Category: medien

The first victim of a riot is the news – London’s burning

author | 10. August 2011

In der letzten Zeit bin ich ja ein wenig beschäftigt und kann mich dementsprechend nicht um Nachrichten kümmern, wie ich es mir wünschen würde1. Natürlich habe ich mitbekommen, dass in England des Nachts Vandale betrieben wird und da ich nicht dumm sterben wollte, habe ich mich an den Nachrichtenlieferanten par excelence in Deutschland gerichtet: die Tagesschau.

Der Aufmacher: “Krawalle in Manchester, Bangen in London”, die Bilder von gerüsteten Polizisten mit Bränden im Hintergrund. Der Artikel selbst ist noch weniger informativ als die üblichen “1000 Worte”. Der Artikel listet penibelst auf, wo protestiert wird, welche und wie viele Geschäfte in Brand gesetzt wurden und was die Regierung alles unternimmt, um zu reagieren.

Was man zunächst nicht als Information bekommt: Warum gehen da diese Menschen auf die Straßen? Mitten im Artikel prangt mir dann ein bekannter Kopf entgegen: Der hannoversche “Kriminologe” Christian Pfeiffer! Auch wenn ich von seiner wissenschaftlichen Vorgehensweise weder im Bereich der “Killerspieledebatte”, noch im Bereich der “Jugendkriminalität” noch in seiner religionsbasierten Auswertung von Kriminalität besonders viel halte, denke ich mir: hören wir einfach mal rein.

Es war doch nur ein Krimineller!

Die erste Frage erschließt mir zumindest einen Auslöser der Aufstände: Ein Mann wurde offenbar von der Polizei erschossen. Auf Wikipedia findet sich natürlich weit mehr zu Mark Duggan finden, als die Tagesschau wohl jemals berichten würde. Auf die Frage des Moderators, wie es daraufhin zu dieser Eskalation kommen konnte antwortet Pfeiffer mit vier Stichpunkten:

  1. Die Polizei habe nicht sofort erklärt, dass der Getötete eben kein “braver Familienvater” ist, sondern “stark kriminalitätsverdächtig” sei.
  2. Die Polizeikräfte sind durch Kürzungen geschwächt.
  3. Unterschicht. “Eine Riesenzahl von sozial nichtintegrierten jungen Migranten, schlecht ausgebildet, mit miserablen Perspektiven für die Zukunft.”
  4. In England ist das elterliche Züchtigungsrecht nicht abgeschafft.

Wow. Heißt das, es ist o.k., wenn Kriminelle oder gar Kriminalitätsverdächtige von der Polizei auf der Straße erschossen werden?? Sollen sich die Menschen nicht darüber aufregen? Auf der anderen Seite: Von welchen Migranten spricht Herr Pfeiffer da schon wieder? Nur weil unter den Demonstranten viele Schwarze sind, heißt das doch nicht, dass das Migranten sind! Oder bleibt man im Sinne des Candidusmus immer Migrant, solange man dunkelhäutig ist? (Der Punkt mit dem Züchtigungsrecht – das muss man verstehen – ist nur ein Wink auf seine Jugendkriminalitäts-”Studie”.) Ansonsten kann man das Video danach getrost abschalten. Viel Interessantes kommt dann nicht mehr.

Im Artikel geht es dann weiter mit einer klitzekleinen Notiz, dass offenbar der Erschossene eben nicht auf die Polizei geschossen hatte. Die frühere Darstellung der Polizei, dass nämlich er das Feuer eröffnet hätte, bleibt unkommentiert stehen.

Berichterstattung am Kern vorbei

Die Art der Berichterstattung erinnerte mich an ein Video, das ich vor einigen Tagen gesehen hatte. In der britischen Sendung analysiert Charlie Brooker die Reportage zum G20-Treffen. Prinzipiell läuft es darauf hinaus, dass Nachrichtensender bei Demonstrationen lediglich die Zahl der Demonstranten, die Ausmaße aus unterschiedlichen Weitwinkel-Perspektiven und natürlich sehr gerne mögliche Gewalt und Randale berichten, aber kaum oder gar nicht den Inhalt der Demonstrationen wiedergeben.

Ein weiterer Beleg für das Desinteresse von Nachrichtensender, das wirklich Relevante zu berichten, mag dieses Interview sein. Das führte das BBC mit einem Autor Darcus Howe, von dem sie offensichtlich andere Aussagen erwartet hatten:

Das Interview wird abrupt abgebrochen, als die Moderatorin erkennt, dass sie den alten Mann nicht für dumm verkaufen kann. Seine Antwort: Have some respect!

Darcus Howe kommt nicht dazu, seine Aussagen auszuformulieren. Im Guardian schreibt allerdings Nina Power den Kontext der Aufstände an:

at least 333 [deaths in police custody] since 1998 and not a single conviction of any police officer for any of them

Soviel zur Aussage Pfeiffers, dass es ja nur ein Krimineller war, der dort erschossen wurde!

To the politicians

Ich schließe für heute mit einem Gedicht von Guy Denning:

you blame the anarchists
and you blame the youth
you blame the immigrants
but ignore the hard truth
it isn’t the muslims
it isn’t the blacks
it’s a world of lost dreams
that fuel the attacks
kids promised everything
they’ll never achieve
at school and on tv
and on estates they can’t leave
you’ll call for more money
to support your rich friends
and it’ll come from the people
who call for your end

London is burning

  1. ich weiss, damit lasse ich meine werten Besucher stets unterinformiert ;-) []

“Ich bin nicht so schrecklich, wie ihr denkt!” ??

author | 1. November 2010

Ich hab was gegen Vorurteile und bin auch nicht der Ansicht, dass man sie durch zur Schau gestelltes Negieren bekämpfen kann. Zum Einen beweist bekanntlich die Ausnahme stets die Regel, sodass das Zurschaustellen per se kontraproduktiv ist. Zum Anderen führt solches Zurschaustellen regelmäßig zur irreführenden Unterscheidung zwischen “gutem” und “bösem” [beliebige Minderheit einfügen]. Das hilft im Endeffekt nicht weiter.

Vor einigen Tagen hatte der Radiomoderator Juan Williams (bei NPR, in den USA) im Fernsehen folgenden Satz von sich gelassen:

Look, Bill, I’m not a bigot. You know the kind of books I’ve written about the civil rights movement in this country. But when I get on the plane, I got to tell you, if I see people who are in Muslim garb and I think, you know, they are identifying themselves first and foremost as Muslims, I get worried. I get nervous.

Schau, Bill1, ich bin keine bigotte Person2. Du kennst ja die Art Bücher, die ich über die Bürgerrechtsbewegung in diesem Staat geschrieben hatte. Aber wenn ich auf ein Flugzeug steige, das muss ich schon sagen, wenn ich Menschen sehe, die sich muslimisch kleiden und ich denke, du weißt, sie identifizieren sich zu allererst und vor allem als Muslime, werde ich verunsichert. Ich werde nervös.

Der Radiosender NPR hat Juan Williams wohl auf Grund dieser Aussagen entlassen. Man darf aber davon ausgehen, dass dem Mann die Mittel nicht ausgehen werden, denn sein Vertrag bei Fox wird nun wohl unkündbar werden. Ich weiß nicht, ob ich genauso gehandelt hätte wie NPR. Über die veröffentlichten Gründe und möglichen Gründe für die Entlassung gibt es bei Wikipedia genügend zu lesen.

Als Muslim fragt man sich allerdings, wie man auf solche Äußerungen reagieren soll. Man kann sie ignorieren – soll er doch Angst haben! Nur: diese Angst von ihm und anderen führt offensichtlich zu Gesetzgebungen, die Einschränkungen der Rechte von Muslimen bedeuten. Man kann Sanktionen fordern, aber dann ist der Vorwurf des Mundtotmachens gleich um die Ecke.

Einige Muslime sind der Meinung, dass es einer PR-Kampagne bedürfe. Also gehen sie in unsinnige Talkshows, lassen sich von jedem interviewen, der mehr als zwei Zuschauer vor den Fernseher locken kann und nutzen ansonsten jede Gelegenheit, um in perfekter und netter Sprache Menschen davon zu überzeugen, dass sie nicht bedrohlich sind. Immerhin gelingt es ihnen nachweisbar besser als denjenigen Muslimen, die glauben mit massenhaften Demonstrationszügen und möglichst lauten, möglichst arabischen und möglichst religiös konnotierten Sprüchen irgendetwas zum Positiven zu bewegen! Aber ist das ein Zeugnis von Erfolg? Wohl kaum.

Eine Gruppe von Muslimen hat sich im aktuellen Fall dazu entschlossen, viele verschiedene Bilder von Muslimen in “muslimischer Kleidung” zu portraitieren. Das Projekt “Pictures of Muslims wearing things” scheint sehr viel von Jon Stewart’s “The Daily Show” beeinflusst zu sein3. Tatsächlich finden sich viele Bilder von der “Rally to restore Sanity” vom 31.10..

Die Aufmachung der Seite und vor allem der Bilder ist ganz lustig und dadurch unterhaltsam, etwa hier:

My Wife is a Muslim and Not a terrorist, but I’m scared of her anyway.

Wie gesagt, lustig. Aber man muss sich fragen, was diese eigenartige peep-show eigentlich bringt?!

  1. Bill O’Reilly ist Moderator einer Fox-Sendung, in der er selbst regelmäßig u.A. Haßtiraden gegen Muslime (aber der Fairness halber auch gegen alle, die ihm nicht zustimmen) loslässt[]
  2. an sich schon eine komische Aussage![]
  3. Cue the more you know rainbow[]

Depub.org – Archive der Tagesschau wieder online

author | 23. September 2010

Also: Öffentlich-Rechtliche Sender sind (zurecht) erbost, dass sie ihre Archive offline stellen müssen, dann taucht die Seite depub.org auf, die die ‘geleakten’ Archive veröffentlicht. Das ist schon verdächtig, da die Inhalte sogar lückenlos erscheinen. Aber jetzt machen die Öffentlich-Rechtlichen auch noch mehrfach für die Seite Werbung, die eigentlich ja deren Urheberrechte verletzen!! Wenn da mal nicht jemand das Recht selbst in die Hand nimmt…

Trotzdem gute Aktion: http://depub.org/

Ich vermute ja immer noch, dass Politikern nicht gerade am öffentlichen ‘Gedächtnis’ gelegen ist. Es ist viel leichter, wenn der Pöbel auf sein Kurzzeitgedächtnis reduziert werden kann. Ein periodisches Löschen von ‘Inhalten’ jede 24 Stunden würde uns ja so einige Peinlichkeiten ersparen..

In eigener Sache (taz, iz)

author | 16. September 2010

Vor Kurzem wurde auf taz ein Artikel zu muslimischen Blogs veröffentlicht, in dem die Autorin Julia Herrnböck auch mein Blog kurz vorstellt und mich zitiert (das Interview ist schon ein Weilchen her):

Toomuchcookies-Betreiber Omar Abo-Namous schätzt beim Bloggen die Freiheit, seine Gedanken “einfach runterschreiben” zu können. Er stellt das Selbstverständnis von Muslimen, muslimischen Verbänden und deren interne Debatten in den virtuellen Raum. Die so selbstbewusst wie auch selbstverständlich vorgetragene Botschaft, sehr wohl mit seiner Herkunft, Religion und der modernen Lebenswelt in Deutschland im Einklang leben zu können, füllt eine lang ignorierte Lücke in der Diskussion über Integration, Fremd- und Selbstbild.

Auch Kübras Weblog “ein fremdwörterbuch”1, die Plattform myumma.de, sowie das kürzlich stattfindende erste Treffen der “Zahnräder” werden vorgestellt.

Mir missfällt allerdings am Artikel, dass Götz Nordbruch – der frühere Mitarbeiter des stark einseitigen “Memri” – als “Experte für das Medienverhalten von jugendlichen Migranten in Deutschland” interviewt wird. Er betreibt derzeit mit seinem früheren Kollegen und part-time Missionaren bei memri Jochen Müller den Verein ufuq, mit dem sie sich street-cred aneignen und über eine Art Blogwatch ihre “Expertise” ausbauen.

Ein wenig älter, aber natürlich ausführlicher ist die Bachelorarbeit einiger Studenten im Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt. Dort werden auch viel mehr muslimische Blogs vorgestellt und teilweise untersucht. Ich musste ein wenig schmunzeln, als ich den folgenden Absatz in der Studie las:

Ebenso lässt sich auch lediglich der Betreiber von Islamkritiker.com anhand seiner Äußerungen explizit als Muslim identifizieren – die Betreiber von Jurblog und TMC [das bin ich] distanzieren sich auf den ersten Blick von der Ummah. Eine eindeutige Erklärung hierfür ist schwer zu finden. So stellt der Autor des Blogs TMC seine Religiosität häufig in den Hintergrund, da sie für die Verhandlung seiner Themenagenda – im Untersuchungszeitraum am häufigsten die Themen Sicherheitspolitik, USA und Moschee – mitunter nicht immer von Relevanz ist.

Insgesamt war es für mich eine interessante Lektüre (auch wenn ich die Studie nicht vollständig gelesen habe), da es mir erlaubte, mich von außen zu betrachten. Die Studie “Muslimische Weblogs: Der Islam im deutschsprachigen Internet” ist auf jeden Fall sehr interessant und es gibt sie bei Amazon zu kaufen!

Aber die muslimische Bloggosphäre ist natürlich stetig am Wachsen und ich wollte einige weitere Blogs würdigen, die ich in der letzten Zeit häufig lese (und natürlich nicht unbedingt immer zustimme):

  • Aggromigrant – zum Abreagieren. Die Sprache ist mir meist zu deftig, sonst würde ich öfter Artikel verlinken.
  • Moslaemm – nicht immer klar, ob es wirklich ein Muslim ist, der sich da lustig macht oder ein Nichtmuslim, der das emuliert. Von ihm auch wahrscheinlich das Weblog von Thilo Sarrazin, auf das viele Sarrazin-Fans scheinbar hereinfallen..
  • Habseligkeiten – sehr persönlich, aber trotzdem gut
  • Lamya-Kaddor-Blog – hier geht es um Lamya Kaddor .. von Lamya Kaddor
  • Meryems Welt – sehr Grafiklastig, interessante Artikel und Nachrichten
  • Nafisa – in der Hoffnung, dass die Postingfrequenz eines Tages steigt..
  • und das meint Lieselotte – teils lustige Alltagserfahrungen.
  • Gedankensplitter – eines der ältesten Blogs in der Liste, auch wenn es lediglich aus Links besteht..
  • Ich muss natürlich auch ab und zu bei den Seiten “dawa-news” und Pierre Vogels “ezp-news vorbeischauen, wenn auch nur, um sie daran zu hindern wieder einmal einer falschen Geschichte wie die von der Frau Bracht aufzusitzen.. Ich lass mich im Gegenzug auch gerne beschimpfen ;-)2

Zuletzt möchte ich noch auf einen Artikel hinweisen, den ich vor einiger Zeit für die “Islamische Zeitung” schrieb. Ich hatte mich mit der “Fatwa” des Zentralrats der Muslime auseinandergesetzt. Diese behauptete, dass ein Profi-Fußballer sein Fasten brechen dürfe, um seinen Vertrag ordnungsgemäß auszuführen. Der Artikel “Der Ramadan und die Fußballer: Eine kritische Antwort an den ZMD” ist in der letzten Ausgabe der “Islamischen Zeitung” erschienen3 und auch online erhältlich. Vielleicht veröffentliche ich ihn noch nachträglich hier..

  1. nicht, wie im Artikel behauptet, “das fremdwörterbuch” ;-) []
  2. nein, nicht wirklich. Ich steh wirklich nicht drauf..[]
  3. ich war geschockt, dass der Artikel eine ganze Seite einnahm!![]

Rob Savelberg: Herr Wolfgang Schäuble, war die Kohl-Regierung käuflich?

author | 14. September 2010

Der Reporter Rob Savelberg hatte bereits letztes Jahr zur Vorstellung der neuen schwarz-gelben Regierung Merkel eine offensichtlich unangenehme Frage gestellt, die ich bereits hier dokumentiert hatte:

“Frau Merkel, [...] Sie reden heute ziemlich viel über Geld, über Finanzen auch, der Bundesrepublik Deutschland und wollen Sie das Finanzministerium besetzen mit einer Person, der öffentlich beteuert hat im deutschen Bundestag, dass er einen Waffenhändler ‘nur’ einmal getroffen hat und dabei vergessen hat, dass auch noch 100.000 DM von ihm angenommen hat. Also, wie können Sie so eine Person als sehr kompetent schätzen, um [ihm] sozusagen die Finanzen dieses Landes [anzuvertrauen]?”

Damals schon hatte Angela Merkel nicht geantwortet. Leider hat sich danach die Vergesslichkeit nicht nur bei mir, sondern auch bei deutschen Medien eingestellt und so kam es, dass es seitdem nur wenig Nachhaken kam. Ende letzten Jahres hatte etwa die Moderatorin Maybrit Illner das Thema mit Schäuble auf dem Podium angeschnitten, aber wirklich nur angeschnitten, denn sie ging nicht ins Detail.

Nun hat es Rob Savelberg wieder getan. Er schrieb mir heute:

Hallo Omar,

ich hatte neulich ein Gespräch mit BM Schäuble. Ich fragte ihn, ob er immer noch glaubt, wie er vor zehn Jahren sagte, dass kein Mitglied der Regierung-Kohl käuflich gewesen ist. Es gab ja die Verurteilungen von Herrn Kanther, von Herrn Pfahls, und auch von Herrn Weyrauch, von Herrn Leisler Kiep, von Herrn Schreiber usw. Herr Kohl ließ gegen Bezahlung von 300.000 D-Mark das Verfahren einstellen. Das Verfahren gegen Herrn Sayn-Wittgenstein wurde aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.

Die Antwort Schäubles kann man sich im folgenden Audio anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Eine Transkription der Antwort habe ich noch nicht fertig. Aber sagt ruhig bescheid, wenn Interesse besteht. Interessant ist vor allem, dass Schäuble sagt, es wäre keine deutsche Regierung seit 1949 käuflich gewesen, obwohl man an der Hotel-Partei FDP klar sehen kann, dass diese Aussage falsch ist. Zudem belegt er die “Unschuld” der Kohl-Regierung dadurch, dass er sagt, das Verfahren sei eingestellt worden. Ja, Herr Schäuble, Helmut Kohl musste nicht weiter aussagen, obwohl er eigentlich dazu verpflichtet gewesen wäre, da er stattdessen 300.000 DM gezahlt hat! Das nennt man gekaufte Unschuld! Unsereins, übrigens, würde wahrscheinlich einer Beugehaft unterzogen werden, um das Verfahren nicht weiter behindern zu können! Mehr Information zum Korruptionsvorwurf an die Kohl-Regierung findet sich etwa hier.

Das Erstaunliche ist doch nicht, dass es Korruption in Deutschland gibt. Das würde keiner – außer vielleicht Wolfgang Schäuble – bestreiten. Das Erstaunliche ist doch, wie wenig kritisch deutsche Medien mit dieser Korruption anscheinend umgehen. In den USA etwa werden korrupte Offizielle nicht unbedingt eingesackt, aber zumindest übernehmen sie nicht später wieder so hohe Ämter wie das Innen- oder gar Finanzministerium! Auf jeden Fall werden sie aber von kritischen Fragen begleitet. So etwa der frühere Generalstaatsanwalt Alberto Gonzales, der bei den Anhörungen zur angeblichen politisch motivierten Entlassung mehrerer Anwälte stets den Fragen ausgewichen ist. Seine “performance” wird aber von Jon Stewart etwa sehr kritisch begleitet. Diese kritische Begleitung vermisst man in Deutschland.

Johannes Gerloff und der absolute Frieden bei gleichzeitiger Unterdrückung

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Auf israelnet hatte Johannes Gerloff einen höchst zynischen Artikel unter der Überschrift “Das Ende der Ruhe vor dem Sturm?” veröffentlicht. Anlass war die Ermordung vier israelischer Siedler im Westjordanland durch einen Palästinenser1. Darin drückt er in vielen Worten aus, dass nun mit den vier toten Israelis das “Schweigen” der Waffen gebrochen wäre. Mehr noch: Er gibt dem “Verhandlungswut der Politikergutmenschen” die Schuld für die Getöteten, denn – so scheint die Argumentation – ohne Verhandlungen gab es keine Toten und nun sei diese “Ruhe” gestört. Als Quintessenz des Artikels kann dieser Satz gelten:

Warum kommt kein Denker im Westen auf die Idee, auf den Nahen Osten anzuwenden, was in Europa gar nicht so schlecht funktioniert hat: An erster Stelle für das Wohl der Menschen zu sorgen und derweil politische Fragen auf Eis zu legen?!

Interessante Sicht! Nicht zuletzt hatte ja die Hamas einen langfristigen Waffenstillstand als Alternative zu den anhaltenden Friedensgesprächen vorgeschlagen. Würde Herr Gerloff dem also zustimmen? Nein, denn gleich einen Absatz später zeigt er, welche politischen Fragen er nicht unbeantwortet lassen möchte:

Ist das wirklich so schlecht, dass um Deutschland herum so manche Grenzfrage ungelöst blieb? Sollten wir Deutschen den Palästinensern nicht sagen können, dass auch der Aufbau eines demilitarisierten Staates eine vielversprechende Zukunftsperspektive hat? Und warum kann Herr Westerwelle nur den Serben die Anerkennung des Kosovo nahelegen? Warum nicht auch seinen arabischen und moslemischen Freunden die längst überfällige, grundsätzliche und bedingungslose Anerkennung eines Rechts auf Existenz für den jüdischen Staat Israel?

Genau! Die “bedingungslose Anerkennung” Israels als “jüdischen Staat” – also die Aberkennung der historischen Rechte der Urbevölkerung Palästinas gepaart mit der Anerkennung der streng nach Apartheid riechenden Gesetze Israels – ist offensichtlich nicht verhandelbar. Und die Palästinenser könnten doch so gut neben einem derart massiv militarisierten Israel ihren Platz als entmilitarisiertes Angriffsziel einnehmen!2

Aber der studierte (christliche) Theologe Johannes Gerloff geht noch einen Schritt weiter: Hauptsächlich geht es nämlich im Artikel um die Aberkennung jeglicher Menschlichkeit der Palästinenser. In keinem Satz erwähnt Herr Gerloff nämlich, dass in der von ihm so bezeichneten “Ruhe” (also innerhalb 2009 und bis zum 31.7.2010) 100 (!!) Palästinenser bereits von israelischem Militär und israelischen Zivilpersonen ermordet wurden! Diese Zahl verzeichnet die Menschenrechtsorganisation B’tselem in einer Statistik aller Toten seit dem letzten Großangriff Israels auf den Gazastreifen, bei dem bereits mehr als 1400 Menschen starben. Seit Anfang 2010 wurden zudem mehr als 800 Palästinenser allein im Westjordanland verletzt – die meisten bei friedlichen Demonstrationen im Westjordanland, woran sie durch israelisches Militär gehindert wurden, oder bei militärischen Angriffen, aber eben auch durch Angriffe israelischer Siedler (dies sind Zahlen der Vereinten Nationen)! In Ostjerusalem sind in der gleichen Zeit inzwischen mehr als 220 Gebäude zerstört worden, um die dortigen Palästinenser weiter zu vertreiben und Fakten zu schaffen, bevor die Verhandlungen das Thema “Jerusalem” auch nur annähernd erreichen. Das ist die “Ruhe”, die sich mit Händen greifen lässt!

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass diese Taktik der Hervorhebung israelischer Opfer (auch immer schön mit Namen und humaner Geschichte, ganz im Unterschied zu den namenlosen und nur als zwei-, drei- oder vierstellige Zahlen in Statistiken vergessenen Palästinensern) und der Missachtung jeglicher Opfer auf palästinensischer Seite nichts Neues ist. Selbst die relativ weltoffene israelische Haaretz-Zeitung betitelte: 4 Israelis killed in shooting attack shattering years of relative West Bank calm, was sehr zynisch ist, schaut man sich die Zahl der palästinensischen Opfer an!

Steve Feldman hat auf Palestine Note eine sehr prägnante Antwort geschrieben, die ich hier versuche zu übersetzen:

Laut der israelischen Zeitung Haaretz hat die kürzliche Tötung der vier Israelis Jahre der “relativen Ruhe” erschüttert. Relative Ruhe? Für wen? In den Wochen vor dem schrecklichen Ermordung hat das “Palestine News Network” über 14 palästinensische Zivilisten berichtet, die durch israelische Siedler und bei militärischen Angriffen seit dem 2. Mai getötet wurden. Nur zwei Wochen zuvor hat das Tikkun Magazin einen Artikel mit dem Titel “Israelische Siedlergewalt eine tägliche Realität” veröffentlicht, der die täglichen Emails wiederspiegelt, die ich von Friedensorganisationen bekam, welche Angriffe auf palästinensische Westbank-Familien beschreiben.

Die vertrackte Wahrnehmung davon, dass die Tötung von Israelis stets ein Brechen der Ruhe darstellt, ist Beleg einer Ungerechtigkeit und Gefühllosigkeit einiger Menschen gegenüber christlichen und muslimischen palästinensischen Familien. Das ist kein neues Phänomen; Ali Abunimah hat dies vor Jahren hervorgehoben. Voreingenommene Wahrnehmung ist Schuld an einem großen Teil des Problems im israelisch-palästinensischen Konflikt. Dieser Konflikt wird enden, und ich würde sogar vorhersagen bald, wenn wir anfangen, Juden, Christen und Muslime in Israel und Palästina gleichermaßen zu lieben. Wenn wir das nämlich tun, werden wir feststellen, dass wir für Sicherheit und Frieden für jedermann hinarbeiten müssen, nicht nur für die Menschen auf einer Seite des Konflikts.

Johannes Gerloff auf der anderen Seite scheint dieser Sinn für Gerechtigkeit abhanden gekommen zu sein. Wenn Palästinenser aufhören würden sich zu wehren, dann wäre in seinem Sinne für Frieden gesorgt, denn ihre Toten zählen nicht. Sie zählen nicht, wenn es um die Einschätzung der Situation geht und sie zählen noch lange nicht, wenn es um die Etablierung eines Friedens im Nahen Osten geht. In diesem Sinne sind auch in seinem gesamten Artikel von keinem einzigen palästinensischen Opfer der “Ruhe” und von keiner Rechtsverletzung eines Palästinensers zu lesen!

Ich habe Herrn Gerloff meine Kritik als Email geschrieben und ich möchte seine ausweichlerische Nichtantwort nicht vorenthalten (In Kursiv habe ich die Antwort kommentiert).

Zuerst einmal vielen Dank dafür, dass Sie Israelnetz so aufmerksam lesen. Das ehrt uns!

Sie haben bestimmt übersehen, dass sich mein Artikel auf das Westjordanland und die Fatah bezieht (Nein, habe ich nicht, aber 1. muss man sich fragen, warum die Gaza-Bewohner keine Rolle spielen und 2. habe ich ja dargestellt, dass die Palästinenser im Westjordanland weiterhin Angriffen ausgesetzt waren!) – nicht aber auf den Gazastreifen und die dort herrschende Hamas. Das ergäbe in der Tat eine völlig andere Perspektive. Aber wird die Lage in Gaza von Obama-Abu Mazen-Netanjahu & Co. nicht vollkommen ausgeblendet? Müsste sich nicht vor allem Abu Mazen zuerst um die innere Einheit, die Einheit mit dem Gazastreifen und die Legitimität seines Amtes kümmern, wenn ihm tatsächlich am Wohl seines Volkes liegen würde? (Ausweichstrategie: SIE waren es, der die Situation als Ruhe beschrieb. Die Palästinenser leben die tödliche Unruhe und Ungerechtigkeit jeden Tag und versuchen diese zu kommunizieren.)

Dass im Westjordanland ein Dauerkrieg zwischen Israel und dem Fatah-Regime einerseits und der Hamas und ihren Gesinnungsgenossen andererseits geführt wird, habe ich nie bezweifelt. Dass die Sicherheitskooperation zwischen Israelis und Fatah funktioniert, stellt niemand in Frage – dass sie Opfer fordert, ebenso wenig. (Interessante Rechtfertigung für die Morde!) Auch der Siedlungsstreit Siedlungsstreit?? Hört sich schon fast wie eine altrömische Senatsdebatte an. Das ist ein militarisierter Angriffskrieg, der da einseitig geführt wird und den Palästinensern nicht nur ihre Länder wegnimmt, sondern sie immer weiter in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt. Für Sicherheit wird dabei nur für die Siedler gesorgt.) wird mit unverminderter Härte von allen Beteiligten fortgeführt. Da haben Sie vollkommen Recht. Vielleicht haben Sie auch übersehen, dass ich vom „terrorärmsten“ und nicht vom „terrorlosen“ Jahr geschrieben habe.

Und natürlich gehört es auch nicht zum Schweigen der Waffen, dass täglich aus Gaza Raketen auf Südisrael fallen. Wie viele waren das noch einmal? Haben Sie die vielleicht vergessen zu erwähnen? Oder zählen Sie die nicht? (Nein, zähle ich aus Prinzip nicht, denn dann müsste ich auch die Raketen aus Israel auf den Gaza-Streifen zählen und da käme ich nicht mit! Haben Sie diese vielleicht gezählt?)

Ich finde übrigens gut, dass Sie nicht nur die palästinensischen Opfer anmahnen, sondern gleichzeitig auch die israelischen – obwohl das so ziemlich ausnahmslos Soldaten waren. Soldaten sind tatsächlich auch Menschen, Familienväter, Söhne und oft noch Kinder. (Ja, das sind sogenannte oder tatsächliche “Terroristen” auch! Behalten Sie das auch im Hinterkopf.) Sie haben auch Recht, Ihren Ekel darüber zum Ausdruck zu bringen, dass selektiv berichtet wird. Wir konzentrieren uns auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, rechnen einzelne Toten- und Demonstrationsverletztenzahlen auf, während sich das arabische Volk im Besonderen und die Moslems im Allgemeinen gegenseitig zu Tausenden, wenn nicht Zigtausenden im Irak, im Jemen, im Libanon und an vielen anderen Orten abschlachten. Haben Sie schon einmal einander gegenübergestellt, wie viele Juden und wie viele Moslems durch sunnitische Märtyreraktionen ums Leben gekommen sind? Wahrscheinlich unterliegen wir tatsächlich einer massiven Verführung, wenn wir uns lediglich auf den Konflikt zwischen der islamischen Welt und dem Westen konzentrieren, anstatt einmal die innerarabischen und innermoslemischen Probleme und deren Ursachen zu betrachten. Ekel! (Den wahren Ekel verspüre ich eher, wenn ich Ihre Art mitbekomme, mit Argumenten zu spielen. Sie sind offensichtlich weder an Gerechtigkeit noch an einen damit verbundenen Frieden interessiert. Ich hoffe für uns beide, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft sowohl in Deutschland, als auch in Israel nicht auf Extremisten wie Sie hören, denn mit Ihrem zynischen Umgang mit Menschen und deren Leben ist keiner gut beraten.)

Grüße, Johannes Gerloff

Jerusalem, Israel

Eine interessante Sache möchte ich anmerken: In Ermangelung vorzeigbarer Zahlen, was die Opfer palästinensischer Angriffe angeht, geht man – ja, auch Herr Gerloff – immer wieder dazu über nach der Anzahl der “Raketen” zu fragen. Es gibt keine mir bekannte Zahl israelischer Geschosse – irgendeiner Größe – auf Palästinenser. Das hat aber auch einen Grund: Die Opferzahlen sprechen bereits Bände! Und sein letzter Absatz? Was muss man dazu noch sagen? Wie gesagt: Ausweichstrategie!

Übrigens: Mondoweiss hat eine grobe Liste von Angriffen auf Palästinenser im Westjordanland durch israelische Siedler veröffentlicht, die auf die Schnelle die Tragweite deutlich macht.

  1. offebar durch die Hamas gestützt[]
  2. Grundsätzlich gilt: Palästinenser dürfen – innerhalb des Weltbilds vieler Israel-Liebhaber – keine Sicherheit verlangen![]

Schlimmer noch als Thilo Sarrazin …

author | 1. September 2010

… sind die dümmlichen Möchtegern-Sarrazine dieser Republik, die sich in ihrem Stammtischgeplärre bestätigt fühlen und wahrscheinlich einen Suffzustand für den geeigneten Zustand halten, um nüchterne Analysen anzustellen und Forderungen an die Politik zu stellen1!

Gestern morgen versüsste mir ein netter Mitarbeiter die Ankunft am Institut mit der Bemerkung, ich sei sicherlich genervt, da ich gestern Thilo Sarrazin bei Beckmann gesehen hätte. Nein, habe ich nicht. Ich habe randwärtig gehört, dass es eine solche Diskussion gab, aber die Sendung habe ich nicht gesehen. Der Mitarbeiter grinste und meinte mir unterstellen zu müssen, dass ich ja beleidigt sei. Nein, bin ich nicht. Warum denn auch? Ich denke, dass Sarrazin vollkommen falsch liegt und ein Angstmacher ist, der sich rassistischer Elemente bedient, aber deshalb beleidigt sein? Er machte mit dem dümmlichen und inhaltslosen Witzeln weiter bis ich zum Büro ging.

Später kam derselbe Mitarbeiter aus anderem Anlass vorbei und rief im Weggehen noch ein jubelndes “Sarrazin, Sarrazin, Sarrazin…”. Ich rief ihn zurück und forderte ihn auf, sich hinzusetzen, damit wir seine unausgesprochenen Anliegen diskutieren könnten, was er verweigerte und wegging.

Ich muss hier anmerken: Der Mitarbeiter um den es hier geht ist ansonsten ein recht netter Mensch, mit dem ich mich recht gut verstehe. Wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten, aber wer hat das nicht? Er ist zumindest weder der einzige noch der radikalste Mensch, mit dem ich über Migration, Islam oder anderen politisierten Themen diskutiert habe2. Aber die dümmliche Art, mit der Menschen so tun, als ob sie eine Diskussion allein durch eine halbe Polemik beenden könnten, stimmt mich schon sehr traurig.3

Ich bin schon immer der Meinung gewesen, dass man Rechtsradikale4 nicht ignorieren sollte und ihr Denken thematisieren muss. Wenn also ein NPD-Funktionär behauptet, “Urdeutsche” von “Passdeutschen” unterscheiden zu wollen, dann sollte man ihn nach der Definition des Urdeutschen fragen und danach, was mit “Mischlingen” geschehen soll. Selten wird man ihm vorführen können, wie dämlich diese Forderung ist, aber zumindest kann man den möglichen Befürwortern die Konsequenzen dieser Forderung vor Augen führen. Ignoriert man ihn aber, so kann er sein Gift weiter verbreiten, bis es gesellschaftsfähig ist. Wie man sieht, sind schon lange nicht mehr nur Rechtsradikale rassistischen Einstellungen verfallen!

Der Sozialdarwinismus, den Sarrazin bereits für längere Zeit verbreitet hat, ist leider bereits gesellschaftsfähig, vor allem weil er eher von der Oberschicht, von den Privilegierten dieser Gesellschaft kam. Der soziale Neid hat sich durch die Gesellschaft gefressen und man hört überall die Galle über die angeblich faulen Sozialhilfeempfänger, die “unser Land ruinieren”. Dass das Land derzeit eigentlich ein weit größeres Problem der Oberschicht als der Unterschicht zu verdanken hat – die Finanzkrise – , das wird dabei vollkommen vergessen. Es sind nicht die Obdachlosen oder die Hartz IV-Empfänger, die uns diese Krise beschert haben, sondern Banker, Spekulanten und Großinvestoren. Die Debatten um Sozialabgaben machen einen vollkommen anderen Eindruck! Der Sinn eines Systems, das massenhaftes Geldhorten mit zusätzlichem Geld belohnt, wird aber nicht thematisiert, denn das System ist selbsterhaltend! Wenn man zuviel hat und damit droht unterzugehen, wird man gerettet, da man sonst die gesamte Republik mit in den Ruin zieht.

Ja, wir hätten keine Probleme mehr, wenn nur die ganzen Hartz IV-Empfänger nicht da wären – uns ginge es besser! Demnächst kommt der konsequente Vorschlag: Jeder, der länger als zwei Monate Hartz IV empfängt, wird exekutiert. Spart Geld und wir müssen uns nicht mit Bettlern am Straßenrand abgeben! Ja, der Sozialdarwinismus ist bereits salonfähig, aber seine Konsequenzen sind noch nicht allgemein bekannt.

Biologismus ist derzeit noch nicht wirklich so gesellschaftsfähig. Aber trotzdem glauben viele, dass Thilo Sarrazin mit seinen biologistischen Aussagen recht haben könnte oder zumindest diskussionswürdig ist. Teilweise glauben sie es, weil – wie ich eingangs sagte – sie auf dümmliche Art und Weise ihrem Suff glaubend fühlen, dass Sarrazin recht hat. Aber es bleibt fraglich, warum so viele den biologistischen Erklärungsmustern schnell Glauben schenken. Beim Ansprechen von Juden scheint zumindest noch halbwegs eine Sensibilität zu existieren, was den angeblichen biologischen Unterschied zum “Deutschen” angeht. Dass Sarrazin die (zunächst positiv) wertende Aussage zum “Juden-Gen” zurücknimmt, kann deshalb nur als strategische Aktion gewertet werden.5

Thilo Sarrazin und seine Anhänger sind der Meinung, Intelligenz sei nicht nur etwas, was vererbt würde (laut Sarrazin zu 80%), sondern auch, dass durch diese Vererbung sogar eine Qualifizierung ganzer Völker/Herkünfte in verschiedene Intelligenzklassen möglich sei. Das ist natürlich ziemlicher Humbug, der aus dem Zauberhut gezogen wird. Man kann das Gegenteil aber nur schwer beweisen, denn es gibt keine umfassenden Recherchen dazu. Sowieso stellt sich die Frage, was Intelligenz ist. Die meisten stellen sich wohl eine Quantifizierung wie den IQ-Wert vor. Dieser ist aber höchst umstritten. Eine sehr gute Übersicht über die Debatte um “Rasse” und Intelligenz ist im Skeptic’s Dictionary zu finden. Diesen Satz fand ich u.A. sehr interessant:

These people (who try to establish correlations between various natural abilities and skin color) don’t know evolutionary genetics. They talk about interesting issues in race and biology. And since, I think, there are no real races, I wonder what these issues are. It makes me angry that I have to take time from my research (on the genetics of aging) to argue about something that shouldn’t even need to be discussed (Blum).

Diese Menschen (, die einen Zusammenhang zwischen unterschiedlichen natürlichen Fähigkeiten und der Hautfarbe herzustellen versuchen) wissen nichts über Vererbungsgenetik6. Sie reden über interessante Aspekte in den Themen Rasse und Biologie. Und da es, wie ich glaube, keine richtigen Rassen gibt, frage ich mich, was diese Aspekte sind. Es macht mich wütend, dass ich meinen Forschung (über die ‘genetics of aging’) Zeit wegnehmen muss, um über etwas zu diskutieren, dass nicht einmal diskutiert werden sollte.

… und Sarrazin und seine Anhänger bestätigen die Aussage!

Um die Vorgehensweise von Thilo “habe-ich-mal-gelesen” Sarrazin darzustellen, kann ich folgenden logischen Querschuss zeigen: Laut dem sogenannten “Flynn-Effekt” ist der IQ-Wert in allen aufgenommenen Ländern in den 60 Jahren vor den 90ern stetig gestiegen. James R. Flynn hatte die Daten dazu zusammengetragen. Eines der aufgenommenen Länder war Deutschland. Also, spätestens mit der aufkommenden Migration von Ausländern nach Deutschland hat der durchschnittliche Intelligenzquotient stetig zugenommen. Nicht nur ist also Thilo Sarrazins Behauptung von der “Abschaffung” Deutschlands hysterische Angstmache; Nein, Migranten scheinen in den letzten 70 Jahren die Dämlichkeit der Deutschen mehr als ausgeglichen zu haben! Hurra! So einfach funktioniert sarrazinische Statistikanalyse.

Dass Sarrazin von der Materie keine Ahnung, der er sich bedient, zeigt der folgende FAZ-Leserbrief:

In seinem erfreulich klaren Bericht über den polternd argumentierenden Thilo Sarrazin (“So wird Deutschland dumm”, F.A.Z.-Feuilleton vom 26. August) zitiert Christian Geyer einen Satz des Bundesbankers, in dem er von Niels Bohr spricht. Der große Däne soll gesagt haben, dass er keinen Wissenschaftler kenne, der seine Meinung geändert habe. Solch einen Satz gibt es bei Bohr nicht. Sarrazin hat vielleicht die Bemerkung von Max Planck gehört und in Erinnerung, dass sich neue physikalische Theorien nicht durchsetzen, weil die Vertreter der alten überzeugt werden, sondern weil sie aussterben. Abgesehen davon, dass diese von Planck vor allem auf sich selbst bezogene Behauptung empirisch längst widerlegt ist, erfasst sie keine Meinung, sondern eine Theorie, die lange allein gültig war und nach wie vor zutrifft. Die alte Theorie, die Planck meinte, heißt klassische Mechanik, und sie gilt bis heute, nur nicht im Bereich atomarer Dimensionen.

Bei Sarrazin geht es nirgendwo um etwas, das Gültigkeit beanspruchen kann. Der Bundesbanker plappert beliebig durch die Gegend und nennt das Klartext. Wenn er etwas von Bohr zitieren wollte, dann die Ansicht des Physikers, dass sich Wahrheit und Klarheit ins Gehege kommen können. Sarrazin zeigt, dass Bohr offenbar recht hatte.

Ernst Peter Fischer, Konstanz

Da der Artikel gerade zu lang zu werden droht, werde ich hier abbrechen! Ich hätte das und vieles mehr meinem Mitarbeiter sagen wollen. Ich hätte ihn gebeten, sich zu fragen, was er davon gehalten hätte, wenn nicht Thilo Sarrazin, sondern irgend ein NPD-Funktionär dieselben Aussagen getroffen hätte?! Vor allem hätte ich ihn gefragt, warum er glaubt, dass ich beleidigt bin, wenn er es ist, der die Zusammenhänge nicht verstanden hat?!

Hier noch eine Auswahl guter Artikel:

  1. anders als mit einem Suffzustand kann ich mir manche Forderungen und Einstellungen nicht erklären..[]
  2. Themen, denen man sich als Migrant oder Muslim offenbar zwangsläufig stellen muss. Eine kurze Bemerkung dazu: Einmal hatte ein anderer Kollege ernsthaft gemeint, mir einreden zu wollen, dass ich doch als gebildeter Mensch mich doch von den anderen Muslimen/Migranten distanzieren sollte. Derselbe Mensch hatte mir vorgeworfen, “gehirngewaschen” zu sein (immer mit einem Lächeln, natürlich!), kurz nachdem er mir offenbarte, dass er glaubt durch die Kenntnis von drei Fällen (etwa drei Migranten), eine statistische Tendenz feststellen zu können!! Naja, manche Diskussion ist doch eine zwangsläufige Übung in postkolonialem ‘aufgeklärtem’ Rassismus, wie man ihn nur aus Geschichtsbüchern kennen möchte… []
  3. Im Prinzip macht Thilo Sarrazin nichts anderes, denn er schmeißt Leuten Vorwürfe an den Kopf, schafft es aber in der Diskussion nicht, diese Vorwürfe konstruktiv zu formulieren, was einer Diskussion erst zuträglich wäre.[]
  4. und nein, ich halte meinen Mitarbeiter nicht für einen![]
  5. übrigens: positiv wertende Rassismen als Nichtrassistisch zu deklarieren, zeugt bei den meisten Menschen von der Unkenntnis rassistischer Dynamiken, aber das nur am Rand.[]
  6. eigentlich Evolutionsgenetik[]

Terror ist nicht gleich Terror!

author | 26. Juni 2010

Wie romantisch: Die New York Times interviewt Tzipi Livni und fragt sie unter Anderem nach ihren Eltern:

Your parents were among the country’s founders.

They were the first couple to marry in Israel, the very first. Both of them were in the Irgun. They were freedom fighters, and they met while boarding a British train. When the British Mandate was here, they robbed a train to get the money in order to buy weapons.

It was a more romantic era…

Wie wahr! Es war noch eine romantische Ära, als Israels Terroristen in Milizen organisiert waren und zwar keinen funktionierenden Staatsapparat aufweisen konnten, dafür aber umso ungefragter morden konnten. Damals war etwa der Vater von Tzipi Livni – Eitan Livni – ein General der terroristischen Organisation Irgun1, die nicht nur britische Zivilisten im berühmten Anschlag auf das King David Hotel töteten, sondern vor allem Palästinenser, etwa mehr als Hundert in Deir Yassin. Sie trugen als “Freiheitskämpfer” dazu bei, dass die “freiwillige Migration” der Palästinenser aus ihren Häusern beschleunigt wurde, damit der Mythos vom Land ohne Volk und dem dazu gehörenden Volk ohne Land Wahrheit werden kann. Ja. Sehr romantisch.

Was kommt als nächstes? Bin Ladens Enkel, der über die “romantischen Zeiten” erzählt, als sein Vater dazu beitrug, dass zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen werden? Wird der Interviewer dann auch ins Schwärmen kommen, statt kritische Fragen zu stellen?

HT: Mondoweiss

  1. National Military Organization in the Land of Israel[]

Terroranschlag in Athen tötet griechischen Minister – was, wenn es ein Muslim wäre?

author | 25. Juni 2010

Zurecht fragt loonwatch in der Serie “What if they were muslim?“, wie die Reaktionen ausfielen, wenn der heutige Anschlag auf das Zivilschutzministerium eindeutig Muslimen zugeordnet werden könnte.. Wahrscheinlich würde die Tagesschau-Seite die Nachricht nicht erst an sechster Stelle bringen…

und im Artikel hätten sie zumindest einmal eine Abwandlung des Begriffs “Terror” nicht in Anführungsstriche gesetzt:

Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou verurteilte die Tat als “terroristischen Anschlag”. “Während unser Land und unser Volk täglich kämpft, um die Krise zu meistern, wollen feige Mörder unsere Demokratie und die griechische Gesellschaft verletzen”, erklärte er am Abend. Die “Terroristen” würden ihr Ziel nicht erreichen. “Sie werden die Antwort bekommen, die sie verdienen – nicht nur vom Staat, sondern auch von der Gesellschaft”, hieß es in der Erklärung Papandreous weiter.

Wie sagt man so schön: Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber (fast) alle Terroristen sind Muslime. Das ist vor allem deshalb der Fall, da per Definition aufsehen erregender Terrorismus nur von Muslimen begangen werden kann! Hier aber scheint offenbar nur der griechische Regierungschef der Meinung zu sein, dass es “Terror” war, der dort verübt wurde. Für die Tagesschau ist das noch fraglich..

Journalistenmangel…

author | 22. Juni 2010

Komisch, dass es immer dann finanzielle Engpässe in der Bezahlung guter Journalisten gibt, wenn es sich um wichtige Geschehen handelt. Bei der WM etwa hat man vor einigen Tagen sehen können, dass nicht nur TV-Reporter einen Flug nach und den Aufenthalt in Südafrika (nebst Einkünften und wahrscheinlich zusätzlichen Spesen) bezahlt bekamen, sondern auch Vertreter von Print-Medien zugegen waren (etwa von der FAZ). Wo es noch lohnt, Journalisten Bares zu bezahlen? Die “Schweden-Hochzeit”!

2315 Medienmenschen haben sich in Stockholm für eine Hochzeit akkreditiert, 711 Ausländer, 277 davon allein aus Deutschland, und davon mehr als 70 nur für das ZDF. sz

“Haben die noch alle Tassen im Schrank?” fragt die Autorin Evelyn Roll und antwortet selbst: “Offenbar ja”, vor allem, weil der deutsche Pöbel offenbar genau diese Art des Fernsehens gerne sieht! Und da war ich Dümmling so naiv zu glauben, dass ein (öffentlich-rechtliches) Medium auch einen Anspruch an sich selbst und an die Geldverteilung innerhalb seiner “Informationsmaschinerie” hätte.. Ekel!

HT: Bildblog

Verband demokratisch-europäischer Muslime übt sich in Selbstkarikatur

author | 30. Mai 2010

Anfang des Monats hat sich der “Verband demokratisch-europäischer Muslime” (VDEM) gegründet und als wäre die neuerliche Wahl der gar zusammengesetzten Adjektive im Namen nicht Belustigung genug1, liefert der Verein in seinen ersten Veröffentlichungen eine Selbstkarikatur, die glauben macht, dass der Verein nur satirisch gemeint ist. Nun könnte ich mir den Abend mit dem Versuch einer konstruktiven Kritik nicht nur am Verein, sondern auch an der neumuslimischen Entdeckung der sprießenden Vereinsgründungen2 (und offensichtlich der Vertretung der vielbeschworenen ‘schweigenden Mehrheit’), verderben, aber ich entscheide mich lieber für die sehr viel einfachere und um einiges belustigendere Art der Selbstheilung durch Veralberung. Mehr hat schließlich kein Verein verdient, der Bassam Tibi3 und Necla Kelek4 als Mitglieder vereint.

Der Verein gibt sich “neuzeitlich”, ist aber stark von der partikularen Substanz von – wie ich es nenne – “Blubb” gefüllt. Hier ein Beispiel:

Der Generalsekretär Herr Schmidt-El Khaldi erklärt: „Es wird Zeit, dass in das Bewusstsein der Muslime in der Gesamtheit auch Ansichten Eingang finden, die nicht nur einzig auf Traditionen, sondern genauso auf modernen Erkenntnissen fußen.“

Ich hab jetzt mehrere Arten formuliert und wieder weggestrichen, wie ich mich über diesen inhaltslosen und wirklichkeitsverstellenden Satz lustig machen könnte. Die meisten Formulierungen waren so kompliziert, dass kein anderer sie verstanden hätte und die restlichen bestanden aus einer abartigen Unzahl an “Duh!”s, die also nur das Offensichtliche nennen.

Wie gesagt, das meiste ist “Blubb” und es finden sich nur wenig konkrete und praktische Sätze in der Gründungsmittelung, der Präambel oder dem Plädoyer, die derzeit auf der Internetseite des Verbands veröffentlicht sind, um den Verein gegen andere Vereine abgrenzen zu können – etwa dem angehenden “Verein liberaler Muslime”, aber natürlich auch den meisten anderen muslimischen Verbänden. Der Verband hat aber offenbar schon ein ganz konkretes Ziel:

Der VDEM erklärt sich bereit an der Islamkonferenz teilzunehmen, falls der Ruf aus Berlin käme.

Der “Ruf” des Innenministers zur Islamkonferenz wird also nicht unerhört bleiben. “Wir sind die willfährigen Muslime, die Ihr gesucht habt, Euer Durchlauchter.” Alle anderen muslimischen Organisationen, die ihre opportunistische Ergebenheit formulieren, können diesem Verein in der Devotheits-Disziplin nicht das Wasser reichen. Im Deutschlandradio Interview formuliert das der Vizepräsident Reza Hajatpour selbst nach der blamablen Fragestellung des Moderators, der die “Selbsteinladung” des Vereins ausspricht.

Pokatzky: Sie haben Ihren Verband ganz kurz ja vor der jüngsten Islamkonferenz gegründet, und Sie haben in Ihrer Gründungspressemitteilung auch am Ende Ihre Bereitschaft erklärt – das war quasi so eine Art Selbsteinladung schon fast -, an der Islamkonferenz teilzunehmen. Sie sind, es war ja auch sehr kurzfristig, nicht eingeladen worden. Hoffen Sie denn darauf, in Zukunft bei der Islamkonferenz dabei zu sein?

Hajatpour: Ja, das hoffen wir, gerne sogar.

Pokatzky: Ist Ihnen da schon was signalisiert worden aus der Politik, dass Sie eingeladen werden?

Hajatpour: Nein, das war sehr kurzfristig.

Wird den Leuten denn das Peinliche an dieser Situation nicht klar?

Jedenfalls hat der Verband nun einige Zeit, die er anderweitig füllen muss, um nicht vollends in der Versenkung zu landen. Zeit, sich selbst zu finden, so ziemlich direkt nach der Gründung! Hier:

Als nächstes wird der Verband eine Grundsatzkommission bilden, in der Experten und Kompetenzträger theologische, gesellschaftliche und politische Fragestellungen zum Islam analysieren und ausarbeiten werden.

Was wollte der Verein denn bei der DIK sonst vorstellen, wenn er noch nicht einmal eine Grundsatzkommission besitzt, geschweige denn dass diese zu irgendwelchen verwertbaren Ergebnissen gekommen ist? Was red’ ich da? Die Grundsatzkommission hat nur vor, Fragestellungen zu “analysieren” und vor allem “auszuarbeiten”. Keiner spricht hier von Ergebnissen oder gar von Ansätzen einer Beantwortung!

Naja, jetzt hat der Verband Zeit bis zur nächsten Staffel der DIK. Zeit, nicht nur um seine Ziele praxisrelevant festzulegen, sondern auch an den Deutschkenntnissen seiner Funktionäre zu arbeiten. Deren Grammatik und Satzbau machen neben dessen inhaltlichen Salat ihre Aussagen vollkommen unverständlich. Bei der Zeichensetzung und Rechtschreibung glaube ich schon fast, dass die tiefreligiöse Liberalität des Vereins durchgreift. Anders kann ich mir diesen Satz nicht erklären:

Alle Muslime zusammen unabhängig davon, ob der/die einzelne einen sunnitischen, schiitischen oder alevitischen Hintergrund hat, sind eingeladen einen Islam zu etablieren, der sich mit den Fragestellungen unserer Zeit beschäftigt und nicht versucht auswendig gelerntes blind anzuwenden.

  1. “aufgeklärt-überregional”, “progressiv-postmodern” (auch Propo-Muslime) oder “rechtstaatlich-dadaistisch” hätten es doch auch getan[]
  2. nach dem Motto viel-hilft-viel[]
  3. ist er nicht ausgewandert??[]
  4. ja, wirklich, DIE Necla Kelek![]

US modifies Pledge of Allegiance to include Jack Bauer

author | 26. Mai 2010

In the wake of the end of the two-hour season- and series-finale of the hit-series “24″, the US pledge of allegiance has been modified in a swift move through a bipartisan move and across the two houses to include an allegiance to Jack Bauer, the hands-on counter-terrorist protagonist. The new pledge of allegiance which will henceforth be sworn across the country reads as follows:

I pledge allegiance to the Flag of the United States of America, to the Republic for which it stands and to aworld protector Jack Bauer, judge, jury and prosecutor.

The first draft of a pledge of allegiance including Jack Bauer still included the previous phrase “one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all” but was quickly deemed too long. Within the hour the draft was corrected.

Asked for his motivation to vote for the bill, one republican senator had this to say: “Duh! Jack Bauer is cool, man.” A more detailed answer was to be had from his colleague across the aisle:

Listen, Jack Bauer not only saved the world like a million times over by saving the US, he also brought down his own agency and defied on numerous accounts other government agencies that had been compromised by terrorists. He also brought down at least three corrupt presidencies with his righteousness and stopped two fraudulent vice-presidential takeovers as well as give some dozen foreign countries and terrorist organisations a run for their money.

He added: “.. also, he is really uber-cool.”

The (current) president of the United States of America didn’t comment on the new pledge. In fact, he didn’t answer his phone since the hit-series ended, which has been excused to the bitterness, that the series-finale had brought with it. Knowing that from now on, and after the head of the counter-terrorist unit and friend of Jack Bauer Chloe O’Brian had ordered the drone looking at Bauer to be shut down, nobody will really know where Jack Bauer is and what his days look like, has devastated the country and even brought some communities to complete standstill.

But skeptics have argued that the president is actually afraid to leave his bunker because he is nervous about what Bauer would do to him if he knew about his sins. One commentator who wished to stay anonymous argued, that this new climate would frighten any US president to start a war unjustly or for that matter make peace unjustly..

SPD verlangt von Linke: Distanzierung von der DDR-Vergangenheit

author | 21. Mai 2010

Was für ein grober Müll! SPD und Grüne wollen nicht mit den Roten in NRW zusammenarbeiten, u.A. aufgrund von “relativierenden Äußerungen der Linkspartei zur DDR-Vergangenheit”. Nicht nur, dass die Linke seit ihrem Aufstieg zumeist aus früheren SPD-Genossen besteht, die letztlich nur die althergebrachte SPD-Politik weiter betreiben wollten entgegen der “Agenda 2010″. Es kommt hinzu, dass sie allein durch die örtliche Distanz zur DDR personell relativ wenig damit zu tun haben dürften.

Ich gehe davon aus, dass es um die berühmte Feststellung, die DDR sei ein “Unrechtsstaat” gewesen, handelt. Wegen so etwas lässt man eine mögliche Koalition platzen und – jetzt kommt der Hammer! – bietet der CDU eine Konsolidierung an? Wird die CDU nun auch gebeten, sich von ihrer Nazi-Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu distanzieren? Wahrscheinlich nicht. Genauso wenig wie die SPD nach Rassismen in den eigenen Reihen gefragt werden würde..

Frau Kraft, wo bleibt eigentlich die inhaltliche Debatte? Welcher Punkt aus Ihrem Wahlprogramm hat die Linke denn abgelehnt?

Disclaimer: Ich gehöre der Partei “Die Linke” nicht an, habe er ihr nie angehört, noch unterstütze ich die Partei.

Integriert und Vollintegriert

author |

In Deutschland sind bekanntermaßen alle Menschen willkommen, natürlich auch Muslime. Ob sie mit Leib und Seele voll integriert sind oder lediglich “integriert”, spielt dafür keine große Rolle. AggroMigrant hatte festgestellt, dass die 18-Jährige Selbstdarstellerin Autorin Melda Akbas vom deutschen Spiegel höchstrichterlich eine Auszeichnung zugute kam, die hier zu finden ist. Fälschlich nimmt er an, dass Frau Akbas “voll integriert” sei. Das stimmt natürlich nicht, hat er aber – auf der positiven Seite – die Nachfrage in Facebook angeregt, was denn der Unterschied sei zwischen “integriert” und “voll integriert” sei.

Es gibt einen Unterschied.

Wer abends nach der Arbeit1 ein Bierchen schluckt und dabei Fußball guckt und – bitte schön – nicht ans Kinderkriegen denkt2, der kann sich zumindest schon auf die unterste Stufe des “Integrationsgipfels” setzen. Beispiele gibt es viele, die wenigsten schaffen es zu mehr Ruhm als ein paar Zeilen in einer Lokalzeitung. Manche – wie Melda Akbas – schaffen es ein wenig weiter, aber wenn sie daneben nichts anzubieten haben, bleibt es dabei.

“Voll integriert” ist ein Markenzeichen – so in etwa wie ein Bundesverdienstkreuz3 -, das zwar Spiegel und Co. ausstellen könnten, das aber vornehmlich von Innenministern und anderen Ministern ausgestellt werden kann. Was muss man dazu tun? “Volle Integration” ist abstammungsabhängig. Ein Muslim4 muss sich auf jeden Fall von seinen Mitmuslimen aufs Schärfste und pauschal distanzieren. Er muss jederzeit einsatzbereit sein, wenn es darum geht, anderen Muslimen auf den Kopf zu hauen und die “Aufnehmergesellschaft”5 zu loben, sowie die gedachte “Leitkultur” zu verteidigen.

Nein, Frau Akbas ist nicht “voll integriert”. Ein gutes Beispiel für “voll integriert” ist etwa Hamed Abdel-Samad. Er hat zwar einen deutlichen Akzent und seine deutsche Sprache weist hier und da einige Schwächen auf, aber er benimmt sich so gut und macht sich für Minister unverzichtbar, die die wachsende Islamfeindlichkeit bedienen möchten. Necla Kelek ist ein weiteres Beispiel. Bis kurz nach ihrer Dissertation war sie mäßig integriert. Bildung ist tatsächlich überhaupt kein Indiz dafür, dass jemand integriert ist. Als sie aber ihr erstes populäres Buch veröffentlicht hatte, da galt sie schon fast als “voll integriert”. Das dürfte heute allemal der Fall sein.

Danke für die Aufmerksamkeit. Das nächste Mal ist der Unterschied zwischen “Banane” und “voll Banane” an der Reihe!

  1. “Arbeit” ist relativ. Es wird Verständnis für Türken und Russen gezeigt, die lediglich niedere Arbeiten verrichten. Das ist zwar ein Hindernis dafür, an vielen sozialen Aktivitäten geschweige denn am politischen Leben teilzuhaben, aber noch lange kein Hindernis fürs “Integriertsein”[]
  2. sowieso nicht ans Heiraten. Ein guter “Integrierter” hat gefälligst eine Freundin (aus demselben Kulturkreis wohlgemerkt) zu haben[]
  3. ja, manchmal tatsächlich so ein Teil[]
  4. ja, hier ist der “Türke” gemeint, wie Marokkaner bis Indonesier und alle, die sich ähnlich kleiden, genannt werden dürfen. Keiner hat Lust darauf zwischen Herkunft und Religion zu unterscheiden![]
  5. also die barm- und großherzigen, netten, lieben aber auch starken und ansonsten alle guten Eigenschaften vereinenden Toitschen[]

Younes Ouaqasse für die Beibehaltung der Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien

author | 6. Mai 2010

Younes Ouaqasse - muslimischer Vorsitzender der Schülerunion

Younes Ouaqasse - muslimischer Vorsitzender der Schülerunion

Der Vorstand der Schülerunion Deutschlands hat sich unerwartet laut in der Debatte um Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien zu Wort gemeldet. Nach Meinung des Bundesvorsitzenden Younes Ouaqasse kann es nicht sein, dass die langjährige Tradition der Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien aufgrund falsch verstandener Toleranz aufgeweicht werde: “Saudi-Arabien ist ein islamisch geprägtes Land und jeder, der das in Frage stellt, weiß nicht, wovon er spricht. In einem islamisch geprägten Land habe die ‘Durchmischung der Geschlechter’ nichts zu suchen!”

Zuvor hatte der saudische Gelehrte und Vorsitzende des “Komitees für die Propagierung von Tugend und Verhinderung von Sünde” (in Mekka) Ahmed Ben-Qassim Al-Ghamdi (أحمد بن قاسم الغامدي) die Meinung geäußert, dass eine strikte Geschlechtertrennung islamisch nicht rechtfertigbar sei1 und selbst zu Zeiten des Propheten Muhammad nicht durchgeführt wurde. Younes Ouaqasse hatte erst jetzt von der Fatwa des Scheich Al-Ghamdi gehört2, da die deutsche Online-Zeitschrift “Spiegel Online” ganze fünf Monate gebraucht hatte, um selbst davon zu erfahren und einen “Brandbrief” aus der Fatwa3 des Gelehrten zu machen. “Ich kann ja nicht überall gleichzeitig darauf achten, wie Religion und Religionssymbolik aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt werden.”

Auf die Argumente des Gelehrten angesprochen, wandte Ouaqasse ein, dass dieser seine “Kompetenzen überschritten” hätte und zwingend seiner Position enthoben werden müsste.

Durch Aussagen wie jene von Herrn Al-Ghamdi verliert Saudi-Arabien ihre Glaubwürdigkeit und damit ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Dieser Mann hat sein Kompetenzen überschritten, deshalb darf er nicht mehr in dieser sensiblen Position bleiben!

Damit erhebt Younes Ouaqasse schon im zweiten Staat den Anspruch, Ämter vergeben zu dürfen! Auf seiner Karriere zum “Weltführer” ist ihm noch alles Gute zu wünschen.

Alle angeblichen Zitate von Younes Ouaqasse wurden für diesen Artikel sorgfältig ihres Kontextes enthoben und für den Zweck der Satire neu zugeordnet. Auch seine Aktivitäten sind frei erfunden. Der Hintergrund zu diesem Schritt ist in diversen Meldungen zum Vorzeigemuslim der Union der letzten Zeit zu finden.

  1. ja, eigentlich eher neuzeitlich erst zum “Problem” wurde[]
  2. die schon Dezember 2009 erschien[]
  3. man merke: im Deutschen ist “Fatwa” für Todesurteil reserviert, deshalb musste hieraus ein “Brandbrief” werden![]

Innenminister Thomas de Maizière: Die CDU darf nicht in die Islamkonferenz

author | 5. Mai 2010

Aus Sorge vor einer Schädigung des Ansehens der deutschen Islamkonferenz (DIK) hat der Bundesinnenminister Thomas de Maizière der christdemokratischen Partei CDU eine ruhende Mitgliedschaft an ebendieser Konferenz angeboten. Es sei nicht mehr hinnehmbar, dass eine Partei, gegen deren Mitglieder in finanziellen Angelegenheiten ermittelt würde, offiziell an der Islamkonferenz teilnehme. Dies senke die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse einer solchen Konferenz und ist für Staatsvertreter aus Landes- und Bundesebene gleichermaßen nicht hinnehmbar.

Ich hatte ja der CDU gesagt: Solange die erheblichen strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Mitglieder laufen, kann ich mich mit Vertretern der CDU nicht an einen Tisch setzen.

Die nicht zufriedenstellend abgeschlossenen Ermittlungen gegen zentrale Mitglieder der Union auf Bundesebene und die neuerlichen Ermittlungen gegen weitere Mitglieder in Rheinland-Pfalz und Hamburg stellen unüberwindbare Hürden für einen glaubhaften Dialog dar. Mit einer Stellungnahme der CDU-Führung wird innerhalb der nächsten Tage gerechnet. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hatte aber schon angekündigt, den Ausschluss der christlichen Partei aus der Islamkonferenz auf die Tagesordnung zu setzen.

Gleichschaltung durch Burka?? Wie ein Kleidungsstück zur Bedrohung wird

author | 4. Mai 2010

In Belgien ist es bereits Gesetz, in Frankreich und der Schweiz gibt es konkrete Ansätze, es nachzumachen und nun findet sich offensichtlich auf Europaebene eine Abgeordnete, die zwar in der letzten Wahlperiode durch recht starke Abwesenheit bei gleichzeitig beträchtlichen Nebeneinkünften aufgefallen ist1, dies aber mit der Forderung nach einem europaweiten Burka-Verbot wettmachen möchte. Frau Silvana Koch-Mehrin, die 2009 erst in der dritten und letzten Abstimmung zur Vizepräsidenten des EU-Parlaments mit dem niedrigsten Ergebnis gewählt wurde, hat wohl endlich einen neuen Aufhänger gefunden, der sogar – nach sorgsamem Biegen und Stutzen – auch in ihr sonstiges Möchte-gern-Image der liberalkonservativen Neufeministin passen könnte. Ja, es ist offenbar feministisch – ja geradezu emanzipierend, Frauen von oben herab und unter Androhung von Freiheitsentzug, Gewalt oder zumindest Geldstrafen zu sagen, was sie anziehen sollen.

“Ich wünsche mir, dass auch in Deutschland – und in ganz Europa – das Tragen aller Formen der Burka verboten wird.” Wer Frauen verhüllt, nehme ihnen das Gesicht und damit ihre Persönlichkeit. Die Burka sei “ein mobiles Gefängnis”, so Koch-Mehrin.

“Die vollständige Verhüllung von Frauen ist ein aufdringliches Bekenntnis zu Werten, die wir in Europa nicht teilen”, erklärte Koch-Mehrin. Niemand solle in seiner persönlichen Freiheit und in seiner Religionsausübung eingeschränkt werden. “Die Freiheit darf aber nicht so weit gehen, dass man Menschen öffentlich das Gesicht nimmt. Jedenfalls nicht in Europa.”

SpOn

Passend veröffentlichen verschiedene Medien auch prompt ihre Burka-Artikel. Nun sind viele Menschen bei der Burka grundfest davon überzeugt, dass die Trägerin entweder dazu gezwungen wird oder aber selbst bösartige Absichten mit dem Tragen letzterer verbindet, sodass die “Bösartigkeit der Burka” selbst unter Kritikern eines solchen Verbots nicht in Frage steht. Wie geht das eigentlich, dass eine Bekleidung mit der Verfasstheit des Trägers ohne Weiteres in Verbindung gebracht wird?

Um das zu verstehen, schauen wir uns einfach mal den Meister der Suggestion, den “Spiegel Online” an. Er behandelt im Artikel “Irans Einfluss im Libanon – Trend zum Tschador” eine angeblich zunehmende Verhüllung libanesischer Frauen:

Tschador statt Kopftuch: Für Europäer sind die Nuancen der muslimischen Mode nicht sofort zu durchschauen. Für Menschen in Nahost sind sie ein klar erkennbares persönliches Statement. Dass sich immer mehr Libanesinnen entschließen, sich im konservativen Teheraner Look zu kleiden, ist eine Art Liebeserklärung an Iran – und ein Indiz für den wachsenden Einfluss, den die Islamische Republik Iran auf die Schiiten im Libanon ausübt.

Bebilderung bei "Spiegel Online": Irans Einfluss im Libanon - Trend zum Tschador

Besonders interessant finde ich am Artikel die Bebilderung. Eine Fotostrecke soll veranschaulichen, wie uniform die libanesischen Iran-Sympathieträger tatsächlich sind. Am Bedrohlichsten ist dabei das Bild, das bereits über dem Artikel zu sehen ist, wo in einem Meer aus schwarzen Tschadors Frauengesichter hervorblicken. Innerhalb der Fotostrecke sieht man einen größeren Ausschnitt aus der Halle, in der die Frauen sitzen. Hinten ist neben einem Schriftzug die libanesische Flagge halb zu sehen, das heißt zumindest belügt uns Spiegel nicht, was das Ursprungsland des Bildes angeht. Unter dem Bild steht

Das sieht man in Teheran gern: Libanesische Frauen bei einer Rede von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah in einem Vorort von Beirut. Der Tschador liegt bei gläubigen Schiitinnen wieder im Trend.

Das scheint ein sehr eindringlicher Trend zu sein, der scheinbar zu 100% befolgt wird. Dadurch, dass es bei einer Rede Nasrallahs ist, könnte man sich denken, dass die Frauen ihm – und in Anlehnung dem Iran – loyal sind und – wie der Artikel suggeriert – ihre Sympathie durch die Bekleidung ausdrücken. Stören könnte dieses Bild lediglich denjenigen, der Arabisch lesen kann, denn im Hintergrund auf der Saalwand steht geschrieben: “2883 Absolvent – Jahrgang Al-Ridwan”. Und tatsächlich kann man zufällig mehr Bilder der Veranstaltung im Internet finden, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Hier ein Bild der Frauen aus einer etwas anderen Perspektive:

Al-Ridwan Lebanon graduation

Und dann finden sich auch folgende Bilder:

Die Veranstaltung war eine Abschlußfeier, zu der die Absolventen – männlich und weiblich gleichermaßen – uniform auftraten. Man kennt es ja aus US-Universitäten nicht anders, da sieht die Uniform anders aus, aber das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass es letztlich eine Uniform ist:

Keiner würde auf die dämliche Idee kommen, zu behaupten, die US-Studenten würden Sympathie mit einem fremden Staat ausdrücken, nur weil da ähnliche Kleidung getragen wird. Mehr noch: Die Bildunterschrift besagt, dass die Frauen “bei einer Rede von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah” gewesen wären. Zwar soll dieser auf der Veranstaltung gesprochen haben, allerdings handelt es sich bei der Veranstaltung tatsächlich um die Abschlußfeier, bei der mehrere Personen gesprochen haben dürften und auch sonst – wenn ich das richtig einschätzen kann – ein weiträumiges Programm ausgefahren wurde. Wieder: würde jemand bei dem Bild der US-Absolventen von Zuhörern einer Rede von Militärsprechern – die nicht selten auf solchen Veranstaltungen einen festen Platz eingeräumt bekommen – sprechen?

Im Übrigen hilft ein weitergehender Blick durch den Saal, um die “Tschador-Freudigkeit” zu relativieren:

Außer den Absolventen sind alle anderen nicht in Uniform und dementsprechend tragen auch nur wenige Frauen einen Tschador.

Ähnlich verhält es sich mit den anderen Bildern der Fotostrecke.

Früher steckte unter jedem Tschador eine iranische Touristin, doch inzwischen kleiden sich immer mehr Libanesinnen im konservativen Teheraner Stil. Sie wollen – wie diese Hisbollah-Anhängerinnen im Süden Beiruts – ihre Liebe zu Iran demonstrieren.

Auf dem Bild sind drei Frauen in schwarzen Umhängen und schwarzen Kopftüchern2 und drei weitere in nichtschwarzen Kleidungen zu sehen. Was nun diese Frauen als Hisbollah-Anhängerinnen ausmacht, wird nicht klar, denn die Frauen sind dabei sich frisches Obst aus vollen Kisten abzugreifen. Einen besonderen politischen Bezug scheint die Szene gar nicht zu haben.

Im dritten Bild ist ein großes Nasrallah-Plakat an einer Hauswand an der Straße angebracht. Der Schriftzug ist ähnlich politisch: “Dir gilt die Loyalität!” Rechts darunter – etwas unscheinbar – ist als Graffiti ein Hakenkreuz innerhalb eines Davidsterns gezeichnet. Nur: was hat das alles mit dem Thema zu tun? Auf dem Bild ist keine einzige Frau in Tschador zu sehen. Da die Läden geschlossen haben, denke ich eher, dass es sich um einen Feiertag handelt. In der Bildunterschrift wird denn von “kultureller Gleichschaltung” geschwafelt.. Genauso wie das vierte Bild, in dem Milizionäre mit Hisbollah- und Libanonflaggen zu sehen sind, kann man den “iranischen Einfluss” überhaupt nicht sehen.

Die drei darauf folgenden Bilder sollen wohl darstellen, welche Trends im Libanon nun abgelöst werden. Das erste zeigt eine Bikini-tragende Frau an einem Strand. Die Bildunterschriften mit den jeweiligen zeitlichen Zusätzen “Ein Bild aus dem Jahr 2005″ und “im Dezember 2008 in einem Beiruter Nachtclub” suggerieren, dass ähnliche Strand- und Nachtclubfotos heute nicht mehr zu finden wären. Ich habe mir die Suche erspart. Es kann natürlich auch sein, dass es den Strand im fünften Bild in dieser Form nicht mehr gibt, da Israel 2006 auch Strände bombardiert hatte – aber das spricht die Bildunterschrift natürlich nicht an..

Spiegel Online trägt genauso wie andere Medien zur verqueren Meinung bei, die bezüglich muslimischer Bekleidung herrscht. Ich finde es beklemmend und teilweise belustigend, wie – und mit welchen Tricks – das Bedrohungsszenario aufgebaut wird und sich dann in hasserfüllten Gesetzesvorschlägen ausdrückt. Dass eine Frau Koch-Mehrin u.A. opportunistisch auf so einen Zug aufspringen, ist da nur verständlich.

  1. und dies anscheinend mit einer fehlerhaften eidesstattlichen Erklärung zu vernebeln versuchte[]
  2. also nicht unbedingt Tschadors[]

Muslimischer Imamrat spricht sich für eigene Rechtsprechung aus

author | 15. März 2010

*** EILMELDUNG ***

Nachdem im Laufe der Woche muslimische Verbände Kritik an der Zusammensetzung der nächsten Islamkonferenz des Innenministeriums geäußert und mit dem Ausstieg gedroht hatten, meldet sich nun der deutsch-muslimische Imamrat (DEMIR) zu Wort und fordert Konsequenzen. Das Scheitern der Islamkonferenz sei als Zeichen zu deuten, dass Muslime ihre eigene Rechtsprechung bräuchten. “Vor allem auch zur Verfolgung diverser ‘Auffälligkeiten’ könnte eine solche Rechtsprechung äußerst sinnvoll sein”, sagte der Ratsvorsitzende Sheikh Semir Ilgar.

Fälle von Zwangsheiraten und Ehrenmorden ebenso wie Prügelstrafen in Koranschulen und Aufruf zum Mord an Ungläubigen würden zu den Hauptfällen gehören, die sich der Imamrat besonders genau anschauen möchte. Sheikh Semir Ilgar betonte, dass der Imamrat selbst die höchste Instanz der Beurteilung von Fehlverhalten sein wird und zugleich in allen ihm vorgetragenen Fällen sehr eng und intensiv mit den Strafverfolgungsbehörden arbeiten wird, wo es angemessen und richtig ist.

Sheikh Semir Ilgar: “Wenn Opfer und Täter sich bei uns melden, muss zusammen mit den Opfern und Tätern entschieden werden, wie die Staatsanwaltschaft mit ins Spiel kommt. Wir raten dringend den Opfern, dass sie die Staatsanwaltschaft hinzuziehen, verpflichten auch die Täter, aber das geht alles nicht automatisch. Das muss klug und je nach den Umständen sorgfältig erwogen werden.”

Muslime brauchen eine eigene Ordnung, die sich vor allem auf die Moscheen erstreckt und eine Rechtsordnung vor allem im Falle von Auseinandersetzungen zwischen den Gemeindemitgliedern beinhält.

Kritiker behaupten, dass ein solcher Schritt die Rechte der Opfer stark untergraben würde. Der Frankfurter Psychologieprofessor Hans-Ulrich Feidsche sagte dazu laut der Muslimischen Nachrichtenagentur (MNA):

“Es ist zu erwarten, dass eine eigene Rechtsordnung dazu führen wird, dass Missbrauchsfälle im Sinne der Umma – also der Gemeinschaft der Muslime – vertuscht werden, da sie ein negatives Licht auf diese werfen. Schaden wird das vor allem den Opfern, die keine Gerechtigkeit erfahren und – wegen mangelnder Erwartung von Gerechtigkeit – früher oder später die Straffälle nicht mehr berichten würden.”

Der Vorstand des deutsch-muslimischen Imamrats ist da ganz anderer Meinung. Auf die Kritik angesprochen antwortete Sheikh Semir Ilgar:

“Wir sind alle Menschen. Ich kann nicht garantieren, dass das nicht stattfinden wird. Aber wir als deutsch-muslimischer Imamrat haben seit geraumer Zeit den Posten der Vertrauensperson eingerichtet, an den sich jedes Missbrauchsopfer wenden kann. Die Dinge werden untersucht, geklärt, dann gehen wir an die Staatsanwaltschaft und so weiter und so fort. Also wir müssen diese Ordnung einhalten, die verpflichtend für alle Moscheen besteht.”

Quelle: Deutschland Radio

Die heute-show zu früh ausgezeichnet

author | 11. März 2010

Die Satiresendung “heute-show” im zdf wurde mit dem Grimme-Preis im Bereich Unterhaltung ausgezeichnet. Das ist meines Erachtens viel zu früh. Die Sendung gibt es erst seit anfang des Jahres im wöchentlichen Rythmus (davor monatlich mit einigen Internet-Specials), der aber von zdf zumindest wegen der Karnevalsübertragung abgesetzt wurde und obwohl ich die Sendung genieße, fehlt ihr noch die Durchgängigkeit und die Seriosität der Satire. Was ich damit meine, erkennt man auch im von der Grimme-Jury gezogenen Vergleich mit der amerikanischen “the daily show” mit dem exzelenten Moderator und früheren MTVler Jon Steward: Seine Kritik ist zwar ab und an nicht von billigen Clownwitzen zu unterscheiden, aber recht häufig sind die Stücke von Jon Steward und seiner “besten News-Crew” sehr pointiert und inhaltsschwanger. Das fehlt der heute-show noch. Dafür ist sie noch zu sehr vom üblichen deutschen Comedy-Gehabe geprägt und versucht sich scheinbar von Flachwitzlern wie Stefan Raab, Harald Schmidt und Pocher zu messen.

Dabei sollte die Messlatte eher an Volker Pispers, “Neues aus der Anstalt” und inhaltlich am Bild-Blog angelegt werden. Letzteres würde auch dabei helfen, die noch stark unterrepräsentierte Medienkritik in den Vordergrund zu stellen. Manche mögen glauben, dass Medienkritik in den USA aufgrund von FOX und NBC stärker gebraucht wird, aber ehrlich gesagt, ist es in Deutschland sowohl im Print- aber vor allem im Fernsehbereich sehr wohl dringend notwendig, starke Kritik zu äußern und vielleicht – vielleicht – dabei zu helfen, diversen Medien einen Spiegel vorzuhalten. “The daily show” macht das fast jedes Mal. Etwa so:

Trotzdem. Ich wünsche dem heute-show-Team viel Erfolg und vielleicht sind sie ja in einem Jahr soweit, dass sie Kabarettisten die Möglichkeit geben, aktuelle Nachrichten zu kommentieren (Volker Pispers oder Marc-Uwe Kling könnte ich mir da sehr gut vorstellen) – und dann kann es ja sein, dass das zdf erkennt, dass eine tägliche Sendung Sinn machen würde..

The Question about the Mossad agents…

author | 10. März 2010

The “Muslim Observer” Bendib asks one very important question about the assassination of the Palestinian Hamas official in Duba: How many Mossad agents does it take to assassinate ONE unarmed Palestinian?

Of course we could also ask, why the agents have to be flown in from all those countrys and with all those different passports and so on.. but when an affair stinks, it just stinks. You don’t really know, where the smell is coming from, but actually it doesn’t really matter. There is a rotten fish hidden somewhere and you won’t get the stink out unless you turned the whole location upside down.

Another thought: What would happen if Palestinians targeted an Israeli official in the same way? Say the Israeli education minister was staying at a hotel in a random country and because nobody really knows him internationally and nobody really cares for him, his guards aren’t on their heighest alert. A Palestinian group is able to get to him and kills him. What would that be called? What would not only international media but also all political faction be crying?

Terrorism

And that’s what i call an assassination. And this goes – there’s no question about it – for Germans, Americans and others murdering people in Afghanistan. Assassination has nothing to do with a justifiable war and it’s not even able to stop a war effectively. It’s mostly good to throw the opponent back in their strategy, but eventually more radical and bitter people would take the place of the assassinated one and the violence would continue. And we can’t shut our eyes to the justifiability of their radicality and their bitterness. They would have learnt, that their enemy is ruthless and knows no boundaries to achieving his political means. No more has to be said to this assassination.

Media circus

Oh one thing yet: The comment by Bendib is nicely placed. It reads: “Cowardice is our number one strength! We don’t do well in a fair fight: remember Lebanon?”. Beside the point of cowardice, i think it’s important to remember that the Israeli army and Israel as a country has suffered significantly in public relation carma due to their more-or-less loss in the Lebanon war 2006. Also the methods used by the Israeli army – bombing civilians and blaiming the opponents, invading without real grounds, etc.. – and the civilian victims due to those methods hasn’t reflected well on Israel and their army as a whole. Maybe the successfull (i use this word of course not meaning that the loss of a life could in any way described as ‘success’) assassination is a way for Israel to reestablish its credibility as killing machine??