Category: Film

US modifies Pledge of Allegiance to include Jack Bauer

author | 26. Mai 2010

In the wake of the end of the two-hour season- and series-finale of the hit-series “24″, the US pledge of allegiance has been modified in a swift move through a bipartisan move and across the two houses to include an allegiance to Jack Bauer, the hands-on counter-terrorist protagonist. The new pledge of allegiance which will henceforth be sworn across the country reads as follows:

I pledge allegiance to the Flag of the United States of America, to the Republic for which it stands and to aworld protector Jack Bauer, judge, jury and prosecutor.

The first draft of a pledge of allegiance including Jack Bauer still included the previous phrase “one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all” but was quickly deemed too long. Within the hour the draft was corrected.

Asked for his motivation to vote for the bill, one republican senator had this to say: “Duh! Jack Bauer is cool, man.” A more detailed answer was to be had from his colleague across the aisle:

Listen, Jack Bauer not only saved the world like a million times over by saving the US, he also brought down his own agency and defied on numerous accounts other government agencies that had been compromised by terrorists. He also brought down at least three corrupt presidencies with his righteousness and stopped two fraudulent vice-presidential takeovers as well as give some dozen foreign countries and terrorist organisations a run for their money.

He added: “.. also, he is really uber-cool.”

The (current) president of the United States of America didn’t comment on the new pledge. In fact, he didn’t answer his phone since the hit-series ended, which has been excused to the bitterness, that the series-finale had brought with it. Knowing that from now on, and after the head of the counter-terrorist unit and friend of Jack Bauer Chloe O’Brian had ordered the drone looking at Bauer to be shut down, nobody will really know where Jack Bauer is and what his days look like, has devastated the country and even brought some communities to complete standstill.

But skeptics have argued that the president is actually afraid to leave his bunker because he is nervous about what Bauer would do to him if he knew about his sins. One commentator who wished to stay anonymous argued, that this new climate would frighten any US president to start a war unjustly or for that matter make peace unjustly..

Brüno – Lügner haben ein breites dämliches Grinsen

author | 2. August 2009

Da sitzt also der Schauspieler Sacha Baron Cohen und erklärt dem Show-Host David Letterman in der US-amerikanischen Sendung “Late Show with David Letterman”, wie schwierig und gefährlich es für ihn war, an einen “echten” Terroristen heranzukommen und diesen zu interviewen. Die CIA hatten sie gefragt, genauso wie den Produzenten davon überzeugt, einen “echten” Terroristen zu nehmen, statt eines Schauspielers. Nach langer Suche soll er sich mit Ayman Abu Aita, dem mutmaßlichen Terroristen, und seinem Bodyguard an einem geheimen Ort getroffen haben. Sein eigens dafür engagierter Bodyguard soll die beiden auf Waffen durchsucht haben. Alles sehr dramatisch!

Problematisch ist nur: Weder ist Ayman Abu Aita ein Terrorist, noch war er schwer zu finden – er besitzt einen Lebensmittelladen und seine Telefonnummer ist im örtlichen Verzeichnis auffindbar, zwei Anrufe reichten dem Team von Sky News, um ihn zu finden – und vor allem trafen sie sich an einem sehr öffentlichen Ort, nämlich im “Everest Hotel” in der Nähe von Betlehem nur wenige Meter von einem israelischen Checkpoint entfernt, wo die Film-Crew von Bruno eine Etage des Hotels gemietet hatte. Er ist öfters unterwegs – auch im Ausland. Zudem ist Aita – anders als der Film Bruno offenbar glauben macht – nicht Muslim, sondern Christ.

Nicht nur hat Sacha Baron Cohen einen Menschen unter falschen Angaben gefilmt und seine Person wie auch sein Bild missbraucht, möglicherweise hat er einzelne seiner Aussagen gefälscht und ihn in Gefahr gebracht, falls ein dämlicher Staatsangestellter ihn auf einen seiner Auslandsreisen aus dem Film wiedererkennen sollte. Aber wahrscheinlich denkt er sich, mit einem solchen Menschen ließe sich das machen. Profit auf den Schultern von Menschen, von denen man keine Gegenwehr erwartet?

Ayman Abu Aita möchte nun Sacha Baron Cohen und Universal Pictures verklagen.

Ich kann nicht zur Genüge meine Abscheu vor diesem ekligen Verhalten äußern. Ich hoffe, Herr Baron Cohen kommt aus dieser Angelegenheit nicht unbeschadet davon. Wie wäre es mit einer langen Haftstrafe?

Anbei das Video von Sky News.

Chicken à la Carte

author | 8. Mai 2009

Ich weiß. In letzter Zeit sind es recht viele Filme auf diesem Blog gewesen. Ich mag es eigentlich auch nicht, allerdings denke ich doch, dass dieser noch Platz finden muss.

Das Herz von Jenin

author | 7. Mai 2009

Der Dokumentarfilm “Das Herz von Jenin” wird ab heute und bis zum Dienstag, den 12.5. jeweils abends im Kino im Künstlerhaus in Hannover vorgeführt. Der Film erzählt die Geschichte des palästinensischen Vaters Ismael Khatib, dessen Sohn Ahmed von israelischen Soldaten getötet wird. Ismael entscheidet sich dafür, die Organe seines Kindes zu spenden – und zwar an israelische Kinder. Zwei Jahre später wird er von einem Kamerateam bei seinem Besuch der Kinder begleitet, die diese Erfahrung für uns aufnehmen.

Der Film läuft noch bis zum Dienstag, den 12.5. einschließlich um 20.15.

DEFA-Förderpreis des 51. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm

Genauso bewegend wie nachhaltig beeindruckend erzählt “Das Herz von Jenin” von einer zutiefst menschlichen Geste im Augenblick der größten Tragödie. Und davon, dass Hoffnung selbst dann eine Chance hat, wenn die Situation ausweglos erscheint. arsenalfilm.de

“Das Herz von Jenin” erzählt die wahre Geschichte Ismael Khatibs, dessen 12-jähriger Sohn Ahmed 2005 im Flüchtlingslager von Jenin von Kugeln israelischer Soldaten tödlich am Kopf getroffen wird. Nachdem die Ärzte im Krankenhaus nur noch Ahmeds Hirntod feststellen können, entscheidet der Palästinenser Ismael, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden und damit deren Leben zu retten.

Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um diese Kinder zu besuchen. Eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah. arsenalfilm.de

Wahre Geschichte eines palästinensischen Vaters, der die Organe seines Sohns israelischen Kindern spendete.

Auf dem Berlinale Talent Campus 2006 stellte der junge israelische Regisseur Leon Geller ein Projekt vor, dass fast auf Unglauben stieß: Der zwölfjährige Ahmed wird im Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland irrtümlicherweise von einem israelischen Soldaten in den Kopf geschossen, weil er und seine Freunde mit einem echt aussehenden Plastikgewehr spielen. Im Krankenhaus von Haifa können die Ärzte den Jungen nicht mehr retten. Ein Pfleger fragt den Vater nach einer Organspende, und nach Rücksprache mit seiner Frau, einem Imam und dem Chef der militanten Al-Aksa-Brigaden stimmt Ismael Khatib zu. Ein Jahr später trafen sich Geller und der Deutsche Marcus Vetter, um eine Zusammenarbeit zu vereinbaren, aus der dieser bewegende Dokumentarfilm entstand.

Das deutsch-israelische Team begleitet Ismael Khatib, der zwei Jahre nach der Organtransplantation die Kinder kennen lernen will, die durch den Tod seines Sohnes weiterleben konnten. Drei Empfängerfamilien stimmen zu – Auftakt zu einer von schmerzhaften Erinnerungen belasteten, letztendlich auch befreienden Reise quer durch ein verbarrikadiertes Israel. Die Begegnung mit einem kleinen Drusenmädchen, das dank Ahmeds Herz unbeschwert leben kann, mit einem Beduinenjungen, der wegen der Organspende nicht mehr zur täglichen Dialyse muss, und der Tochter orthodoxer Juden, der die Niere das Überleben sichert, bringen ihn seinem Sohn wieder näher.

Neben dieser in großer Eindringlichkeit geschilderten sehr persönlichen Geschichte werfen die Filmemacher auch einen Blick auf die Folgen einer von Vorurteilen beladenen gewaltvollen Auseinandersetzung, auf die politische und soziale Situation von Palästinensern, Israelis und in Israel lebenden Minderheiten. Vor allem der Besuch bei den streng gläubigen Juden zeigt die tiefe Kluft zwischen den Menschen in dieser Region, irrationale Angst vor und feindliche Abwehr gegenüber “den Arabern” sowie eine latente Unsicherheit. “Das Herz von Jenin” ist eine Art Operation am offenen Herzen des Konflikts; die sensible Balance zwischen herzzerreißender Traurigkeit und brennender Verzweiflung geht an die Substanz, ist aber auch ein Fanal der Hoffnung in einer scheinbar hoffnungslosen Zeit. mk. kino.de

Bei dem 51. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm wurde der Film “Herz von Jenin” mit dem DEFA-Förderpreis ausgezeichnet.

Der Dokumentarfilm von Marcus Vetter und Leon Geller beginnt im Jahr 2005, als der palästinensische Junge Ahmed von israelischen Soldaten erschossen wird. Trotz Trauer und Zorn entscheidet sich der Vater, die Organe seines Sohnes zu spenden – auch an Israelis. Der Film begleitet ihn auf seiner Reise zu den Kindern, die dank der Organspende überlebt haben.

In der Begründung der Jury heißt es, dass das “Herz von Jenin” ein “hochemotionaler, künstlerisch überzeugender Film ist, der eine andere Seite der israelisch-palästinensischen Beziehungen aufblättert. Mit bewegenden Bildern dokumentieren die Filmemacher die Reise des Vaters, der mit ungebrochener Hoffnung Wege sucht, die politischen und menschlichen Konflikte zu überwinden.”

Die bereits am 01. November 2008 verliehene Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro dotiert. palaestina.org

Sieben jüdische Kinder – eine interne Perspektive auf Israels Geschichte

author | 29. April 2009

Gestern erst habe ich dieses Stück im Guardian gesehen. “Seven jewish children” spielt die Geschichte Israels aus der Perspektive jüdischer Eltern nach, die sich fragen, was sie ihren Kindern erzählen sollen. Geschrieben wurde das Stück von Caryl Churchill, die dazu aufruft, das Spiel nachzuspielen und nachzusprechen. Genial gemacht!

Ich fand das Spiel noch in einer Mehrperson-Version, in der der Dialog ein wenig klarer wird. Der Text ist nicht komplett derselbe:

Das Deutschland Radio hatte im Februar ein kurzes Review dazu veröffentlicht:

Israels Geschichte in acht Minuten. “Seven Jewish Children” von Caryl Churchill wird in London uraufgeführt
Israels Geschichte in acht Minuten. “Seven Jewish Children” von Caryl Churchill wird in London uraufgeführt

Warum Barino unglaubwürdig ist

author | 30. August 2008

Habe mir gerade die WDR-Dokumentation “Koran im Kopf II – Barinos Ausstieg” angeschaut, in der es wieder um den Protagonisten einer früheren Dokumentation geht, in der Barino zuerst zum Islam konvertierte, um nun mit der neuen Sendung zum koptisch-orthodoxen Christentum zu konvertieren1. Ich hätte sehr viel anzuprangern, allerdings möchte ich mit meinem ersten Beitrag zu dieser Debatte einen Emailaustausch offenlegen, den ich letztes Jahr nach der ersten Sendung mit Barino hatte. Ich hatte die WDR-Redaktion gebeten, Barino meine Emailadresse mit der Bitte um Kontakt zu geben. Sie waren dann so offen, mir seine Emailadresse zu geben.

Was sich anschloss war ein Emailaustausch, in dem ich abzuschätzen versuchte, was Barino wirklich wollte und mit welcher Argumentation er aufwartete. Ich muss zugeben, dass ich auch nachprüfen wollte, ob er wahrheitsgemäß zitiert wurde. Das hat er zu meiner Bestürzung fast alles soweit bestätigt. Hier also der Emailaustausch in Reinform. Ich habe Persönliches rausgelöscht (auch seine Emailadresse), um der Privatsphäre gerecht zu werden. Trotzdem ist der Austausch über den Monat, in dem wir diskutiert hatten erstaunlich lang geworden.

08.08.2007 18:15 – Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: oan
An: Barino

Assalamu Alaykum Bruder Barino,

Ich hatte gerade das Manuskript zur Sendung “Koran im Kopf” vom wdr erhalten und durchgelesen (Die Sendung selbst habe ich mir nicht angeschaut). Ich möchte, wenn du mir erlaubst, einige der von dir angesprochenen Punkte mit dir diskutieren und das aus einer rein islamischen Perspektive. Ich würde mir wünschen, dass du mir die Möglichkeit gibst und hoffentlich entsteht daraus ein fruchtbarer Austausch.

Ich kann mir vorstellen, dass nun mehrere Anfragen von verschiedenen Leuten und Medien an dich herangetragen werden und du damit möglicherweise überfordert bist, aber in meinem Fall kann ich dir nur versichern, dass es sich um eine ruhige und auf den Islam fussende Unterhaltung wird. Ich bin bereit, dich anzurufen, dir meine Nummer zu geben (s.u.) oder dich per Skype, msn oder irgendeinem anderen Medium deiner Wahl zu erreichen. Natürlich können wir auch per Email uns austauschen, wenn dir das lieber ist. Ich brauche nur ein Zeichen, um zu wissen, dass meine Worte nicht ins Leere laufen.

08.08.2007 22:39 – AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: Barino
An: oan

Assalamu Alaykum!

Zuerst möchte ich mich für deine email bedanken, hat mich gefreut.

Ich würde Vorschlagen, dass wenn wir über den Islam diskutieren, erst einmal festlegen sollten, auf welcher Grundlage wir dies tun. Für mich kommt da nur der Koran und die Sunnah in Frage. Die Interpretationen der Koran-Verse ziehe ich im Allgemeinen aus dem Tafsir von Ibn Kathir, im speziellen, d.h. wenn es z.B. um philologische Fragen geht, präferiere ich den Gelehrten Qurtubi. Modernere Tafsir-Werke von Maududi oder Sayyed Qutb schließe ich auch gerne mit ein.

Wenn es um aktuelle Fatawa geht, dann wäre dies eine gute Quelle. [link]

Manche Links funktionieren leider nicht, ich habe aber das gesamte Werk in Buchform bei mir.
Fatawa von Gelehrte wie Qaradawi können wir selbstverständlich ebenfalls heranziehen bzw. vergleichen.

Auf Gelehrte wie Ibn Qayyim, Mubarakpuri, Ghazali etc. können wir auch gerne eingehen.

Im Film wird es so dargestellt, als würden mich die Brüder in der Moschee “radikalisiert” haben. Das ist schlicht weg falsch. Den Khalid aus dem Film kenne ich nicht wirklich gut. Und der Imam Metwalli macht die Verse, die im Film ausgeführt wurden, auch nicht zum Thema seiner Vorträge.

Meine Bereitschaft die Aussagen aus dem Film mit dir zu reflektieren und zu diskutieren hast du.
Du kannst mir jede Frage stellen, jede Anmerkung machen und jede Kritik, ob positiv oder negativ, äußern. Ich bin auf die Früchte unseres Austausches gespannt.

Eine Bitte hätte ich an dich, Bruder. Ich habe in den Anhang eine PDF-Datei beigelegt, die ich versuche zu publizieren, als Äußerung zum Film. Es wäre schön, wenn du sie auch auf deinen Web-Seiten Publizieren könntest.

Vorerst möchte ich als Kommunikationsmedium ausschließlich auf die email zurückgreifen. Später, inscha’allah, wenn wir vielleicht sogar mal gemeinsam Aktivitäten für den Islam planen und durchführen (bitte nicht an Bomben denken, so wie man es mir nach sagt;), sieht man sich ja mal. Ich bin positiv davon überrascht mit einem aktivem Bruder in Kontakt zu treten, der auf mich vom ersten Kontakt her einen sehr anständigen und zielstrebigen Eindruck macht. Solche Muslime braucht der Islam. Aber genau so brauchen diese Muslime auch den Islam als Fundament, dies darf man nicht vergessen, denn der Westen will Muslime ohne Islam.

09.08.2007 16:09 – Re: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: oan
An: Barino

Assalamu Alayka Barino,

vielen Dank für deine Bereitschaft. Fangen wir gleich an. Ich werde zunächst einmal annehmen, dass du in der Sendung richtig zitiert wurdest. Wenn das an einer Stelle nicht der Fall sein sollte oder deine Aussage aus dem Zusammenhang gerissen wurde (was ich ja nicht wissen kann), dann bitte ich dich natürlich, dies klarzustellen, damit es keine Missverständnisse gibt. Das ist sowieso das wichtigste: Klarheit in den Aussagen.

Die zitierten Koranverse sind natürlich ungefähre Übersetzungen ins Deutsche, aber ich bin auch – Gott sei Dank – der arabischen Sprache mächtig und gehe auch in der Auswahl der Verse nach dem arabischen Original vor.

1. Freundschaft mit Nichtmuslimen

Du sagst am Anfang der Sendung im Bezug auf deine damaligen multireligiösen Bekanntschaften:

“Allerdings ist ein Problem für mich, wenn ich mich auf den Koran beziehe, befürchte ich, dass ich nicht ordnungsgemäß handele, dass ich Sünden begehe, wenn ich mit diesen Menschen Freundschaften schließe…”

du führst dann aus:

“Und viele junge Muslime beziehen das auch auf ihr Leben hier in Deutschland, dass sie sagen, die Regierung oder irgend eine andere Obrigkeit macht für mich keine Gesetze und ich nehme ihn nicht als Vorgesetzten, als Chef, sondern ich habe meine eigenen Gesetze und lebe danach.”

Später wirst du mit folgenden Worten zitiert:

“[Predigt], in der es wirklich darum ging, dass wir keine Ungläubigen als Freunde nehmen sollen. Und in unserem tiefsten Herzen sollen wir wissen, dass wir sie hassen müssen.”

Dem stehen die Anfangsverse der Sure Al-Mumtahana (60) diametral gegenüber. Darin bringt das Gott in den Versen 7-9 auf den Punkt:

“(7) Vielleicht läßt Allah zwischen euch und denen von ihnen, die euch feind sind, Freundschaft entstehen. Allah ist mächtig, und Allah ist verzeihend, barmherzig. (8) Allah verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein, die euch nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren Häusern vertrieben haben. Allah liebt fürwahr die gerecht Handelnden. (9) Allah verbietet euch nur, mit denen Freundschaft zu schließen, die euch des Glaubens wegen bekämpft oder euch aus eueren Wohnungen vertrieben oder bei euerer Vertreibung geholfen haben. Wer mit ihnen Freundschaft schließt, tut unrecht.”

Der Unglaube ist also nicht Grund für Nichtfreundschaft oder gar fehlende Mitmenschlichkeit. Die Bekämpfung ist – wie könnte es anders sein – eher ein Grund für fehlende Freundschaftlichkeit. Für das Erstere spricht auch, dass der Prophet (sas) selbst sagte, dass er als Barmherzigkeit für die Welt geschickt wurde – diese Barmherzigkeit beschränkt sich nicht auf Muslime! Von Hassen kann keine Rede sein, da wir stets angehalten werden, nett zu allen Menschen zu sein. Wie kann man einen Hass auf Nichtmuslime mit dem Beispiel des Propheten mit seinem jüdischen Nachbarn in Einklang bringen? Wie kann man Hass auch damit in Einklang bringen, dass ein muslimischer Mann eine Christin oder eine Jüdin heiraten darf? Wie kann er sie heiraten, wenn er sie hasst? Weiterhin frage ich mich, wie man jemanden hassen kann und ihm die Hidaya (oder die Rechtleitung) wünscht und möglicherweise sogar für ihn betet?

Mehr noch: Ibn Kathir erklärt (Tafsir 2/S. 65 (in meiner Ausgabe)), dass der Vers in Frage nach der Schlacht von Uhud herabgesandt wurde und sich auf diejenigen bezog, die den Schutz bei Juden und Christen der Umgebung gesucht haben und sich ihrem Glauben anschliessen wollten (also Juden und Christen sein wollten, um im Gegenzug Schutz gewehrt zu bekommen). Das ist zwar nicht die einzige Erklärung für diesen Vers, allerdings deutet sie darauf hin, dass die Wilaya eben eine ist, die sich auf den Glauben bezieht.

Und das ist der nächste Punkt: bedeutet der Vers für dich, dass du nicht bei einem nichtmuslimischen Arbeitgeber arbeiten sollst? Oder den Gesetzen des Landes, in dem du lebst nicht Folge leisten musst? Kann es das sein, wenn der Prophet (sas) einige Muslime ins heutige Äthiopien geschickt hatte und diese sich (als Minderheit) natürlich an die dortigen Gesetze gehalten haben?

2. “Schweine und Affen” – und Ratten?

Du führst dazu aus:

“Die Juden wurden in Schweine, in Affen und in Ratten verwandelt – so steht es auch im Koran..”

In Al-Baqarah (2:65) steht:

“Ihr kennt doch diejenigen unter euch, die sich hinsichtlich des Sabbats vergingen, und zu denen Wir sprachen: »Werdet (wie) ausgestoßene Affen!«”

In Al-Maida (5:60) steht weiterhin:

“Sprich: »Kann ich euch etwas Schlimmeres verkünden als das, was euer Lohn bei Allah ist? Wen Allah verflucht hat und wem Er zürnt und wen Er in Affen und Schweine verwandelt hat und wer den Götzen dient – die befinden sich in schlimmem Zustand und sind vom rechten Weg weit abgeirrt.”

und weiter: (5:166):

“Und als sie trotzig bei dem Verbotenen verharrten, sprachen Wir zu ihnen: »Seid wie verächtliche Affen!«”

Im ersten Vers sind Muslime, Christen, Juden und Sabäer (2:62) angesprochen. In den letzten zwei sind Juden oder gar Israeliten angesprochen. Allerdings werden die als verwandelt beschriebenen Menschen nicht als Juden bezeichnet, sondern werden über ihre schlechte Tat charakterisiert. Das heisst also eben nicht, dass “die Juden” oder “die Christen” in Affen bzw. Schweinen verwandelt wurden, sondern diejenigen, die “unter euch” (also Teil von) sich vergingen! Das ist eine Mahnung auch an uns Muslime – keineswegs eine Beschreibung einer Gruppe von Menschen, wie das aber durch deine sehr pauschale Aussage erscheint. Von Ratten ist auch meines Wissens nirgends die Rede.

Gegen die Pauschalisierung spricht Gott sowieso in Al-Imraan (3:113f.):

“(113) Sie [die Leute der Schriften] sind aber nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinde, welche die Verse Allahs zur Zeit der Nacht liest und sich niederwirft. (114) Diese glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen.”

Aber selbst in den einzelnen Stellen führt Gott immer aus, z.B. in Al-Maida (5:168):

“Und Wir zerstreuten sie in Gruppen auf der ganzen Erde. Unter ihnen sind rechtschaffene und solche, die es nicht sind, und Wir suchten sie mit Gutem und Bösem heim, auf daß sie zurückkehrten.”

Fest stehen muss allerdings, dass ganz offensichtlich heutige Juden und Christen (weder in ihrer Allgemeinheit noch im Partikulären) Schweine oder Affen sind! Oder besteht da Diskussionsbedarf?

3. “Schlimmer als Tiere”

Du sagst:

“Schlimmer als das Vieh sind vor Allah die Ungläubigen. Ja, wo ist das Problem? … Das ist göttliche Offenbarung und so ist es… Was willst Du da groß sagen?”

Aber im Vers 8:55 steht das eben nicht drin, auch wenn so einige Übersetzungen das so rüberbringen. Tatsächlich steht, dass die schlimmsten Kreaturen für Gott die Ungläubigen (mit Erkläuterung, die im Vers danach folgt!!) sind. Lies bspw. in Ibn Kathir nach, da steht (Tafsir 2/306) in etwa:

“Gott sagt, dass das schlimmste, was auf dieser Erde wandelt (“ma dab” = was auf der Erde schreitet) die sind, die kafaru (nicht glauben, nicht dankbar sind) und nicht glauben. Und die jedes Mal, wenn sie einen Vertrag eingehen, diesen und trotz eines Schwurs nicht einhalten.”

Ich möchte nicht auf die (angeblichen) Ausführungen eingehen, die von der “saudischen” Internetseite zitiert werden, da das ja nicht deine eigene Aussage ist, allerdings ist es bedenklich, mit welcher Überheblichkeit da von anderen Menschen gesprochen wird, wenn man selber nicht vor der eigenen Haustür kehrt…

4. “Für” Allah sterben ist das Höchste

Zum Schluß der Sendung wirst du folgendermaßen zitiert:

“Also, dass für Allah zu sterben das Größte ist, was einem Moslem passieren kann, darüber gibt es überhaupt keinen Zweifel. …”

“Für Allah sterben” wird im Koran aber nirgends verwendet. Dort wird immer nur von “fi sabilillah” gesprochen, was soviel wie “auf dem Wege Gottes” bedeutet. Das ist vor allem deshalb ein großer Unterschied, da das Sterben an sich nicht der Hauptpunkt hier ist, sondern der Hauptpunkt ist der Weg, den man beschreitet, die Mittel, die man benutzt und das Ziel, das man anstrebt. Auch wenn Gott dazu aufruft, den (auch bewaffneten) Kampf gegen Aggressoren nicht zu scheuen, warnt er immer davor, dass er die Aggressoren nicht mag (auch wenn sie sich Muslime nennen!). So etwa in Al-Baqarah (2:190):

“Und bekämpft auf Allahs Pfad, wer euch bekämpft, doch übertretet nicht. Siehe, Allah liebt nicht die Übertreter.”

Es reicht eben nicht, dass einer sagt, “ich möchte ‘für’ Gott sterben” Es zählen seine Taten und wenn seine Taten nicht gut sind oder gar verboten sind, dann ist er nicht auf “Gottes Weg”. Ich gehe davon aus, dass dieser Unterschied erheblich ist und nicht beiseite zu räumen ist!

Weiterhin hast du aber scheinbar die Antwort des Propheten (sas) vergessen, der einem antwortete, der in den Krieg ziehen wollte, den der Prophet gefragt hatte, ob seine Eltern noch leben und ihm dann empfahl (oder befahl) seinen Eltern zu dienen, statt in den Krieg zu ziehen. Mehr noch, im Sahih des Bukhari findet sich die Aussage des Propheten, dass die beste Tat die ist, dass man das Gebet zur rechten Zeit verrichtet, danach kommt das sich um die Eltern sorgen und erst danach der Jihad. Weitere Aussagen des Propheten, die darauf hindeuten findest du hier:

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=IslamOnline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503543898

Wie kann dann deine Aussage so stehen bleiben?

5. Kofferbomber

Du sagst

“Die Kofferbomber … sie tun mir ein bisschen leid, weil sie versuchen, einfach nach den Grundsätzen ihrer Religion zu handeln und zu leben. Sie fürchten nicht die Ungläubigen, sondern sie versuchen, den Islam zum Sieg zu verhelfen.”

Bist du wirklich der Meinung, dass zu den Grundsätzen des Islams das willkürliche und zufällige Töten von Zivilisten (also Leuten, die keine Waffe tragen) außerhalb einer Kriegszone gehört? Wenn selbst das Umbringen von Zivilisten im Falle von Krieg vom Propheten und von seinen Nachfolgern (Bsp. Omar Ibn Al-Khattab) verboten wurde, wie kann man dann davon ausgehen, dass die Kofferbomber (oder etwa die Attentäter vom “7.7.” oder andere) etwas ehrwürdiges getan (oder vorgehabt) haben? Das kann ich nicht verstehen und wünsche mir eine Erklärung.

Es folgen nun nur noch zwei kleinere Punkte, die ich angesprochen haben möchte, die aber auch nicht ganz so wichtig sind:

6. “Reine Gesellschaft”

Die Aussage stammt nicht von dir, sondern vom “Khalid”, der in der Sendung auch befragt wird. Er soll gesagt haben:

“Ich stelle mir eine Gesellschaft vor, wie es Gott verlangt hat, eine reine Gesellschaft vor, so wie es unser Gott vorgegeben hat: Eine reine Gesellschaft. Kein Betrug, keine Lügen, kein Krieg… keine uneheliche Unzucht, keinen Alkohol…”

Aber glaubst du nicht auch, dass Gott eben diese Gesellschaft offensichtlich “vermieden” hat, als er uns als Menschen erschaffen hat? Der Prophet sagte dazu:

“Würdet ihr nicht sündigen, würde euch Gott verschwinden lassen und würde ein Volk schicken, die sündigen, Gott dann um Vergebung bitten, damit er ihnen verzeiht.” (Muslim)

Das ist ganz offensichtlich eine Gesellschaft, die kontinuierlich sündigt! Was also kann die “reine Gesellschaft” sein, von der Khalid spricht? Von einer “reinen Gesellschaft” reden leider meist Leute, die alles, was ihrer Vorstellung von einer reinen Gesellschaft nicht entspricht, austilgen wollen – und notfalls mit Gewalt. Das ist aber nicht so vom Islam oder von Gott beabsichtigt. Verstehst du dann die Angst vieler Zuschauer, die sich die Ausführungen in der Sendung angeschaut haben? Das ist Faschismus!

7. “Fundamentalist”

lieber Bruder, ich glaube, diesen Begriff hast du falsch verstanden. Es geht hier meist nicht darum, dass ein Muslim nach Koran und Sunna geht. Der Begriff kommt aus der christlichen Ecke und bedeutet, dass jemand wort-pingelig ist und ohne kontextualisierung der Verse (als Beispiel) und ohne Berücksichtigung anderer Verse (oder Hadithe) glaubt, sein Verständnis von dem Gelesenen anderen aufdrücken zu müssen. Wenn du also das Wort verwendest, dann führ aus, was du meinst, damit du verstanden wirst. Du bist schließlich nicht einer, der den Anfang des Verses liest

“und nähert euch nicht dem Gebet”

und daraus seine Schlüsse zieht, oder? Vielmehr ist auch für diesen Vers die Fortsetzung und der Kontext interessant. Das setzt sich bei anderen Versen fort, die eben nicht für sich dastehen, sondern von anderen Versen, von Überlieferungen des Propheten und vom Kontext maßgeblich mitbestimmt werden. Wenn du aber die Kontextualisierung bspw. hinnimmst, dann bist du schon kein Fundamentalist, wie es die christlichen Fundamentalisten sind!

So, ich weiss, das war nun richtig viel, aber ich hoffe, es stösst bei dir auf fruchtbaren Boden und es gibt eine interessante Diskussion darüber. Wenn du Zeit für die Beantwortung brauchst, bitte ich um eine kurze Mitteilung, wann du ungefähr mit der Antwort fertig sein wirst.. Eine kleine Anmerkung habe ich noch zu der von dir verschickten pdf-Datei (ich hatte sie bereits auf einer islamophoben Seite gesehen und wollte anfangs nicht glauben, dass du sie verschickt hast):

Leider hilft die Datei nicht dabei, dich oder deinen Standpunkt zu verstehen. Zum Wort Fundamentalist hatte ich ja bereits einiges erklärt, aber du kannst auch im Allgemeinen die Worte nicht selber definieren, sondern musst darauf eingehen, wie sie von anderen verstanden werden. Ich kann auch nicht sagen, dass “Sünde” für mich “etwas Gutes” bedeutet! Notfalls meidet man halt Begriffe, die missverständlich sind. Es ist kein Mutbeweis, einen negativ empfundenen Begriff auf sich selbst anzuwenden.. Damit beweist du gar nichts!

Weiterhin ist es einfach kontraproduktiv von “Heuchlern” zu sprechen ohne zu konkretisieren, wen du damit meinst oder was diese Menschen, von denen du sprichst vorheucheln sollen. Ich werde deshalb den Brief nur dann veröffentlichen, wenn unsere Diskussion soweit ist, dass wir beide glauben, dass es sinnvoll ist.

09.08.2007 16:16 – Re: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: Omar Abo-Namous
An: Barino

Salam,

entschuldigung am Anfang meiner Email hat sich ein Fehler eingeschlichen, Gemeint ist natürlich unter 2. beim dritten Vers nicht Al-Maida, sondern Al-Araf, also 7:166 und demnach auch der Vers einige Zeilen darunter 7:168 und nicht 5:168!

09.08.2007 17:01 – AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: Barino
An: oan

Assalamu Alykum,

Lieber Omar,

Deine Ausfühung ist sehr reichhaltg, und ich möchte mir Zeit nehmen in ruhe daruf zu antworten. Hab bitte Verständnis wenn es bis nach dem Wochenende dauert.

Barino

16.08.2007 22:11 – Re: AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: oan
An: Barino

Assalamu Alaykum,

kommt noch eine Antwort?

17.08.2007 16:34 – AW: AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: Barino
An: oan

Assalamu Alykum!

Lieber Bruder,

tut mir Leid, dass es ein bissen dauert, aber ich bin die letzte Zeit sehr in Stress. Ich habe noch nicht alle deine Fragen/Anmerkungen beantwortet, werde dies aber, inschaallah, noch vervollständigen. Hier hast du schon mal den ersten Teil (Anhang!).

Mitgeschickt hatte er ein Dokument mit folgendem Inhalt (repräsentativer Ausschnitt):

1. Freundschaft mit Nichtmuslimen

Die Geschichte von Hatib bin Abi Balta’ah steht hinter der Offenbarung der ehrenwerten Sure Al-Mumtahana. Er war einer der frühen Emigranten und hinterließ in Mekka Kinder und Vermögen. Als der Gesandte Gottes (saws) entschied Mekkah zu erobern, befahl er den Muslimen sich militärische vorzubereiten, und sagte in einem Ausspruch, „Oh Allah, halte unsere Neuigkeiten vor ihnen verborgen.“. Hatib schrieb einen Brief um seine Nahe stehenden in Mekkah zu informieren, so dass sie sich schützen könnten. Allah ließ den Propheten davon wissen. Der Prophet ließ den Brief abfangen und stellte Hatib zur Rede. Er beteuerte, dass er es nicht als Auflehnung gegen den Islam machte, sondern nur um seine ihm Nahestenden zu schützen. Sie waren ihm sehr wichtig. ‘Umar wollte ihn daraufhin Köpfen, doch der Prophet wies darauf hin, dass er in Badr mitkämpfte und diese Gefährten alles machen konnten und ihnen vergeben wird.

Der erste Ayah von Surah Mumtahanah ist in Bezug auf dieses Ereignis offenbart worden. Dies ist natürlich ein Beispiel in Kiegszeiten. Aber zu beachten ist, dass es bei Hatib ja nicht um Verrat ging, sondern um seine Emotionale Bindung zu den Ungläubigen die in Makkah waren.

60.1 O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht Meine Feinde und eure Feinde zu Beschützern, indem ihr ihnen Zuneigung (mawada) zeigt, wo sie doch die Wahrheit leugnen, die zu euch gekommen ist, und den Gesandten und euch selbst austreiben, weil ihr an Allah, euren Herrn, glaubt. Wenn ihr zum Kampf für Meine Sache und im Trachten nach Meinem Wohlgefallen ausgezogen seid, gebt ihr ihnen insgeheim Zuneigung zu verstehen, während Ich doch am besten weiß, was ihr verbergt und was ihr kundtut. Und der, der von euch das tut, ist sicherlich vom geraden Weg abgeirrt.

Mit der „Zuneigung“ (Mawaddah) kann hier nicht der gepflegte Umgang gemeint sein, denn Allah sagt: „…gebt ihr ihnen insgeheim Zuneigung zu verstehen, während Ich doch am besten weiß, was ihr verbergt und was ihr kundtut…“

Einen Ungläubigen nicht zum Wali zu nehmen oder ihm keine Liebe/Freundschaft zu entgegnen heißt ja nicht, ihn schlecht zu behandeln, im Gegenteil, so wie es der Vers 60.8, beschreibt, heißt es ihn gut und mit Respekt zu behandeln, aber eben distanziert, nicht mit Liebe/Freundschaft.

Zum Vers 5.51 leitet Ibn Kathir ein:“Allah verbot seinen gläubigen Knechten Juden und Christen zu Freunden zu nehmen, weil sie Feinde des Islam und seiner Anhängern sind.(…)“ Im gleichen Vers sagt Allah(swt), dass wer sie zu Freunden nimmt, gewiss einer von ihnen sein wird.
Einer von Ihnen zu sein bedeutet Den Zorn Allahs auf sich zu tragen oder in der Verirrung („Dalala“) zu sein, laut dem Hadith, der Sura 1.7 erklärt. Überliefert von Tirmidhi, siehe Ahmed 4:378

Sura 5.60 “Sprich: “”Soll ich euch über die belehren[Barino: gemeint hier die Juden], deren Lohn bei Allah noch schlimmer ist als das? Es sind, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat. Diese befinden sich in einer noch schlimmeren Lage und sind noch weiter vom rechten Weg abgeirrt.”"”

Der Vers, den du anführtest (60.7) ist sehr wichtig, um zu verstehen, dass auch die Feinde mit Respekt zu behandeln sind, es heißt aber nicht, das sie nicht trotzdem die Feinde des Islam sind.
Der Prophet (saws) sagte: „Liebe deinen geliebten gemäßigt, denn eines Tages, wird er vielleicht dein Feind sein. Zürne deinem von dir Gezürnten mit Maß, denn eines Tages wird er vielleicht einer von deinen Geliebten sein.“ (Fath Al-Bari 7:644) Siehe dazu auch Vers 3.103

Wir können den Vers nun anhand von dem Hadith folgender maßen verstehen. Allah hat zu allem die Macht. Wenn Er es will, dann macht er euch auch diejenigen zu Freunden, die EINST eure Feinde WAREN (Wichtig: ‘adytum ist Perfekt!).

Dies alles verrät mir, dass der Koran mir eine Freundschaft mit Ungläubigen verbietet, die ich folgender maßen definiere: Man Verspürt innerliche Zuneigung zum Freund, Vertraut ihm Geheimnisse an, man teilt Interessen, berät sich vertrauensvoll, etc.. Ich muss sie gut behandeln, denn obiger Hadith (Fath Al-Bari 7:644) kann sich ja durch Allahs Allmacht bewahrheiten (Innallah yahdi mayasha’).

Die Verse (60.7ff) werden von Rechtsgelehrten zum Verhältnis Muslim-Thimmi herangeführt.

Des weiteren sind zu diesem Thema folgende Verse anzuführen: 3.118, 5.51, 5.57, 4.144, 3.28, 9:23

Hass ist definitiv falsch. Ich bin nicht der Überzeugung, dass ein Muslim einen Ungläubigen hassen muss. Mit deiner Aussage:

„Von Hassen kann keine Rede sein, da wir stets angehalten werden, nett zu allen Menschen zu sein. Wie kann man einen Hass auf Nichtmuslime mit dem Beispiel des Propheten mit seinem jüdischen Nachbarn in Einklang bringen? Wie kann man Hass auch damit in Einklang bringen, dass ein muslimischer Mann eine Christin oder eine Jüdin heiraten darf? Wie kann er sie heiraten, wenn er sie hasst? Weiterhin frage ich mich, wie man jemanden hassen kann und ihm die Hidaya (oder die Rechtleitung) wünscht und möglicherweise sogar für ihn betet? „

hast du völlig recht. Aber wenn man jemanden nicht hasst, heißt es nicht, dass er gleich dein Freund ist. Das diese Aussage aufgezeichnet wurde, darüber bin ich auch nicht glücklich, denn wir hatten stundenlange Interviews hinter uns, dann haben wir einfach ein wenig Geplauder, und da habe ich eine Geschichte erzählt, aus der dann dieser Ausschnitt ausgestrahlt wurde.

Hier eine Fatwa:

[snip]

2. “Schweine und Affen” – und Ratten?

Das diese Aussage aufgezeichnet wurde ist ebenfalls eine Katastrophe. Es ist nicht meine Meinung, sondern ich hatte jemanden zitiert, und war zu unvorsichtig. Es wurde halt entsprechend geschnitten und das Endergebnis sieht so aus, als währe es meine, oder eine Islamisch korrekte Meinung, das heutige Juden und Christen Affen und Schweine seinen. Dies ist schlicht weg falsch. Hier muss man den Kontext sehen, in dem dieser noble Vers offenbart wurde. Deine Ausführung hat Hand und Fuß und ist somit richtig. Meine im Film Dargestellte Meinung ist natürlich falsch, eine Katastrophe! Im Koran Steht natürlich auch nichts von Ratten, aber in folgendem Hadith:

Bukhari Volume 4, Book 54, Number 524:
Narrated Abu Huraira: The Prophet said, “A group of Israelites were lost. Nobody knows what they did. But I do not see them except that they were cursed and changed into rats, for if you put the milk of a she-camel in front of a rat, it will not drink it, but if the milk of a sheep is put in front of it, it will drink it.” I told this to Ka’b who asked me, “Did you hear it from the Prophet ?” I said, “Yes.” Ka’b asked me the same question several times.; I said to Ka’b. “Do I read the Torah? (i.e. I tell you this from the Prophet.)”2

3. “Schlimmer als Tiere”

Du sagst:

Aber im Vers 8:55 steht das eben nicht drin, auch wenn so einige Übersetzungen das so rüberbringen. Tatsächlich steht, dass die schlimmsten Kreaturen für Gott die Ungläubigen (mit Erkläuterung, die im Vers danach folgt!!) sind. Lies bspw. in Ibn Kathir nach, da steht (Tafsir 2/306) in etwa:

Da hast du recht, können wir uns auf die Übersetzung „Das schlimmste/böseste was auf Erden wandelt sind die Ungläubigen…“ einigen? Weiterer Erklärung bedarf dieser Ayah dann wohl nicht, er ist ja dann eindeutig genug.

Ich möchte nicht auf die (angeblichen) Ausführungen eingehen, die von der “saudischen” Internetseite zitiert werden, da das ja nicht deine eigene Aussage ist, allerdings ist es bedenklich, mit welcher Überheblichkeit da von anderen Menschen gesprochen wird, wenn man selber nicht vor der eigenen Haustür kehrt…

Völlig richtig! Vor der Ausstrahlung habe ich diesen Bericht aus dem saudischen Fernsehen noch nie gesehen. Der wurde einfach rein geschnitten.

19.08.2007 13:06 – Re: AW: AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: oan
An: Barino

Assalamu Alaykum,

ich werde warten, bis deine Antworten vollständig sind, ok?

27.08.2007 13:16 – Re: AW: AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: oan
An: Barino

Assalamu Alaykum,

ich will nicht pushy sein, aber kommt noch der Rest der Antwort?

27.08.2007 13:49 – AW: AW: AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: Barino
An: oan

Assalamu Alaykum,

habe mich gerade eingelocked um dir meinen zweiten Teil der Antwort zu schicken, da kam deine letzte mail…

Zum Thema Jihad wollte ich schon immer mal meine Gedanken und die Gelehrtenmeinungen niederschreiben, um sie für mich zu ordnen. Da ich aber momentan aus diversen Gründen nicht die Zeit und Muse habe, habe ich dir als Diskussionsgrundlage eine Zusammenfassung zum Thema als PDF-Datei im Anhang beigelegt. Sie stammt von einem Gelehrten, die Quelle steht auf der vorletzten Seite.

Den Begriff “Fundamentalist” habe ich in meiner PDF-Datei, die ich dir mal zugeschickt habe definiert, es weiter auszuführen lohnt nicht, ist auch nicht so wichtig.

Barino

Mitgeschickt hatte er ein pdf-Dokument mit Ausführungen eines “Sheikh Abdullah bin Muhammad bin Hamid” aus Saudi-Arabien zum Thema Jihad.

28.08.2007 11:08 – Re: AW: AW: AW: AW: Koran im Kopf, Diskussionsanfrage

Von: oan
An: Barino

Assalamu alaykum Barino,

mir fehlen eigentlich noch so einige Antworten, aber ich fange einfach mal an:

1. Verhältnis zu Nichtmuslimen:

Wir können uns also darauf einigen, dass ein Muslim keinen Menschen hasst, nur weil dieser nicht selbst Muslim ist, dass er ihm nichts schlimmes wünscht, dass er ihm natürlich nichts schlimmes tut, nur weil dieser Nichtmuslim ist! Ganz im Gegenteil, guter Umgang ist allgemein. Dies ist nicht nur, da sie “einer von deinen Geliebten” werden können, sondern einfach nur, weil sie mir nichts schlimmes angetan haben.

Du bist der Meinung, dass man keine “innerliche Zuneigung” zu einem Nichtmuslim haben darf:

Dies alles verrät mir, dass der Koran mir eine Freundschaft mit Ungläubigen verbietet, die ich folgender maßen definiere: Man Verspürt innerliche Zuneigung zum Freund, Vertraut ihm Geheimnisse an, man teilt Interessen, berät sich vertrauensvoll, etc..

Dies steht aber nirgends. Innerliche Zuneigung verspürt man mindestens zu seiner Ehefrau und zu seinen Eltern und anderen Verwandten, die alle Nichtmuslime sein können. Interessen teilen tut man mit einem Mitstudenten, einem Geschäftspartner usw.. Auch bei Geheimnissen und dem Anvertrauen geht es logischerweise um Menschen, die feindlich sind, ein Nichtmuslim-Sein rechtfertigt noch keinen absoluten Grund, jemandem nicht mit etwas zu vertrauen (wieder: Geschäfte, aber auch die eigene Frau als einfache Beispiele).

Weiterhin hast du das Verhältnis zu einem Vorgesetzten (Chef, Richter, usw..) nicht geklärt. Also zwei Sachen:

bedeutet der Vers für dich, dass du nicht bei einem nichtmuslimischen Arbeitgeber arbeiten sollst? Oder den Gesetzen des Landes, in dem du lebst nicht Folge leisten musst?

Schau dir zum Vergleich folgende Antwort an:

http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?pagename=IslamOnline-English-Ask_Scholar/FatwaE/FatwaE&cid=1119503544450

2. Schweine und Affen und Ratten

s.u.

3. schlimmer als Tiere

der Vers bedarf durchaus mehr Erklärung. schlimmer hat nichts mit der Sicht, die der saudische Moderator wiedergegeben hat zu tun. Er ist der Meinung, dass Nichtmuslime zwangsläufig moralisch schlechter verhalten als Tiere (z.B. sexuelle Praktiken..). Das ist aber aus eigener Erfahrung in seiner Pauschalität sowieso zu verneinen, mal abgesehen davon, wieviel dieser Mensch vom Verhalten von Tieren weiß.

Schlimmer bezieht sich auf die Bestrafung des Unglaubens, die bevorsteht, insofern kann sie nichts mit einer Charakterisierung des jeweiligen Menschen zu tun haben.

4. “Für” Allah sterben

Das Hauptproblem (“für” Allah sterben, statt “auf dem Wege Allahs” sterben) hast du mit dem Zitieren der pdf-Datei nicht gelöst. Das ist aber m.E. ein erheblicher Unterschied, der sich dann im 5. Punkt ausdrückt, den du leider auch noch nicht behandelt hast. Stimmt es denn, dass du die Kofferbomber rechtfertigst oder glaubst, sie hätten etwas ehrenwertes vorgehabt?

“Die Kofferbomber … sie tun mir ein bisschen leid, weil sie versuchen, einfach nach den Grundsätzen ihrer Religion zu handeln und zu leben. Sie fürchten nicht die Ungläubigen, sondern sie versuchen, den Islam zum Sieg zu verhelfen.”

7. Fundamentalist

Bruder Barino. Nochmals: du kannst nicht einfach von deinen Definitionen bei Worten ausgehen und diese so anwenden und auch noch erwarten, dass dich keiner dafür tadelt – und bestimmt nicht in einem Massenmedium! Fundamentalist hat eine bestimmte Bedeutung, die auch nicht aus dem islamischen Kontext kam, die aber nun analog auf Muslime angewandt wird. Diese Bedeutung hat nicht so viel mit dem “Fundament” zu tun, Ich würde dir wirklich raten, das Reaktionäre sich-selbst-als-Fundamentalist-Bezeichnen zu unterlassen – das hilft dir nicht bei Diskussionen. Vor allem, dass du nun an der Moschee unterrichten sollst heisst, dass du das nicht Kindern beibringen solltest, die dadurch ohne Wissen sich selbst ins diskussionstechnische Aus schiessen.

So, jetzt müssten wir vielleicht Resumee ziehen. Du hattest ja eine pdf-Datei verschickt, die ich auch veröffentlichen sollte. Meine Frage wäre: warum klärst du in diesem Schriftstück nicht klipp und klar, an welchen Stellen du falsch zitiert wurdest, statt die Angesprochenen zu beleidigen (“ihr Heuchler”, “ihr verblendeten” usw..). Das beste Beispiel dafür ist die Bezeichnung von Nichtmuslimen als Schweine, Affen oder Ratten. Warum klärst du das nicht auf? Die beste Charaktereigenschaft eines Menschen ist seine Bescheidenheit und zur Bescheidenheit gehört, dass man Fehler zugibt. Wenn es in diesem Fall kein Fehler war und du falsch zitiert wurdest, dann sag eben genau das! Genau dasselbe gilt für die Frage nach den Kofferbombern (wenn wir beide diese isA geklärt haben) oder auf die Freundschaft mit Nichtmuslimen, die Gesetzestreue im nichtmuslimsichen Staat usw. usf..

Warum lässt du dich auf ein Niveau herunterschrauben, das nicht mehr produktiv ist? Ein Imam sagte mal, “sag etwas Gutes oder schweig” und ich meine, diese Aufforderung könnte heute nicht sinnvoller sein. Kommunikation besteht nun mal aus Sprecher, Medium und Hörer. Alle drei muss man berücksichtigen, um seine Aussage zielgerichtet an den Mann zu bringen. Wenn man eines dieser Punkte vernachlässigt, dann kann es verheerend sein und dann können wir uns nicht darüber beschweren, dass einige glauben, der Islam rufe dazu auf, jeden, der nicht die Schahada aufsagt, umzubringen. Diesen Eindruck hatte man bei deinen Ausführungen.

Ich würde vorschlagen, dass wir an einen Text arbeiten, in dem du die falschen Sachen aus der Sendung richtigstellst. Ich kann dir meine Hilfe dabei anbieten, ich denke mal an den sieben Punkten, die ich aufgeführt habe kann man sich ruhig orientieren. Aber bedenke, dass du mit Menschen sprichst, nicht mit Tieren. Deine Sprache muss sich dementsprechend anpassen und das ganze muss mit Respekt und nicht von oben herab geschehen. Ich schätze dich so ein, dass du das isA kannst.

Was hälst du von der Idee?

PS: vielleicht interessant:

http://www.toomuchcookies.net/archives/1075/moderat-radikal-einfach-falsch.htm

03.09.2007 14:41 – ohne Betreff

Von: Barino
An: oan

Assalamu alaykum,

Lieber Bruder,

Wir fingen unsere Korrespondenz mit der Absicht an uns gegenseitig(??) intellektuell zu befruchten. Und ich muss sagen, dass wir das wirklich gut machen. Ich möchte allerdings für die weitere Korrespondenz vorschlagen, dass wir uns Thema für Thema vorarbeiten. Alles auf einmal ist einfach zu viel.

Erstens dauern die Antworten dann entsprechend lange, zweitens gehen dann so wichtige Beitrage wie die von mir geschickte PDF-Datei, oder einige von dir gestellte Diskussionspunkte einfach unter, weil man sie übersehen hat bzw. ihr nicht die nötige Aufmerksamkeit die ihr gebührt zukommen ließ. Inscha’allah weder wir so die einzelnen Punkte ausführlich und intensiv diskutieren.

Du kannst gerne den ersten Diskussionspunkt bestimmen.

04.09.2007 00:44 – Re:

Von: oan
An: Barino

Assalamu Alaykum,

erstes Thema (ist mir auch sehr wichtig): “Kofferbomber”. Du sagst

“Die Kofferbomber … sie tun mir ein bisschen leid, weil sie versuchen, einfach nach den Grundsätzen ihrer Religion zu handeln und zu leben. Sie fürchten nicht die Ungläubigen, sondern sie versuchen, den Islam zum Sieg zu verhelfen.”

Bist du wirklich der Meinung, dass zu den Grundsätzen des Islams das willkürliche und zufällige Töten von Zivilisten (also Leuten, die keine Waffe tragen) außerhalb einer Kriegszone gehört? Wenn selbst das Umbringen von Zivilisten im Falle von Krieg vom Propheten und von seinen Nachfolgern (Bsp. Omar Ibn Al-Khattab) verboten wurde, wie kann man dann davon ausgehen, dass die Kofferbomber (oder etwa die Attentäter vom “7.7.” oder andere) etwas ehrwürdiges getan (oder vorgehabt) haben? Das kann ich nicht verstehen und wünsche mir eine Erklärung.

04.09.2007 13:17 – Kofferbomber

Von: Barino
An: oan

Salam!

Du hast recht, der Islam verlangt unter allen Umständen die Vermeidung vom Töten von unbewaffneten Zivilisten, denn ein bekehrter Ungläubiger ist besser als ein Toter. Um es allerdings komplett und unter allen Umständen für Verboten zu erachten, gehört mehr als nur das Zitat eines Hadith. Mit dieser Technik kann man ohne weiteres auch das Gegenteil beweisen.

Im Islam ist ein Angriff auf ein Jahili System allerdings ohne Zweifel gerechtfertigt. D.h. gegen die Führer, das Militär und dessen Vertreter. Nicht nur zur Verteidigung von so genannten islamischen Staatsgrenzen, zumal es auf dieser Welt keinen islamischen Staat gibt. Die Brüder die nun offensichtlich Zivilisten angreifen wollten sind islamsch gesehen natürlich auf der falschen Spur, daher tun sie mir Leid, denn ich glaube an das Gute in ihnen, das bedeutet das sie das Jahili System angreifen wollten, und sich von einer Fatwa wie dieser leiten ließen. [link zu einem Artikel von Bin Laden et al]

Man kann natürlich die Authentizität von dieser Fatwa anzweifeln, aber darum geht es nicht. Sie ziehen die Konsequenzen aus den Koranversen die zum Kampf gegen die Kuffar auffordern, begleitet von Gelehrten-Meinungen von z.B. Ibn Qayyim (rahimahullah) der neben dem Darul Islam nur den Darul Harb sieht, und einer solchen Fatwa. Sie verüben eine solche Tat, im Bewusstsein eine Islamkonforme tat zu begehen. Als zentrales Problem sehe ich die Feigheit von unseren so genannten Gelehrten, das Thema Jihad ausführlich und ehrlich zu behandeln, auch wenn nicht alle Aspekte den Nich-Muslimen gefallen mögen. Sie argumentieren einfach, Jihad beziehe sich heute ausschließlich auf die Amerikanisch/Israelischen Besatzer in den so genannten „islamischen Ländern“, und degradieren den Jihad somit nur auf die Verteidigung eines noch nicht mal „islamischen Vaterlandes“ bzw. nur auf die Selbstverteidigung seines Lebens, um nachher weiter in der Jahiliyya zu leben. Subhanallah! Die junge Generation, die die Quellen ließt und sich eine Wiederbelebung der islamischen Bewegung herbei sehnt und alles dafür zu tun bereit ist, läßt sich nicht im Zaum halten, indem gesagt wird Islam heißt Frieden etc. denn Sie weiß, dass der Islamische Frieden nicht durch die Tollerierung der Jahiliyyah von der wir umzingelt sind zu erreichen ist! Glaubst du das ‘Umar, Abu Bakr und die anderen recht geleiteten Kalifen sich damit zufrieden gegeben hatten ihren Islamischen Staat zu verteidigen? Es geht beim Jihad um die Befreiung der Menschen aus den Dunkelheit der Mehrgötterei (Was die Anbetung UND die Rechtssprechung angeht, denn ein anderes Rechtssystem als die Schari’ah anzunehmen ist SCHIRK!) und der Machthabe von Menschen über andere Menschen zum Lichte des vollkommenen Monotheismus in dem der Tauhid Uluhiyyah UND Rububiyyah vereint ist. In dem nur Allah angebetet wird, und nur seine Gesetze herrschen, keine Menschlichen!

05.09.2007 09:22 – Re: Kofferbomber

Von: oan
An: Barino

Barino, es geht nicht darum, etwas zu vermeiden, sondern zunächst einmal ist es _haram_, einen Unbewaffneten Zivilisten umzubringen! Die Hidaya oder die Rechtleitung ist Allahs Sache und die werden wir nicht ändern, ob wir nun einen Menschen umbringen oder ihn am Leben lassen! Deswegen ist der Vergleich zwischen totem Kafir und lebendigem Konvertiten nicht angebracht! Nochmal: der Grundsatz ist der, dass man keinen Menschen umbringen darf. Die Ausnahme ist eher, wenn im Kriegsfall getötet wird – im Kriegsfall!!

Im Islam ist ein Angriff auf ein Jahili System allerdings ohne Zweifel gerechtfertigt. D.h. gegen die Führer, das Militär und dessen Vertreter. Nicht nur zur Verteidigung von so genannten islamischen Staatsgrenzen, zumal es auf dieser Welt keinen islamischen Staat gibt.

Du bist also der Meinung unser Dasein auf dieser Erde ist dafür gedacht, dass wir bis zum jüngsten Tag all diejenigen (Systeme) bekämpfen, die nicht islamisch handeln? Wo bleibt dann das Konzept von “Lakum dinukum wa liya din”3? Oder bist du der Meinung, dass das nur für die private Religionsausübung gilt?

Die Brüder die nun offensichtlich Zivilisten angreifen wollten sind islamsch gesehen natürlich auf der falschen Spur, daher tun sie mir Leid, denn ich glaube an das Gute in ihnen, das bedeutet das sie das Jahili System angreifen wollten, und sich von einer Fatwa wie dieser leiten ließen.

Es geht doch nicht darum, ob sie dir leid tun, es geht darum, ob du ihre Tat oder ihren Versuch gutheisst. Das ist etwas komplett anderes und in ihre Herzen werden wir bestimmt nicht blicken können. Dass sie das “Jahili System” angreifen wollten, spielt keine Rolle, sie haben tatsächlich die Insassen zweier (ziviler) Züge anzugreifen versucht (unbeaffnete, die sich sicher wähnen) – und DAS kann nicht ehrenhaft oder halal sein! Auch der Angriff auf die Funktionsträger in Deutschland macht keinen Sinn, da dies ein hinterhältiger Angriff ist, in dem diejenigen, die angreifen einen friedlichen Ort in einen Kriegsort verwandeln. Und dabei spielt es keine Rolle, dass Deutschland kein islamischer Staat ist, denn Frieden hat der islamische Staat sehr oft mit nichtislamischen Ländern geschlossen und dabei lief es noch nicht einmal immer darauf hinaus, dass Jizya gezahlt wurde! Ausserdem haben immer Muslime in nichtmuslimischen Ländern gelebt, ohne die Notwendigkeit, die dortigen Gesetze zu ändern, solange sie ihre Religion ausüben konnten.

Mal nebenbei: Die Authorität der Fatwa anzweifeln? Wie soll ich dazu kommen, wenn sie zunächst einmal von Bin Laden (der selbst kein Gelehrte ist) und Kumpanen kommt, die alle vom Krieg in Afghanistan und anderswo traumatisiert sind, sodass sie sich kein Leben ausserhalb von Krieg vorstellen können?

Man kann natürlich die Authentizität von dieser Fatwa anzweifeln, aber darum geht es nicht. Sie ziehen die Konsequenzen aus den Koranversen die zum Kampf gegen die Kuffar auffordern, begleitet von Gelehrten-Meinungen von z.B. Ibn Qayyim (rahimahullah) der neben dem Darul Islam nur den Darul Harb sieht, und einer solchen Fatwa.

Dass zu verschiedenen Zeiten verschiedene politische Modelle der Welt aufgestellt wurden, kann doch nicht legitimieren, dass jemand einer Menschengruppe auf ewig den Kampf ansagt. Das Konzept der Darul Islam und der Darul Harb ist kein Bestandteil islamischen Glaubens oder der Tradition des Prophet (sas) und ist zudem rein logisch vollkommen überholt. Was nicht überholt ist, ist die Tatsache, dass ein Muslim keinen Vertrag bricht. Jemand, der aber in Deutschland lebt, lebt unter implizitem oder gar explizitem Vertrag, dass der deutsche Staat ihn und seine Rechte (in Deutschland) schützt und dass er gleichzeitig – ausgehend von der Gesetzeslage, wie sie im Grundgesetz zu finden ist – die Rechte der anderen Menschen in diesem Land zu wahren hat. Das betrifft natürlich vor allem das Recht zu leben.. Dass dieses Recht auch noch aus dem Selbstverständnis des Muslims heraus gegeben ist, ist umso besser!

Sie verüben eine solche Tat, im Bewusstsein eine Islamkonforme tat zu begehen.

Wieder: wie siehst du das?

Als zentrales Problem sehe ich die Feigheit von unseren so genannten Gelehrten, das Thema Jihad ausführlich und ehrlich zu behandeln, auch wenn nicht alle Aspekte den Nich-Muslimen gefallen mögen.

Es tut mir leid, dir zu sagen, dass die Forschung darin, wie Jihad aussieht und wie die (aktuellen, weil durch neue Kampfmittel anderen) Richtlinien für den Kampf aussehen, sehr angeregt geführt wird. Das Problem ist eher darin zu suchen, was du als “ehrlich” bezeichnest. Sind sie automatisch Apologeten in deinen Augen, wenn sie sagen, dass Mord haram ist? Vor kurzem gab es z.B. ein Seminar in Afghanistan über Selbstmordanschläge im islamischen Kontext4.

Sie argumentieren einfach, Jihad beziehe sich heute ausschließlich auf die Amerikanisch/Israelischen Besatzer in den so genannten „islamischen Ländern“, und degradieren den Jihad somit nur auf die Verteidigung eines noch nicht mal „islamischen Vaterlandes“ bzw. nur auf die Selbstverteidigung seines Lebens, um nachher weiter in der Jahiliyya zu leben.

Wie würdest du denn den Jihad ausweiten wollen? Mal ganz ehrlich: Würdest du in Deutschland einen Anschlag auf Regierungsgebäude (Jahili System) ausüben, wenn du die Möglichkeiten dafür hättest? Oder anders: findest du’s richtig, dass man das als Muslim tut?

Subhanallah! Die junge Generation, die die Quellen ließt und sich eine Wiederbelebung der islamischen Bewegung herbei sehnt und alles dafür zu tun bereit ist, läßt sich nicht im Zaum halten, indem gesagt wird Islam heißt Frieden etc. denn Sie weiß, dass der Islamische Frieden nicht durch die Tollerierung der Jahiliyyah von der wir umzingelt sind zu erreichen ist!

Alhamdulillah erkennt der Grossteil der “jungen Generation”, dass es eben nicht zum ewigen, weltumspannenden und immer fortdauernden Kampf auf der Erde kommen muss. Dieser wäre aber eine Konsequenz deiner Ausführungen leider. Der islamische Frieden herrscht dann, wenn man seine Religion ausüben kann und wenn man nicht um Leben, Besitz oder Religion fürchten muss.

Glaubst du das ‘Umar, Abu Bakr und die anderen recht geleiteten Kalifen sich damit zufrieden gegeben hatten ihren Islamischen Staat zu verteidigen?

In unserer heutigen Zeit – Ja! Genauso wie der Prophet (sas) 13 Jahre lang keinen Krieg geführt hat (obwohl ihm weit schlimmeres widerfuhr, als uns heute und er seinen Glauben nicht ausüben konnte), können wir uns auch auf das wesentliche konzentrieren, nämlich unsere Taten auf das Jenseits auszurichten und unseren schlechten Taten Reue folgen lassen.

Es geht beim Jihad um die Befreiung der Menschen aus den Dunkelheit der Mehrgötterei (Was die Anbetung UND die Rechtssprechung angeht, denn ein anderes Rechtssystem als die Schari’ah anzunehmen ist SCHIRK!) und der Machthabe von Menschen über andere Menschen zum Lichte des vollkommenen Monotheismus in dem der Tauhid Uluhiyyah UND Rububiyyah vereint ist. In dem nur Allah angebetet wird, und nur seine Gesetze herrschen, keine Menschlichen!

Das stimmt nicht! Denn das widerspricht dem Prinzip der Jizya, wie es sie lange Zeit gab. Die Staaten, die die Jizya zahlten, versicherten damit, dass sie dem islamischen Staat keinen Schaden zufügen wollen und meistens, dass sie Muslime gewähren würden. Der Staat an sich war weiterhin nichtislamisch und somit auch die Rechtsprechung. Davon mal abgesehen: wenn wirklich eine absolute und einheitliche Rechtsprechung und die Vereinheitlichung aller Menschen auf einen Glauben das Ziel hinter Jihad waren, warum blieben noch so viele Christen in arabischen Ländern und warum durften sie sogar explizit eigene Personenrechte unter sich ausmachen – vollkommen abseits vom islamischen Recht und der Gerichtsbarkeit des isalamischen Staats?

Tatsächlich wurde der Prophet Muhammad (sas) geschickt, um die Menschen vom Anbeten von Geschöpfen zum Anbeten des Schöpfers zu bringen. Das ist aber was vollkommen anderes als zu sagen, Muslime müssten deswegen andere töten oder bekehren! Wir können niemanden ‘bekehren’, es sei denn Allah erlaubt es und lässt ihn den Glauben finden..

15.09.2007 15:53 – Ramadan Mubarak

Von: Barino
An: oan

Hier hat Barino sehr viel von meiner vorherigen Email zitiert, was ich aber weitgehend stutzen werde. Wenn das die Verständlichkeit beeinträchtigt, bitte ich um entsprechende Meldung.

Hier die Antworten:

Die Ausnahme ist eher, wenn im Kriegsfall getötet wird – im Kriegsfall!!

Eine berechtigte Frage ist jedoch, ab wann besteht Kriegszustand?

Das ein Ungläubiger nicht wegen seinem Unglauben getötet werden darf ist klar, und darüber darf es keine Zweifel geben! Die geplante Tat der Kofferbomber ist daher wie gesagt islamisch unkorrekt, weil sie sich gegen unbewaffnete Zivilisten richtete. Aber ich kann aus besagten Gründen ihre Tat nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht gut heiße!

Wo bleibt dann das Konzept von “Lakum dinukum wa liya din”? Oder bist du der Meinung, dass das nur für die private Religionsausübung gilt?

Ja!

Ausserdem haben immer Muslime in nichtmuslimischen Ländern gelebt, ohne die Notwendigkeit, die dortigen Gesetze zu ändern, solange sie ihre Religion ausüben konnten.

Bist Du der Meinung, dass in einem unislamischen Staat der Islam wirklich ausgelebt werden kann?

Ein anderes Rechtssystem als die Schari’ah anzuerkennen, zu unterstützen, und nicht alles in seiner Macht stehende zu tun es zu ändern ist Schirk. Ich weis, du wirst mich jetzt für noch verrückter halten als schon zuvor, aber ich glaube daran, das früher oder später hier der Islam regieren wird. Auch wenn wir es vielleicht nicht mehr miterleben werden. Unsere Aufgabe ist es, alles in unserer Macht stehende zu tun um an diesem Prozess mitzuwirken. Das ist unsere Pflicht! Wenn wir uns untätig mit dem bestehenden System zufrieden geben, und nicht mit der Hand, mit der Zunge oder zumindest mit dem Herzen dagegen stellen, weis ich nicht wie wir dies am Tag des Gerichts erklären wollen.

Mal nebenbei: Die Authorität der Fatwa anzweifeln? Wie soll ich dazu kommen, wenn sie zunächst einmal von Bin Laden (der selbst kein Gelehrte ist) und Kumpanen kommt, die alle vom Krieg in Afghanistan und anderswo traumatisiert sind, sodass sie sich kein Leben ausserhalb von Krieg vorstellen können?

Ich habe eigentlich erwartet, dass du auf die Inhalte eingehst. s.u.

Vor kurzem gab es z.B. ein Seminar in Afghanistan über Selbstmordanschläge im islamischen Kontext.

Sehr interessant, würde mich um Quellen freuen.

Würdest du in Deutschland einen Anschlag auf Regierungsgebäude (Jahili System) ausüben, wenn du die Möglichkeiten dafür hättest? Oder anders: findest du’s richtig, dass man das als Muslim tut?

Es passt momentan nicht in die Prioritätenliste und da es nur ein Mittel zum Zweck währe, ist es momentan kein akkurates Mittel.

Der islamische Frieden herrscht dann, wenn man seine Religion ausüben kann und wenn man nicht um Leben, Besitz oder Religion fürchten muss.

Der islamische Frieden kann nur in einem Islamischen Staat herrschen. Denn nur in Ihm kann der Islam in allen Bereichen ausgelebt werden. Gibst du dich mit der Situation zufrieden, dass du dich Muslim nennen darfst und dich keiner daran hindert in die Moschee zu gehen?

Genauso wie der Prophet (sas) 13 Jahre lang keinen Krieg geführt hat (obwohl ihm weit schlimmeres widerfuhr, als uns heute und er seinen Glauben nicht ausüben konnte), können wir uns auch auf das wesentliche konzentrieren, nämlich unsere Taten auf das Jenseits auszurichten und unseren schlechten Taten Reue folgen lassen.

Das ist leider, so sehe ich es, ein völlig falsches Bild. s.u.

[snip]

Nachdem ich meine Position zu den Kofferbombern klar gemacht habe, mache ich folgenden Vorschlag:

Laß uns das Thema Jihad doch mal in ruhe unter die Lupen nehmen. Ich schlage vor, anhand von der PDF-Datei die ich dir mal zugeschickt habe, und dieser Meinung von dem Gelehrten Syyed Qutb: [link]

Du kannst auch gerne Quellen hinzusteuern, die ich mir dann durchlesen werden, so dass wir einen gemeinsamen Ausgangspunkt haben.

Conclusion

Das war die letzte Email. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt viele andere Dinge zu tun, u.a. eine Hochzeit zu planen und meine Diplomarbeit zuende schreiben. Das waren natürlich nicht die einzigen Gründe für meine Abneigung gegenüber der weiteren Diskussion mit Barino. “Something did smell and still smells fishy”, um es mal so auszudrücken. Er versuchte mich noch am 25.9.2007 zu erreichen, aber darauf habe ich auch nicht geantwortet.

Jedenfalls glaube ich, dass Barino entweder ein auf Rechtfertigung seiner eigenen Aggression und Unbarmherzigkeit suchender Mensch ist oder jemand, der artistisch hochwertig seine eigene Konversion und Rückkonversion inszeniert hat. Dafür spricht bspw. dass er zu einer (in Deutschland) Minderheitsgruppe im Christentum konvertiert ist. Eine Erklärung dafür gab es im Film jedenfalls nicht. Dass er als Held der Islamophobie zu feiern sein wird, genauso wie seine Familie, das versteht sich von selbst. Sein Vater bezeichnete ihn ja schon als “islamischen Gelehrten”. Wow!

  1. verfolgen Sie nächstes Jahr die höchstspannende Konversion Barinos zum Katholizismus und danach zum Buddhismus[]
  2. Ich habe diese Überlieferung nie zuvor gehört und nie deren Authentizität nachgeprüft![]
  3. euch euer Glaube und mir mein Glaube. Dreh- und Angelpunkt einer ganzen Sure (109, Alkafiroun) []
  4. mehr dazu bei “Bilal sagt”[]

Big Buck Bunny – Trailer

author | 19. März 2008

Der Trailer für den zweiten open source Film aus dem Hause der Blender Foundation wurde heute veröffentlicht [via]. Die Grafik stimmt meines Erachtens, die Charakteranimation auch. Hoffentlich ist es auch eine spannende Geschichte!

Rory Bremner

author | 1. Juni 2007

Auf Rory Bremner bin ich schon früher aufmerksam geworden, vor allem im Zusammenhang mit der Sendung “Between/beneath and beyond Iraq and a hard place”. Erst jetzt habe ich mich dazu durchgerungen, seine Videos aufzusuchen. Er hat eine besondere Art des britischen Humors geprägt.. Hier ist eine Auswahl:

Rory Bremner als Ahmadinedschad mit Blair-Einblendung

Rory Bremner as Ahmedinejad – Bremner, Bird & Fortune

Bremner als Bush am Telefon mit Versprecher

Mock the Week – Rory Bremner screwing up as Dubya

Bremner, Bird and Fortune – Pro American Guy

Bremner, Bird and Fortune – Pro American Guy

Tony Blair und die Welt außerhalb von Number 10

Bremner, Bird and Fortune sketch, Blair evicted from Big Bro

Google’s Masterplan

author | 2. Februar 2007

Kein Kommentar!

Entwickelt wurde dieser Kurzfilm im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Hochschule Ulm. Die Entwickler sind Ozan Halici und Jürgen Mayer. Ich hab sie noch per Email gefragt, welche Programme für die Erstellung des Films gebraucht wurden.. Ich hoffe, Blender war dazwischen..

Update: Der Film ist mit 3ds Max und After Effects erstellt.

Der Film ist hier downloadbar.

Death of a President – was wäre wenn?

author | 28. Oktober 2006

“Death of a president”1 beschreibt im Rückblick aus dem Jahr 2008 die Umstände um den Tod des US-Präsidenten George Walker Bush. Dieser soll im Oktober 2007 nach einem Vortrag im Sheraton-Hotel zum Thema “A brighter Futur For America”. In bester Dokumentarfilmmanier werden verschiedene Zeitzeugen zum Tathergang und den sich darauf anschliessenden Analysen befragt. Dabei ist der Erzählfluss reibungslos und man gewinnt als Zuschauer schnell den Eindruck, dass hier eine wahre Geschichte wiedergegeben wird.

Death of a President small Poster version

Die Geschichte

Am 19. Oktober 2007 wird der US-Präsident George W. Bush nach einer Rede in Chicago erschossen. In der Folge übernimmt Dick Cheney die Präsidentschaft und steuert die USA auf Kriegskurs gegen Syrien zu. Unterdessen läuft die Suche nach dem Mörder, die von der Politik zu einem großen Teil ausgenutzt wird.

Der Film beginnt mit der Ankunft George W. Bushs im Chicagoer o’Hare Flughafen. Es wird durch eine unterlagerte Berichterstatter-Stimme angekündigt, dass eine große Anti-Kriegs-Demonstration gegen den Präsidenten geplant ist. Im Verlauf der Handlung werden verschiedene Personen vorgestellt. Dazu gehört der “ehemalige” Secret-Service-Leiter Larry Stafford, der als Experte in der Dokumentation die Sicherheitslage und wie darauf reagiert wurde beschreibt. Er beschreibt, wie er vorhatte, den Aufenthalt des Präsidenten in Chicago so kurz wie möglich zu gestalten.

Dann ist da noch die Bush-Beraterin Eleanor Drake, die beschreibt, wie sie mit dem US-Präsidenten auf dem Weg noch die letzten Änderungen an der Rede vorgenommen hat. Die Wagenkolonne, die den Präsidenten zum Hotel befördert fährt dann zwischen demonstrierenden Mengen, die sich an den Straßenseiten versammelt haben. Es kommt zu einem Durchbruch der Sperren und einige Demonstranten setzen sich auf der Straße vor der Kolonne, wodurch sie zum Stehen kommt, andere versuchen – teilweise mit Erfolg – zum Präsidentenwagen zu gelangen. An der Stelle greift die Polizei hart durch und holen mit den Knüppeln aus, bis der Präsidentenkonvoi weiterfährt und endlich am Hotel ankommt, wo Bush seine letzte Rede halten soll.

Die Aufnahmen wechseln schnell zwischen realen Archivvideos, in denen bspw. Bush, Cheney oder Demonstranten zu sehen sind und gestellten Interviews und Szenen. Das macht den Dokumentarfilmcharakter glaubwürdig. Immer wieder werden die Demonstranten gezeigt und Experten erklären parallel, wie die Sicherheitslage aussah.

Im Vortragssaal fängt Bush seine Rede mit typischen punchlines. Er lobt den Bürgermeister Chicagos (obwohl Demokrat) und geht dann zu Themen wie Terrorismus und die nordkoreanischen Nuklearbestrebungen über. Official Poster of "Death of a president" - small version
Als seine Rede sich dem Ende neigt, werden die zunehmenden Proteste außerhalb der Sicherheitszone eingeblendet und wie die Sicherheitskräfte immer härter vorgingen, um diese Proteste im Zaum zu halten. Die Rede ging zuende und es musste eine Passage für die Kolonne vorgesehen werden, damit der US-Präsident aus der nahezu absoluten Umzingelung (auch wenn in einigen hundert Metern Entfernung) herauskam.

Die Ermordung

George Bush besteht – trotz Abraten des Leiters des Secret Service – auf das traditionelle Treffen mit “Bürgern” aus der Stadt2. Während er dabei ist, die Hände zu schütteln und Menschen Hallo zu sagen, fallen vier Schüsse und zwei treffen den Präsidenten direkt.

Es ist nicht ganz klar, ob diese Szene retouchiert wurde oder tatsächlich komplett gestellt ist, denn darin ist George Bush zu sehen, wie er erschossen wird und vorn überkippt.

In der auf die Schüsse folgenden Szene, wird der Präsident von den Sicherheitskräften in den Wagen gebracht der dann abfährt, während die restlichen Menschen in Panik geraten. Ab da fängt die investigative Arbeit des FBI an, der nun ermitteln muss, wer die Schüsse abgefeuert hat.

Motive

Bush had been responsible for over 100.000 deaths – and if he had been tried at a war-crimes tribunal and found guilty, then he would have been a candidate for the death penalty..

Über den ganzen Film – vor allem im Vorspann und zum Ende – ist eine muslimische Frau zu sehen, die anfangs vom 11. September spricht, um nach und nach auch Bezug zur Ermordung des Präsidenten zu nehmen. Ihr Ehemann – Jamal Abu-Zikri – ist einer der Verdächtigen, die vom FBI festgenommen wurden, da er zur Zeit der Ermordung Bushs in einem gegenüber liegenden Gebäude – von dem die Schüsse gekommen sind – sich aufgehalten hat und er ist syrischer Abstammung.

Weiter wird einer der Demonstranten – Frank Molini – verdächtigt, der durch die Blockaden gedrungen ist und sich zur Zeit der Schüsse innerhalb der Sicherheitszone bewegte und ein langes rohrartiges Objekt auf dem Rücken trug, wie einer Sicherheitskamera zu entnehmen war. Molini gibt selbst ein Motiv für seine mögliche Schuld an: Ihm zufolge würde Bush in einem ordentlichen Kriegsverbrechertribunal schuldig gesprochen und möglicherweise zum Tode verurteilt!

Dann wurde ein Irakkriegsveteran – Casey Claybon – festgenommen, von dem angenommen wurde, dass er für die Proteste da war. Ein weiterer Demonstrant, der genau wie Molini durch die Absperrungen dringen konnte – Samir Masri – wurde festgenommen. Im Verhör wurde ihm vorgeworfen, dass sein Vater ein Terrorist sei. Er aber war auf der Demo, da er unter anderem gegen die Deportierung seiner Eltern und seines Bruders protestieren wollte. Ihm wurde gedroht, dass er seine Bürgerrechte verlieren könnte, sollte er nicht kooperieren und dann würde er als “Enemy Combatant” eingestuft.

Schließlich – so der FBI-Agent Robert H Maguire hätten alle 10.000 Demonstranten – die teilweise gefeiert haben, nachdem die Nachricht über die Erschießung des Präsidenten herauskam – ein Motiv und könnten deshalb festgenommen werden. Tatsächlich wird erwähnt, dass eine große Anzahl von Verdächtigen vorübergehend festgenommen werden.

Folgen

Nachdem Dick Cheney automatisch die Präsidentschaft übernimmt, leitet er zwei Dinge ein:

  1. Die Forcierung einer dritten Version der Patriot Act, die der Exekutiven noch mehr Rechte gibt und noch stärkere und engere Schranken für die Bürgerrechte vorsieht
  2. Die Konzentration des FBIs auf die Verlinkung des Mords mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad

Letzteres ist auch der Grund dafür, dass der FBI seine Ermittlungen auf den Syrer Abu-Zikri konzentriert. Zeitgleich finden in den Medien heiße Spekulationen statt, was der nächste Schritt der USA sein wird. In einer Fernsehsendung wird ein Kritiker der syrischen Regierung befragt, der dann bereitwillig aussagt, dass er den Namen von George W. Bush genauso wie die von Ariel Sharon und von Dick Cheney auf einer Todesliste des syrischen Geheimdienstes gesehen hatte, die auch den früheren libanesischen Präsidenten Rafiq Al-Hariri enthalten soll. Es wird schnell klar, dass die mediale, ermittlungstechnische und militärische Mobilisierung gegen Syrien zusammenhängt und bei Dick Cheney persönlich mündet.

Parteipolitik und US-Wahlkampf?

Der Film “Death of a president” wurde am 10. September diesen Jahres das erste Mal im Toronto International Film Festival gezeigt und am 9. und 19. Oktober in britischen Sendern ausgestrahlt. Inzwischen hat Newmarket Films die Rechte für die Veröffentlichung in den USA gekauft. Bei der Nähe zum Datum der US-Midterm-Wahlen am 7.11. und der Nähe der gespielten Reportage zu den Präsidentschaftswahlen in den USA am 4.11.2008 könnte man vermuten, dass der Film partei ergreift und die ein oder andere Partei – sehr viel liesse sich über die Person des Präsidenten selbst machen – in ein schlechtes Licht bringen.

Tatsächlich zeichnet sich “Death of a President” durch eine ungemeine Überparteilichkeit aus – sowohl auf den tatsächlichen Wahlkampf wie auch in Bezug auf das Spannungsfeld Bürgerrechte vs. Sicherheit. So wird George Bush von mehreren befragten Zeitzeugen als tapfer, intelligent und ehrlich bezeichnet, während andere (vor allem die Demonstranten) darauf aufmerksam machen, dass er sich den Protesten nicht stelle und als Kriegsverbrecher, der die Ermordung mehrerer Tausend Menschen zu verantworten hätte, den Tod verdient hätte.

Persönliche Bewertung

Rein vom Filmischen war ich von “Death of a President” sehr positiv überrascht. Der zukünftige fiktional-dokumentarische Rückblick bietet dem Regisseur viele Möglichkeiten der Geschichtserzählung, die er bereitwillig nutzt. Den Interviews der Zeitzeugen wird dabei eine wichtige Rolle zugesprochen – wie eben in einem normalen Dokumentarfilm. Daneben ermöglicht die Benutzung von Archivmaterial eine Authentizität, die den Film umso “wichtiger” erscheinen lässt.

Meines Erachtens hätte mehr auf die beiden von Cheney bewirkten Auswirkungen (Aushöhlung der Bürgerrechte und Mobilisierung gegen Syrien) eingegangen werden können. Es wird bis Ende des Films nicht klar, ob ein Krieg gegen Syrien tatsächlich geplant war. Die Antworten der Weltgemeinschaft auf die Ermordung wird komplett unterschlagen und somit ein Teil sowohl der möglichen Mobilisierungshemmnis, als auch der Mitmobilisierung unterschlagen.

Außerdem werden die obligatorischen Folgen für die muslimische Community in den USA und anderswo ausgeblendet.

Insgesamt macht der Film den Eindruck, dass vieles weggeschnitten werden musste (möglicherweise schon im Skript), damit die Kosten und der Aufwand in Grenzen bleiben. Trotzdem würde ich hier Sterne vergeben, “Death of a President” würde eine knappen Vollausschlag bekommen!

Man sollte anmerken, dass Iran mit keinem Wort genannt wird. Möglicherweise wollte der Autor keine zu schnell überholbaren Zustände – bis dahin könnte bereits ein Krieg mit dem Iran entfacht sein – berücksichtigen müssen. Der Verweis auf Nordkorea ist so dezent und allgemein, dass er keinen zeitlichen Bezug braucht.

  1. Der Tod eines Präsidenten[]
  2. tatsächlich dürften das eh’ nur begeisterte Bush-Fans sein, darauf deutet auch die Verhinderung eines Bush-Gegners hin[]