? Rationalität? Fehlanzeige!

Label

Der Artikel scheint mir symptomatisch für Argumentationsstränge liberaler Muslime, wie ich sie bislang erlebt habe. Nach dem Motto, was nicht passt wird passend gemacht, werden nur die Zitate benutzt, mit denen man selbst einverstanden ist, alles andere ist halt “unwichtig”.

Frau Sezgin müsste sich etwa bei den zentralen ‘Grundüberzeugungen’ auf eine Prophetenüberlieferung berufen10, die zwar recht gut belegbar ist und durch Koranzitate gestützt wird, aber trotzdem natürlich nicht ganz an die Authentizität des Korans herankommt, in dem so einiges zu Homosexualität, familiären Beziehungen und vor allem sich in der Orthopraxie wiederfindenden Elementen zu finden ist. Welchen Maßstab wendet man also an, um der “Wichtigkeit” einer Frage auf den Grund zu gehen? Überlieferungen zu just diesen Themen stempelt sie gleichfalls als “unwichtig” ab, dadurch dass sie die Fragen zu diesen Themen als unwichtig bezeichnet.

Hilal Sezgin fragt sich, wie man einen solchen Verein noch nennen kann? Ich könnte “Irrationale Muslime” vorschlagen, aber das würde sich wohl keiner ans Bein binden. “Labelmuslim” ist mein Vorschlag – ich definiere mich rein über ein Label.

  1. Tut mir leid für die ungepflegten Argumentationsstränge. Der Artikel ist mehr wie ein Pilz gewachsen denn wie ein heimischer Baum, den ein guter Gärtner gepflegt und gehegt hat.[]
  2. was innerhalb des “Imans” bzw. der Glaubensinhalte weiter ausgeführt wird[]
  3. und zwar das täglich fünfmalige rituelle Gebet – nicht alle anderen Gebete, die man verrichten soll/darf/kann[]
  4. also die finanzielle soziale Abgabe, die ebenfalls eine Pflicht darstellt[]
  5. auf die Schnelle: Am bezeichnendsten ist die A’rabi-Überlieferung, in der der Prophet einem Beduin lediglich die fünf Säulen nennt und dies als den Islam bezeichnet, aber auch die Beschreibung, bei der der Engel Gabriel den Propheten ausfragt und dieser auf die Frage nach dem “Islam” die fünf Säulen nennt[]
  6. natürlich, meiner Meinung nach beinhält ein weitergehendes Verständnis der fünf Säulen, hier vor allem die Zakat, durchaus auch ein Verständnis von Eigentum und Rechten, aber dieses erweiterte Verständnis wird in anderen Zusammenhängen – wie etwa die Wichtigkeit von Reinheit im Zusammenhang mit Gebet oder Pilgerfahrt oder Sexualität im Zusammenhang mit dem Fasten etc. pp.. – von vielen “liberalen” abgelehnt[]
  7. oder als nicht wichtig erachtet. Im Falle der Frage nach der Bedeckung (im Deutschen spricht man ja nur vom Kopftuch) wird das so schön vereinfacht und teils dümmlich auf die Frage reduziert, wo denn im Koran das Wort ‘Kopftuch’ vorkäme..[]
  8. mir bekannten[]
  9. und zwar ohne eine Begründung[]
  10. wenn sie diese überhaupt belegen wollte[]

Gastbeitrag: Gedanken zur Zeit

author | 6. Mai 2010

Am 04. September 2009 wurde aufgrund eines gezielten, von einem deutschen Soldaten angeforderten und befohlenen Luftangriffes mehr als 140 Menschen in Afghanistan auf einer Sandbank im Distrikt Chahar Darah in der Provinz Kundus das Recht auf ein Leben in Unversehrtheit und Sicherheit genommen.

Am 19. April 2010 wurde 140 Menschen im Distrikt Chahar Darah in der Provinz Kundus, in Afghanistan, die nun in unscheinbaren Gräbern liegen, an denen noch nie ein afghanischer Minister, geschweige denn ein deutscher Minister gestanden hat durch die Entscheidung der deutschen Bundesanwaltschaft auch ihre Würde genommen.

Die Einstellung des Verfahrens gegen den Bundeswehroffizier Oberst Georg Klein und den Fliegerleitoffizier Markus Wilhelm ist juristisch mindestens fragwürdig und offenbar einer politischen Notwendigkeit geschuldet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat aus Anlass ihrer Regierungserklärung zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan am 22. April 2010 erklärt, dass der Rechtsstaat die größte zivilisatorische Errungenschaft der Menschheit sei. Wenn dem so ist, dann stellt die Entscheidung der Bundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen Oberst Klein und Hauptfeldwebel Wilhelm wegen des Luftangriffs vom 4. September 2009 in der Nähe von Kunduz am 16. April 2010 gemäß § 170 Abs. 2 StPO, einzustellen, eine moralische Bankrotterklärung dieses Rechtsstaates dar.

Verteidigungsminister Guttenberg begrüßte die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Oberst Klein mit den folgenden Worten: “Die heutige Nachricht aus Karlsruhe ist eine sehr gute, nicht nur für die direkt betroffenen Soldaten.”

Dies ist eine Fehleinschätzung, wie Deutschland anhand von weiteren gefallenen Soldaten und Afghanistan anhand weiterer ziviler Opfer in bitterer Weise leider erfahren wird. Mit dem von einem deutschen Offizier befohlenen Luftangriff und der jetzt erfolgten juristischen Bewertung hat Deutschland endgültig den Anspruch, eine kraftvolle Friedensmacht in Afghanistan sein zu wollen, verloren.

„Deutschland trauert“ titeln Zeitungen und Magazine. Aller Orten ist von feigen, verabscheuungswürdigen, hinterhältigen Angriffen, von Mord und Heimtücke die Rede, während die Bundeskanzlerin vor den Särgen deutscher Soldaten sich verneigt, während Deutschland sich vor den Gefallenen verneigt. „Feige“, „verabscheuungswürdig“, „hinterhältig“, diese Begriffe prägen die Wortwahl der Politiker in der Diskussion um den Angriff auf deutsche Soldaten, und um den Tod, den dieses Land beklagt.

Aber war der von Oberst Klein und dem Fliegerleitoffizier Wilhelm befohlene Luftangriff mutig? Ist es nicht mindestens ebenso verabscheuungswürdig, wenn ein qualifizierter Berufssoldat aus der Sicherheit seines Hauptquartiers, gestützt auf eine singuläre Informationsquelle, eine direkte militärische Auseinandersetzung vortäuschend den Befehl zum Bombenabwurf gibt, und den Tod unzähliger unschuldiger Menschen billigend in Kauf nimmt? Grenzt dies nicht an Heimtücke und Mord?
Wenn Überraschungsangriffe der Aufständischen in Afghanistan, die innerhalb von zehn Tagen zum Tod von sieben deutschen Soldaten geführt haben „heimtückisch“ gewesen sind, wie bezeichnet man dann die Bombardierung einer Sandbank, in der zwei Tanklastwagen unbeweglich feststecken, um die sich Hunderte von Menschen geschart haben, damit sie kostenlosen Treibstoff ergattern? Freundliches Desinteresse am Schicksal der afghanischen Zivilbevölkerung?

Zu seiner Verteidigung führt Oberst Klein vor dem Untersuchungsausschuss an, dass er es eindeutig abgelehnt habe, das Ziel mit B1-Bombern zu bekämpfen. Der humanitäre Wohlklang, der hier hervorgerufen soll, kann nicht gelingen. Wäre dieser Zielort nicht selbst bei der Entzündung eines Streichholzes in ein Höllenfeuer auf Erden verwandelt worden?

Nach der von ihm befohlenen „Vernichtung“ geht Georg Klein in eine Kapelle, er sagt, dass er dort „Gott um Beistand und Vergebung gebeten“ hat. Georg Klein fügt hinzu: “Hätte ich geahnt, dass Kinder vor Ort sind, hätte ich den Angriff nicht befohlen.” Seine Entscheidung bezeichnet er im Untersuchungsausschuss dennoch mit dem Begriff “angemessen”. Die überraschende postaggressive Meditation lässt ihn nicht an der von ihm verordneten Medikation, die zahllose Familien in unbeschreibliches Unglück gestoßen hat, zweifeln. Jemand, der in einem Land wie Afghanistan nicht ahnt, dass sich eine verarmte Landbevölkerung an Freibenzin bedient, hat ersichtlich keine Ahnung von dem Land in dem er seinen Dienst versieht.

Oberst Klein beweist mit dieser Feststellung in angemessener Weise, dass er für die afghanische Zivilbevölkerung ein Sicherheitsrisiko darstellt. Deutsche Soldaten, die an den Hindukusch entsandt werden, sollten mehr über das Leben der Menschen in Afghanistan wissen, als sie aus dem von Offizieren immer wieder zur Lektüre empfohlenen Roman „Drachenläufer“ glauben erfahren zu können.

Deutschlands Politiker behaupten, in Afghanistan vernetzte Sicherheit zu praktizieren. Seit dem „9/04“ hat sich dieses Trugbild der Politik in einem von Besatzung gesponnenen Netz verfangen; der Brücken bauende Soldat ist über den von der Politik zu verantworteten Feldversuch „Besatzungsdemokratie“ in Afghanistan gestolpert, und gefallen. Kanonenrohr-Fetischisten dieser Republik haben Deutschland endgültig zu einer Kriegsmacht am Hindukusch degradiert.

In einer Ansprache anlässlich einer Trauerfeier für die am Karfreitag gefallenen Soldaten bestärkt der deutsche Verteidigungsminister seine kleine Tochter darin „auf die drei jungen Männer, tapfere Helden unseres Landes“ stolz zu sein. Stolz und Heldentum sind große Worte, sie werden die jungen Männer nicht wieder ins Leben zurück holen. Diese Worte gehen Politikern immer dann leicht von der Zunge, wann immer sie ihr Versagen und ihr Scheitern zu verschleiern versuchen. Eine kleine Ironie: Unter der „Burka“ des Heroismus, der Menschenleben zerstört, sucht die zusammenbrechende deutsche Afghanistan-Politik ihre Zuflucht.

Wer weiß schon, dass der mörderische Luftangriff auf die Sandbank von Chahar Darrah, und der Ort des Überraschungsangriffes auf deutsche Soldaten am Karfreitag dieses Jahres ganze acht Kilometer voneinander entfernt liegen. Die Meinungsbildhauer glauben in den Zeiten des Krieges innere Einheit bewahren zu müssen, indem sie Fakten verschweigen. In Zeiten des Krieges bleiben Kausalketten unerwähnt, während wieder Namen in Erinnerungstafeln hinein gemeißelt werden müssen. Der für Nord-Afghanistan zuständige Kommandeur, Brigadegeneral Frank Leidenberger sagt bei der Totenfeier für die am Karfreitag gefallenen Soldaten: „Wir werden weiter kämpfen und wir werden gewinnen! “.

Wohin diese auf blinden Sieg getrimmte Kampfideologie auch führt, die den Tod afghanischer Zivilisten als Kollateralschaden herabwürdigt, deren Namen die deutsche Öffentlichkeit nicht erfährt, deren Namenserwähnung parlamentarisch gerügt wird, wurde Deutschland auf erschreckende Weise am 15.04.2010 mit dem Tod von vier weiteren Soldaten vor Augen geführt.

Wieder müssen deutsche Familien und Freunde um ihre Toten trauern, und ihnen gebührt unser aller Respekt und Anteilnahme angesichts eines irreparablen Verlustes. Gleiches gilt für Afghanische Familien und Freunde, die tagtäglich um ihre Toten trauern müssen, die auch durch deutsche Hand in einem Krieg sterben, den sie nie gewollt haben. Die eigentlichen Helden stehen an den Gräbern derer, die sie liebten. Sie sitzen verzweifelt allein in ihren Häusern und Wohnungen, weil sie trotz des immensen Verlustes ihr kaum zu ertragendes Schicksal zu meistern versuchen, in Deutschland wie in Afghanistan.

Deutschland und Frau Merkel hätten gut daran getan, sich nicht nur vor den eigenen Toten zu verneigen, sondern auch vor den Toten, die man in Afghanistan verursacht und verantwortet.

Deutschland und Frau Merkel hätten gut daran getan sich vor den geduldigen Hinterbliebenen in Deutschland und in Afghanistan zu verneigen.

Bundeskanzlerin Merkel hätte gut daran getan, in ihrer Regierungserklärung den Einsatz nicht weiter mit dem von ihr zitierten Satz des Hauptfeldwebel Daniel Seibert „Ich habe ihn erschossen. Er oder ich, darum ging es in diesem Fall.“ zu ramboisieren. Mit dieser Zitatwahl gefährdet sie in unerträglicher Weise das Leben afghanischer Zivilisten, aber auch das Leben deutscher Soldaten.

Deutschland und Karl Theodor zu Guttenberg hätten gut daran getan den Angehörigen der Opfer von Kundus direkte finanzielle Hilfe unbürokratisch zuteil werden zu lassen, anstatt eine durchschaubare, schmutzige Medienkampagne gegen die Opferanwälte zu führen.

Deutschlands einstiges Vorzeigemedium für kritischen Journalismus „Der Spiegel“ hätte gut daran getan das Leid der Hinterbliebenen von Chahar Darrah zu respektieren und nicht mit süffisanten Sätzen wie „Alle hatten – und das ist erstaunlich im Chaos Afghanistans – die Ausweise ihrer getöteten Angehörigen gleich parat“ zu verhöhnen.

Dieses Land hätte gut daran getan den Angehörigen der Opfer von Kundus die Rechtsstaatlichkeit erfahren zu lassen, auf die jeder Mensch ein uneingeschränktes, natürliches Anrecht besitzt, hier und in Afghanistan.

***

Epilog

In einer seit dem 13.12.2004 rechtskräftigen Entscheidung des deutschen Amtsgerichts Hadamar, wurden aufgrund eines Vergehens gegen das Tierschutzgesetz, dass zum Tod von je 4 Rehkitzen durch zwei Personen geführt hatte, die zwei Beklagten jeweils zur Zahlung von 80 Tagessätzen á 40 € und á 30 € verurteilt. In der Begründung des Urteils ist Folgendes zu lesen:

„Evtl. vorhandener Zeitdruck bei der Ausführung der Mäharbeiten ist kein vernünftiger Grund und rechtfertigt die Tötung der Rehkitze durch das Mähgerät nicht. Die Taten wurden vorsätzlich begangen.“

Die Bundesanwaltschaft aber auch alle, die Oberst Georg Klein und Fliegerleitoffizier Markus Wilhelm verteidigen, hätten gut daran getan, den Zivilisten von Chahar Darrah den Respekt, die Achtung und die Wertschätzung, die Rehkitze in diesem Staat erfahren, erleben zu lassen.

Die Bundesanwaltschaft hätte gut daran getan vor dem uneingeschränkten Freispruch einen Blick in unser Grundgesetz zu werfen, bevor es die Handlung deutscher Offiziere bewertet. Dort heiß es im Artikel 26:

„Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“

Deutschlands Sicherheit wird nicht am Hindukusch verteidigt, der Einsatz der Bundeswehr stört das friedliche Zusammenleben beider Völker. Dieses Mantra einer Frau Merkel stimmt nicht; es hat noch nie gestimmt. Dieser fragwürdige Kitt einer Fraktionsübergreifenden Kriegspolitik bröckelt mittlerweile auch im Parlament; außerparlamentarisch ist er längst dahin.

Im nachdenklich stimmenden Gedicht „Soldatengrab“ von Bert Brecht heißt es:

Bei den Soldaten drunten
Ist auch mein Freund dabei.
Ich hab ihn nicht rausgefunden.
Es ist auch einerlei.
Hat einst gekämpft und gesungen
Mit allen in einer Reih
Hat mit allen den Säbel geschwungen
Und ist mit allen verklungen
Und liegt nun drunten dabei.
Der Wind geht abends darüber
Und singt eine Melodei.
Die macht traurig. Ich weiß nicht worüber;
Es ist auch einerlei.

Bei den getöteten Zivilisten von Chahar Darrah ist auch mein Freund dabei. Ich hab ihn nicht rausgefunden. Es ist auch einerlei. Er hat kein Säbel geschwungen, er hat ums Überleben im Krieg gerungen, und liegt nun drunten dabei.

Warum ist diesem Rechtsstaat sein Tod offenbar einerlei?

Warum ist ein deutsches Rehkitz und ein Menschenleben in Afghanistan zweierlei?

Younes Ouaqasse für die Beibehaltung der Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien

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Younes Ouaqasse - muslimischer Vorsitzender der Schülerunion

Younes Ouaqasse - muslimischer Vorsitzender der Schülerunion

Der Vorstand der Schülerunion Deutschlands hat sich unerwartet laut in der Debatte um Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien zu Wort gemeldet. Nach Meinung des Bundesvorsitzenden Younes Ouaqasse kann es nicht sein, dass die langjährige Tradition der Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien aufgrund falsch verstandener Toleranz aufgeweicht werde: “Saudi-Arabien ist ein islamisch geprägtes Land und jeder, der das in Frage stellt, weiß nicht, wovon er spricht. In einem islamisch geprägten Land habe die ‘Durchmischung der Geschlechter’ nichts zu suchen!”

Zuvor hatte der saudische Gelehrte und Vorsitzende des “Komitees für die Propagierung von Tugend und Verhinderung von Sünde” (in Mekka) Ahmed Ben-Qassim Al-Ghamdi (أحمد بن قاسم الغامدي) die Meinung geäußert, dass eine strikte Geschlechtertrennung islamisch nicht rechtfertigbar sei1 und selbst zu Zeiten des Propheten Muhammad nicht durchgeführt wurde. Younes Ouaqasse hatte erst jetzt von der Fatwa des Scheich Al-Ghamdi gehört2, da die deutsche Online-Zeitschrift “Spiegel Online” ganze fünf Monate gebraucht hatte, um selbst davon zu erfahren und einen “Brandbrief” aus der Fatwa3 des Gelehrten zu machen. “Ich kann ja nicht überall gleichzeitig darauf achten, wie Religion und Religionssymbolik aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt werden.”

Auf die Argumente des Gelehrten angesprochen, wandte Ouaqasse ein, dass dieser seine “Kompetenzen überschritten” hätte und zwingend seiner Position enthoben werden müsste.

Durch Aussagen wie jene von Herrn Al-Ghamdi verliert Saudi-Arabien ihre Glaubwürdigkeit und damit ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Dieser Mann hat sein Kompetenzen überschritten, deshalb darf er nicht mehr in dieser sensiblen Position bleiben!

Damit erhebt Younes Ouaqasse schon im zweiten Staat den Anspruch, Ämter vergeben zu dürfen! Auf seiner Karriere zum “Weltführer” ist ihm noch alles Gute zu wünschen.

Alle angeblichen Zitate von Younes Ouaqasse wurden für diesen Artikel sorgfältig ihres Kontextes enthoben und für den Zweck der Satire neu zugeordnet. Auch seine Aktivitäten sind frei erfunden. Der Hintergrund zu diesem Schritt ist in diversen Meldungen zum Vorzeigemuslim der Union der letzten Zeit zu finden.

  1. ja, eigentlich eher neuzeitlich erst zum “Problem” wurde[]
  2. die schon Dezember 2009 erschien[]
  3. man merke: im Deutschen ist “Fatwa” für Todesurteil reserviert, deshalb musste hieraus ein “Brandbrief” werden![]

Westerwelle im Deutschlandradio Interview

author | 23. März 2010

Gerade lese ich ein Interview des Deutschlandradios mit Außenminister Guido Westerwelle. Ich muss schon zugeben, das ganze wirkt surreal – nicht nur wegen der vielen “Israel ist doch unser Freund”-Bekundungen und der Unbeholfenheit, mit der auch Westerwelle versucht, das Thema “Kritik an Israel” weichzuspülen, selbst wenn es um so banale Dinge wie die illegale Siedlungspolitik geht. In der Zusammenfassung des Interviews fand ich schon die Bemerkung “Sein einziges Druckmittel: der Dialog.” herrlich. Mir ist dann noch diese Antwort Westerwelles aufgefallen:

Engels: Auch wenn derzeit der Konflikt ja mit Washington sehr deutlich ist, ist es da das richtige Signal, auch öffentliche Fototermine mit Herrn Lieberman zu machen im Sinne von “Deutschland steht immer zu Israel”?

Westerwelle: Ich glaube, es ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn man im Nahostprozess etwas bewirken will, dann muss man mit den gewählten und legitimierten Repräsentanten eines Landes auch reden, und ich glaube auch, dass Israel eine Regierung hat, die immer wieder gerne auch in Deutschland als Gast gesehen wird. Wir hatten die israelische Regierung gerade erst zu Gast bei den offiziellen Regierungskonsultationen. Das tut dem Ganzen gut. Nicht miteinander zu reden, das wäre eine völlig falsche Konsequenz.

Wirklich? Man muss also mit gewählten Repräsentanten eines Landes reden? Wo bleibt dieser Pragmatismus eigentlich im Falle der Palästinenser? Er fährt fort:

Im Übrigen führen wir ja nicht nur Gespräche mit der israelischen Regierung, sondern auch mit den palästinensischen Vertretern.

Wirklich? Das muss ich verpasst haben.

Ich habe ja Premierminister Fajad selbst besucht und Präsident Abbas ist gerade hier zu Gast in Berlin gewesen, und auch dort haben wir die Gespräche geführt, denn wir wollen ja an beide Seiten auch appellieren, das, was es noch an Vorbehalten gegenüber den entsprechenden Fortschritten bei Friedensgesprächen gibt, abzubauen und abzuräumen.

Aso. Salam Fayyad ist also der “gewählte und legitmierte Repräsentant” der Palästinenser?? In welchen Wahlen wurde er denn gewählt, Herr Außenminister? Haben wir alle etwas verpasst? Tatsächlich weigert sich nicht nur Deutschland, sondern auch die gesamte EU mit der Regierung zu sprechen, die zuletzt in freien Wahlen von Palästinensern gewählt wurde, weil sie “zu radikal” ist – also einer Landnahme nicht bedingungslos zustimmt. Die Hamas-Regierung wird stattdessen isoliert und die betroffenen Wähler werden auf Diät gesetzt, damit sie sich demnächst gefälligst umentscheiden.

Zu Ihrer Information Herr Außenminister ist Salam Fayyad nicht von den Palästinensern gewählt, sondern ist Teil einer Notstandsregierung, die der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas nach seinem gescheiterten Putsch gegen die gewählte parlamentarische Regierung per Dekret ernannt hatte. Notstandsregierungen sind in arabischen Ländern keine Seltenheit – Ägypten ist das beste Beispiel für diese Art der korrupten Perversion von Notstandsgesetzen – und scheinbar für europäische Regierungen, die immerzu Demokratie predigen, ganz angenehm, lassen sie sich doch so gut unter Druck setzen, sollten sie nicht den Idealvorstellungen eines westenfreundlichen Drittweltlandes entsprechen.

US-invasion of Iraq .. a success story

author | 10. März 2010

Yeah, George W. Bush was right… Nice clip by the daily show.

The Question about the Mossad agents…

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The “Muslim Observer” Bendib asks one very important question about the assassination of the Palestinian Hamas official in Duba: How many Mossad agents does it take to assassinate ONE unarmed Palestinian?

Of course we could also ask, why the agents have to be flown in from all those countrys and with all those different passports and so on.. but when an affair stinks, it just stinks. You don’t really know, where the smell is coming from, but actually it doesn’t really matter. There is a rotten fish hidden somewhere and you won’t get the stink out unless you turned the whole location upside down.

Another thought: What would happen if Palestinians targeted an Israeli official in the same way? Say the Israeli education minister was staying at a hotel in a random country and because nobody really knows him internationally and nobody really cares for him, his guards aren’t on their heighest alert. A Palestinian group is able to get to him and kills him. What would that be called? What would not only international media but also all political faction be crying?

Terrorism

And that’s what i call an assassination. And this goes – there’s no question about it – for Germans, Americans and others murdering people in Afghanistan. Assassination has nothing to do with a justifiable war and it’s not even able to stop a war effectively. It’s mostly good to throw the opponent back in their strategy, but eventually more radical and bitter people would take the place of the assassinated one and the violence would continue. And we can’t shut our eyes to the justifiability of their radicality and their bitterness. They would have learnt, that their enemy is ruthless and knows no boundaries to achieving his political means. No more has to be said to this assassination.

Media circus

Oh one thing yet: The comment by Bendib is nicely placed. It reads: “Cowardice is our number one strength! We don’t do well in a fair fight: remember Lebanon?”. Beside the point of cowardice, i think it’s important to remember that the Israeli army and Israel as a country has suffered significantly in public relation carma due to their more-or-less loss in the Lebanon war 2006. Also the methods used by the Israeli army – bombing civilians and blaiming the opponents, invading without real grounds, etc.. – and the civilian victims due to those methods hasn’t reflected well on Israel and their army as a whole. Maybe the successfull (i use this word of course not meaning that the loss of a life could in any way described as ‘success’) assassination is a way for Israel to reestablish its credibility as killing machine??